Test: Allen&Heath Xone:96, DJ-Mixer

8. November 2018

Der beste Club-Mixer der Welt?!

„Der Allen&Heath Xone:96 ist die Macht.“
„Der Allen&Heath Xone:96 ist ein Biest.“
„Der Allen&Heath Xone:96 ist alles, was am Xone:92 schon geil war. Nur viel besser.“

Pressestimmen, die uns zugespielt worden sind aus „unbekannten“ Quellen.

Allen&Heath Xone:96

Allen&Heath Xone:96

Der Allen&Heath Xone:96 ist wirklich genau das, was schon gesagt wurde und er betoniert eigentlich nur weiter den Sockel, auf dem steht, dass Allen&Heath unangefochten die besten Club-Mixer baut.

Nachdem der Allen&Heath Xone:92 seit über 15 Jahren den analogen Club-Mixer Markt zweifelsfrei dominiert hat und wie eh und je die realistisch betrachtet einzige Alternative zu einem Pioneer DJM ist hinsichtlich der Club-Standard-Frage, ist der Allen&Heath Xone:96 nach so vielen Jahren ein Nachfolger.

15 Jahre, ein Mixer von Allen&Heath. Zugleich diverse Mixer von Pioneer, die ebenso wie der Xone:92 allesamt Club-Standard wurden…, aber halt nur für 2-3 Jahre. Dann folgte schon das neue Modell, mehr Features, mehr Effekte.

Dagegen stand ein Xone:92, der bis in die aktuelle Zeit noch von Acts wie Sven Väth, Chris Liebing, Pan Pot, Richie Hawtin, Nicole Moudaber oder Adam Beyer gefordert wurde.

Zugegeben: Nachdem Richie Hawtin sein PLAYdifferently Model 1 entwickelt hatte, sind einige bekannte Gesichter zu diesem Mixer gewechselt, zu dem neuen Mixer, der von Richie Hawtin und Andy-Rigby Jones entwickelt wurde. Dazu muss man wissen, der Allen&Heath Xone:92 war damals federführend designt von Richie Hawtin und entwickelt und gebaut von Andy-Rigby Jones. Über ein Jahrzehnt später saßen diese beiden nun erneut zusammen für die neue Definition von Mixer, in diesem Fall das Model 1.

Der Xone:92 ist in die Jahre gekommen, mit der Zeit gab es die ein oder andere Stelle, wo man sich mehr gewünscht hatte und wo die heutige Technik auch mehr bietet. Knackende Filter beim Ein/Aus-Schalten zum Beispiel, eine Cutoff-Frequenz bei 30 Hz. Zugegeben, das war es eigentlich schon, zumindest von meiner Seite, schaut man sich jedoch den Allen&Heath Xone:96 nun an, was er nun bietet und was aus dem 92er in Form des 96ers geworden ist, dann ist nicht mehr zu sagen als „fett“.

Der Allen&Heath Xone:96 wird exakt auf Platz 1 der Club-Mixer Charts landen, er wird Preise gewinnen, er wird neuer Club-Standard werden und er wird verdammt viele Menschen verblüffen.

Klar, es wird auch die geben, die den Mixer nicht verstehen werden, aber an hoher Qualität trennt sich häufig die Spreu vom Weizen. Kick/Bass-Trennung, parametrische EQs, der Unterschied zwischen einen Insert und einem Send/Return-Weg, das sind Dinge, die man kennen sollte, um die Qualität eines Xone:92 oder Xone:96 erkennen zu können.

Bleibt die große Frage: Was ist neu am Allen&Heath Xone:96? Kann er in die Fußstapfen des 92ers treten?
Nun, es lässt sich schon erkennen: Er kann. Alles davon. Warum? Das wird einige Zeit kosten, dies mehr oder weniger ausführlich zu erklären.

Allen&Heath Xone:96 – der neue Club-Standard

Was ist anders? Was ist neu? Zunächst von Anfang an: Auf den ersten Blick kann man erkennen, dass der Allen&Heath Xone:96 nah am Xone:92 geblieben ist. Damit ist die erste Angst verschwunden, dass man hier mit zu viel Design, zu viel Schnick-Schnack und bunten Farben den Mixer gewollt moderner gemacht hat.

Der Mixer wird in Grau erhältlich sein. Ja, es gab/gibt ein Gerät mit schwarzer Oberfläche, aber das ist ein Muster und wird nicht in Serie gehen.

