Die besten Gesangsmikrofone für die Bühne bis 100,- Euro

1. Mai 2018

Gesangsmikrofone zum Einstiegspreis

Gesangsmikrofone Teil 1

Nachdem Ende letzten Jahres das dreiteilige Special zu Studio-Gesangsmikrofonen recht guten Anklang gefunden hat, wollen wir doch direkt nachlegen. Diesmal haben wir uns der Live-Fraktion gewidmet und 25 Gesangsmikrofone quer durch alle Preisbereiche gecheckt.

In der Kategorie 1 haben wir uns acht Mikrofone unter 100,- Euro bestellt, die sich nun dem Vergleichstest stellen. In dieser Klasse haben wir uns ausschließlich auf dynamische Mikros konzentriert.

Vorstellung

Superlux PRA-D1 Gesangsmikrofon

Das Superlux PRA-D1

Superlux PRA-D1


Los geht es mit dem PRA-D1 des chinesischen Anbieters Superlux. Zum Preis einer guten Flasche Rotwein wird das PRA-D1 angeboten – 19,90 Euro sind für das Mikro fällig. Dafür gibt es noch eine ordentliche Mikroklemme und einen Transportkoffer aus Plastik mit dazu. Auch ein ausführliches Datenblatt in Englisch und (wahrscheinlich) Chinesisch ist vorhanden.

Das PRA-D1 weißt eine Supernieren-Charakteristik auf und liegt mit 370 Gramm recht schwer und wertig in der Hand. Auch an der Verarbeitung und der Stabilität gibt es nichts zu beanstanden. Ob das auch für die akustische Prüfung gilt, wird sich zeigen.

AKG P5 Gesangsmikrofon

Das AKG P5

AKG P5

Der nächste Kandidat ist das P5 aus der Perception live-Serie von AKG. Für 41,- Euro wird das komplett in Schwarz gehaltene Mikro im Moment verkauft und natürlich kann da niemand eine Produktion in Europa erwarten. So kommt auch das P5 aus dem Reich der Mitte zu uns.

Das ist aber weder in der Verarbeitung noch in der Ausstattung zu spüren. Das P5 macht einen fast schon edlen Eindruck und liegt satt in den Fingern. Auch die mitgelieferte Stativklemme und die Transporttasche machen einen guten Eindruck. Neben der Bedienungsanleitung für die gesamte Serie liegt auch noch ein informativer „Microphone Guide“ bei.

Der Frequenzgang des dynamischen Mikros mit Supernieren-Charakteristik ist mit 40 Hz bis 20 kHz angegeben, das macht neugierig auf den Soundcheck.

Samson CS Mic CS1/CS2 Gesangsmikrofon

Das Samson CS Mic CS1/CS2

Samson CS Mic CS1/CS2

Etwas Besonderes hat sich die amerikanische Firma Samson einfallen lassen. Das CS Mic wird mit zwei Köpfen geliefert, der CS1 ist die klassische Vocal-Kapsel, der CS2 ist die Instrumental-Variante.

Beide Kapseln sind als Superniere ausgelegt und vertragen bis zu 150 dB max. SPL. Auch diesem Kandidaten ist sein günstiger Verkaufspreis von 44,- Euro nicht anzumerken, das Mikro ist gut und griffig zu handeln. Auch das Zubehör mit Mikroklemme und stabilem Zip-Case wirkt nicht billig.

Aber wie immer, das Spiel wird auf dem Platz entschieden, mal schauen, wie sich das Samson da schlägt.

t.bone GM 55 Gesangsmikrofon

Das t.bone GM 55

the t.bone GM 55

Außergewöhnlich ist auch das GM 55 der Thomann-Hausmarke the t.bone. In 100 Prozent der Fälle dürfte da sofort die Assoziation „Elvis-Mikro“ fallen. Eine Nutzung frei in der Hand ist nicht vorgesehen, das Mikrofon gehört fest auf ein Stativ.

Auch das Thomann-Mikro bedient sich einer Supernieren-Charakteristik. 59,- Euro werden für das Schmuckstück fällig. Dafür gibt es zusätzlich einen Ein-/Ausschalter, auch ein kleines, klappbares Tischstativ wird im Plastikkoffer mitgeliefert.

Optisch macht das GM 55 mit seinem verchromten Body schon mal ordentlich was her. Ob da auch die akustische Performance mithalten kann? Wir werden es erleben.

Røde M1-S Gesangsmikrofon

Røde M1-S

Røde M1-S

Auch die australische Mikrofonmanufaktur Røde kann ein Testmodell beisteuern. Das M1-S besitzt eine Nierencharakteristik und ist mit einem On/Off-Schalter ausgestattet. Dieser ist gegen versehentliches Verstellen blockierbar. Den kleinen Schraubendreher dafür liefert Røde gleich mit.

Damit aber nicht genug, auch der XLR-Stecker ist mittels einer kleinen Madenschraube zu blockieren, gut für die Heavy-User-Fraktion. Zusätzlich gibt es noch einen kleinen Gummiring, falls der Stecker zu locker sitzt.

Optisch gibt sich das Mikro in Mattschwarz schick und wertig. Mit dabei ist eine Mikroklemme und Tasche. Wie immer bei Røde gilt das 10-jährige Garantieversprechen. Nachdem der Ladenpreis längere Zeit bei 68,- Euro lag, wird für das M1-S nun leider 99,- verlangt, wer auf den Schalter verzichten kann, spart 20,- Euro.

Samson Q8 Gesangsmikrofon

Das Samson Q8

Samson Q8

Eigentlich sollte vermieden werden, dass zwei Modelle eines Herstellers in derselben Gruppe auftauchen. Da aber einige Firmen die angefragten Mikros nicht zum Test liefern konnten, gab es einige Nachrücker, so auch das Q8.

Das Samson-Modell arbeitet mit einer Supernieren-Neodym-Kapsel und verträgt Schallpegel bis 150 dB SPL. Verarbeitung und Handling sind gut, da ich das Mikro schon Jahre einsetze, kann ich das hier auch für den Langzeittest bestätigen.

Die Ausstattung ist schlicht, neben dem Mikro befindet sich noch die Mikroklemme in der Plastik-Transportbox. Für 79,- Euro wird das Q8 gehandelt.

Audix OM 2 Gesangsmikrofon

Das Audix OM-2

Audix OM 2

„Das kleine Schwarze“ kommt mir beim Anblick des OM 2 ganz unwillkürlich in den Sinn. