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Test: Audio Design Desk, Audio DAW für Filmvertonung

Bereit für die Prime-Time?

12. Dezember 2022
audio design desk test

Audio Design Desk, Audio DAW für Filmvertonung

ADD: Audio Design Desk steht sowohl für das Produkt als auch für die Firma. Audio Design Desk soll das Vertonen von Videos und Filmen revolutionieren und dabei hilft eine AI-gestützte Komponente, die sog. Sonic Intelligence. Diese soll die Art, wie Nutzer Sounds finden, nutzen, synchronisieren und generell damit umgehen, revolutionieren. Schaut man detaillierter in die Produktpräsentation hinein, so ist zu erfahren, dass Audio Design Desk lernt, welche Sounds, Klänge, Foleys und Musik man verwendet und macht daraufhin Vorschläge in neuen Projekten. Das nicht immer wo „AI“ draufsteht, auch ein tolles Produkt dahintersteht, ist bekannt. Genau so können die modernen Plurimi-Parameter-Algorithmen (sprich: Neurone Netzwerke) aber auch Erstaunliches leisten, wie andere Audio-Software zeigt. An welcher Stelle des Spektrums steht nun die DAW, die sich vordringlich an Sounddesigner für Video und Film wendet?

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Installation von Audio Design Desk

Audio Design Desk - vollansicht

Hat man sich für ein Bezahlmodell entschieden (Abo oder Einmalzahlung), enthält man nach der Registrierung einen Unlock-Code und gibt ihn beim ersten Start ein. Es gibt drei ABO-Modelle:

  • Basic $ 8,99 / Monat; $ 98 / Jahr
  • Personal $ 14,99 / Monat; $ 149 / Jahr
  • Professional $ 29,99 / Monat; $ 299 / Jahr

Und es gibt Personal ($ 299) und Professional ($ 599) auch mit einer Einmalzahlungsoption. Die Grafik zeigt einen Überblick über die Unterschiede. Die Software ist z.  Zt. nur für macOS ab Version 10.13 erhältlich und läuft auch auf Apple-Silicon Macs.

Audio Design Desk - versionen

Audio Design Desk positioniert sich damit im mittleren/oberen Preisbereich für DAWs und tritt damit in Konkurrenz zu den großen Namen von Apple, Ableton oder Steinberg.

Audio Design Desk – von Kopf bis Fuß auf Filme eingestellt

Da die Firma selber nicht genug betonen kann, wie sehr die DAW auf das Vertonen von Filmen zugeschnitten ist, werde ich diese auch hauptsächlich unter diesem Gesichtspunkt betrachten. Dafür nehme ich ein kleines Filmprojekt, bei dem es äußerst leise ist – einen Stummfilm. Ich möchte sowohl Foley, Ambience und Musik oder zumindest Musik-Cues einbauen und dabei ausschließlich bordeigene Mittel verwenden.

Genereller Aufbau der Audio Design Desk Software

Die Firma selber empfiehlt Audio Design Desk auch für das eigentliche Musikmachen. Da aber keinerlei MIDI unterstützt wird, außer zur Eingabe von Triggern, würde ich das nicht in Betracht ziehen. Auch versteht die DAW nur AU-Plug-ins. Leider konnte ich auf meinem Rechner keinen AU-Scan erfolgreich abschließen. Und obwohl mir der technische Support nach bestem Wissen geholfen hat, konnte ich das Problem nicht beheben; alle anderen DAWs auf meinem System scannen AUs problemlos. Dennoch möchte ich das Problem eher VOR dem Rechner verorten. Und da ich eh nur bordeigene Mittel einsetzen wollte …

Damit habe ich aber auch keine EQs oder gar einen Kompressor zur Verfügung. Zusätzlich zum integrierten Pitch-Shift-Algorithmus, kann ich lediglich Lautstärke und Panorama einstellen.

