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Test: Behringer XD80 USB, E-Drums

12. Juli 2019

E-Drums für Anfänger

behringer xd80

Behringer XD80 USB, E-Drums

Die Anfrage aus der Redaktion hat mich überrascht – ein E-Drum-Set von Behringer? Seit Jahrzehnten steht Behringer mit seinem Namen für Geräte im Bereich Audio, Recording und Live-Beschallung. Dass Behringer nun auch E-Drum-Sets anbietet, war mir definitiv neu und hat mich neugierig gemacht, was uns da für knapp 300,- Euro als Einsteiger-Set präsentiert wird. Nicht lange auf die Folter spannen, los geht’s mit dem Test des Behringer XD80.

Das Paket des Behringer XD80 USB kommt „strictly inkognito“ in schwarzer Folie gewickelt wie ein Erlkönig ins Haus. Mit etwas unter 20 kg Gesamtgewicht passt das schon einmal in die Riege der aktuellen Einsteiger-Sets. Kompakt sind nicht nur die Maße, sondern auch die Fakten.

Das Set umfasst das Behringer HDS240USB Soundmodul mit 175 Sounds, 15 Kits (verteilt in 10 voreingestellte und 5 User-Kits), 60 Songs (davon 48 als Band-Arrangement für das ganze Drum-Set und 12 als reine Pattern-Lines für die Snare-Drum) und ein 8-teiliges E-Drum-Set mit vier 8 Zoll gummierten Dual-Pads, ein Kick-Pad samt Fußmaschine, ein 12“ Hi-Hat-Becken mit Fuß-Controller sowie zwei 12“ Dual-Zone-Becken, die als Crash und Ride fungieren. Alles wird auf einem klassischen H-Rack mit Auslegern zu beiden Seiten hin gefestigt – die Längen und Größen sind auch für Erwachsene ausreichend.

Behringer HDS240USB Soundmodul

Aufbau und Optik des Behringer XD80 USB

Beim Öffnen des Pakets erblickt mich direkt oben auf den Innenkartons das Heft mit der kombinierten Aufbau- und Bedienungsanleitung in 5 Sprachen. Aha, schon einmal kein Web-Suchen nötig –das ist sehr gut.

behringer xd80 usb

Die Innenkartonagen bestehen zwar nur aus dünnem Karton, reichen als Innenverpackung für den einmaligen Transport jedoch völlig aus. Sogleich fallen darauf die aufgedruckten Abbildungen mit Nummerierungen ins Auge. Das nenne ich mal vorbildlich – das erleichtert das Aufbauen, wenn jeder Karton die Nummer der Einzelteile trägt!

Die beiden Kartonagen der Pads zeigen jeweils eine Abbildung von 4 Pads – nanu? Logischer wäre hier die Abbildung von nur 2 Pads, es sind ja schließlich auch nur jeweils 2 Stück drin. Erfreulich ist es, dass die Nummerierungen auch auf den Tüten der Rack-Einzelteile aufgeklebt sind – die Frage „was is’n das für’n Teil und welche Nummer hat es?“ entfällt somit komplett. Wie schön, so gehen das Auspacken und der Aufbau des Sets besonders schnell von der Hand.

Alle Teile des Racks sind in Schwarz gehalten. Die Pads präsentieren sich mit schwarzer gummierter Schlagfläche und einem silberfarbenen Rahmen. Die Beckenarme zeigen klassischen Chrom-Look und das Soundmodul darf sich dem schicken Silber sogar anschließen. Optisch macht sich das schon einmal gut und sieht nicht billig aus.

behringer xd80 e-drums

Beim Zusammenbau bemerke ich, wie leicht doch die Einzelteile des Racks sind. An der Außenseite sind sie leicht geriffelt und lassen sich leicht zusammenstecken. Die Enden ohne Kappen sind besonders scharfkantig – darauf macht die Bedienungsanleitung bei der ersten Abbildung sofort aufmerksam. Danke, meine Hände wissen das zu schätzen! Wenngleich es hier auch vorteilhaft wäre, wenn diese vor Auslieferung entgratet werden. Vermutlich zählt bei dem eingangs erwähnten Kampfpreis hier jede noch so kleine Ersparnis in der Herstellung. Die Fixierung der Rahmenkomponenten erfolgt entweder per Inbus oder per Drehknauf. Alles ist leichtgängig und kann mit normaler Kraftanstrengung bewerkstelligt werden. Ein passender und drehbarer Schlüssel liegt ebenso bei wie ein Paar Sticks.

