Gibson verklagt Mutterkonzern von Dean Guitars

28. Juni 2019

Gibson, Dean Guitars und die Frage nach dem geistigen Eigentum

Es wird schmutzig: Gibson Guitars haben Klage gegen Dean Guitars eingereicht – beziehungsweise gegen deren Mutterkonzern Armadillo Enterprises. Der Grund hierfür könnte den Beginn eines ganz und gar unsäglichen Gebaren zwischen Gitarrenbauern markieren, der Vorwurf seitens Gibson lautet Trademark Infringement und schlimmer noch: Trademark Counterfeit. Anders ausgedrückt: Das Klauen und Fälschen von Modellen sowie regelrechtes Copycat-Verhalten.

Die Vorwürfe seitens Gibson sorgen weltweit in der Szene für Kopfschütteln: Wo kann man hier die Linie ziehen? Wo beginnt das ikonische Erbe der Firma Gibson, das sie angibt, verteidigen zu wollen und wo versuchen sich einfach nur andere Firmen an etablierten Gitarrenmodellen? Tatsache ist: Gibson hat auf das negative Medienecho reagiert und ein Video von Mark Agnesi, der die Gitarrenwelt auf eine etwas schon Mafioso-inspirierte Art warnte, aus ihrem YouTube-Kanal gelöscht. Doch das Internet vergisst nicht – und das Ansehen von Gibson dürfte unter diesen ungeschickt gewählten Worten Agnesis zweifelsohne gelitten haben. Trotzdem gibt es auch Stimmen, die Gibson verteidigen.

People ask us a lot about forgeries and counterfeit guitars, often of lower craftsmanship coming in from overseas,” so Agnesi. “But there’s some common misconceptions about what a forgery is and what trademark infringement is. Any copy of any one of those designs that we’ve named is in fact by definition a counterfeit Gibson guitar.” Versucht also einer der größten Gitarrenbauer der Welt die Regeln neu zu schreiben? Tatsache ist: Gibson entschuldigen sich nicht, sondern halten an ihrem Vorwurf fest: den Klau von Body shapes wie der Flying V, der Explorer der SG seitens Dean Guitars wird nun zu rechtlichen Konsequenzen führen. Das mutet durchaus auf viele lächerlich an: Immerhin sind sämtliche dieser artverwandten Modelle schon seit Jahrzehnten im Katalog von Dean Guitars und unmittelbar mit ihrer Identität gekoppelt: Ein Beispiel hierfür dürften die V-Guitars und Dimebag Darrell sein. Denkt da jemand an Gibson? Wohl kaum. Lässt sich hierdurch ein wirtschaftlicher Schaden, der für Gibson entstanden sein soll, beziffern? Ebenso unmöglich zu schätzen und ein gefährlicher Präzedenz-Vorstoß, der dazu führen könnte, dass sich Gitarrenbauer gegenseitig mit Klagewellen überziehen. Das fürchten zumindest die Kritiker.

Das Medienecho war also wie gesagt äußerst negativ: Der King Kong der Szene führe sich wie ein bully auf, der glaubt, nostalgisch verklärtes, geistiges Eigentum schützen zu müssen, indem er andere, nicht ganz so große Firmen in die Knie zwingt. Doch es gibt eine Geschichte zwischen Gibson und Dean Guitars – wer darüber mehr erfahren möchte, dem sei folgendes Video ans Herz gelegt:

 

Forum
  1. Profilbild
    Dirk Walter

    Der Wert der geistigen Schöpfung wie auch deren Einfluss lässt sich nicht von der Hand weisen. Gefühlt sind die meisten E-Gitarren wenn sie sich nicht gerade am Fender Vorbild bedienen an Gibsons Meilensteine der frühen 50er und 60er Jahre angelehnt. Selbst frühe Gretsch Modelle wie die Duo Jet von 1953 orientieren sich bereits stark visuell sehr stark an der 1952er Les Paul.

