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Test: Alto Trouper Kompakt-PA Säulenlautsprecher

12. Mai 2019

Klassische Gesangs-PA in Säulenform

Alto Trouper

Alto Trouper Kompakt-PA im AMAZONA.de-Test. Alto Professional wurde mit dem Beginn dieses Jahrtausends in den USA gegründet und hat sich nach Firmenaussage voll und ganz dem Live-Sound verschrieben. Alto stellt vor allem Lautsprecher, Verstärker und Mixer im unteren Preissegment her. Die Hauptzielgruppe sind dabei kleine Veranstaltungshäuser, Bands und Alleinunterhalter.

Säulenlautsprecher oder nicht? Das ist hier die Frage

Alto Trouper

Schmal und hoch – und doch keine Säulen-PA

Das kompakte PA-System Alto Trouper scheint auf den ersten Blick dem momentanen Trend zur Säulen-PA zu folgen, doch bei genauerem Blick offenbart sich hier zum Glück ein klassischer PA-Lautsprecher mit der Tendenz zur Säulenform. Ich möchte hier die Vorteile einer guten Säulen-PA nicht schlechtreden, doch vor allem bei den sehr kompakten Säulen-PAs aus dem Einsteigerbereich treten leider die Nachteile zu stark in den Vordergrund. Das Problem ist das Gleiche wie beim mittlerweile vergangenen Hype um kompakte 5.1 Surroundanlagen, denn die äußerst wichtige Mittenwiedergabe ist bauartbedingt zum Teil unterirdisch. Säulen PAs bestehen in der Regel aus einem Sub und einer schmalen, hohen Säule pro Seite. Dabei übernimmt der Sub neben der Basswiedergabe in der Regel auch den Tiefmittenbereich, da die Hochmitteltöner in den Säulen schlicht zu klein sind, um im Tiefmittenbereich ausreichend Pegel zu entfalten. Dadurch liegt die Trennfrequenz mitten im Grundtonbereich der menschlichen Stimme und vieler Instrumente. Stimmen klingen dadurch kraftlos, phasig und unausgewogen, bisweilen sogar nervig. Auch die zum Teil sündhaft teuren Line-Arrays, die wir alle von Festivals und Großveranstaltungen kennen, klingen nur dann wirklich gut, wenn sie exakt gewinkelt und auf den Raum perfekt eingestellt sind. Nicht selten sehe und höre ich, wenn ich auf Konzerte gehe, große Line-Arrays in eher kleinen Räumen und bin vom Klang wenig angetan. Das Line-Array Prinzip dient ja als Grundlage für die moderne, kompakte Säulen-PA und hat seine Vorteile vor allem in der hohen Reichweite und der homogenen Klangverteilung. Um aber auf das eigentliche Thema zurückzukommen, die Alto Trouper sieht zwar aus wie eine Säulen-PA, ist es aber nicht. Sie ist eine klassische Zwei-Wege Box, bei der statt eines großen Tieftöners einfach drei kleinere 6,5 Zoll Treiber zum Einsatz kommen. Und ich kann vorab schon sagen, dass die Stimmwiedergabe der Alto Trouper gemessen am Preis exzellent ist.

Alto Trouper Kompakt-PA, erster Eindruck und Verarbeitung

Alto Trouper

Frisch ausgepackt

Was sofort beim Auspacken auffällt, die Lautsprecher von Alto stinken sehr stark nach chemischer Farbe. Nach zwei Tagen Dauernutzung hat die Geruchsbelästigung ein wenig abgenommen, aber nicht signifikant. Wer also sehr empfindlich für derart chemische Gerüche ist, sollte die Boxen erst einmal gründlich an der freien Luft ausgasen lassen oder sich in höheren Preisregionen umsehen. Die Geruchsbelästigung ist nämlich höchstwahrscheinlich dem Herstellungsbudget und dem daraus resultierenden guten Preis-Leistungs-Verhältnis geschuldet. Das Gehäuse der Alto Trooper besteht aus MDF und ist mit schwarzem Vinyl überzogen. Die Trapezform hilft dabei, stehende Wellen im Lautsprechergehäuse zu vermeiden.

