Interview: Rob Papen, Ein Leben für den Sound

30. Januar 2011

Making Software-Synthesizer

Rob Papen, einst Musiker, dann Sounddesigner und inzwischen längst bekannter Visionär und Entwickler von beliebten Synthesizer- und Effekt-Plug-ins, stand uns anlässlich des Software-Bundles „eXplorer“ Rede und Antwort. Der Rezensent kam über das Interview erstmals in den Genuss der Rob Papen Plug-ins und war begeistert. Das Plug-in-Bundle „eXplorer“ darf deshalb hier getrost weiterempfohlen werden.

Es ist schon erstaunlich – und das ist das Gute an der Synthesizer-Welt von heute – wie findige und talentierte Soundtüftler sich ihre eigenen Synthesizer schaffen können, ganz fernab von den Majors wie Korg, Roland oder Yamaha wird dadurch das kreative Spectrum für Anwender enorm erweitert. Vor 20 Jahren war dies noch vollkommen undenkbar.

Wir freuen uns deshalb umso mehr darauf, Ihnen heute den gebürtigen Holländer Rob Papen vorstellen zu dürfen.

AMAZONA.de:
Hallo Rob. Erzähl uns doch mal, wie Du überhaupt zur Musik gekommen bist?

Rob:
Ich habe mit elektronischen Orgeln angefangen. In Holland waren Orgeln Ende der 70er Jahre sehr populär. Damals war ich 12 Jahre alt. Vor allem an die Musik von Donna Summer und an die fremden, synthetischen Sounds von Moroder kann ich mich erinnern. Später kam dann Jean Michel Jarre mit Oxygen.
Das war der Anfang. Danach, Ende der 70er und Anfang der 80er, folgten Tangerine Dream, Klaus Schulze, Michel Garrison und natürlich abermals Georgio Morroder.

AMAZONA.de:
Was waren Deine ersten Synthesizer?

Rob:
Meine ersten Synthesizer waren Korg MS-20 mit Korg SQ-10 Sequencer. Das war, wenn ich mich richtig erinnere, 1979. Es waren die ersten bezahlbaren Synthesizer in dieser Zeit. Damals war ich 15 Jahre alt.

AMAZONA.de:
Zum ersten Mal habe ich Deinen Namen in den Neunzigern gelesen, als Waldorf ein Soundset mit Deinem Namen beworben hatte. Wie kam es dazu?

Rob:
Ja, das Waldorf Signature Set für den Waldorf Microwave 1. In dieser Zeit arbeitete ich in einem High-Tech Music-Shop mit Synthesizern, wo dann auch die Idee für dieses Soundset entstand. Die Sounds hatte ich eigentlich nur für  den Eigenbedarf und für unsere Band (PERU und Nova) verwendet. Das Soundset wurde ein riesen Erfolg. Daraufhin folgten für den Microwave 1  zwei weitere Sets:  „Techno“ und die „DoubleRed“. Sie waren alle sehr beliebt.

AMAZONA.de:
Hast Du zu der Zeit schon für andere Firmen Sounddesign gemacht?

Rob:
Nein, das war das erste Mal, dass ich meine persönlichen Sounds auch publik gemacht habe. Aber nach dem Erfolg der Waldorf-Sets hatte ich einige Anfragen anderer Hersteller. Es folgten Soundsets  für Ensoniq (ASR10), E-mu (Orbit 3 und die Romboards TSCY & Beat Garden)und schließlich Access (Virus A und B).

AMAZONA.de:
Soundsets von Rob Papen haben immer einen eigenen Charakter. Was ist das Geheimnis von gutem Sounddesign?

Rob:
Da gibt es kein Geheimnis. Das ist einfach ein Talent – dafür bin ich aber ein sehr schlechter Fußballer!

AMAZONA.de:
Irgendwann hast du die Seiten gewechselt und nicht mehr nur Sounds für andere programmiert, sondern selbst einen Synthesizer auf den Markt gebracht. Wie kam es dazu?

Rob:
Ich hatte nicht nur „Sound-Ideen“, sondern auch „Feature-Ideen“. Es gab Dinge im Synth, die ich vermisst habe. Die Software eröffnete mir dann die Möglichkeit, meine Wünsche und Ansprüche zu verwirklichen. Angefangen hat es mit LinPlug. Ich habe Peter Linsener, den Gründer von LinPlug,  gefragt ob er mir einen Custom-Synthesizer machen konnte. Er war begeistert, und so wurde Albino geboren.
Das lief sehr gut, und ich habe schließlich einen Programmier gesucht, der meine neuen Ideen und Plug-ins installieren konnte. Das war Jon Ayres aus England, wir sind seitdem ein Team (RPCX). Alle vergangenen Rob Papen Produkte sind jetzt also „Powered by RPCX“.

