Test: Anasounds Utopia, Gitarren Delaypedal

16. August 2016

Feine Echos von der Cote d'Azur

Die französische Cote d’Azur zählt sicherlich zu den schönsten Flecken unseres europäischen Kontinents. Doch von dort kommen nicht nur vorzüglicher Weine, schöne Frauen und jede Menge Sonne, auch die Firma Anasounds hat dort ihren Sitz. Gefertigt werden ausschließlich Effektpedale in absoluter Handarbeit, ausgerüstet mit den besten Bauteilen und zudem auch optisch sehr hübsch verpackt in Gehäusen mit Echtholzapplikation und aufgebrachten Lasergravuren.

Sechs Pedale und einen Buffer umfasst das Programm der noch recht jungen Firma um den ebenfalls noch recht jungen Geschäftsführer Alexandre Ernandez. Von diesen Pedalen haben wir uns für einen Test das Anasounds Utopia kommen lassen. Ein Delay, das zusätzlich über eine Modulationsfunktion verfügt und mit seiner ungewöhnlichen Optik sicherlich die Blicke im Schaufenster der Shops auf sich ziehen wird.

Face

— Anasounds Utopia —

Facts & Features

Mon dieu, ist das aber ein kleines Schmuckstück! Alle Pedale von Anasounds besitzen unterschiedliche Holzfurniere, die auf die Oberfläche des Metallgehäuses aufgeklebt wurden. Unser Anasounds Utopia besitzt ein Stück Mahagonifurnier, in das, neben den Bezeichnungen der drei Regler und des Mod Potis, die Silhouette von vier kleinen Schwalben per Laser eingraviert wurde. Doch das ist noch nicht das Ende mit dem Lasern, denn auch die LED (als Betriebsanzeige) wurde hinter einer gelaserten Scheibe aus Plexiglas eingesetzt und beleuchtet das Anasounds Logo ganz dezent beim Aktivieren des Pedals.

Wirklich sehr schön anzusehen und eigentlich viel zu schade, um auf dem Pedalboard zwischen vielen hässlichen Metallkisten, klebrigen Kabeln und Dauergetrampel zu versauern. Da fragt man sich ernsthaft, ob Mastermind Alexandre Ernandez beim Design der Pedale bewusst auf eine weibliche Designerin in seinem Team gesetzt hat. Denn einzig und allein Magalli Goulett zeigt sich für diese edle und außergewöhnliche Optik der Geräte verantwortlich. Und dazu kann man der jungen Dame nur gratulieren!

Team

— Der junge Mann entwickelt, die nette Dame designt – Alexandre Ernandez und Magali Goullet —

Die Länge und die Breite des Gehäuses bewegen sich mit rund 12 bzw. 6 cm noch im üblichen Terrain, eine Höhe von 5 cm ist allerdings schon ungewöhnlich für ein Delaypedal. Für diejenigen, die das Anasounds Utopia nicht mit Velcroband auf dem Pedalboard festkletten wollen, liegen im Lieferumfang vier Gummifüße zum Aufkleben bei. Auch eine Bedienungsanleitung befindet sich mit im Karton, allerdings nur in englischer Sprache.

Die Potis und Schalter des Anasounds Utopia

Die entsprechen absolut dem, was man von einem so genannten „Boutiquepedal“ erwarten kann und auch sollte. Die Potis sind mit Sechskantmuttern am Gehäuse gesichert, besitzen durchsichtige Köpfe und laufen wie in Butter. Es erwarten uns die üblichen Parameter eines Delays, nämlich Mix, Anzahl der Wiederholungen (RPT) und Länge der Verzögerung (DLY). Auch die Bezeichnungen der Potis wurden in das Mahagonifurnier eingraviert und sind etwas klein ausgefallen und daher nur schwer zu erkennen. Aber na ja, nach zwei Minuten Beschäftigung mit dem Anasounds Utopia funktioniert die Bedienung garantiert im Blindflug.