Alto Trouper

Rückseite mit Bedienpanel und Griff

Die Box ist mit 74 cm recht hoch, dafür aber mit 21 cm in der Breite und 26 cm in der Tiefe recht schmal. Die 10 kg Gewicht lassen sich aufgrund der Bauform recht gut tragen. Der großzügige Griff auf der Rückseite lässt dabei auch das einhändige Tragen problemlos zu. An der Unterseite befindet sich neben vier Gummifüßen auch ein Stativflansch für die Ständermontage.

Alto Trouper

Der Blick auf die Unterseite offenbart die Trapezform

Ein Kantenschutz aus Metall befindet sich an allen acht Ecken des Gehäuses. Die Verarbeitung bietet dabei keinen Anlass zur Kritik, die Potis und Knöpfe machen ebenfalls einen guten Eindruck. Eine Möglichkeit zur Verriegelung der XLR-Eingänge gibt es ebenso wenig wie beim Kaltgeräteanschluss zur Stromversorgung.

Alto Trouper

Metallgitter, aber keine Hinterspannung

Zum Schutz der Treiber wird die Lautsprecherfront von einem durchgehenden Metallgitter geschützt, Gaze zum Schutz vor Staub oder Sand gibt es aber nicht. Wer also viele Veranstaltungen am Strand macht, sollte dies bedenken. Es ist bisweilen schon erstaunlich, wie viel Sand sich innerhalb kurzer Zeit in einem Lautsprecher ansammeln kann.

Die technischen Daten der Alto Trouper Kompakt-PA

Wie oben schon erwähnt, besitzt die Alto Trouper Kompakt-PA gleich drei 6,5 Zoll Tieftontreiber und einen 1 Zoll Kompressionstreiber für den Hochtonbereich. Angetrieben werden die Treiber per Bi-Amping. Für den Tiefton stehen dabei 130 Watt und für den Hochton 70 Watt bereit. Die Trennfrequenz liegt bei 1,8 kHz, die Frequenzwiedergabe wird von 65 Hz bis 20 kHz angegeben. Die kontinuierliche maximale Lautstärke wird mit 117 dB beziffert, was für den Proberaum oder kleine Kneipengigs locker ausreichen sollte. Um einer spontanen Selbstzerstörung durch unsachgemäßen Gebrauch vorzubeugen, wurden Thermal- und Überlastungs-Schutzschaltungen integriert.

Alto Trouper

Bedienpanel

Kommen wir nun zum Bedienpanel auf der Rückseite, das zum Schutz vor Transportschäden vertieft in die Gehäuserückwand eingelassen wurde. Die Alto Trouper Kompakt-PA besitzt zwei Mono-Inputs im XLR-Combo-Format und einen Stereoeingang, der wahlweise als 3,5 mm Miniklinke oder Cinch vorliegt. Alle drei Eingänge besitzen einen eigenen Pegelregler und einen 2-Band EQ. Abgerundet wird das Ganze durch den Master-Lautstärkeregler. Damit ist es prinzipiell sogar möglich, als Alleinunterhalter auch ohne externes Mischpult auszukommen. Das Fehlen von integrierten Effekten sowie eines Hi-Z-Eingangs für Gitarren macht dieses Szenario allerdings eher unwahrscheinlich. Die Alto Trouper besitzt einen Ausgang im XLR-Format, um das Signal an eine weitere Box oder einen Subwoofer weiterzuleiten, einen Ground-Lift Schalter zum Trennen der Masseverbindung bei Brumm-Problemen sucht man allerdings vergeblich.