AMAZONA.de:
Was genau war Dein Job bei der Erstellung des Plug-ins? Du bist ja letztendlich kein Programmierer – oder doch?

Rob:
Nein, ich erstelle die Konzepte und mache 95% von den Presets.
Mittlerweile weiß ich natürlich viel mehr über DSP-Codierung als am Anfang. Jon Ayres erklärt mir, wie die Dinge funktionieren und welche Einflüsse es auf die Audio Qualität gibt. Ich bin sehr froh darüber, mit Jon Ayres zusammenarbeiten zu können. Er ist ein absolut genialer Programmierer, der meine Wünsche und Visionen hervorragend umsetzt.

AMAZONA.de:
Inzwischen gibt es ja zahlreiche Synthesizer von „Rob Papen“ mit Tausenden von Sounds. Hast Du die alle selbst programmiert?

Rob:
Beim RG ist vieles von JoMal dabei. Ein Gitarrist und Synth-Spieler.
Dabei sind schätzungsweise 90% – 95% von den Factory Presets von mir. Wir haben aber natürlich auch Soundsets von anderen Leuten/Produzenten.

AMAZONA.de:
Die Rob Papen Synths sollen sich ja ergänzen und sich nicht gegenseitig Konkurrenz machen. Sag uns doch mal, wo der Schwerpunkt bei jedem einzelnen Deiner Synths liegt.

Rob:
BLUE kombiniert FM-Synthese mit subtraktiver Synthese. BLUE geht richtig in die Tiefe mit sehr vielen Möglichkeiten. Ich fand die FM-Synthese immer sehr limitiert. So gab es z.B. keine Möglichkeit, um den Pitch zu modulieren oder die Pulsebreite, und vor allem vermisste ich immer sehr gute subtraktive Filter.

Predator, hat seinen Fokus auf einen satten Analog-Sound mit freundlicher Bedienung. Wobei aber einige tricky Features das besondere Etwas sind, so wie der Split Trick in Filter2, Chord Memory, Effekte die man modulieren kann … und jede Menge mehr.

RG ist ein Rhythmus-Guitar Groove-Synthesizer mit neuem Konzept und vielen abgefahrenen neuen Sounds und Grooves.

Subboombass, der Bassige

Subboombass, der Bassige

SubBoomBass ist spezialisiert auf Synth-Bässe. Aber er beherrscht auch gestimmte Percussion-Sounds und Wave-Sequenzen sehr gut.

RP-VERB ist ein High-End Algorithmic-Reverb mit einem warmen und dichten Sound, einem integrierten Ensemble Effekt, Distortion und „Envelope-Folower“, der nicht nur Audio GateReverb macht, sondern auch Raumgröße und Hallzeit dynamisch ändern kann. Im Fokus war einfach nur Sound! Das ist jetzt auch, was viele Sounddesigner am RP-Verb lieben.

AMAZONA.de:
Ich habe gestern zum ersten Mal RG gehört und muss sagen, dass ich begeistert war – eben weil er nicht nach den klassischen Rhythm-Emulationen klingt. Er hat aber etwas Synthetisches. Das meine ich im positiven Sinn. Es klingt fast immer so wie aus einer Trevor Horn Produktion in den 80ern (FGTH oder Propaganda) – sehr drahtig, sehr metallisch. War das gewollt?

Rob:
In RG steckt jede Menge Sound aus den 70ern und 80ern und richtig, RG wurde eigentlich von der klassischen Rhythmusgitarre inspiriert. Also wie „Van Chic „(Nile Rogers), „Shaft“ (Fernsehserie) oder dem 70er Disco-Sound. Danach haben wir noch eine Steelstring Gitarre, PowerChord und Muted hinzugefügt.
Es ist also sozusagen eine Gitarre als „Groove-Maschine für modernere Musik und Soundtracks.

AMAZONA.de:
Welcher Deiner eigenen Plug-ins wäre Dein Favorit, wenn Du nur EINEN davon gemacht hättest?

Rob:
Puuh … Eigentlich alle. Sie machen alle sehr viel Spaß.

AMAZONA.de:
Hast Du noch Hardware-Synths, wenn ja welche?

Rob:
Jupiter-8, Minimoog, Prophet-600, Waldorf Pulse+, Waldorf Microwave, Andromeda, Korg MS-20 und SQ-10, Emu E-4 und Proteus-2000 mit (TSCY Rom und Beat Garden Rom).

AMAZONA.de:
Welcher Hardware-Synth gefällt Dir ganz besonders?

