Interview: Hans-Martin Buff, Producing Wake and Prince

15. April 2001

Von "Prince" Minneapolis zu "Wake" München

Produzierte einst auch Songs für PRINCE, Hans-Martin Buff (c by Shutterstock)

Liebe Leser,
es ist keine Woche her, da erreichte uns die Nachricht in der Redaktion mit Freuden. Zumal sich Marc-Sidney Muller (Gewinner v. Mix on the Road-2000 [London]), sich bei uns meldete und einen Plattenvertrag mit dem Projekt „WAKE“ verkünden konnte. Zum anderen durfte er die Tage einen „hochrangigen“ Gast in seinem Studio begrüßen – den langjährigen „Personal Engineer“ von PRINCE, Hans-Martin Buff. Ich nutzte diese Information für ein kleinen Besuch im WAKE-Studio und kam mit einem interessanten Interview nach Hause.

Amazona:
Wo bin ich eigentlich hier? Marc, erzähl mal.

Marc:
Du bist hier in meinem Studio, hier, wo ich WAKE produziere. Wie heißt das Studio hier eigentlich? WAKE Enterprises? Ich hab mir seit meinem Einzug hier noch keine Gedanken darüber gemacht. Das ist seit 20 Jahren ein Studio. Ich habe kein Namen dafür.
Interessant ist vielleicht, das es sich hier um ein etwas besseres Home-Recording Studio handelt, es handelt sich also nicht um ein HighEnd Neve-Studio. Ich hab hier viel analoges und auch viel digitales rumstehen.

Amazona:
Marc, ich sehe, Du hast Dir Verstärkung geholt.

Hans:
Hallo, mein Name ist Hans-Martin Buff. Ich wohne derzeit in Minneapolis/USA und bin seit 8 Jahren Toningenieur. Davon habe ich 4 Jahre bei den Paisley Park Studios in Chanhassen, MN/USA gearbeitet, und 4 Jahre als „Personal Engineer“ von PRINCE selber.

Amazona:
Ich war ja zum Anfang des Interviews schon überrascht, das Du Deutsch sprichst, na ja, das Du eigentlich Deutscher bist. Planst Du jetzt, öfters nach München zu kommen, wenn nicht gar in München zu bleiben?

Hans:
Ja, das ist mein Plan. Ich möchte mich mit meiner Familie wieder in Deutschland niederlassen. Mit dem Plan im Hinterkopf habe ich auch Marc und den Rest der WAKE’s kennengelernt, den ich hab mich von der USA aus über‘s Internet schon mal ein bißchen schlau gemacht und Kontakte geknüpft. Über Holger Vogt von der LOUNGE, meiner erster Kontakt in München, habe ich dann den Axel Kröll und den Beckmann – also Internetmäßig – kennengelernt.

Amazona:
Einfach damit Du schon im Vorfeld Deine Chancen in Deutschland mal abcheckst? Ich meine, mit Deiner Vergangenheit sicher kein all zu großes Problem.

Hans:
Genau, ich wollt sehen, wollt mich informieren, wie es mit der Studioszene in Deutschland so aussieht. Ich hab eben Kontakte gesucht und mir im Internet ein paar Studio’s angeschaut.

Amazona:
Das Du Deutscher bist weiß ich ja jetzt. Dann musst Du ja auch irgendwann nach Amerika gegangen sein. Was waren da Deine Beweggründe, dies zu tun? War das ein Traum von Dir, in den USA Karriere zu machen?

Hans:
Nein, das war kein Traum. Das hat sich einfach so ergeben. Ich hab damals, vor ziemlich genau 10 Jahren, in Berlin gewohnt, und das war ziemlich Sch… dort zu dem Zeitpunkt. Ich hatte Freunde in Minneapolis und wollte eigentlich nur mal rüber für ein paar Monate. Und daraus sind dann 10 Jahre geworden.

Amazona:
Und jetzt hast du genug?

Hans:
Na, ich hab ja ein Kind, und bald habe ich Kind(er). Die Paisley Park Studios waren das letzte, was mich in den USA gehalten hat, und jetzt habe ich einfach Lust auf etwas neues.

Amazona:
Produzierst Du eigentlich selber auch Musik oder beschränkt sich Deine Arbeit in erster Linie auf das Mixing etc. ?