Neben dem robusten Metallschalter zur Aktivierung des Effekts existiert noch ein weiterer, deutlich kleinerer Kippschalter im Schatten der drei Potis. Auch er zeigt sich sehr robust und dient zum Zuschalten der Modulation, die das Echosignal mit jeder Wiederholung umschließt. Wem die ab Werk vorgegebenen Parameter in Bezug auf Klangfarbe, Verzögerungszeit und Modulationstiefe nicht ausreichen, der sei herzlich eingeladen, sich an den intern verbauten Trimmpotis auszutoben und den Sound an seinen persönlichen Geschmack anzupassen. Und der kann auch gleich begeistert darüber sein, mit welcher Sorgfalt dieses Pedal doch zusammengesetzt wurde.

Inside

— Saubere Verarbeitung – Anasounds Utopia mit abgenommener Bodenplatte —

Platz für eine Batterie ist trotz der relativ großen Bauhöhe nicht übrig geblieben, somit muss ein Netzteil herhalten. Das wird an der Stirnseite angeschlossen, so wie auch der Audio Ein- bzw. Ausgang, was wiederum für einen platzsparenden Einsatz auf dem Pedalboard spricht. Der Netzadapter befindet sich nicht im Lieferumfang des Anasounds Utopia, aber auch hier tut es der Standard aus dem IBZ/BOSS Lager.

Hochwertige und durchdachte Verarbeitung bis ins Detail

Die hochwertige Verarbeitung des Pedals spiegelt sich auch an Kleinigkeiten wie etwa der Netzbuchse wider. So wurde hier ein Typ verwendet, der nicht nur mit dem Metallgehäuse verschraubt wurde, sondern zudem auch den eingeführten Netzstecker komplett umschließt. Das Einstecken geschieht zwar mit etwas Kraftaufwand, dafür ist aber ein versehentliches Herausrutschen nahezu ausgeschlossen!

Auch über die Folgen von fehlgeleiteten Fußtritten muss man sich beim Anasounds Utopia keine großen Gedanken machen, denn die drei Regler und der kleine Mod-Schalter liegen weit außerhalb des Gefahrenbereichs. Die LED hinter der kleinen gravierten Plexiglasscheibe passt nicht nur optisch wunderbar ins Gesamtbild, sondern sie informiert darüber hinaus (durch die vergrößerte Fläche) stets zuverlässig über den aktuellen Betriebszustand des Pedals.

MOD Poti

— Knackig einrastender Mod-Schalter —

Zwischenzeugnis

Nach der ersten genauen Betrachtung hinterlässt das Anasounds Utopia einen starken Eindruck. Optisch betrachtet ein Schmuckstück, kann das Pedal zudem mit robusten Potis, Buchsen und Schaltern aufwarten und zeigt sich durch die internen Trimmpotis überaus flexibel, was das Anpassen auf den persönlichen Geschmack bzw. das Einsatzgebiet betrifft. Ein kleines Manko finden wir dann doch noch, aber das ist nur optischer Natur und betrifft die Verklebung des Holzfurniers, das sich nach ein paar Tagen im Einsatz an einer der Kanten vom Gehäuse ablöste. Ein Tropfen Sekundenkleber – und die Sache ist gegessen. Hören wir nun ab der nächsten Seite, wie die Echos von der Cote d’Azur denn nun klingen.

Sound & Praxis mit dem Anasounds Utopia

Egal ob Slapback Echos oder Delays mit der maximalen Verzögerungszeit von 600 ms, das Anasounds Utopia klingt in beiden Kategorien und in sämtlichen dazwischen einfach fantastisch! Dank des sehr niedrigen Rauschpegels sind die Wiederholungen auch nach vielen Durchgängen noch sauber und artikuliert wahrzunehmen. Und sie besitzen eine wunderbar charmante, analoge Färbung, bei denen den Fans von Vintage Sounds garantiert sofort das Herz aufgehen dürfte!