Die Halterungen des Snare-Pads und der Tom-Pads ziehe ich im Verlaufs des Spielen noch einmal etwas nach, damit hier auch alles an seinem Platz bleibt. Hierbei war ich aufgrund der Leichtbauweise beim Anziehen der Drehgriffe doch etwas zu optimistisch.

Die Verkabelung vom Soundmodul zu den einzelnen Komponenten löst Behringer ebenso wie viele andere Anbieter mittels einer seriellen Schnittstelle (SCSI) am Modul selbst und einem herausgehenden Kabelbaum auf der Seite des Steckers. Alles ist sauber beschriftet. Leider ist die Kabellänge des Steckers zum Tom 3 etwas zu knapp geraten. Das ist unlogisch, denn das Kabel für das Ride ist im Vergleich dazu länger ausgelegt und befindet sich doch in vergleichbarer Entfernung zum Modul. Damit das Kabel zu Tom 3 hinter dem Kick-Pad vorbeigeführt werden kann, ist es einfach zu kurz. Es spannt dort bereits – so etwas sollte nicht sein!

behringer xd80 e-drums

Kick-Pad des Behringer XD80 USB

Das Kick-Pad überrascht hinsichtlich der Bauweise: Die Befestigungsnase, woran die Fußmaschine montiert wird, ist sehr lang ausgelegt. Da der Mechanismus zum Festschrauben am Pedal mit sehr weichem Gummimaterial bestückt ist, muss hier auch gut festgezogen werden. So fest, dass das weiche Material sehr weit zusammengedrückt wird. Der Abstand zum Kick-Pad ist fix vorgegeben und in dieser Montageposition liegt der Aufschlagpunkt des Beaters leider nicht in der senkrechten Achse, sondern schlichtweg zu weit dahinter. Somit trifft der Beater einerseits später die Schlagfläche und andererseits recht schräg auf das Pad. Die Folge beim Spielen ist Instabilität und schräge Abnutzung des Beaters. Leicht instabil wird das Kick-Pad auch aufgrund des fehlenden Klettmaterials – denn auf der Unterseite gibt es nur die zwei Feststelldorne. Weshalb? Dem Hi-Hat-Controller wurde doch auch beides – sprich Dornen und Klettband – spendiert.

behringer xd80 e-drums 1

Alle Pads sind 8 Zoll groß – egal ob Tom oder Snare. Die gummierte Schlagfläche fühlt sich beim ersten Drucktest mit den Fingern positiv weich an und gibt ein passables Spielgefühl samt Rebound-Eigenschaften. Sie verfügen neben der Spielfläche auch über einen Sensor im Rand. Somit stehen jeweils zwei Sounds pro Pad zur Verfügung.

Die 12“ Dual-Zone Becken-Pads sind ebenso recht weich ausgelegt, wenngleich Crash- und Ride-Becken wesentlich dicker ausgelegt sind als das Hi-Hat-Pad. Der Grund dafür liegt in der Choke-Funktion: Dieser Bereich führt analog zur geteilten Schlagfläche auf der Unterseite der Pads entlang und macht es dort etwas dicker. Der Bereich lässt sich gut greifen, doch zum Abstoppen des Sounds benötigt man schon einen „beherzten Druck“. Der Rebound der Becken ist ebenso weich ausgelegt und so lässt es sich angenehm darauf trommeln.

Die Konstruktion des Ride-Beckens als ein Dual-Zone-Pad bedeutet Kompromisse bei den Sounds: Entweder man hat den Bow-Sound auf der Spielfläche und den Edge- (Kanten-) Sound auf dem Rand liegen oder aber den Glockensound auf der Spielfläche und den Kantenklang am Rand. Theoretisch können natürlich beide Bereiche frei belegt werden. Nur was wäre die Alternative? Den Bow-Sound auf die Spielfläche und den Sound der Glocke auf den Rand legen? Wenn man bedenkt, dass das Kit für Einsteiger gedacht ist, dann sollte das nicht die Basis-Variante sein.