Er ist breiter, tiefer und schwerer als der 92er. 7 kg schwer, 33 cm breit, 41 cm tief.

So wie der 92er ist auch der 96er ein analoger 4+2 Channel Mixer. Es hat sich also nichts geändert, trotz Interfaces. Es gibt jedoch mehr Inputs als vorher. Und eigentlich ist der Xone:96 ein 4+4 Mixer…oder strenger noch betrachtet ein 4+2+2…oder ein 6+2? Man mag es bezeichnen wie man möchte, ich glaube es ist alles irgendwie richtig, 4+4, 4+2+2, 6+2.

Sowieso ist der neue Allen&Heath Xone:96 eine Art Sammelstelle für alles, was man irgendwie im DJ-Setup gebrauchen kann. Zuspieler, sei es Media-Player oder Plattenspieler, externe Effekte, Sampler, Drum-Maschines, Mikrofone, Laptops mit Software von Traktor bis Ableton, alles findet hier seinen Anschluss und das durchgehend mindestens zwei Mal.

Beginnen wir also kurz mit einem Blick auf die Rückseite und den Anschlussmöglichkeiten, bevor ein genauerer Blick auf die Oberseite erklärt, wie man eigentlich alles verwaltet, was man alles empfangen und senden kann.

Ein Blick auf die Rückseite

Die Rückseite des Allen&Heath Xone:96 hat sich verändert im Vergleich zum Xone:92, das ist klar erkennbar. Hier ist mehr und es ist anders.

Auffällig ist besonders die Batterie an Klinken-Inputs unten, beginnen wir aber mit den einfachen Dingen.

Allen&Heath Xone:96

Mehr rein und mehr raus!

Die Eingänge für Zuspieler befinden sich wie gewohnt oben in Form von Cinch-Buchsen. Line & Phono pro Kanal. Aber Achtung: Diese sind nicht mehr horizontal wie früher, Phono oben, Line unten, sondern vertikal. Von oben geschaut links Phono, rechts Line. So wie eigentlich üblich bei fast allen DJ-Mixern.

Der Master 1 verlässt das Gerät per XLR (symmetrisch), der Master 2 per 6,3 mm Klinke, selbstverständlich auch symmetrisch. Gleiches gilt für den Booth out (kleiner Hinweis für alle auf der Bühne: keine DI-Boxen notwendig!).

Über dem Master Out, dem Stecker für das Kaltgeräte-Kabel, dem An/Aus-Druckschalter befindet sich ein MIDI-Out, ein X:Link-Anschluss (Ethernet, RJ45) so wie zwei USB-Typ-B-Ports für den Anschluss des Mixers an Computer. Rec-Out? Vorhanden, nach wie vor in Cinch-Form, nun aber deutlich anschlussfreundlicher am oberen hinteren Teil des Mixers, von oben schauend ganz rechts neben den Anschlüssen für Zuspieler.

Rechts befinden sich zwei XRL-Anschlüsse (female) für Mikrofone, die wie zuvor auch auf den Return-Kanälen „ankommen“.

Zeit für einen Blick auf die Armada von Klinke Ein- und Ausgängen an der unteren Rückseite. Verdammt, wie soll da einer durchschauen. Es wird wie beim 92er: Man muss einfach wissen, wo man was anschließt. Aber das sollte sowieso jeder DJ wissen.

Von links nach rechts: Return, Send, Master 2, Booth, Return D, Return C, Return B, Return A, Send 2, Send 1. Wer den 92er von hinten kennt, erkennt auch hier die geänderte Anordnung und das Hinzukommen von zwei Return-Wegen.

Zeit für die Oberseite

Vergleicht man die beiden Oberseiten, Xone:92 vs. Xone:96 erkennt man zum Glück, dass man sich klar am 92er orientiert hat. Sowohl hinsichtlich Funktionen wie auch hinsichtlich der Bedienoberfläche. Die meisten Funktionen sind erhalten geblieben und auch die Anordnung ist identisch.

Mittig sitzen nach wie vor die vier Kanäle, bestehend aus Send 1, Send 2, Wahldrehregler für Input-Quelle (nicht wie bisher Kippschalter), Gain, 4-Band EQ, Zuordnung Filter und Crossfader, Linefader.