BB

Die Potis arbeiten sehr präzise und erlauben so ein feinfühliges Einstellen der Verzögerungszeit und der Anzahl der Wiederholungen. Sicherlich wäre eine Tap Tempo Funktion hier das i-Tüpfelchen, dafür wäre allerdings ein größerer technischer Aufwand nötig. Beeindruckend gut klingt der Sound nach Zuschalten des Mod-Modus, der mittels des internen Trimmpotis von einer sanften Schwingung bis zu einem leichten Vibrato variiert werden kann. Die Echos verschwimmen dann sehr schön zu imposanten Klangkaskaden, die mit dem Repeat-Poti bis hin zur Selbstoszillation getrieben werden können.

Anasounds Utopia Gitarren Delaypedal

Dank goldbeschichtetem True Bypass Relais wird das Originalsignal in keiner Weise beeinflusst. Aber auch bei zugeschaltetem Effekt, im Test wurde das Anasounds Utopia vorwiegend im Effektweg eines Röhrenamps eingesetzt, ist keine Verschlechterung der Soundqualität wahrzunehmen. Das Signal wird exakt so ausgegeben, wie es die Eingangsbuchse erreicht. Nur eben angereichert mit warmen und fett klingenden Echos!

Fazit

Mit dem Utopia hat die noch junge französische Firma Anasounds gleich einen echten Volltreffer gelandet. Verpackt in einem sehr ansprechenden Design und ausgestattet mit hochwertigen Bauteilen, bietet dieses Delaypedal eine breite Palette von analog klingenden und nahezu rauschfreien Echosounds, die in allen Facetten bzw. bei allen Verzögerungszeiten beeindruckend gut klingen.

Durch die Möglichkeit, den Klang durch die internen Trimmpotis ganz nach den persönlichen Wünschen anzupassen, gewinnt das Pedal zusätzlich noch ein gutes Stück in puncto Flexibilität und kann so den kompletten Bedarf an Echosounds locker abdecken. Vintage Echo Fans: Unbedingt antesten!

Plus

  • wunderbar warmer und flexibler Sound
  • hochwertige Bauteile
  • Verarbeitung
  • Anschlüsse platzsparend an der Stirnseite
  • Optik/Haptik

Minus

  • -

Preis

  • Ladenpreis: 209,- Euro
Klangbeispiele
Forum
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    harrymudd  

    Was die Bauteilqualität angeht, sehe ich nur Billigkram: Buchsen, Widerstände, Kondensatoren usw. sind allesamt billigstes Chinazeug – Materialwert vielleicht 20€.
    Schaue ich mir jetzt den Preis an, so erhärtet sich bei mir der Verdacht, dass hier ein weiterer Hersteller auf den überflüssigen Boutique-Boom aufspringt und leichtgläubige Mucker um ihr sauer verdientes Geld bringt.
    Und langweilig ist dieses Pedal IMHO obendrein.

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      Zetahelix  

      Hahaha, der Harry nun wieder :)

      Klar, so´n Teil setzt sich auch von selbst zusammen, die Entwicklung kostet auch nichts und der Harry will sowas für 49 Euros nach Hause geliefert bekommen :)

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        harrymudd  

        immer diese Vorurteile:)
        Nein im Ernst – die Schaltungen in diesen Pedalen werden selten von den Firmen neu entwickelt. Oft sind es Applikationen der Chiphersteller, die 1:1 in diese Pedale eingebaut werden.
        Ich finde 209 Euronen für ein Delaypedal mit einem allerwelts-Sound und ohne besondere Features einfach zu teuer.
        Und – es gibt für 49€ Delays, die dem hier getesteten soundlich und qualitativ das Wasser reichen können.

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          Stephan Güte  RED

          Hi harrymud,

          Mit Verlaub – das ist Blödsinn. Ich hatte hier schon Effekte von NUX, Mooer, etc. die waren sogar etwas teurer als 49,- Euro aber so übel, dass ich die gar nicht testen wollte. Rauschen, dünner Sound, wackelige Potis, da geh ich persönlich für das Geld lieber mit meiner Freundin abends gut Essen. Du kannst ja gerne mal ein paar Beispiele von Analog Delays der 50-Euro-Klasse nennen, ich höre mir das gerne mal an.
          Ich möchte auch noch mal darauf hinweisen, dass die Klangbeispiele im mp3 Format nicht immer als repräsentativ angesehen werden können. Das beste Bild macht man(n) sich immer noch beim selber Antesten :)

