Test: Daredevil Pedals Drive-Bi Dual Channel Gain & Supernova

25. April 2019

Super-Fuzz und Drive-Bi in Heaven? Daredevils Duo schlägt zu!

Daredevil Pedals Super Nova V2 Fuzz und Drive-Bi Gain Verzerrer

Daredevil Pedals Super Nova V2 Fuzz und Drive-Bi Gain Verzerrer

Nein, hier geht es nicht um den blinden Netflix-Rächer von Devils Kitchen – sondern um handgemachte Fuzz-Leidenschaft aus Chicago. Irgendwie muss der Pedalgott im Jahre 2012 ein besonders gutes Jahr gehabt haben: Unzählige Firmen für Pedale wurden in diesem Jahr aus dem Boden gestampft. Johnny von Daredevil Pedals war einer von vielen, die diesem Ruf gefolgt sind. Doch wo bei anderen „verkopfte Experimente“ auf der Tagesordnung standen, gab es für Johnny zwei zentrale Anliegen: „Fuzz“ und „Gain„. Entsprechend liest sich der Katalog der Schmiede aus Chicago: Statt „Sequence-Stutter-Modulation-Reverb“ gibt’s Distortion aus dem „Red Light District“, und statt „Dual-Delay-Echo-Unit“ den „Atomic Cock“-Wah oder „Almighty Bass Fuzz“.

Also: Daredevil steht für dreckigen, authentischen Zerrsound, inspiriert durch die 60er und 70er Jahre Schaltkreise und ihren ungestümen, bretternden Charakter – „the muscle cars of rock’n’roll pedals„, wie es so treffend auf der Homepage von Daredevil Pedals beschrieben wird. Dabei kam der ganze Zug auf die denkbar natürlichste Weise zum Rollen: Aus der Not wurde nämlich Tugend. Knapp bei Kasse, baute sich Johnny seine ersten Pedale selbst, ehe der Musiker- und Bekanntenkreis darauf ansprang und ein paar Jahre später ein kleines Biest daraus wurde. Manchmal belohnt der Pedalgott eben den Willen zum Risiko – oder anders ausgedrückt: Da hat jemand genug Fingerspitzengefühl und eigenen Stil bewiesen, dass es der Markt belohnte.

Wir jedenfalls finden, dass sich ein Blick auf das Sortiment von Daredevil allemal lohnt. Deshalb haben wir uns mit dem Supernova Fuzz V2 und dem Drive-Bi Gain Verzerrer zwei repräsentative Pedale aus dem Sortiment rausgenommen, die zusammen mit dem Dirty Delay eine schöne Trifecta an Neuerscheinungen bieten. Die Idee hinter dieser dreifachen Neuerscheinung von DaredevilA match made in heaven. So darf man es mindestens beschreiben, wenn sich das richtige Fuzz und das richtige Overdrive treffen. Und egal, ob man die Kombination vor den Amp oder direkt in die integrierte Effektschleife einbaut – eine passende Kombination kommt oft aus demselben Hause. Das soll hier nicht anders sein.

Daredevil Pedals – Super Nova V2 Fuzz

Erstmal vorab: Ganz getreu seiner Vorbilder sind auch Johnnys Pedale allesamt handverdrahtet. Was bedeutet das im Konkreten? Vintage und Biss in einem. Leise Töne werden hier nicht angeschlagen und auch einen Feature Overkill braucht man hier nicht zu fürchten:

Das Bedienpanel ist denkbar einfach ausgestattet – und das ist gewollt. Mit dem Volume-Regler lässt sich entsprechend der Output einstellen, wobei man hier Vorsicht walten lassen muss: Der Super Nova V2 Fuzz ist mächtig und jenseits der Drei-Uhr-Marke brutal laut. Mithilfe des Depth-Reglers lässt sich in Sachen Charakter einiges aus dem Super Nova V2 rauskitzeln. Wie man es für ein Silizium-Clipping erwarten kann, ist speziell in höheren Frequenzregionen schnell ein Charakter à la Fuzzrite etabliert. Will heißen: schneidend, extrem bissig und vor allem für Soli geeignet, die sich im Mix im richtigen Moment durchsetzen sollen. Selbstredend beherrscht das Pedal auch das brutzelnde Low-End. Tonfarbe hin oder her – ohne Fuzz-Regler macht ein Fuzz-Pedal selbstredend nicht viel her. Was hat der Super Nova V2 Fuzz diesbezüglich zu bieten? Im Anschlag würgt man das Gain quasi ab und erreicht damit ZVex Mammoth Gefilde: knarzend und ungnädig. Gegen den Uhrzeigersinn gibt es mehr Sustain – und daraus resultierend einen fast schon angenehm cremigen Gain-Teppich.

Daredevil Pedals Super Nova V2 Fuzz und Drive-Bi Gain Verzerrer

 

Zu den Eckdaten sei so viel gesagt: Wie bereits erwähnt, gibt es hier Silizium-Dioden, die einen besonders bissigen Charakter nach sich ziehen. Das Gehäuse ist stabil und gut verarbeitet. Der Super Nova V2 erscheint ebenfalls mit True-Bypass und wiegt 1/4 kg. Einen Mono 6,3 mm Input- und Output-Jack und ein Eingang für ein 9-Volt-Netzteil (das nicht im Lieferumfang mit inbegriffen ist). Damit hat es sich in Sachen Features. Hören wir mal hin!