Unten mittig sitzt ein Crossfader, in diesem Fall sogar ein mini innoFADER. Um das schnell abzuhaken: Es ist ein VCA-Fader, Pre-Filter und sendet MIDI-Message an den MIDI-Out wie auch die beiden USB-Outs. Er kann jedem Kanal zugewiesen werden, folglich keine Zuweisung = keine Funktion. Leider besitzt er keine eigene Faceplate mehr. Man denkt also, man könnte den Crossfader nicht mehr so einfach ausbauen. Tatsächlich aber gibt es einen kleinen Trick: Man kann anhand der seitlichen Schrauben die Front des Gehäuses herausklappen, den Fader oberseitig abschrauben und nach vorne entnehmen. Good Job! Vor allem, weil die Kante um die Crossfader-eigene Coverplate am Xone:92 immer ein Angriffspunkt für Rost war.

Wen es interessiert: Der Crosssfader ist einstellbar. An der Länge des Satzes merkt man schon, für mich ist es unspannend.

Spannend aber ist die Möglichkeit, die Kurven der Line-Fader einzustellen. 3 Charakteristiken sind möglich, linear, linear, aber in zwei Abschnitten, zum Ende steiler werden oder etwas abgerundet, so dass wie bisher der größte Pegelanstieg auf der letzten Hälfte des Fader-Wegs geschieht. Mir gefiel im Test die dritte Möglichkeit am besten, für den Mix die meiste Dynamik.

Allen&Heath Xone:96

Mögliche Fader-Kurven für die Line-Fader

Kleine Kippschalter auf der rechten Seite lassen sowohl die Wahl der Kurve des Crossfader als auch der Line-Fader zu.

Allen&Heath Xone:96

Einstellungen der Fader-Kurven für Line- wie auch Crossfader

Weiter im Text. Links befinden sich die beiden Return-Kanäle, dazu später mehr, die eine der zwei Filter-Sektionen wie die beiden weiteren Aux-Ins (Return C und D). Rechts befindet sich die zweite Filter-Sektion, das Master- oder Cue-Metering mit 11 Gliedern (stereo). Ganz rechts sitzen nach wie vor die beiden Master-Regler für Master 1 und 2, Booth wie auch die Monitor-Sektion, besser bezeichnet als die Regler für den Kopfhörer-Out. Zu allem dazu Genaueres.

Forum
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    Spatz

    Ich finde es gut, dass die Headphone-Level-Regler wieder bis 11 gehen. Bis 10 ist manchmal einfach zu leise, gerade bei schwachen Kopfhörern…

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    nfm

    Da ich ein Xone 42 besitze und es sowohl zum DJen als auch zum produzieren benutze, wäre das Xone 96 wohl ein gewaltiges Upgrade für mich.

    Daher würde mich die Latenz des eingebauten Interfaces sehr interessieren.

    und

    Ich nehme an, es ist auch bei diesem Boliden nicht ohne weiteres möglich ein Signal hinter den Filtern abzugreifen, um es in einer DAW aufzuzeichnen? Die Sends (auch post Fader) können es ja wohl schon mal nicht. (Da sich ja mehrere Kanäle gleichzeitig auf die Filter schalten lassen, müssten die Sends im Signalfluss wohl vor dem Filter liegen)

    und zuletzt

    um die Returns C und D in die DAW zu bekommen könnte man das 2. Kopfhörer Routing „missbrauchen“. Muss man dann zwingend einen Kanal „opfern“ um in das Audio Interface zu gelangen, oder kann man das auch anders bewerkstelligen?

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      Bolle  RED

      Die Latenz ist vom Hersteller nicht angegeben. Mehr als die reine Wandler-/Treiber-Latenz ist am Ende jedoch relevant, in welchem Betriebssystem und mit welcher Ressource dein Rechner arbeitet und wie du sie einsetzt. Vermutlich liegt die Latenz bei 6 ms..vieleicht 5…vielleicht 7.

      Natürlich kannst du ein Signal post Fader abgreifen. Mstr. 1, Mstr. 2, Booth und Rec out z.b. und Master-Insert Out. Die Sends sind selbstverständlich pre-fader.

