Test: Darkglass Microtubes X7, Verzerrer für Bass

15. Januar 2019

Deep and heavy stuff

Darkglass Microtubes X7

Darkglass Microtubes X7

Der finnische Spezialist für Bass-Equipment Darkglass präsentiert ein neues Verzerrerpedal: den Darkglass Microtubes X7. Diese Meldung wäre an sich nichts Besonderes, gäbe es nicht bereits nicht weniger als 11 (!)  aktuelle Pedale dieses Herstellers, die sich mit dem Thema Bassverzerrung beschäftigen. Zugegeben, der eine oder andere Preamp mit zuschaltbarer Verzerrung ist da mitgerechnet, dennoch ist das ein beeindruckendes Sortiment und man kann sich kaum vorstellen, dass da irgendetwas zum Thema Bassverzerrung nicht abgedeckt sein könnte.

Darkglass ist da offenbar anderer Meinung und schickt seinen zwölften Bassverzerrer ins Rennen.

Darkglass Microtubes X7 Facts & Features

Der Testkandidat kommt im schmucken Pappkästchen, einer gedruckten Bedienungsanleitung und ansonsten ohne weiteres Zubehör. Das dringend benötigte 9-Volt-Netzteil muss zusätzlich erstanden werden, da der Hersteller aus Gründen des Umweltschutzes auf einen Batteriebetrieb verzichtet, wie er im englischsprachigen Handbuch ausführt. Bei einem Leistungsbedarf von 70 Milliampere wäre das technisch problemlos machbar gewesen.

Das lediglich 120 x 94 x 46 mm kleine und 320 g leichte Gerät ist in einem aus dünnen Stahlblech bestehenden Gehäuse untergebracht, die Kanten sind gebrochen, die Ecken verrundet und als Oberfläche kommt ein matter, feinkörniger Pulverlack in Anthrazit zum Einsatz. Das Ganze wirkt äußerst nobel und ist perfekt verarbeitet.

Auf der Oberseite des Darkglass Microtubes X7 tummeln sich neben dem Fußtaster nicht weniger als 11 Regler zur Soundkreation. Vier herkömmliche Drehregler als obere Reihe, die zweite Reihe wird aus 5 Minifadern, die außen von 2 Minidrehreglern eingerahmt werden, gebildet. In die Bedienknöpfe der Fader sind rote LEDs eingebaut, die den Betriebszustand des Verzerrers anzeigen, indem sie im aktiven Zustand leuchten. Zusätzlich lässt sich die Position dieser 5 Fader natürlich in der Dunkelheit exzellent ablesen, außerdem sieht das Ganze auch sehr stylish aus.

Seitlich rechts sind neben dem Anschluss für das Netzteil zwei Klinkenbuchsen montiert: „Input“, um den Bass anzuschließen und „Parallel Output“, wo das unbearbeitete Eingangsignal anliegt.

Linksseitig befindet sich der Klinkenausgang sowie ein „Direct Output“ im XLR-Format, der sogar über einen Groundlift-Schalter zum Unterbrechen von Brummschleifen verfügt.

Wie auch das Gehäuse bieten die Anschlüsse und Bedienelemente keinerlei Anlass zur Kritik. Die Regler fühlen sich gut und solide an, Stecker rasten satt und spürbar ein, nichts wackelt oder klemmt. Hält man sich die Preisklasse vor Augen, sollte das allerdings auch selbstverständlich sein …

Darkglass Microtubes X7 – Konzept und Bedienung

Das Besondere an diesem Verzerrer ist sein Aufbau als Dualband-Verzerrer. Das bedeutet, dass tiefe und hohe Frequenzen aufgetrennt, separat bearbeitet und dann wieder zusammengemischt werden.

In den Bedienelementen spiegelt sich das wider, indem die Drehregler den beiden Bändern zugeordnet sind, während die Fader der Bearbeitung des Gesamtsounds dienen.

