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Test: Death By Audio Total Sonic Annhiliation 2, Gitarren-Pedal

10. September 2019

Der ultimative Zerstörer für kreative Köpfe!

Death By Audio Total Sonic Annihilation 2

Death By Audio Total Sonic Annihilation 2

Wir hier bei AMAZONA.de haben ein kompliziertes Verhältnis zu Death By Audio. Es gibt Personen in der Redaktion, bei denen richten sich bei dem Namen die Nackenhaare auf. Bei anderen schlägt das Herz höher – Death by Audio, Experimentalschmiede und Krach-Experten aus New York, haben die etwa wieder was rausgebracht? Was könnte das sein? Und braucht man das? Die Frage wieder einem öfter gestellt, wenn man über Death By Audio redet – ist ja schön und gut, aber braucht man das? Klare Antwort: Ja. Wenn man weiß, was man will. Death By Audio produzieren Krach und Vintage-Feeling, sie veredeln deinen Sound nicht, sie ertränken ihn, verfärben und verbiegen ihn. Aber das ist nicht der Grund, weshalb ich für meinen Teil Interesse für diese Firma hege. Wenn es nur um Krach geht, kann man sich getrost einfach einen Noise-Generator ans Ende der Signalkette packen. Nein – bei Death By Audio haben Konzepte, die zum Teil vorausschauend, simpel und manchmal sogar genial sind. Und darum geht es hier heute.

Das Total Sonic Annihilation 2 ist die zweite Generation eines analogen Feedback-Pedals der ganz, ganz besonderen Art. Es ist ein Transformator, dafür gedacht, externe Effektpedale einzuschleifen und sie zu verwandeln. An wen richtet sich das Ganze? Zumindest an Leute, die sich bereits im Laufe der Zeit eine Pedaltrain gebaut haben oder zumindest eine kleine Sammlung an Pedalen besitzen. Aber nicht ausschließlich, wie wir sehen werden, denn das Total Sonic Annihilation 2 kann auch alleine verwendet werden. Also – ran an den Speck und der Frage nach, ob Death By Audio endgültig ihren gottverdammten Verstand verloren haben.

Death By Audio, Total Sonic Annihilation 2 – Facts and Features

Death By Audio Total Sonic Annihilation 2

Wie eingangs erwähnt – das Total Sonic Annhilation 2 soll bestenfalls als Freund der Pedaltrain betrachtet werden – mehr der dysfunktionalen Sorte, wie der Name es vielleicht schon vermuten lässt. Was genau macht der Total Sonic Annhiliation 2 also? Er führt das Signal der Effektpedale diesen wieder zu und erzeugt so zunächst eine Rückkopplungsschleife, die man mit einem zusätzlichen Boost oder Phasenumkehrung in etwas gänzlich anderes verwandeln kann. Der Boost und die Phasenumkehrung sind übrigens die zwei elementaren Unterschiede zur ersten Generation (die dann schon einige Jährchen auf dem Buckel hat). Der Boost als solcher kann eigenständig genutzt und als kleiner, bissiger Fuzz verwendet werden, aber dazu später mehr. Insgesamt gilt: Den Total Sonic Annihilation auf einen Fuzz zu reduzieren, wäre ein großer Fehler. Wo er nämlich besonders stark hervorsticht, ist beim Looping – Stichwort: Selbstoszillation.

Schauen wir uns mal die Eckdaten und das Panel des Total Sonic Annihilation 2 an. 127 x 66 x 66 mm betragen die Maße und das Gerät bringt gerade mal 290 g auf die Waage. Das Gehäuse ist schön und gut. Schwächen bei der Verarbeitung haben die handgefertigten Pedale von Death By Audio eigentlich nur in seltenen Fällen – siehe Credo auf der Website:

„… We like to destroy things. So we build everything at DBA to last through the toughest beating. We guarantee it. If you can possibly break it. We will fix it.“

Nicht im Lieferumfang enthalten: Ein 9 Volt Netzteil, mit dem sich das Pedal betreiben lässt. Batteriebetrieb beim Total Sonic Annhiliation 2? Auch möglich.

Death By Audio Total Sonic Annihilation 2

Das Bedienpanel des Gitarren-Pedals ist überschaubar: Der ins Auge springende, große Feedback-Regler stellt so was wie das Herzstück des Death By Audio Pedals dar. Auf der linken Seite befinden sich insgesamt vier 6,3 mm Klinken. Die unteren zwei, SEND und RETURN, sind für den Input und Output der externen Effektschleife gedacht. In dieser Schleife spielt der Boost mit rein, der mit dem rechten Kippschalter aktiviert wird. Der Kippschalter daneben, Phase, erzeugt die Phasenumkehrung der Schleife, jedoch nur, wenn der Boost aktiviert ist. Mit dem kleinen Gain-Regler lässt sich das Ausmaß der Verzerrung des Boosts einstellen. Daneben das für Death By Audio-Pedale stets lebenswichtige Poti: Limit, der Volume und Output reguliert und verhindert, dass euch das gute Stück um die Ohren fliegt. Aber auch hier gilt: nur wenn der Boost aktiviert ist. Die anderen zwei 6,3 mm Klinken auf der linken Seite sind eure normalen Input- und Output-Anschlüsse. Soweit klar? Gut. Viel Gerede, kurzer Sinn – am Ende kommt es auf die Praxis an.

Death By Audio, Total Sonic Annihilation 2 – in der Praxis

 

Death By Audio Total Sonic Annihilation 2Die Nutzungsmöglichkeiten des Total Sonic Annihilation 2 sind vielfach, wie bereits erwähnt. Sinnvoll ist es, sich zunächst mit dem Klangcharakter des Boosts vertraut zu machen, da dieser doch eine erhebliche Rolle darin spielt, wie sich das Pedal auf die Effektschleifen auswirkt. Abgenommen wird diese über ein Shure SDM57 und einem Laney Lionheart.

