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RIP: Der Musiker Ryuichi Sakamoto ist verstorben

Die Musikwelt trauert: Ryuichi Sakamoto ist mit 71 Jahren verstorben

2. April 2023

 

Quelle: Shutterstock

Die Musikwelt trauert: Wie wir soeben erfahren haben, ist der japanische Komponist Ryuichi Sakamoto am 28.03.2023 verstorben. Er wurde 71 Jahre alt. Ryuichi Sakamoto hatte in seinem Künstlerleben viele Facetten ausgelebt. Vielen mag er nur als Filmkomponist, als Pop-Musiker, als Avantgarde-Musiker, als elektronischer Musiker, als Bossa Nova Musiker, als Mitglied des Yellow Magic Orchestra (YMO) oder als Schauspieler bekannt sein. Fakt ist: Er glänzte in jeden dieser künstlerischen Ausdrucksweisen. Umso schmerzlicher ist es, dass er nicht mehr unter uns weilt.

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Der Lebensweg von Ryuichi Sakamoto war schon immer von Musik geprägt. Wie er mehrfach erzählte, war er schon als kleines Kind von Musik fasziniert und hörte heimlich Schallplatten von Bach. Nach eigener Aussage war er eine Art Wunderkind. 1970 studierte er in Tokyo Musik und erlangte einen Abschluss in elektronischer und ethnischer Musik. In seinem Werken wird aber nicht nur dieser Einfluss deutlich, sondern auch seine liebe zur Klassischen Musik. Das Hauptinstrument in seinem Leben war aber das Klavier. Ryuichi Sakamoto wird mit seinem Erscheinen in der Öffentlichkeit von Anfang an mit den schwarzen und weißen Tasten in Verbindung gebracht. Je länger seine Karriere dauerte, desto mehr trat das Klavier in den Vordergrund.

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1978 erlangte Ryuichi Sakamoto zusammen mit Haruomi Hosono und Yukihiro Takahashi den internationalen Durchbruch als Yellow Magic Orchestra (YMO). Diese Band wird sehr oft mit Kraftwerk verglichen. Wie Kraftwerk auch, setzten Yellow Magic Orchestra auf elektronische Musik, die sie mit Pop-Musik kombinierten. Jedoch hinkt der Vergleich mit Kraftwerk, da Yellow Magic Orchestra nie die musizierenden Roboter auf der Bühne waren. Der am 11.01.2023 verstorbene Schlagzeuger Yukihiro Takahashi spielte ein akustisches Schlagzeug und Haruomi Hosono griff auch zur Bassgitarre. Im Studio machten sie Gebrauch von der modernsten Studio-Technologie. YMO war immer mehr Mensch als Maschine. Bekannte Stücke waren Firecracker, Behind The Mask, Rydeen usw. Die Band löste sich im Laufe ihrer Karriere immer wieder auf und sie fanden auch immer wieder zusammen. Zuletzt spielten sie 2012 miteinander.

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Neben seiner Mitgliedschaft bei YMO pflegte Ryuichi Sakamoto seine Solo-Karriere. Sein erstes Solo-Album the Thousand Knives of Ryuichi Sakamoto erschien auch 1978. Bis 2023 erschienen 23 Solo-Alben. In dieser Aufzählung ist aber nicht die Filmmusik und seine Kollaborationen berücksichtigt. 1983 zeigte Ryuichi Sakamoto neben David Bowie in dem Kriegsdrama Merry Christmas, Mr. Lawrence, was er für ein ausgezeichneter Schauspieler ist. Doch als Schauspieler alleine wollte er nicht in diesem Film erscheinen. Er nahm die Rolle nur an, um den Soundtrack schreiben zu dürfen.

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Das musikalische Thema „Merry Christmas, Mr. Lawrence“ wurde nicht nur zu einem dominierenden Element dieses Filmes, sondern auch zu der Melodie, mit der man Ryuichi Sakamoto immer in Verbindung bringen wird. Ob dieses Stück groß orchestriert oder nur am Klavier intoniert wird, spielt keine Rolle. Die Melodie ist so unglaublich schön und perfekt ausgearbeitet. Doch sein Durchbruch als Filmmusiker kündigte sich erst an. Ursprünglich war er für Bernardo Bertoluccis filmisches Meisterwerk „Der letzte Kaiser“ als Schauspieler gebucht, doch auch hier übernahm er wieder musikalische Aufgaben. Für dieses Werk bekam Ryuichi Sakamoto 1988 einen Oscar und einen Grammy.

