Test: DPA 2028 Gesangsmikrofon

5. Dezember 2019

Linearer Bühnenprofi

DPA 2028 Gesangsmikrofon

DPA 2028 Gesangsmikrofon

DPA Microphones schickt ein neues Kondensator-Gesangsmikrofon ins Rennen. Das DPA 2028 ist ein Bühnenmikrofon für den gehobenen Anspruch, das einen möglichst neutralen und unverfälschten Klang bieten soll.
Dabei haben sich die Dänen vor ein paar Jahren ja schon selbst die Krone im Live-Bereich aufgesetzt. Das DPA 4018 d:facto hatten wir bereits im Test und Armin Bauer konnte es vollends überzeugen. Mit einem Ladenpreis knapp an der 1.000,- Euro Grenze ist es allerdings nicht für jedermann erschwinglich. Das neue DPA 2028 kostet hingegen fast nur noch die Hälfte! Doch das Preissegment um 500,- Euro ist bei Bühnenmikrofonen ein hart umkämpfter Markt. Neben der Neumann KMS Serie und der Shure KSM Serie haben viele weitere Hersteller ihre jeweiligen Topmodelle in diesem Bereich. Bei DPA haben wir es hier aber nicht mit dem Topmodell, sondern sozusagen mit dem Einsteigermodell zu tun. Wird man im Vergleich zum d:facto viele Abstriche hinnehmen müssen?

DPA 2028 Kondensator Gesangsmikrofon für Live und Bühne
Der dänische Hersteller ist dafür bekannt, bei seinen Produkten keinerlei Kompromisse einzugehen. Der eigene Anspruch ist sehr hoch, egal ob bei Verarbeitung, Klang oder den technischen Daten. Ein mittelmäßiges Mikrofon auf den Markt zu bringen, kann und will man sich nicht leisten. Daher sind wir gespannt, wie sich der neue Sprössling im Vergleich zu alten Platzhirschen wie dem Neumann KMS 105 oder dem Shure SM58 schlägt. Wer sich für Insider-Informationen über den Hersteller interessiert, findet hier übrigens die Reportage Ein Besuch bei DPA Microphones, die euch einen Blick hinter die Kulissen gibt.

DPA 2028 Kondensator Gesangsmikrofon für Live und Bühne

Lieferumfang des DPA 2028 Gesangsmikrofons

Geliefert wird das DPA 2028 in einer formschönen, hochqualitativen Aufbewahrungsbox. Eine zusätzliche Stofftasche liefert der Hersteller gratis mit dazu. Der Anwender kann also selbst entscheiden, ob er das Mikrofon lieber im Case oder in der Tasche mit zum nächsten Gig nimmt. Mitgeliefert werden auch eine hochwertige Mikrofonklemme und ein kleines gedrucktes Handbuch mit den wichtigsten Informationen.

DPA 2028 Kondensator Gesangsmikrofon für Live und Bühne

Beim Thema Dokumentation möchte ich euch an dieser Stelle auf die DPA „Mikrofon Universität“ hinweisen. Dabei handelt es sich um einen frei zugänglichen Blog des Herstellers, in dem verschiedene Themen zur Handhabung der Mikrofone auf spannende Art aufbereitet werden. Relevant für das DPA 2028 wäre etwa der Eintrag Korrekte Handplatzierung bei einem Gesangsmikrofon. Hier findet ihr viele Tipps und die klanglichen Auswirkungen der unterschiedlichen Positionen werden sehr gut veranschaulicht.

DPA 2028 Kondensator Gesangsmikrofon für Live und Bühne
Doch zurück zum Mikrofon. Das DPA 2028 ist ganz in Schwarz gehalten und erstklassig verarbeitet. Die Metallverarbeitung und Lackierung sind absolut perfekt. Dabei übt sich das DPA 2028 in Understatement – es gibt nur einen winzigen Aufdruck vom Namen des Herstellers am Mikrofonkorb und der Modellbezeichnung am Schaft. Rein äußerlich und beim Lieferumfang muss man also schon mal keine Abstriche machen. Mit einem Gewicht von knapp 300 Gramm liegt das DPA zudem sehr gut in der Hand.

DPA 2028 Kondensator Gesangsmikrofon für Live und Bühne

Der zusätzliche Pop-Schutz des DPA 2028 ist abschraubbar

Schraubt man den Mikrofonkorb ab, kommt zunächst ein weiterer Pop-Schutz zum Vorschein. Dieser zusätzliche Filter aus engmaschigem Netz lässt sich abschrauben und gibt den Blick auf die neu entwickelte Kapsel frei. Eine ähnliche Konstruktion kennt man etwa vom Neumann KMS, hier ist der Filter allerdings aus Plastik und wird einfach aufgesteckt. Die tolle Verarbeitung des DPA 2028 spiegelt sich auch im Inneren wider. Die Kapsel selbst hat die Form des DPA-Logos und zeugt von der Liebe zum Detail des Herstellers. Sie ist fest mit dem Schaft verbunden, austauschen (wie etwa beim d:facto) kann man sie als Anwender nicht.