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Alle Infos können im Online-Manual mit Suchfunktionen nachgeschlagen werden. Immerhin hat man darauf geachtet, einen Sachverhalt vollständig auf einer Web-Seite unterzubringen, so dass beim Drucken als PDF ein Thema komplett behandelt wird. Dennoch hätte ich mir gewünscht, man hätte sich die Mühe gemacht, so ein PDF zusammenzustellen.

Apropos Panorama: Audio Design Desk unterstützt z. Zt. lediglich Stereo-Ein- und Ausgabe. Es gibt also keine Mehrkanal-/Surround-Unterstützung. Für eine DAW, die sich selber im Filmbereich positionieren will, schwierig.

Direkte Anbindung an Stock-Media-Portale

Dafür gibt es eine Menge anderer Sachen, die andere DAWs nicht bieten. Es gibt nicht nur Integrationen in Services wie frame.io (das filmische Äquivalent zu Slack oder MS-Teams), sondern auch eine direkte Einbindung von Stock-Media-Services (für Audio, Video und Bilder) wie Free Music Archive, SmartSound oder Landr.

Dazu trägt man diese einfach im prominenten Library-Fenster ein, meldet sich an und kann direkt aus Audio Design Desk heraus darauf zugreifen. Ein Zugriff auf eigene Dateien findet man hier nicht direkt. Man importiert einen eigenen Ordner über die etwas versteckte Funktion „Add Folder as Soundpack“. Danach werden die Dateien gescannt, den übrigen Soundtracks hinzugefügt und fügen sich so nahtlos ins Ökosystem ein.

Ein großes Plus ist die sehr umfangreiche Library an Sounds und Musik, die von Audio Design Desk in Sound-Packs bereitgestellt werden. Hier findet man Gigabyte-weise Material aus den meist kostenlosen Sounds-Packs.

Audio Design Desk - soundpack manager

Es gibt zwei Dateivarianten: m4a zum schnellen Arbeiten und WAV. Beinahe wöchentlich kommen neue Packs hinzu und das ist eine der großen Stärken der DAW. Allerdings sind die Librarys in einem proprietären Format, so dass diese nur über einen Umweg in anderen Programmen genutzt werden können.

Audio Design Desk - sound lib

Ein reichhaltiges Angebot will auch entsprechend durchsucht werden und so gibt es viele Filtermöglichkeiten, den Sound zu finden, den man gerade braucht.

ADD 1.9 test

Trigger-Happy

Möchte man z. B. Schrittgeräusche einbringen, kann man diese auf die Trigger legen und per Hand über Keyboard oder ein MIDI-Controller einspielen. Einer Trigger-Taste können dann mehrere Sound-Varianten zugeordnet werden, die der Reihe nach oder zufällig ausgewählt werden. Die Sounds werden bei Betätigung der Tastatur sofort in die Timeline übernommen; eventuell benötigte Spuren werden automatisch hinzugefügt. Über die Replace-Funktion kann man auch bestehende Trigger durch neue ersetzen. Da das Ganze schnell unübersichtlich werden kann, ist sowohl eine Gruppierung als auch das Auslagern in Stacks oder Gruppen-Spuren möglich.

Audio Design Desk - stacks

Innerhalb dieser Stacks kann man dann immer noch die Positionen ändern. Um aber die Replace-Funktion nutzen zu können, muss vorher der Stack erst wieder aufgelöst werden.

Das Ganze funktioniert auch ganz gut, jedoch muss man schon recht versiert sein, um bei laufender Wiedergabe die richtigen Postionen zu treffen. Eine Möglichkeit, die Wiedergabe zu verlangsamen, so dass die Positionierung einfacher wird, gibt es nicht – schwierig. Es bleibt also nur die Frame-für-Frame-Methode.