Hans:
Also eigentlich sind’s bei mir nur die Arbeiten als Ton-Ing, ich programmiere also nicht etc. Zu Hause habe ich auch meine Homestudio-Ausgabe von ProTools, mit der ich arbeite. Also ohne den ganzen Output-Kram und den Rest der Hardware.

Amazona:
Ein Gerücht besagt ja, das sich die amerikanische Mixtechnik extrem von der europäischen unterscheidet. Kannst Du das bei Deiner Arbeit mit WAKE bestätigen?

Hans: Ich Kenn die europäischen nicht. Das Studio hier vom Marc ist ja das erste deutsche Studio, in dem ich arbeite. Hier wende ich natürlich mein Knowledge und meine Techniken an.

Amazona:
Und jetzt in der Zusammenarbeit mit Marc und WAKE?

Hans:
Ja, das ist eine sehr angenehme Zusammenarbeit. Wir haben uns eigentlich sehr gut ergänzt. Marc war offen für all meine doofen Ideen ziemlich offen. Wie haben viele Dinge nicht wirklich geändert, dennoch habe wir viele bestehende Parts und Ideen einfach hervorgehoben, nach hinten plaziert und verfeinert. Und wenn man für Experimente offen ist, sowie WAKE, was kann einem schöneres passieren? Vor allem, weil ich ja eigentlich aus dem „Kundendienst“ komme, wo dir der Künstler klanglich Vorgaben macht, die du erfüllen musst.

Studio Equipmentliste von Marc Muller

Amazona:
Bei AMAZONA.de geht es natürlich um Synthesizer & Home-Recording, wobei Fragen zum Homerecording natürlich für dich interessanter sind. Du arbeitest hier an einem analogen 24kanal Mackie-Pult. Brauchst Du das noch, um zu arbeiten oder erledigst du beim Mixing viel im Vorfeld durch Software?

Hans:
Hmm… eigentlich arbeite ich mit beidem gerne. Dem Marc habe ich schon empfohlen, sich irgend etwas digitales anzuschaffen, sei es Mixer oder ein Controller für LOGIC. Wir haben uns auch für die Arbeit ein paar schöne Equalizer und andere Dynamics geholt.

Amazona:
Die da drüben? Das ist ja der WAVES- L2 Ultramaximizer. Den kannte ich bis jetzt nur als Plug-In.

Hans:
Hans: Ja, ich auch. Der funktioniert aber auch ausgezeichnet. Er ist zwar nicht ganz so laut wie das Plug-In, aber das holen wir schon noch raus. Auch der TC, der hier steht ist sehr gut. Gibt’s übrigens auch als Plug-In. ;o) Also ein, zwei Dynamik-Geräte müssen schon immer sein.

Amazona:
Du ziehst also keine dicke Linie zwischen Hard- und Software? Es gibt ja genug Produzenten, die behaupten, die Arbeit und das Mischen am Computer sei nicht besonders inspirierend.

Hans:
Das ist auch richtig bis zu einem gewissen Grad. Also ich freu mich immer, wenn ich ein paar Knöpfe zum drehen habe, aber in erster Linie geht es mir beim Mischen natürlich um den Klang – kurz: um die Wandler. Das Projekt mit WAKE ist für uns alle ein Test, ob die Arbeit funktioniert. Das Material, die Songs von WAKE gefallen mir ziemlich gut …..

Amazona:
Mir übrigens auch!

Marc:
Danke! ;o)

Hans:
… und da kann man wirklich viel mit machen. Hier unten in dem Studio kann man auch durchaus vernünftig mischen, aber man sieht einfach ein paar Sachen, die den Unterschied zwischen einem etwas größeren Studio und Marc’s Studio ausmachen. Da wären z.B. die Wandler und die WordClock-Sync’s, die alle stimmen müssen, wenn du dein digitales Setup am laufen hast, und einfach diverse analoge Geräte, wie Equalizer, Kompressoren oder einfach ein Mic-Pre für ein bißchen „kkkrrrrrk“ oben drauf.