Bluetooth-Funktion der Alto Trouper Kompakt-PA

Das Empfangen von Audiodaten per Bluetooth beherrschen mittlerweile viele Aktiv-Lautsprecher, doch nur wenige können ein Stereo-Musiksignal auf zwei Lautsprecher aufteilen. Genau das ist aber mit der Alto Trouper möglich. Dafür muss zuerst eine der beiden Alto Trouper mittels der Pairing-Taste mit einem Mobil-Gerät verbunden werden. Beim ersten Verbinden muss Alto Trouper auch in den Bluetooth-Einstellungen des Mobilgerätes ausgewählt werden. Danach werden die beiden Boxen mittels der Stereo-Link Taste, die an beiden Boxen gedrückt werden muss, miteinander gekoppelt. Laut Handbuch kann das bis zu 60 Sekunden dauern, im Test hat es ca. 10 Sekunden gedauert. So lässt sich Musik auch bequem per Bluetooth in feinstem Stereosound genießen. Die Wiedergabequalität über Bluetooth unterscheidet sich nicht hörbar von der kabelgebundenen Verbindung, was ich auch schon anders erlebt habe. Die maximale Reichweite, bis erste Aussetzer zu hören waren, betrug im Test ca. 30 Meter bei freier Sichtverbindung, was ein sehr gutes Ergebnis ist.

Klangqualität der Alto Trouper Kompakt-PA in der Praxis

Alto Trouper

Im Einsatz

Die beiden Testexemplare der Alto Trouper Kompakt-PA habe ich ein ganzes Wochenende ausführlich bei einer Live-Aufnahme-Session mit meiner Reggae- und Rocksteady-Band getestet. Die Alto Trouper hatten dabei einerseits die Aufgabe die Gesänge auf Band-Lautstärke zu bringen und andererseits das Aufgenommene wiederzugeben. Die Stimmenwiedergabe ist eine klare Stärke der Alto Trouper. Stimmen werden natürlich, klar und druckvoll wiedergegeben und setzen sich auch im lauten Bandkontext gut durch, ohne aufdringlich zu klingen. Auch lästiges Wummern oder Röhren bei naher Mikrofonbesprechung ist selbst ohne EQ-Bearbeitung kein Problem. Als klassische Gesangsanlage sind die Alto-Trouper also ein sehr gute Wahl. Das Abhören der aufgenommenen Musik war für alle Anwesenden ein ebenso großes Vergnügen, wobei man hier natürlich nicht die Qualität von hochwertigen Studio-Lautsprechern erwarten sollte. Dafür sind die Trouper nicht gemacht. Die reine Musikwiedergabe ist dabei trotzdem hochauflösend und ausgewogen, nur im Bassbereich gehen die Lautsprecher von Alto nicht ganz so tief herunter. Was für die Gesangswiedergabe von Vorteil ist, wird für den DJ eventuell zum Nachteil. Wer also auch zum Tanz aufspielt, sollte deshalb die beiden Trouper im besten Fall mit einem oder zwei zusätzlichen Subwoofern ergänzen, dann flattern auch die Hosenbeine. Kleiner Tipp am Rande: Beschickt man den Subwoofer über einen separaten Aux-Weg nur in den Kanälen, wo der zusätzliche Bassdruck auch gebraucht wird, dann vermeidet man Tiefenmulm beim Gesang, hat aber fette Bässe im Playback.

Fazit

Die Alto Trouper eignen sich als kompakte Aktiv-PA-Lautsprecher sehr gut für die Verstärkung von Gesang, sei es im Proberaum oder bei kleinen Veranstaltungen. Stimmen, aber auch Instrumente werden sehr angenehm und durchsetzungsstark wiedergegeben. Die Wiedergabe von Musik gelingt ebenfalls detailreich und angenehm, nur im Frequenzkeller kann die Alto Trouper Kompakt-PA die Verstärkung eines separaten Subwoofers gebrauchen, wohlgemerkt aber nur für Musik oder für Bass-Instrumente. Wen der recht starke chemische Geruch nicht abschreckt, der wird durch die Alto Trouper mit einer sehr gut klingenden Gesangsanlage und einer großen Anschlussfreudigkeit belohnt. Auch die Möglichkeit, Musik per Bluetooth in Stereo über beide Lautsprecher abspielen zu können, findet sich in dieser Preisklasse eher selten. Die Trouper sind somit eine gut klingende Alternative zu den immer häufiger anzutreffenden kompakten Säulen-PAs und schlagen diese meiner Meinung nach bei der Stimmwiedergabe um Längen.

Plus

  • sehr gute Stimmwiedergabe
  • viele Anschlüsse
  • Bluetooth-Streaming in Stereo

Minus

  • intensiver chemischer Geruch

Preis

  • Ladenpreis: 232,- Euro
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