Tatsache ist: Die Verwendung eines Direct-Ins bei Fuzz-Pedalen ist immer so ein Ding. Prinzipiell kommen Fuzz-Pedale zum Leben, je nachdem welche Amps man verwendet. Erfahrungsgemäß ist beispielsweise der Fender Twin Reverb ein besonders großer Freund von Fuzz-Pedalen. Ebenfalls die gesamte Sparte von Orange oder Vox. Für einen derartigen Test steht ein solches Arsenal jedoch nicht zur Verfügung. Der Charakter des Super Nova V2, der sich beim Direct-In jedoch offenbart, ist jedoch um einiges wärmer, als man es zumindest vermutet hätte. Die Einstellungen arbeiten mit viel Low-End und Depth im Anschlag.

Daredevil Pedals – Drive-Bi Dual Channel Gain Verzerrer

Bekanntlich ist eine passende Kombination von Fuzz und Overdrive der Schlüssel eines guten, authentischen Stoner-Sounds. Der Drive-Bi Dual Channel Gain Verzerrer ist also als Ergänzung für den Super Nova V2 gedacht – das merkt man auch an der optischen Ähnlichkeit der Pedale.

Warum Dual Channel? Weil der Drive-Bi einen Hi- und Lo-Channel besitzt – so einfach ist das. Brutzelt das Ganze ordentlich? Ohne Frage. Auch hier wurde in der Daredevil Schmiede in Chicago alles per Hand verdrahtet. Zugrunde liegt dem Ganzen das OpAmp-Konzept und je nachdem, welcher Kanal gerade eingeschaltet ist, zeigt der Drive-Bi Dual Channel Gain Verzerrer unterschiedliche Qualitäten.

Daredevil Pedals Super Nova V2 Fuzz und Drive-Bi Gain Verzerrer

 

Im Lo-Channel soll sowohl Dreck als auch Sustain im Output liefern, ohne zu sehr das Klangbild zu überzeichnen. Am Low-End tut sich da noch nicht viel, das übernimmt eher der Hi-Channel. Hier werden sowohl Sättigung als auch Komprimierung gleichermaßen gesteigert, was speziell für Soloeinlagen gut zum Tragen kommen soll. Was ein Overdrivepedal also leisten können soll, nämlich zielgerichtet und warm komprimieren und gleichzeitig einen möglichst breitflächigen Boost liefern zu können, wird hier durch zwei separate Kanäle gewährleistet.

Auskommen tut das Pedal mit nur zwei Reglern: Volume (unverzichtbar) für den Output und Distortion für das Ausmaß in Sachen Gain. Auch hier jedoch gibt es kein Netzteil im Lieferumfang, und auch optisch ist der Drive-Bi Dual Channel Gain Verzerrer dem Super Nova V2 sehr ähnlich. Was sagt der Sound? Auch hier gilt: Der Direct-In soll einen unmittelbaren Eindruck des grundsätzlichen Charakters des Drive-Bis vermitteln. Natürlich formt auch hier der Amp den Sound maßgeblich, aber was Daredevil Pedals mit ihren Pedalen grundsätzlich erreichen wollen, nämlich einen dreckigen, authentischen Sound, der sich für alle möglichen Stile eignet (Hauptsache Rock ’n‘ Roll), darf getrost als erreicht gelten. Tatsache ist aber auch: Differenzierte Klänge sind etwas schwieriger zu erreichen – und auch wenn das nicht unbedingt das Trademark eines guten Overdrivepedals ist, so kann man beispielsweise an den OCD Iterationen sehen, dass Transparenz im Sound eines Overdrivepedals durchaus möglich und gern gesehen ist.

Tatsache ist also: Die beiden Pedale Daredevil Pedals Super Nova V2 Fuzz und Drive-Bi Gain Verzerrer sind mit dem Bootleg Dirty Delay Teil einer Veröffentlichungsoffensive, die helfen soll, den Namen Daredevil Pedals verstärkt in die Wahrnehmung der Pedalgemeinde zu drücken. Einer der Vorteile natürlich: Hier ist ein fast schon idiotensicheres, einfaches Bedienungsprinzip an der Tagesordnung, aber bei aller Liebe zur Handarbeit und dem echten, authentischen Rock-Flair: Die Verschaltung eines Overdrive-Pedals oder der Schaltkreis eines Fuzz-Pedals sind jetzt nicht weltbewegend kompliziert oder aufwendig.

Liegt der Preis also über dem Durchschnitt, entsteht hier automatisch das Boutiqueflair, bei dem man sich zunächst fragen muss: Ist der gerechtfertigt? Tatsache ist, dass die Pedale ein bisschen was kosten. Beide sind mit 229,- Euro nicht im Niedrigbereich angesiedelt und genau das könnte dazu führen, dass viele potenzielle Käufer angesichts des stark reduzierten Panels sich (berechtigterweise) fragen: Wozu? Der Sound ist und bleibt bei beiden Pedalen grundsolide – aber ist er wirklich so hervorstechend? Am Ende ist es dann doch vielleicht Geschmacksfrage – wie so oft bei Gain- und Fuzz-Pedalen.

Fazit

Guter Sound, gute Verarbeitung, guter … Charakter? Daredevil haben mit dem Super Nova V2 Fuzz und dem Drive-Bi Gain Verzerrer ein schönes Duo abgeliefert, das schön zusammen aussieht und durchaus seine Berechtigung hat. Die Pedale liegen jedoch ein Stück weit über der regulären Preisklasse, was nicht unbedingt gerechtfertigt ist, wenn man sich die zugrunde liegenden Konzepte vergegenwärtigt. Gute Sache, mäßiges Preis-Leistungs-Verhältnis.

Plus

  • saturierter warmer Sound bei beiden Pedalen
  • einfache Handhabe

Minus

  • mäßiges Preis-Leistungs-Verhältnis

Preis

  • 229,- Euro jeweils
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    volcarock  

    Nur ein Stern für das Produkt weil Preis/Leistung nicht stimmt?
    Dann müsste es bei Amazona konsequenterweise generell wesentlich mehr 1 Sterne Bewertungen geben …

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