Marc:
Hans, du hast mir gestern etwas interessantes zum Thema „digital mixing“ erzählt. Die Sounds, den Charakter findet man immer ziemlich schnell, aber dann kommen die „little moves“… ? Ich fand das sehr interessant….
Hans: Ja, also wenn ich einen professionellen Mix in einem teuren Studio mache, dann vergehen so 4-5 Stunden, bis ich anständige Sounds habe, bringe die ins Verhältnis und arbeite dann viel mit „automated moves“, hauptsächlich bei Vocals und all dem Zeug. Das muss auch so sein. Das kann man ja innerhalb von ProTools machen und natürlich auch mit einem digitalen Mischer.

Amazona:
Erkläre uns doch bitte „automated moves“.

Hans:
Wenn in einem Song viele Passagen übereinander liegen, wie z.B. in einem Refrain, dann kann es schnell passieren, das man die Vocals nicht mehr versteht. Dann automatisiere ich einfach die Fader des Vocal-Kanals, und diese gehen dann an dieser Stelle etwas hoch. Ich halte das also dynamisch mit den Lautstärken.

Amazona:
Das ist auch der Grund, weshalb du Marc den Kauf eines digitalen Mischers empfohlen hast.

Hans:
Ganz genau. Ein weiterer wichtiger Punkt bei digitalen Mischpulten ist auch die Recall-Funktion. Wenn du also eine komplette Platte mischt und beim 5 Track bist, merkst Du auf einmal, das dir der Mix vom ersten Song nicht mehr gefällt. In solchen Fällen verleiht man mit der Recall-Funktion seiner Produktion eine „roten Faden“. Und das find ich schon relativ wichtig!

Marc:
… und ich überzeugend! ;o)

Amazona:
Marc, ihr steckt jetzt sozusagen in den Vorbereitungen zu Eurem neuem WAKE-Album, richtig?

Marc:
Genau. Allerdings nicht wirklich, denn der Song „taste of“, den der Hans gerade mischt, wird die Version für den neuen Film von Vanessa Jopp, die u.a. den Film „Vergiss Amerika“ gemacht hat. Bei „Vergiss Amerika“ hatten wir übrigens auch fünf Songs von uns im Film. Jedenfalls hat der Soundtrack damals schon gut reingehauen, und der Soundtrack zu dem neuen Film wird richtig fett. Da macht „Placebo“ den Schlußsong, DJ Tomekk ist vertreten, Fettes Brot auch…

Amazona:
Davon könnt ihr eigentlich nur profitieren…

Marc:
Richtig, aber fast hätte es für uns sogar den Schlusßsong gegeben, da waren wir lange im Gespräch. Aber dann machte „Placebo“ das Rennen.

Amazona:
Dafür wird Euer Album einschlagen, oder?

Marc:
Ja, ich hoffe! Mit dem Album sind wir auch schon sehr weit, sind gerade am abchecken, ob wir „taste of“ auch noch mit auf’s Album packen. Ansonsten sind wir gerade auf der Suche nach der „Single“.

Amazona:
Und die Zusammenarbeit mit Hans willst du sicher auch weiterführen, oder?

Marc:
Auf jeden Fall. Ich fände es echt klasse, wenn wir die ganze Platte hier bei uns im Studio mischen würden, zumal ich immer unzufrieden bin, wenn ich nach der Produktion zum Mischen in ein anderes Studio gehen muss. Da bist du abhängig von dem Setup dort und von dem Ohr des Ton-Ing’s. Hier hab ich Kontrolle und hier kriegt die Platte auch ihren eigenen Charakter.

Amazona:
Mit Hans an deiner Seite bestimmt.
Hans, wie sieht’s eigentlich aus mit ein paar Tricks? Ich denke, diese Frage ist sicher nicht einfach zu beantworten, aber vielleicht hast du ja noch einen Tip für unsere Leser?

Hans:
hmmm? .. ja: IMMER ABSPEICHERN! Ha ha.

Amazona:
Ja, sehr wichtig. Spaß beiseite: was machst du als erstes, wenn du ein Studio betrittst? Wie bereitest Du dich auf die Arbeit vor?

Hans:
Erstmal hab ich immer ein paar persönliche CD’s dabei, die ich mir in dem Studio, in dem ich arbeiten muss, erstmal anhöre, damit ich rauskriege, wie es so klingt. Da hör ich so zwei bis drei Tracks, die auch verschieden sein sollten. Da kriegt man ziemlich schnell die Charakteristik eines Studios mit.