DPA 2028 Kondensator Gesangsmikrofon für Live und Bühne

Liebe zum Detail: Die Mikrofonkapsel im Design des DPA Logos

Es fällt auf, dass die Position der Kapsel im Mikrofonkorb etwas höher liegt als etwa bei der Konkurrenz von Shure oder Neumann. Ob und wie sich das beim Handling auswirkt, hört ihr im Praxisteil. Besitzer von Sendeanlagen werden sich übrigens darüber freuen, dass es neben der kabelgebundenen Version mit Handgriff auch zwei weitere Versionen des DPA 2028 gibt. Diese lassen sich mit Sendern von Shure, Sony, Lectrosonics bzw. Sennheiser 2000 / 6000 / 9000 / Evolution und DI kombinieren.

Technische Daten des DPA 2028 Mikrofons

Das DPA 2028 ist ein Kondensator-Mikrofon und benötigt wie alle Mikros dieser Bauart 48 Volt Phantomspeisung. Die Stromaufnahme liegt bei vergleichsweise sehr geringen 2 mA, was Betreiber von mobilen, batteriebetriebenen PA-Anlagen freuen wird. Das Neumann KMS zieht hier im Vergleich mit 3,5 mA fast das Doppelte an Strom und das Shure KMS 9 benötigt sogar 5,2 mA. Die Richtcharakteristik des DPA 2028 ist Superniere und das sorgt für eine Fokussierung auf die jeweilige Stimme sowie für eine gute Auslöschung der anderen Schallquellen. Die Empfindlichkeit liegt bei 5 mV/Pa und das Eigenrauschen bei 19 dB(A).
Den maximalen Schalldruck gibt DPA mit außergewöhnlich guten 160 dB an, wobei es ab 139 dB zu leichten harmonischen Verzerrungen kommt. All das sind Werte, die man so auch vom d:facto kennt.

DPA 2028 Kondensator Gesangsmikrofon für Live und Bühne

Die neue DPA Kapsel im Vergleich zu jener des Neumann KMS 105

Ein Blick auf das Frequenzdiagramm offenbart, wohin die klangliche Reise geht. Neutralität ist das Gebot von DPA und das 2028 macht hier keine Ausnahme. Bis auf eine kleine Welle im 10 kHz Bereich die maximal 1 dB umfasst, ist der Frequenzgang bis runter zu 200 Hz schnurgerade. Dann beginnt eine leichte Bassabsenkung, die zu -2 dB bei 100 Hz bzw. -8 dB bei 50 Hz führt.
Gemessen wurde mit einem Abstand von 12 cm.

DPA 2028 Kondensator Gesangsmikrofon für Live und Bühne

Der lineare Frequenzverlauf des DPA 2028

Das Polardiagramm zeugt von einer extrem konstanten Richtcharakteristik über alle Frequenzbereiche. Erst bei 16 kHz, einem Bereich, der für die Stimme nicht mehr interessant ist und den fast nur Babys hören können, verengt sich die Charakteristik etwas. Ansonsten ist diese Messung absolut vorbildlich.

DPA 2028 Kondensator Gesangsmikrofon für Live und Bühne

Ein absolut vorbildliches Polardiagramm

DPA hat sich ja in den vergangenen Jahren auch einen Namen mit der besonderen Widerstandsfähigkeit seiner eigenen Produkte (besonders der Miniaturmikrofone) gemacht. Das DPA 2028 arbeitet in einem Temperaturbereich von -40 °C bis 45 °C innerhalb der Spezifikationen. Auch hohe relative Luftfeuchtigkeit von bis zu 90 % steckt es weg. Kabellängen sind übrigens bis 100 Meter möglich, die Impedanz des DPA 2028 liegt bei 100 Ohm.

DPA 2028 Kondensator Gesangsmikrofon für Live und Bühne

Größenvergleich des DPA 2028 zum Shure SM58 (oben) und Neumann KMS 105 (Mitte)

Das Gesangsmikrofon DPA 2028 getestet

Für meinen Test des DPA 2028 greife ich auf zwei altbekannte Platzhirsche zurück. Zum einen das Neumann KMS 105, das ebenfalls ein Kondensatormikrofon mit Supernieren-Charakteristik ist, und zum anderen das Shure SM58, das jedem Toningenieur ein Begriff sein sollte. Hierbei handelt es sich zwar um ein dynamisches Mikrofon in Nierencharakteristikes ist aber das meistverkaufte Bühnenmikrofon der Welt und soll uns ebenfalls als klangliche Referenz dienen. Seine charakteristische klangliche Signatur hat zwar mit Linearität überhaupt nichts zu tun, aber seine Präsenzanhebung und prägnanten tiefen Mitten können Stimmen im Bandkontext durchaus zu mehr Durchsetzungskraft verhelfen.