Entscheidend sind zunächst die beiden Minidrehregler „Low Pass“ und „High Pass“, die den Frequenzbereich der beiden Sektionen bestimmen. „Low Pass“ reicht von 50 Hz bis 500 Hz, „High Pass“ von 100 Hz bis 1 kHz. Das Besondere ist nun, dass der tiefe Frequenzbereich hier grundsätzlich nicht beziehungsweise kaum verzerrt wird, sondern stattdessen mit einem Kompressor bearbeitet werden kann. Das ist sinnvoll, weil so auf jeden Fall Druck und Definition erhalten bleiben, egal wie stark der hohe Frequenzbereich verzerrt wird. Für die Wahrnehmung als „verzerrter Basssound“ ist es ohnehin ausreichend, wenn die höheren Frequenzbereiche verzerrt werden.

Der erste Drehregler in der oberen Reihe regelt also besagten Kompressor, der zweite die Lautstärke des Tiefenbandes („Low Level“). Es folgt mit „High Level“ der Lautstärkeregler des Höhenbandes, der Verzerrungsgrad des selbigen wird mit „High Drive“ gesteuert.

Darkclass Microtubes X7 03 eq

Blickfang: Die Minifaderbank mit LEDs des Darkglass Microtubes x7

Auf beide Bänder gleichzeitig wirkt nun die fünfteilige Faderbank, die mit dem Masterfader die Gesamtlautstärke bestimmt und einen 4-Band-Grafikequalizer bereitstellt. Dieser arbeitet mit den Mittenfrequenzen 80 Hz, 500 Hz, 1 kHz und 5 kHz und lässt Anhebungen und Absenkungen von jeweils bis zu 12 dB zu, wobei die beiden äußeren Frequenzbänder mit Kuhschwanzfiltern ausgestattet sind und die beiden mittleren mit Glockenfiltern.

Darkglass Microtubes X7 – Sound & Praxis

Da gerade Verzerrer mitunter recht sensibel auf aktive Elektroniken reagieren, habe ich mich, um die Klangbeispiele einzuspielen, für meinen aktiven Jazzbass mit schaltbarer Aktivelektronik entschieden. So sind einige der Klangbeispiele mit identischen Einstellungen am Testgerät, aber zum Vergleich mit der Elektronik im passiven und aktiven Modus zu hören. Lautstärke und Sound sind bei dem Bass nahezu identisch, der Unterschied besteht hauptsächlich im Widerstand des Signals, der sich in Aktivbetrieb stark verringert. Viele Verzerrer verarbeiten aktive und passive Signale höchst unterschiedlich, oft reagieren sie, mit aktiven Signalen beschickt, nicht mehr so gut auf die Dynamik und klingen irgendwie künstlich.Microtubes-X7-Front-min

Die folgenden Klangbeispiele versuchen, die Wirkung der Klangregelung zu demonstrieren. Zunächst überstreicht das Lowpass-Filter seinen kompletten Regelbereich von 50-500 Hz. Mit zunehmendem Regelweg treten klare, unverzerrte Mitten hervor, das Signal wirkt druckvoller.

Das gleiche Spiel ist hier mit dem Highpass-Filter (100-1000 Hz) zu hören, die Verzerrung wird immer schmalbandiger und beschränkt sich am Ende des Regelweges auf den Höhenbereich.

Im folgenden Beispiel werden nacheinander die 4 Bänder des Equalizers aus der Neutralstellung  ins Maximum, dann ins Minimum und zum Schluss wieder in die Neutralstellung bewegt.

Hier kann man sich ein Bild über die Wirkung des Kompressors machen, der ja nur auf die tiefen Frequenzen wirkt. Hierbei ist das Lowpass-Filter auf 500 Hz gestellt und der Kompressor einmal in Minimalposition, dann auf „12 Uhr“ und schließlich auf das Maximum gestellt.

Der Punch, der hier erzeugt wird, ist nicht von schlechten Eltern und dürfte im Mix mit dem verzerrten Höhenbereich problemlos für ein tragfähiges und dabei definiertes Fundament sorgen.

Mit dem „High Drive“-Regler lässt sich der Verzerrungsgrad des Höhenbandes steuern. Hier zu hören von Minimum bis Maximum und wieder zurück.