Marc:
Auf jeden Fall hast du gleich gemerkt, dass ich hier eine Phasenverschiebung hatte. ;o)

Hans-Amrtin Buff, 4 Jahre in Minneapolis bei PRINCE im Studio (c by Shutterstock)

Amazona:
Hans, wollen wir mal bisschen über Prince reden?

Hans:
Viel kann man dazu nicht sagen. Ich war 4 Jahre der Personal Engineer von Prince, also der einzige, und habe da seine Platten gemacht.

Amazona:
Er hat sich also neben dich gesetzt und dir über die Schulter geschaut.

Hans:
Nein, ICH hab mich neben IHN gesetzt. Der war schon ziemlich selbstständig.

Hans-Martin Buff neben Prince

Amazona:
Wie ist Prince denn so als Gegenüber?

Hans:
Aaaahhh…hmmm. Er ist gut, als Musiker ist er verdammt gut. Das war es schon wert. Ich wusste vor meiner Arbeit mit ihm schon alles gute und alles schlechte durchaus vorher, das nimmt die Distanz. Ich wäre jetzt nicht hier, wenn es ihn nicht gegeben hätte. Ich habe dort wirklich viel gelernt.

Amazona:
Das waren jetzt vier Jahre Prince, richtig?

Hans:
Ja, richtig. Die Arbeit startete im Juli 1996 und ging bis Juli 2000.

Amazona:
Und davor hast du erst den Ton-Ing. gelernt. Ziemlich steiler Aufstieg, oder?

Hans:
In Minneapolis besuchte ich eine einjährige Schule zum Audio Engineer. Na, wie’s die Ami’s halt so machen. Prinzip: friss das Wissen oder stirb! In meiner Klasse waren wir damals 28 Schüler, 8 davon haben während der Zeit schon das Handtuch geschmissen, und ich war der einzige, der den Job gekriegt hat, den er auch wollte. Die wollten alle gleich in große Studios, aber die findet man in Minneapolis nicht so zahlreich. Ich habe nach einem 6 monatigem Praktikum 1993 direkt in den Pachyderm Studios/Minneapolis angefangen, wo die Arbeit an der Platte von der Band „LIVE“ meine erste war. Ich weiß nicht, ob die in Deutschland ein Renner waren. In den USA hat sich die Platte 7 Mio. mal verkauft.

Marc:
So eine Karriere ist aber nur in den USA möglich…

Hans:
…das stimmt schon. Es ist in den USA nicht so schwierig, den Fuß in die Tür zu kriegen. Es geht vor allem ohne Papierkram, und das ist schon mal anders als hier in Deutschland. Wenn ich jetzt auch noch nicht so weit wär, würde ich auch nicht mehr nach Deutschland ziehen, weil ich dann das Gefühl hätte, ich würde hier nicht mehr wegkommen, wenn ich wollen würde. Hier ist „Prince“ der ideale Tür-öffner.

Amazona:
Ja, du hast ja jetzt auch ganz schön Programm in Deutschland.

Hans: Der vorher erwähnte Holger hat schon ein paar Jobs klar gemacht, wo ich mich ein bisschen austoben kann. Ich will ja schließlich auch zeigen, was ICH kann, denn es ist für mich schon manchmal unangenehm, wenn man in mich Erwartungen setzt, bloß weil ich der Engineer von Prince war.

Amazona:
Versteh ich gut. Du hast ja auch was auf dem Kasten, wie ich vorher an dem Song gehört habe.

Hans:
Ja, es ist für mich immer schön, wenn ich meine Handschrift hinterlassen kann. Das Mischen ist für den Engineer ja das einzige Mittel, Kreativität zu zeigen. In der Dienstleistung wird von dir auch erwartet, das du dich mit einbringst. „Der Take funktioniert nicht!“ oder „Was soll ich denn mit dem Part machen?“ ist dein Job, du musst Problempunkte identifizieren. Aber wenn der Künstler kein Problem sieht, dann ist da auch keins. Da muss man Abstriche machen, womit ich aber keine Schwierigkeiten habe, denn es ist ja nicht meine Platte.

Amazona:
Hans, vielen Dank für das Gespräch. Wir wünschen Dir auch viel Erfolg hier in Deutschland.

Marc, Danke und viel Glück für Dich und Deiner restlichen WAKE-Crew. Wir freuen uns auf das Album.

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