Allein beim Hi-Hat-Pad ist der Kunststoff härter ausgelegt. Somit „klackt“ dies beim Spielen deutlich lauter als die beiden anderen Pads. Auch bemerkt man recht schnell, dass dieses Pad im Vergleich zu den beiden anderen Pads ein anderes Spielgefühl mit sich bringt. Das ist schade, denn Einsteiger haben selbst bei günstigen Akustik-Becken schon überall vergleichbare Materialien.

Der Hi-Hat-Controller weist neben zwei Klettflächen auch 2 Fixierdorne auf. Dies macht ihn stabil und er funktioniert gut. Das Zusammenspiel mit dem Pad ist ordentlich. Der Hi-Hat-Sound klingt jedoch bei schnelleren Figuren eher maschinenmäßig.

Das Soundmodul Behringer HDS240USB bietet ein LC-Display mit bernsteinfarbenem Hintergrund – es ist angenehm lesbar und ausreichend hell. Die Buttons sind gummiert und reagieren gut. Schade, dass es kein Drehrad für die Einstellungen gibt, sondern nur Up- (Plus-) und Down- (Minus)-Taster. In der Bedienungsanleitung sind alle Seiten mit Anschlüssen abgebildet und erklärt. Da dies in fünf Sprachen nacheinander erfolgt, finden sich nach der Abbildung aller Ansichten mehrere Seiten Übersetzungen. Hier wäre es sinnvoller, pro Doppelseite jeweils immer nur eine Abbildung zusammen mit den mehrsprachigen Erklärungen zu layouten und danach die nächste Abbildung mit Beschreibung „and so on“.

behringer xd80 e-drums

Sounds und Spielgefühl des Behringer XD80 USB

Als ich das Modul einschalte und die Lautstärke erst einmal auf 9 Uhr einstelle (das entspricht einem Output-Level von 30 %), föhnen mir die Sounds bereits recht heftig ins Ohr. Holla holla, was passiert, wenn ich auf 100 % aufdrehe? Ich teste es lieber nicht.

Ich stelle fest, dass die Lautstärke des Kopfhörerausgangs nicht separat geregelt werden kann, denn der Lautstärkeregler ist sowohl für den Kopfhörerausgang als auch für den Stereo-Output maßgebend. Wer nur einzeln über Kopfhörer übt, den stört dies wohl kaum – beim Mitschneiden der Audiobeispiele war dies hingegen ein Thema und bedarf eines Kompromisses.

In den werkseitigen Kits übersteuern beim ersten Test das Kick-Pad und das Crash recht schnell. Eine Anpassung der Sensitivität bringt direkt Abhilfe. Auch ist es möglich, die Lautstärken pro Sound/Voice festzulegen.

Insgesamt wirken die Sounds beim ersten Test sehr „bissig“ und scharf vom Klangbild her – der Grund ist schnell gefunden. Der Reverb-Effekt ist standardmäßig aktiviert und beeinflusst den Klang vor allem in den Höhen. Ich habe euch mal das Kit 03 im Wechsel mit und ohne Effekt eingetrommelt – am deutlichsten hört man es mit Kopfhörern.

Mit der Utility-Funktion kann jeder Sound hinsichtlich Sensitivität, Threshold, Crosstalk (= Übersprechungseffekt zu anderen Pads) und Klangkurve eingestellt werden. Im Menüpunkt Voice lassen sich die Lautstärke, die Tonhöhe, die Panoramaposition und die Stärke des Reverbs einstellen. Hierbei sollte man keine Wunder erwarten, jedoch funktioniert jeder Bereich grundsätzlich wie angegeben.

Die Soundpalette bietet einen Querschnitt über viele Standard-Sounds in 10 Kits (Acoustic, Standard, Rock, Power, Jungle, Jazz, Brush, Electronic, 808 und House) – wirkliche Leckerbissen finden sich keine darunter.

behringer xd80 e-drums

Insgesamt gibt es 14 verschiedene Bass-Drums, 30 Snares (davon 10 Rim-Sounds), 48 Tom Toms (die in 5 Klang- und 3 Rim-Varianten à 6 Tonhöhen vorliegen), 9 Ride- und 14 Crash-Sounds sowie 20 Hi-Hat-Sounds (4 verschiedene Typen in 5 verschiedenen Spielarten) und 40 Percussion-Sounds. Für den Einsteiger geht dieser Querschnitt völlig in Ordnung.