          Viele Grüße

          Stephan

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      dilux  AHU

      was die kommentarqualität angeht sehe ich nur magerkost: argumente, fakten usw. sind allesamt äusserst dünn und schwer zu überprüfen – sachlicher inhalt tendiert gegen null.
      schaue ich mir jetzt das fazit an, erhärtet sich bei mir der verdacht, dass hier ein weiterer amazona.de-poster auf den überflüssigen zu-teuer-diss-trend aufspringt und leichtgläubigen lesern fachwissen vorgauckelt.
      und langweilig ist dieser post IMHO obendrein.

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        harrymudd  

        also ein paar Fakten:
        -der in dem Pedal verbaute Echo Chip PT2399 kostet ca 2 Euro und arbeitet digital.
        Er ist unter DIYlern beliebt (siehe http://www.....alog-echo/).
        Der geneigte Käufer wird mit dem Zauberwort ‚analog‘ geködert. Selbst Stephan ist hier reingefallen, indem er schreibt, dass diese Geräte alle analog sind.
        -die passiven Komponenten sind Billigstbauteile
        In dem ganzen Pedal finde ich null Innovation.
        Schaue ich mir andere Pedale an, so finde ich interesante Deteilverbesserungen oder neue Ideen. Z.B. TC mit Toneprint.

        Ich beschäftige mich seit 40 Jahren mit Elektronik und kann denke ich sehr wohl beurteilen, ob ein solches Gerät qualitativ hochwertig ist oder nicht. Dieses ist es nicht.

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          dilux  AHU

          den pt2399 kenn ich auch, ohne mich 40 jahre mit elektronik beschäftigt zu haben, aber wo siehst du den denn bitte? ich sehe nur einen 16pin chip….genausogut könnte einer der 8pin chips ein bbd sein….glaskugel lässt grüssen

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    AMAZONA Archiv

    Die Designerin macht ja einen netten Eindruck, und ihr Design gefällt mir. Technisch gesehen ist da nix neues dabei. Und der Preis ist mir zu hoch. Egal ob da Boutique oder sowas drauf steht.

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    AMAZONA Archiv

    Muss „harrymudd“ leider Recht geben.
    Als ich in den Soundbeispielen das Delay ins Feedback gehen hörte und wie es dabei klingt, dachte ich sofort:
    genau den Sound kenn ich doch!:

    KORG MONOTRON DELAY ! (52€ ;-)

    (Da hab ich die Kommentare hier noch gar nicht gelesen)

    Und siehe da, der selbe Delay-Chip!

    Also zahlt man hier fürs Gehäuse und Modulation ca 150 €

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    AMAZONA Archiv

    Also zahlt man hier fürs Gehäuse und Modulation ca 150 € und jaaaaaa natürlich die Designerin kostet Geld….

  5. Profilbild
    Vati  

    Wie ,was, hier wird ein Gerät als Analog eingestuft obwohl ein Digitalchip verbaut ist. Was soll das denn ? Peinlich Herr Güte. Und dann sind natürlich die. mp3 wieder Schuld. Danke für die Aufkärung „harrymud“. Dieser „Test“ bestätigt leider meine Vermutung, dass in letzter Zeit einige Redakteure (vor allem auch im Studiobereich) den „Retro-Charm“ so erlegen sind, das alte Drehknöpfe, „Zappelanzeige“ , schweres Metallgehäuse, wuchtige Schalter, dicke Kabel, usw. schon ausreichen, um nach „Analog“ zu klingen. Leute , macht aus euren Ohren kein „analoges Museum“.
    Herzliche Grüße von Vati

  6. Profilbild
    utopia3000  

    Vor allem: Warum wird nicht nachgebessert? Leute verkaufen das Pedal mittlerweile gebraucht und preisen es auch als hochwertig an. Helft uns doch bitte die Wahrheit nicht aus den Augen zu verlieren..

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