Rob:
Meinen Jupiter-8 habe ich schon seit 1983 und habe damit jede Menge Platten gemacht. Das war auch mein erster Synthesizer mit Speicherplätzen.
Ich bin also quasi verheiratet mit diesem Synth.

RG der Rythmische

RG der Rythmische

AMAZONA.de:
Und welches Plug-in von anderen Herstellern findest Du richtig gut?

Rob:
Ich habe nur wenig Zeit zum Testen. Der Emulator-X hat, wie ich finde, eigentlich einen super Klang als Sampler. Leider ist er nicht so populär. Die Voxengo Sachen (Effect Tools) finde ich sehr gut. Sie sehen zwar nicht so toll aus, aber der Klang ist dafür wirklich super. Aber wie gesagt, mir fehlt die Zeit dazu, mir andere Sachen anzuhören.

AMAZONA.de:
Was hältst du von der Diskussion „Virtuell Analog“ oder „Analog“.

Rob:
Analog klingt einfach anders, ist aber auch limitiert.
Virtuell Analog ist eigentlich auch ein Begriff, der immer einen falschen Eindruck hinterlässt. Für mich gibt es eigentlich nur gute Synths und weniger gute Synths. Aber das Widersprüchliche daran: Auch die weniger guten Synths können interessant sein. Es wurden jede Menge analoger Synthesizer gebaut, die nicht so stark klangen. Nicht alles, was „analog“ war und ist, ist auch gut! Im Software-Bereich kann man dank schneller CPU heutzutage  mit einer gute Audio-Karte einen „top Klang“ realisieren. Der Klang von BLUE, Predator, SubBoomBass, RP-VERB … und so weiter wäre vor 6 Jahren nicht möglich gewesen. Da hat sich einiges getan.Ohnehin, was letztendlich zählt, ist doch die Musik. Der durchschnittliche Musik-Konsument hört „nur“ die Musik und achtet nicht darauf, wie sie gemacht wurde oder ob die Synths darauf digital oder analog erzeugt wurden.

AMAZONA.de:
Wie soll es weitergehen? Dürfen wir irgendwann Hardware von Dir erwarten?

Rob:
Ja, die Frage wurde mir schon öfters gestellt. Mach mal einen Hardware Predator …Ein schneller Computer, eine gute Audio-Karte und ein Controller machen aber mehr Sinn. Ein Predator mit guten DA-Konvertern kostet richtig viel Geld!
Die Hardware setzt also echte Grenzen und verlangt daher immer einen Kompromiss. Da finde ich Computer-basiert doch viel toller.

Also wenn schon, dann ein entwickle ich gleich einen echt analogen Synth.

AMAZONA.de:
Machst Du noch selbst Musik? Wenn ja, welche Richtung?

Rob:
Ich habe in den 80ern jede Menge Platten gemacht, bis Anfang der 90er. Das war Synthesizer-Musik. Momentan habe ich leider zu wenig Zeit. Mein letztes Album kam 2004 heraus (DayDreamer). Aber hoffentlich komme ich bald wieder dazu. Dann möchte ich auch einfach das machen, was ich selber am liebste mag: klassische Synthesizer-Musik oder vielleicht was abgefahrenes „electro minimal house“ …

AMAZONA.de:
Rob, vielen Dank für das Interview. Wir freuen uns schon auf Deine nächsten Projekte.

Forum
  1. Profilbild
    Max Vio

    Nicht, daß es besonders geistreich wäre, aber ich entdeckte gerade eben den „Predator“ in einem Film von Leonie Saint :D

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      AMAZONA Archiv

      Also wenn eine Dame mit Nachname Saint dann doch bitte Silvia :-)

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    Joghurt  AHU

    Vor doch schon einiger Zeit wurde die DVD „Sound Design“ von Rob Papen angeküdigt (ich glaube sogar mit einem Erscheinungsdatum). Aber irgendwie ist es da ruhig geworden. Auf seiner Homepage steht jetzt „Estimated release: not known yet“:
    http://www.....esign.html

    Weiss jemand etwas mehr?

    Habe noch diesen Trailer gefunden:
    http://www.....cd5h-JzBZ0

    • Profilbild
      aphex

      In seinem Forum gibt er immer wieder Updates diesbezüglich. Es sei viel mehr Arbeit als ursprünglich angenommen, im Dezember war davon die Rede, dass das Ding zu 2/3 fertig ist.

    • Profilbild
      Rob Papen

      Hello,

      DVD project is still in progress. It is only much…. much more work than I ever thought!

      Right now I am recording hardware synthesizers and next to that also still do screen captures. Also it will have a booklet with information inside of it.

      So in progress, but you guys still need to be patient :)

      Yours,

      Rob Papen

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