    Andererseits ist es heute auch kaum noch möglich die Eckpfeiler die eine Gitarre ausmachen in eine frische unbefangene Form zu bringen. Mal abgesehen von extrem abgefahrenen Künstlergitarren. Hier wurden einfach schon zu Beginn sämtliche grundlegenden Gestaltungen ausprobiert.

    Andererseits, nach all den Jahrzehnten des Nichtstuns plötzlich die Rechte einfordern die lange Jahre nie verteidigt wurden finde ich nicht korrekt. Rickenbacker hat z.B.: in der Thematik ein deutlich aggressiveres Verhalten was ich dennoch besser finde, denn diese geben sofort zu verstehen das sie Kopien oder Look-alikes nicht dulden.

    Gibson sollte mal lieber da weitermachen wo letztes Jahr begonnen wurde und mit hochwertigen bezahlbaren Reissues ihr Brand-Heritage weiterführen. Wer sich in der Jugend zwischen einer Fender oder Gibson Kopie entscheiden muss soll doch später wenn das erste Geld da ist nicht enttäuscht werden, oder? ;-)

  2. Profilbild
    Hein Bloed  

    Die sollten sich mal lieber selbst verklagen. Einmal für schlechtes Management und dann – sich daraus ergebend – für markenschädigende Selbstimitate wie dieses hier:

    https://www.amazona.de/test-epiphone-les-paul-sl-turquoise/

    Die seit vielen Jahren zurückgehenden Käufe von Gitarren kann man eventuell über eine gewisse Zeit mit überteuerten Luxus-Relics für die alternde, aber betuchte Kundschaft kompensieren, das schwindende Interesse des musizierenden Nachwuchses gewinnt man so nicht wieder. das gilt auch für die sich ausdehnende Verramschung von Gitarren-Brands mit China-Zeugs wie Kopfhörer und Bluettoothboxen (hallo Marshall, hallo Fender).

    Die großen und größeren Produzenten sind zwar wirstschaftliche Konkurrenten, sollten allerdings alle ein gemeinsames Interesse an stabilen Absatzmärkten haben. Wo soll denn das denn enden, mit Auftrittsverboten für Dean-Gitarren? Wegen CITES mussten ja auch schon Konzerte abgebrochen werden.
    Gibson scheint diesbezüglich die negativen Reaktionen doch sehr zu unterschätzen, oder denen steht das Wasser soweit bis zum Hals, dass sie keine andere Wahl mehr haben, als zum solchen Mitteln zu greifen, um liquide zu bleiben.

    Ich vermisse stattdessen schon lange eine Gitarrenreihe, die vom Material her nachhaltig und unter nachweislich humanen Arbeitsbedingungen produziert wurde.

  3. Profilbild
    SynthUndMetal  

    Wer seine Gebrauchsmuster (Trademarks) 50 Jahre lang nicht verteidigt, hat aus meiner Sicht sein Recht verwirkt diese auf einmal wieder für sich zu beanspruchen. Nach dieser Zeit sind die Korpusformen längst ins Allgemeingut übergegangen und nicht mehr schützenswert. Das wurde jetzt auch so im Fall der Flying V vom Europäischen Gerichtshof bestätigt, nachdem Gibson diese Korpusform als Gebrauchsmuster wieder neu angemeldet hatte, siehe:

    https://guitar.com/news/gibson-loses-flying-v-trademark-case-in-eu-court/

    Ich hoffe mal, das die Gerichte in den USA das ähnlich sehen. Das Ganze wird Gibson auch nicht helfen ihr Image zu verbessern. Die sollten lieber ihre Ressourcen in ein besseres Geschäftsmodell stecken sonst sind die bald wieder Pleite. Mir fallen da nämlich aus dem Stand ein gutes Dutzend andere Firmen ein die interessantere und Qualitativ bessere Gitarren (in meiner Preisrange) anbieten.

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