Die Trainingsabteilung des Moduls biete einen Scoring-Modus als Playalong-Modus. Beim Scoring wird das Spiel hinsichtlich des Timings analysiert und im Display angezeigt: „Good“ bedeutet „in Time“, „slow“ ein zu langsames Timing und „fast“ zu weit vor dem Beat. Ich denke, das ist nicht nur für Anfänger interessant.

Durchaus hilfreich ist der Song-Play-Modus mit 60 Songs – hier findet sich stilistisch von Pop-, Rock- und Heavy- bis hin zu Swing-Grooves eine Menge Material. Ich frage mich jedoch, weshalb diese Song-Palette nicht in der Bedienungsanleitung aufgelistet ist? Das wäre zur Orientierung doch ein feiner Zug.

behringer xd80 e-drums

Wenn der Song abgespielt wird, ertönt neben der Melodie- und Bassspuren ein Rhythmus-Vorschlag auf der Drumspur. Diese Drumspur kann deaktiviert werden, um eigene Ideen zu den Melodien und Arrangements zu trommeln. Dies kann wiederum mittels der Record-Funktion aufgenommen und danach angehöret werden und rundet den Übungsbereich gelungen ab.

Natürlich darf die Metronom-Funktion nicht fehlen. Sie verfügt über einen markanten Clack-Sound. Standardmäßig ertönt auf die „1“ immer ein „Kling“, das sich gut vom „Clack“ absetzt.

Heutzutage auch schon gängig ist die Aux-In-Buchse – so kann aus jeglichen Klangquellen zur Lieblingsmusik „geschlagzeugt“ werden. Die MIDI-Daten können neben herkömmlichen MIDI In- und Out-Buchsen auch über die USB-Schnittstelle zum PC gesendet werden.

Fazit

Eine solide Qualität und Zuverlässigkeit bekommt der Kunde mit dem Behringer XD80 USB, allerdings mit Abstrichen bei den Sounds und den sonstigen Features. So sind 5 User-Kits recht übersichtlich im Vergleich zu 60 Songs. Die Einstellmöglichkeiten pro Kit und Voice sind überschaubar – das geht bei einem Einsteiger-Set dennoch Ordnung.

Die Verarbeitung ist gut und die Optik durchaus ansprechend. Die Hardware funktioniert bis auf die Kick-Pad-Lösung einwandfrei und das Rack steht stabil. 300,- Euro sind natürlich ein absoluter Killerpreis für ein E-Drum Einsteiger-Set und so mischt Behringer auch diese Produktsparte mal wieder ganz gehörig auf.

Plus

  • passable Spielflächen
  • ein gut verarbeitetes sowie optisch ansprechendes Rack
  • viele Playalong-Songs und Übefunktionen

Minus

  • zu großer Aufschlagwinkel beim Kick Pad – das Pad samt Pedal kann dadurch instabil werden
  • Rack-Teile mitunter scharfkantig
  • keine separate Lautstärkeregelung des Kopfhörers
  • Tom-Kabel 3 bereits im Standard-Aufbau zu knapp bemessen

Preis

  • Ladenpreis: 299,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    teofilo  

    808 Kit klingt schon gut, vielleicht liegt es auch am interessanten Einspielen, da man die Sounds sonst von der Drum Machine kennt.

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    Klaus-Dieter

    Ich will ja nicht kleinlich sein, aber das ist weder eine serielle noch eine SCSI-Schnittstelle, sondern eine D-Sub-Steckverbindung. SCSI und seriell bezeichnet nur Übertragungsprotokolle aus der IT, die mit dem, was zwischen den Pads und dem Controller passiert, wirklich nichts zu tun haben. Was auch gut ist, weil sonst könnte man nicht zwei Pads gleichzeitig anschlagen :-).

    • Profilbild
      Christian Herrmann  RED

      Ja so was, der Herr „KaDe“ höchstpersönlich. Wie klein die Welt doch ist… ;-) Du interessiert Dich neuerdings für E-Drums? Willst etwa das Instrument wechseln?!? Oder gilt das Interesse den Neuigkeiten aus dem Hause Behringer? VG

      • Profilbild
        Klaus-Dieter

        Prinzipiell habe ich mich fast immer für alle Instrumente interessiert. Klar, Bässe und Keyboards, Akkustik und E-Gitarren auch und seit Weihnachten ein kleines Cajonbasiertes Drumset. :-)

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