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Bis 2022 erscheinen unzählige Soundtracks. Für erneutes Aufsehen sorgte der 2015 erschienene Soundtrack zu The Revenant. Musikalisch war dieser Soundtrack nichts Neues für Sakamoto Fans, denn auf diesem Album war Musik zu hören, die Ryuichi Sakamoto schon seit 2003 mit dem deutschen elektronischen Musiker Alva Noto entworfen hat. Diese Musik hat nichts mit einem großen orchestrierten Soundtrack zu tun, sondern das Klavierspiel von Sakamoto wird durch die minimalistische Elektronik von Alva Noto unterstützt. Zusammen erzeugten sie unglaublich eindrückliche musikalische Landschaften. 2016 hatte ich endlich das Glück, Sakamoto und Alva Noto in Berlin auf einem Konzert zu erleben. Ein Traum ist für mich in Erfüllung gegangen. Ryuichi Sakamoto übernahm nicht nur Aufgaben am Klavier, sondern auch an der E-Gitarre, an einem Modularsystem und anderen Gerätschaften. Das Konzert baute eine unglaubliche Atmosphäre auf. Der Abschluss wurde dadurch getrübt, dass der engagierte DJ (I Can’t Get No) Satisfaction von den Rolling Stones auflegte. Das war ein Frevel an den Stones und an Sakamoto. Da half nur die Flucht, damit der Eindruck des Konzerts nicht verloren ging. Mehrere Alben sind in der Zusammenarbeit mit Alva Noto erscheinen, der auch auf The Revenant zu hören ist.

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Neben Alva Noto teilte Ryuichi Sakamoto eine musikalische Seelenverwandtschaft mit dem britischen Musiker David Sylvian. Ryuichi Sakamoto arbeitete mit dem Mastermind der Pop-Band Japan auf mehreren Alben zusammen und David Sylvian war auch immer mal wieder Gast auf den Alben von Ryuichi Sakamoto. Er sang auch auf der Single-Version von Merry Christmas, Mr. Lawrence, das als Forbidden Fruits erschienen ist. Erwähnen sollte man auch die Alben mit Morelenbaum². Auf denn Alben „Casa“ und „A Day in New York“ führt uns Ryuichi Sakamoto seine Leidenschaft für Bosa Nova Klassiker vor und tritt musikalisch in den Hintergrund. Es ging ihm immer um die Musik.

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Welche Musik soll man von Ryuichi Sakamoto empfehlen? Es ist die Frage, was man den für Musik hören möchte. Wer feinste Pop-Musik hören möchte, sollte sich Beauty, Illustrated Musical Encyclopedia oder Chasm anhören. Viele seine Klassiker hat Sakamoto auch als Solo-Pianist aufgenommen, wie z. B, auf Playing the Piano. Daneben gibt es all die unzähligen Soundtracks, die teilweise aufwendig orchestriert sind. Wie wäre es mit Ambient und Electronica, die natrülich in den Alben mit Alva Noto eine Rolle spielen, aber auch auf dem 2016 erschienenen async oder seinem letzten Werk 12. Wer wissen möchte, wie Kraftwerk auf japanisch klingt, sollte YMO hören.

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Ich empfehle aber wirklich jedem, die Komposition Merry Christmas, Mr. Lawrence einmal anzuhören. Das war aber nicht seine einzige und letzte Melodie.

Dieser kurze Nachruf kann nur ein Versuch sein, das Werk irgendwie auf einen Nenner zu bringen. Das ist unglaublich schwierig. Ich versuchte alles zu sammeln, was er veröffentlichte, doch das war einfach unmöglich. Er war ein umtriebiger, kreativer und arbeitswütiger Musiker. Zwar erschienen zwischen 2016 und 2023 nur zwei Solo-Alben, aber unzählige Soundtracks, Zusammenarbeiten, Dokumentationen, Konzerte und andere Veröffentlichungen.

2014 wurde bei Ryuichi Sakamoto Krebs diagnostiziert. In der Folgezeit schien es so, als habe er ihn besiegt, aber er kehrte immer wieder zurück.

Ruhe in Frieden. Was für ein Verlust!

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Forum
  1. Profilbild
    bosurus

    Das erste Mal habe ich durch den Film Furyo – Merry Christmas. Mr. Lawrence von ihm gehört.
    Seine Filmmusik dazu blieb mir im Gedächtnis. Seine spätere Musik kenn ich nur sporadisch, aber es war dann schon immer etwas besonderes.
    Wieder ein herausragender Künstler gegangen, möge er nicht in Vergessenheit geraten.

    • Profilbild
      AMAZONA Archiv

      @bosurus Hatte im Hype den Wild Palms Soundtrack damals gekauft, war aber nicht so meins. Ruhe in Frieden!