Beide Bänder des Darkglass Microtubes X7 lassen sich komplett getrennt regeln. Im folgenden Beispiel ist zunächst  „Low Level“ voll aufgedreht, „High Level“ wird nach und nach hinzugemischt.

Da die folgenden Klangbeispiele wie oben beschrieben jeweils mit passiver und aktiver Elektronik vorhanden sind, hier zunächst der Testbass ohne Effekt passiv und aktiv.

Im aktiven Betrieb klingt das Instrument in den Höhen etwas offener, die Transienten der Attack-Phase sind allgemein etwas spitzer als im passiven Modus.

„Volles Brett“, beschreibt das folgende Klangbeispiel recht gut: Lowpass steht bei ca. 250 Hz, Highpass bei ca. 800 Hz. Bässe, Hochmitten und Höhen sind leicht angehoben,

Es zeigt sich deutlich, dass der Testkandidat weder mit passiven noch mit aktiven Basselektroniken ein Problem hat, er klingt in beiden Fällen gut, auch wenn die Ergebnisse nicht komplett identisch sind. Die Verschiedenheiten der verzerrten Ergebnisse lassen sich auf die Unterschiede zwischen aktivem und passivem Modus des Instrumentes zurückführen, wobei mir neben den etwas spitzeren Höhen des aktiven Sounds auch eine etwas stärkere Ansprache des Kompressors auffällt. Der Tiefenbereich scheint etwas akzentuierter hervorzutreten.

Das obligatorischen Slap-Beispiel mit Highdrive auf 12:30, Low Comp auf 14:00 Lowpass und Highpass auf höchster Frequenz; Low Level voll aufgedreht, High Level auf 15:00 sowie am Equalizer angehobenen Mitten und Höhen:

Seismisch relevant kann es werden, wenn man wie im folgenden Beispiel ausschließlich das Tiefenband aktiviert und das Ganze über eine entsprechend potente Bassanlage oder PA schickt. Da wackelt die Bude!

Hier fällt auf, dass auch das Tiefenband immer leicht angezerrt ist, komplett cleane Sounds sind also nicht machbar.

Auch das Höhenband lässt sich alleine nutzen, beispielsweise für solistische Tapping-Einlagen:

Grundsätzlich klingt der Darkglass Microtubes X7 aggressiv und dabei schön mächtig und fett – ein ideales Distortion-Pedal für Bass. Das Konzept mit den beiden Frequenzweichen und dem grafischen Equalizer macht das Ganze ungemein flexibel und wandelbar und sorgt darüber hinaus für ein sattes, gut zu dosierendes und den eigenen Vorstellungen anpassbares Bassfundament. Leicht angezerrte, vintageartige Sounds hingegen bleiben außen vor, dafür hat Darkglass allerdings einige Spezialisten, die den Begriff „vintage“ in ihrer Bezeichnung tragen, im Programm. Die Devise lautet hier „voll auf die Mütze“, das dafür dann in allen erdenklichen Variationen.Darkclass Microtubes X7 02

Fazit

Mit dem Darkglass Microtubes X7 präsentiert der finnische Bassspezialist einen weiteren Verzerrer in seinem Portfolio und zielt hier klar auf die härtere Fraktion. Mit dem ausgeklügelten Konzept bleiben in Sachen Distortion hier keine Wünsche offen. Für den nicht gerade geringen Preis erhält der geneigte Bassist ein stylishes, kompaktes und ungemein flexibles Pedal mit amtlichem aggressiv-voluminösem Grundsound und einem ebensolchen Preisschild …

Bassisten, die in den entsprechend härteren Genres unterwegs sind, sollten hier mal einen genaueren Blick riskieren, trotz unbestreitbar hoher G.A.S.-Gefahr!

Plus

  • Verarbeitung
  • Optik
  • Ausstattung
  • eigenständiges Konzept
  • Sound

Minus

  • hoher Preis

Preis

  • Ladenpreis: 323,- Euro
Klangbeispiele
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