Zunächst teste ich die Handling und Pop-Geräusche. Hier zeigt das DPA 2028 der Konkurrenz, wie es geht. Meine Befürchtung, dass die nah am Mikrofonkorb platzierte Kapsel negative Auswirkungen haben könnte, bewahrheitet sich nicht. Im Gegenteiljegliche Störgeräusche werden von 2028 sehr gut unterdrückt. Im folgenden Beispiel werfe ich das Mikro von einer Hand zur anderen. Hier einmal der Vergleich zum Shure SM58:

Hier der Vergleich zum Neumann KMS 105:

Klanglich zeigt sich das DPA 2028 im Vergleich zu den beiden Kontrahenten recht unaufdringlich. Die Klangveränderungen des Shure SM58 sind im hohen und tiefen Frequenzbereich recht extrem und auch das KMS 105 liefert das Neumann typische Mitten-Fleisch. Das mag im ersten Moment Aufmerksamkeit auf sich ziehen und das Ohr erfreut sich unterbewusst an einem gewissen Klangstempel, den man als Hörer (bewusst oder unbewusst) erwartet.
Der Ansatz des DPA ist hier aber ein gänzlich anderer. Unverfälschtheit und Ehrlichkeit. Dabei entlarvt die originalgetreue Abbildung der Stimme auch eventuelle Unzulänglichkeiten. Hier wird nichts beschönigt oder gefärbt. Wer einen „2028 Sound“ sucht, der sucht vergeblich.

DPA 2028 Kondensator Gesangsmikrofon für Live und Bühne

Auch im Inneren ist die Verarbeitung auf höchstem Niveau

Hier zunächst das DPA 2028 im Vergleich zum Neumann KMS 105 bei einer Besprechungsdistanz von rund 12 cm:

Verringert man die Distanz zum Mikrofon, macht sich der natürliche Nahbesprechungseffekt bemerkbar. Dieser fällt beim DPA 2028 erfreulich gering aus, während er beim KMS 105 deutlicher in Erscheinung tritt:

Hier das DPA 2028 im Vergleich zum Shure SM58 im Abstand von 12 cm. Die Präsenzanhebung des Shure ist recht prägnant, was man besonders bei den S-Lauten und Mundgeräuschen hört:

Auch beim Shure ist die Bassanhebung bei Nahbesprechung größer als beim DPA 2028. Hier eine Sprachaufnahme direkt am Mikrofonkorb mit anschließenden Plosiv-Lauten:

DPA 2028 Kondensator Gesangsmikrofon für Live und Bühne

Die Kapsel des DPA 2028 ist vergleichsweise nah am Mikrofonkorb positioniert

Neben der hervorragenden Dämpfung tiefer Pop-Laute ist auch die Auslöschung des rückseitig oder seitlich eintreffenden Schalls beim DPA 2028 sehr gut gelungen. Auf Verfärbungsfreiheit der sogenannten Off-Axis-Response wird bei den Dänen traditionell viel Wert gelegt und dadurch ist reduziert sich auch die Feedback-Anfälligkeit.
Auf obigem Bild könnt ihr gut die Position der Kapsel beim jeweiligen Mikrofon erkennen. Da diese beim Shure und Neumann weiter vom Korb entfernt ist, verzeihen diese Mikrofone eine eventuelle Fehlhaltung etwas leichter. Beim DPA 2028 sollte man sich dessen bewusst sein und Wert auf das richtige „Handling“ legen. Rauschen war während der gesamten Testperiode kein Problem und jedes am Markt verfügbare Mischpult sollte über genügend Vorverstärkung verfügen, um das DPA2028 gut auszusteuern. Der Pegel lag in etwa gleichauf mit dem KMS 105, das Shure SM58 benötigte rund 8 dB mehr Gain.

Fazit

Mit dem Bühnen-Kondensatormikrofon DPA 2028 gibt es einen neuen Herausforderer im Preissegment um 500,- Euro. Bisher war das DPA d:facto der absolute Spitzenreiter, aber mit knapp 1.000,- Euro nicht für jeden Geldbeutel erschwinglich. Beim 2028 verzichtet man zwar auf eine austauschbare Kapsel, viele technische Daten und der Lieferumfang sind aber identisch zum Topmodell. Die Verarbeitung ist innen wie außen auf absolutem Spitzenniveau. Klanglich verhält sich das Mikrofon ausgesprochen neutral und überlässt es der jeweiligen Stimme, den Klang zu formen. Anspruchsvolle Sänger/innen sollten auf das DPA ein Auge werfen, denn die technischen Daten, der lineare Frequenzverlauf sowie die sehr gut reduzierten Handling und Pop-Geräusche machen den Weg frei für eine stressfreie und klanglich hochwertige Performance. Der Preis ist aufgrund der gebotenen Qualität absolut attraktiv, zumal man bei der gebotenen Qualität sehr lange seine Freude mit dem Mikrofon haben wird.

Plus

  • extrem gute Dämpfung von Handling und Pop-Geräuschen
  • sehr linearer Klang
  • hohe Pegelfestigkeit
  • hochwertige Verarbeitung, Qualität des Zubehörs
  • attraktiver Preis
  • vorbildliche Online-Dokumentation

Preis

  • 559,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    Armin Bauer  RED

    Schöner Test Raphael.

    Das hört sich sehr interessant an. Die d:facto Gene in einem erschwinglichen Preisbereich.
    Das könnte N, S und S einiges an Marktanteilen kosten.

    Grüße Armin

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