Was aber wiederum sehr gut ist, dass alle Inhalte der Librarys Sync-Marker haben. Bei Gehgeräuschen also der Zeitpunkt des eigentlichen Bodenkontakts. Verschiebt man diese Sounds in der Time-Line, kann man sicher sein, immer synchron zum Bild zu bleiben.

add audio design desk test

Der AI-Faktor in Audio Design Desk

Wo kommt den nun die ominöse AI ins Spiel? Eine Nachfrage ergab, dass es sich hauptsächlich darauf bezieht, im Video vorhandene Marker möglichst gut zu erkennen und entsprechende Sounds vorzuschlagen. Ich hatte ja auf mehr gehofft. In diesem Video werden übrigens eine ganze Menge Features angesprochen.

Kommunikation mit anderen Programmen

Audio Design Desk-Audio-Bridge ermöglicht die Synchronisation zu Video-Editoren. Zur Zeit wird aber nur Final Cut PRO unterstützt. Adobe Premiere und DaVinci Resolve sollen aber folgen. Des Weiteren wird eine Synchronisation zu anderen DAWs über MIDI-Time-Code ermöglicht. Wenn auch keine direkte Verbindung möglich ist, so kann Audio Design Desk doch zumindest eine Premiere-XML-Datei ausgeben und alle benötigten Audio-Teile rendern.

Das kleine Hobby-Projekt

Wie erwähnt, habe ich tatsächlich gerade ein nostalgisches Hobbyprojekt, wo Audio Design Desk gerade wie gerufen kommt. Da es sich um einen Stummfilm handelt, muss alles vertont werden. Schritte, Umgebungsgeräusche, Special-Effekts und Musik. Und selbst wenn nachher definitiv ein eigener Soundtrack dazukommen soll, sind die zahlreichen Musik-Stücke oder Cue-Sounds wie Synth-Drohnen einfach sehr gut, um schnell einen Eindruck zu bekommen, wie es dann mal fertig aussehen wird.

Audio Design Desk - library

Da das Suchen nach geeigneten Klängen tatsächlich eine der Hauptarbeiten ist, bin ich dankbar, dass das Library-Fenster eigenständig auf einem zweiten Monitor dargestellt werden kann. Der wirklich riesige Pool an Sounds beinhaltet fast alles, was man benötigt. Mir persönlich sind die Sounds aber manchmal etwas zu plakativ, will sagen überkomprimiert. Die Trigger bringen durch die zufällige Auswahl eines Schrittgeräusches unter zehn Samples oder mehr schon authentische Ergebnisse. Verfeinert man diese mit etwas Lautstärken-Automation lässt sich das Ergebnis hören, bzw. sehen.

Die Navigation in der Time-Line über Mouse-Modifier (zum Zoomen Ctrl bzw. Shift+Ctrl) machen das Arbeiten schnell und vor allem die Sync-Marker sind eine große Zeitersparnis. Für mein Hobby-Projekt alles, was ich brauche. Ich kann dann über Bounce einzelne Spuren oder den Main-Mix zur weiteren Verarbeitung exportieren.

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Fazit

Also, ist Audio Design Desk bereit für die Prime-Time? Nicht ganz, würde ich sagen. Die Librarys sind reichhaltig und sehr gut kategorisiert. Die Sync-Marker wurden auch schon gesetzt. Die vielen Cues und Musik-Stücke perfekt für den ersten Durchgang. Die Anbindung an verschiedene Stock-Media-Services erweitert den Fundus erheblich.

Würde ich große Projekte damit machen wollen? In großen Produktionen sind 200 und mehr Spuren ja keine Seltenheit. Obwohl man die Stacks hat, würde mir das zu unübersichtlich werden. Allein dass ich zur Bearbeitung die Stacks jedesmal entpacken muss, würde mir schnell lästig werden.

Arbeitet man an kleinen Teilstücken, z. B. über die frames.io-Integration, kann ich mir das schon eher vorstellen. In der Workflow-Integration spielt Audio Design Desk eindeutig seine Stärken aus.