Schön dreckig das Ganze, wenn auch nicht zu sehr. Kein Tone-Regler und fehlendes EQ sorgen dafür, dass man die grundlegende Klangfarbe mögen muss: Verstärktes Low-End, abgesenkte Mitten, mit deutlichem Fuzz-Charakter, der sich in unteren Gain-Gefilden ein wenig harsch, aber trotzdem angenehm warm anlässt. Das darf man also bei all dem nicht vergessen: Im Total Sonic Annihilation steckt ein feines und äußerst starkes Overdrive/Fuzz-Pedal, das einen leichten Abfall der Mitten und die Option zur bissigen Rückkopplung mitbringt. Klingt besser als viele andere Overdrive- und Boost-Pedale, die ohne die Effektschleifen-Option in der gleichen Preisliga mitspielen.

Ansonsten wird schnell deutlich: Der Total Sonic Annihilation 2 findet für jede Effektklasse einen Weg, Zerstörung in das Klangbild zu bringen. Man muss selbstredend aufpassen – nähert man sich mit dem Gain-Regler der 12-Uhr Marke, ist bei der Feedback-Regler recht schnell Schluss – sinngemäße total sonic annihilation, was sich vor allem bei unserem Beispiel mit einem Phasers zeigt, wo die Rückkopplung des Signals auf den Peaks der Wellen das Pedal gefährlich ausreißen lässt. Mithilfe eines durchlaufenden Loops demonstrieren wir die Schmerzhaftigkeit des Total Sonic Annihilation – Vorsicht bei der Lautstärke.

Ganz so schlimm und grenzwertig muss es jedoch nicht bei allen Effektklassen zugehen. Speziell wenn man mit Delay und Reverb arbeitet, kann man den Total Sonic Annihilation 2 nutzen, um den Loop zunehmend zu ertränken und mit sich selbst kollidieren zu lassen. Darin liegt wahrscheinlich auch die größte Stärke des Gitarren-Pedals: sein Nutzen für die klangliche Fragmentierung von Loops. Das klangliche Spiel mit den Rückkopplungen ist zu empfindlich, um es zwischen den Riffs mal zu wagen – da empfiehlt es sich zweifelsohne, mit einem fortlaufenden Loop zu arbeiten und zu schauen, wie weit man das ganze Unterfangen pushen kann. Speziell das Signal wieder zurück in den Reverb zu speisen, kann einen ganz eigenen Charakter entfalten.

Spannend ist natürlich auch, wie der Total Sonic Annihilation 2 auf Oberdrive-Pedale anspringt. Er drückt das Signal zunächst ein wenig hervor, nimmt das Low-End ein wenig raus und kann dann mithilfe des Feedback-Schalters regelrechte Broken-Fuzz-Gewitter lostreten.

Und auch experimentelle Effekte wie ein Granular-Effekt laden dazu ein, die Rückkopplung und das Gain in Wellen über das Signal schwappen zu lassen. Stets gilt: achtsam vorgehen, weil der Total Sonic Annihilation gnadenlos vorgehen kann.

Einer Drum-Machine den nötigen Biss und Gain zu schenken – kein Problem mit Total Sonic Annihilation. Mit ein bisschen Reverb kommt der satte Gain hierbei noch ein bisschen besser zur Geltung. Der Limit-Regler ist äußerst empfindlich – die Schwankungen im Volume sind meinen vorsichtigen Versuchen geschuldet, das Pedal nicht zu sehr Haut fahren zu lassen. Dass das oftmals zu schnell passiert und live einem um die Ohren fliegen kann, ist einer der größten Kritikpunkte an so ziemlich allen Pedalen, die Death By Audio produzieren. Anderseits hilft auch einfach ein Blick auf den Namen und man weiß ungefähr, was man erwarten darf. Deutlich wird also: Der Total Sonic Annihilation 2 ist ein Tausendsassa, der durch die Selbstoszillation jedes Pedal in eine zerstörerische, rigide Form ihrer selbst verwandeln kann.

 

 

Fazit

Braucht man das? Ja. Wenn man sich für Pedals begeistert, seiner Pedaltrain oder Effektkette neue Klänge entlocken möchte, dieses Schweizer Taschenmesser eines Pedals zu schätzen weiß – definitiv. Es ist ein Addendum, das helfen kann, alte Wege aufzubrechen und neue zu erforschen. Die Klangwelten, die der Total Sonic Annihilation 2 erzeugt, sind ganz eigen und je nach Effektpedal unterschiedlich. Das macht das Pedal so ungemein spannend und vielfältig einsetzbar: Es gibt immer was zu erforschen und auszuprobieren mit dem Total Sonic Annihilation 2. Coole Idee, in bester Death By Audio tadellos umgesetzt. Nicht jedermanns Sache, aber ein definitives Schätzchen.

Plus

  • tolles Konzept
  • überschaubares, aber durchdachtes Panel
  • vielfältig einsetzbar

Preis

  • 289,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    lightman  AHU

    Sehr interessantes Teil, bißchen teuer vielleicht, aber funktional und klanglich verlockend, würde ich gerne mal in meinem Setup testen.

    • Profilbild
      Dimi Kasprzyk  RED

      Beim Preis darf nicht vergessen: Es versteckt sich wirklich auch ein tolles Fuzz und ein gutes Gain-Pedal in dem Gerät, die ggf. einzeln zum Einsatz kommen können.

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