    • Profilbild
      am.syn

      @TobyB Nicht Firecracker sondern Tighten up, das Cover von Archie Bell&the Drells (Legendäre Band aus Houston Texas. Ich empfehle auch das Original einmal zu hören). Liebe Güße aus HH :)

  2. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Die Alben mit Alva Noto auf RasterNoton sind auch toll!

    Rachenkrebs… bei mir im Kiefer und mir wurde letztes Jahr die Hälfte von Gaumen und Oberkiefer rausgeschnitten, danach anderes Körpergewebe reintransplantiert. Obwohl ich da schon 7 Jahre Nichtraucher war. War kein Spaß…Leute: hört auf zu rauchen, je früher desto besser.

    • Profilbild
      ingokognito

      @Organist007 Hi
      I surrender ist auf der Dead bees on a cake.
      Aber der Titel ist natürlich genial, keine Frage, egal auf welchem Album.

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    rotomtom

    Oh wie traurig und ein herber Verlust für die Musikwelt :(.

    Auf seinem Album NeoGeo mochte ich besonders den Song Risky mit Iggy Pop und ganz besonders auch Forbidden Colors mit David Sylvian aus dem Film Merry Christmas, Mr. Lawrence, der auch als Bonus Track auf Secrets of the Beehive zu hören ist – ein grossartiges Album bei dem Ryuichi Sakamoto einen Grossteil der Songs arrangiert hat.

    RIP Ryuichi Sakamoto!

  4. Profilbild
    tenderboy

    Oh no!

    „Casa“ von Sakamoto & Morelenbaum ist ein wunderschönes Album, das mich seit Jahren begleitet.

  5. Profilbild
    ollo AHU

    Tatsächlich hat mir der Name erstmal gar nichts gesagt, aber klar, die Melodie von Merry Christmas, Mr. Lawrence kennt wohl jeder, selbst wenn man den Film nicht kennt. Die Version von Watergate – Heart of Asia lief ja damals rauf und runter, damit würde ich das als erstes in Verbindung bringen.

    R.I.P.

    • Profilbild
      Sven Rosswog RED

      @ollo Es gibt unzählige Cover-Versionen seiner Lieder. Behind The Mask wurde beispielsweise von Michael Jackson und Eric Clapton gecovert.

  6. Profilbild
    ingokognito

    RIP.
    Zum ersten Mal wurde ich auf ihn 1980 aufmerksam, als er mit David Sylvian „Taking islands in Africa“ für das vorletzte Japan-Album komponiert hat.
    Die beiden haben dann auch weiterhin immer wieder zusammengearbeitet.
    „Forbidden colours“ bleibt z.B. einer meiner absoluten Lieblingstitel.
    Auch YMO höre ich bis heute sehr gern.
    Und „Merry christmas Mr. Lawrence“ steht für sich, wie vieles bei ihm.
    Er hat so viel fantastische Musik komponiert, war so offen für alle Musikrichtungen, schade, schade, mir wird er fehlen…….

  7. Profilbild
    Gomes21

    Fantastischer, sympathischer und unfassbar vielseitiger Musiker, er wird vermisst werden aber in Erinnerung bleiben!

  8. Profilbild
    T.W.G

    Er hat auch spezielle Klingeltöne für das damalige Nokia 8800 Edeltelefon komponiert.

  9. Profilbild
    Jovenja

    das ist traurig …ein unglaublich vielseitiger Musiker. Vor allem Discord und Async sind Alben, die bei mir immer wieder mal laufen und jedesmal höre ich da neue Sachen, die mir vorher nicht aufgefallen waren.

    • Profilbild
      Sven Rosswog RED

      @Jovenja Discord habe ich ganz vergessen zu erwähnen! Großartiges Album. Toll sind auch die Ninja Tune Remixe. Die Athmos von DJ Spooky sind schon cool! Mediativ und Noise !

  10. Profilbild
    Jazzheini

    Auch sein aktuelles Werk, 12, ist interessant. Allgemein finde ich sein Gefühl für Sound grossartig.

  11. Profilbild
    0gravity

    R.I.P.
    Ryuichi Sakamoto hat viele großartige Musik erschaffen.
    Dass er sich nie auf ein Genre, eine Schublade, eine bestimmte Erwartungshaltung festlegen ließ oder sich nie auf einem „Erfolgsrezept“ ausgeruht hat, bewundere ich sehr.
    Trotzdem höre ich mir immer noch am liebsten die YMO Sachen an. Die innovative, kreative Energie die da drinnen steckt begeistert mich nach wie vor.

  12. Profilbild
    radltomi

    Ich kannte ihn bisher auch noch nicht. Aber dieser Nachruf hat mich neugierig gemacht. Darum werde ich mir demnächst mal ein paar seiner Werke anhören. R.I.P.

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