Aber die Aussage, man könnte auch Musik in der DAW machen, halte ich geradezu für gewagt – wird doch noch nicht einmal MIDI unterstützt.

Das K.O.-Kriterium ist tatsächlich die fehlende Surround-Unterstützung. In Zeiten von 7.1-Surround oder Dolby-Atoms kann eine Software, die auf diesen Bereich abzielt, es sich einfach nicht leisten, lediglich in Stereo zu arbeiten

Plus

  • große mitgelieferte Bibliothek an Sounds und Musik
  • Integration in Online-Media und -Kollaborationstools
  • gute Library-Verwaltung
  • AI-Unterstützter import von Anmerkungen

Minus

  • kein Mehrkanal-Audio
  • Stack-Gruppen teilw. unpraktisch
  • keine VST-Unterstützung

Preis

  • Basic $ 8,99 / Monat; $ 98 / Jahr
  • Personal $ 14,99 / Monat; $ 149 / Jahr
  • Professional $ 29,99 / Monat; $ 299 / Jahr
  • Einmalzahlung: Personal $ 299, Professional $ 599
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Forum
  1. Profilbild
    t.goldschmitz RED

    Weiß nicht, ob das im Artikel rüberkam. Es geht um den Surround-Aspekt. Man kann beim Exportieren jede Spur/Ordner einzeln ausgeben lassen.

  2. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Wenn man die weltweite Arbeitsteilung und die vernetzten Zulieferungsprozesse für Digitales, gerade auch im Rahmen von Film und Postproduction berücksichtig, hat das Tool sicherlich viel Potential. Der Einsatz für größere mittelständische und große Unternehmen wie Netflix, Disney, HBO, aber auch die GEZ_Öffis usw. leuchtet mir ein. „ADD“ ist für mich ein Vereinfachungstool, das auf Kosteneffekte und Geschwindigkeit zielt, im Bereich wiederkehrender, einfacher Edit und Sync- Arbeiten.

    Das Tool ist auf Soundsuche, Sound Auswahl und einfachste Synchronisation spezialisiert und ermöglich es angelernten Hilfskräften, non Dialog- Anteile, Szene für Szene nach zu synchronisieren und zusätzlich alternative Vertonungen anzubieten. Darüber hinaus „merkt“ sich das Tool wie entsprechende Sounds/FX zu entsprechenden Filmszenzen passen, im Sinne „deep learning“ , so verstehe ich das Tool.

    Für Arbeiten, die mit ADD ausgeführt werden müssen keine gut ausgebildeten Editoren und Post Production Spezialisten beschäftigt (und bezahlt) werden. Die Experten wiederum erhalten die vorbearbeitetn Clip-Inkremente von den Kollegen, die mit ADD arbeiten.

    Auf lange Sicht , mit fortschreitender Automatisierung und Szenenerkennung ist da sicher viel Potential für ADD. Oder aber AVID, Yamaha, Apple und Co strengen sich weiter an, ihre Tools mit deutlich mehr solcher Features anzureichern.

  3. Profilbild
    mdesign AHU

    ich bin seit über 30 jahren regisseur für werbung und corporate-produktionen. so ziemlich alle tonstudios, die ich kenne, vertonen mit protools. da ist für audio desk noch viel luft nach oben. wahrscheinlich zielt die software eher in den semiprofessionellen bereich, wo zB surround auch kaum eine rolle spielt.

    • Profilbild
      AMAZONA Archiv

      @mdesign sorry, das ist nicht als Konkurrenz zu PT, Nuendo und Co gedacht , ich hatte oben etwas geschrieben. Wurde aber noch nicht von der Redaktion freigegeben ;-)

  4. Profilbild
    BÄM

    Ich wüsste nicht, was da besser als in Nuendo sein sollte, selbst der Preis nicht.

  5. Profilbild
    LSF

    Wen es interessiert, die Lizenz mit Einmalzahlung gibt es zur Zeit bei AudioPlugin Deals für 59$.

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