Interview: AMAZONA.de-Leser Christoph Oliver Zenz bei Allen&Heath

31. Oktober 2013

"Alle denken immer, als Blinder hört man besser, das stimmt so nicht."

Die Geschichte eines außergewöhnlichen Interviews

Portrait: Christoph Oliver Zenz

Portrait: Christoph Oliver Zenz

Bisweilen werde ich von Lesern mit konkretem Interesse an einem von mir getesteten Produkt auch mal direkt per E-Mail kontaktiert. Natürlich versuche ich, hier nach Wissen und Gewissen weiter zu helfen. So kam dieser Tage eine Anfrage von Christoph Oliver Zenz, der meinen Test des Midas Venice F16 kannte, sich als Alternative das Allen&Heath ZED R16 ausgeguckt hatte und um Hilfestellung bei der Entscheidung bat.

Nach kurzem E-Mail Verkehr stellte sich heraus, dass Herr Zenz, der von hier an der Einfachheit halber Oliver genannt wird, blind ist und daher zwangsläufig einen gehobenen Anspruch an die Ergonomie eines Mischpultes hat.

Über das Midas konnte ich nun Auskunft geben, das Allen&Heath kannte ich hingegen kaum. Also flugs zum Hörer gegriffen und den Market Manager für Recording Products bei Audio-Technica Germany, die Allen&Heath im Vertrieb haben, Herrn Jochen Kling, angerufen. In diesem Gespräch wurde die Anforderungsliste von Oliver voll bestätigt, gleichzeitig auch die Idee geboren, Oliver vor Ort die Möglichkeit zu geben, das ZED R16 direkt zu testen und ihn persönlich kennen zu lernen.

Vor Ort wurden wir überaus freundlich von Jochen Kling und seiner Mitarbeiterin Alexandra Bischof empfangen, die sich den Tag exklusiv für uns frei gehalten hatten.

Empfang von Jochen Kling

Empfang von Jochen Kling

Im hauseigenen kleinen Studio war das ZED R16 schon aufgebaut und auf dem Rechner eine Session geladen. Als besonderes Schmankerl stand zum Vocal-Test noch das Audio-Technica Großmembran-Flaggschiff AT5040 bereit.

Forum
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    AMAZONA Archiv

    Sehr spannender Einblick in das Leben eines Blineden und auch ein überaus interessanter Lebenswandel. Ich könnte mir allerdings nur schwer vorstellen, meine Geräte tatsächlich blind zu bedienen – selbst bei Synthies mit einem Knopf pro Funktion.

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      gaffer  AHU

      @Marius Es ist schwer vorzustellen als Sehbehinderter Synthies zu bedienen. Aber wenn du die gespielt hast, bevor du erblindest wärst, würdest du vielleicht auch nicht aufhören und mit den verbleibenden Möglichkeiten das Maximale rausholen.
      @Armin: Interessanter Bericht mit einer sehr guten Einsicht. Was einem Blinden bei der Bedienung hilft, kann allen anderen auch nur nützlich sein. Lässt sich vermutlich auch auf andere Handicaps übertragen.

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      synton  

      Der Bericht ist zwar schon etwas älter, aber es geht ja um die Frage, wie gut können Blinde einen Synth oder sonstige Musikelektronik bedienen.
      Nachdem die „modernere“ Hardware ja auch mit immer größeren Displays ausgestattet ist, und dabei auch Hauptfunktionen nur noch über den Bildschirm erreichbar sind, ist das sicher schwierig. Ich könnte mir vorstellen, dass die aktuelle Retro-Analog-Welle mit 1 Knopf = 1 Funktion Blinden und Sehbehinderten gut zu pass kommt. Wenn es für Sehbehinderte gut ist, können Sehende damit auch intuitiver arbeiten. Und wie man weiß, steht zu große Komplexität der Spielfreude eines Musikers ohnehin entgegen.

      Stevie Wonder ist sicher ein großer Virtuose und hat schon früh auf Synthesizer gesetzt. Dass die alten Moogs, Jupiter 8 und Prophet 5 blind zu bedienen sind, das versteht sich. Dass diese Instrumente aber auch heute große Spielfreude verbreiten, liegt vielleicht genau daran.
      Übrigens mein Lieblingspolysynth, bei dem jeder Knopf quasi eine „Spielhilfe“ ist und selbst während einer Performance immer klanglich sinnvoll verschraubt werden will, und dem ich „blind“ vertraue und „blind“ spiele, ist der ELKA Synthex. Hat nicht übrigens Stevie Wonder sich gerade diesen Synth nochmal fertigen lassen, während er von der DX7-Zunft schon mächtig verlacht und verschmäht wurde?

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