      Das ist richtig, Return C und D gehen nicht ins Interface, der Kopfhörer aber auch nicht. Versteh nicht, was du meinst.
      Rein gehen die Kanäle 1-4, Return A + B, Send 1 +2 (oder Mstr.). That´s it. Du kannst natürlich wenn du nur Geräte anschließen möchtest an C und D was anschließen und das klassisch über den Master aufzeichnen, halt nicht einzeln wie die Kanäle 1-4 z.B.

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    nfm

    Die Sends sind post fader, send 1 sogar schaltbar pre fader.
    Ist denn das Regelverhalten der sends Xone typisch geblieben?
    Bisher war es ja so, dass die sends wie ein crossfader regeln. D.h. der Anteil des Signals der auf dem Master ankommt wird sofort anteilig kleiner. Das macht für einen externen Effektloop ja auch durchaus Sinn, nur um den Send zu benutzen um den Kanal in der DAW separat aufzuzeichnen ist es eher doof. Wenn ich den vollen Pegel in die DAW schicke, ist er auf dem Master nicht mehr zu hören.
    Da wäre es schöner, der Send würde in der Mittelstellung vollen Pegel an beide Seiten schicken, da käme ein externer Effekt ja auch mit zurecht.

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      nfm

      Deshalb greife ich das Signal, was ich in die DAW aufnehmen will bei meinem Xone 42 über den Kopfhörer Ausgang ab und nicht über den send. Immerhin hinter dem EQ, leider aber pre Fader.

      Auf die Idee würde ich als stolzer Besitzer eines 96ers wohl kaum kommen, bietet es doch auch ohne kruden workaround schon ein xfaches an Möglichkeiten.
      Nur eben wohl wieder nicht die Option den Filter separat abzugreifen. Dafür würd ich jeden Ausgang benutzen, der mir das bietet und sei es eben wieder ein Kopfhörerausgang.

      Und sollte das eingebaute Interface flott genug an einem selbstverständlich adäquatem Rechner sein, dann könnte man noch einiges mehr damit anstellen, indem man hinter der DAW abhört.
      Dann könnte man z.B. die Kanalzüge des 96 einzeln als externes Outboard in Ableton Live einbinden. Und Midi gibt’s ja auch noch. Ein Killersetup für ein Liveset.
      8 ms Latenz oder gar noch besser fürs gesamte System und das stabil wären für mich auf jeden Fall ein Argument mehr, die Kiste irgendwann unbedingt haben zu wollen…

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      Bolle  RED

      Tut mir leid, aber das ist nicht korrekt. Es gibt keinen hörbaren / erkennbaren Pegelverlust auf dem Master, wenn ich etwas in den Send schicke. Es ist ja kein Master-Insert. Weder auf dem 92er, noch auf dem 96er. Der Master-Pegel bleibt davon unberührt. Das würde technisch auch gar keinen Sinn machen, denn man kontrolliert das zurückkommende und dann beigemischte (nicht ersetzende) Signal mit dem Return-Level. Genau dafür ist ein S/R-Weg ja da.

      Ich glaube beim 42er ist das anders, weil das kein regelbarer Send im echten S/R-Sinne ist, sondern eher ein FX-Loop. Kann das sein? Das wäre dann ein Insert, der bei 100% Send-Anteil raus natürlich nichts mehr auf den Master schickt.
      Das musst du wissen, wenn du den 42er hast. Beim 92er und 96er ist es definitiv nicht der Fall, dass das Signal post-Send jeweils nur anteilig an Master und Send gesendet wird.

      Und yes, du kannst die Kanäle 1-4 und Returns A-D und die zwei Sends als Kanäle beschicken und senden. Genau für Live-Sets etc ist es gedacht. MIDI-Einbindung, K2-Controller über X:Link und man muss nur noch 1 USB-Kabel ziehen (zum Rechner)
      Nur nagel mich nicht auf die Latenz fest, aber man kann mit dem System und meinem 2014er MacBook Pro problemlos Time-Code-Vinyl spielen. Es gibt also keine spürbare / hörbare Latenz…wäre auch richtig richtig bitter wenn…dann würde ich lachend weggehen :)

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      Bolle  RED

      Der Cue war beim 92er nicht Mono und ist es auch nun beim 96er nicht. Pre oder Post-Fader wird ein Stereo-Signal zum Cue gesendet.

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        albertus

        Sehr gut, danke, das freut mich! Dann war es wohl der xone:42 nebst meinem ZED, bei denen mir das Mono-Vorhören negativ auffiel.

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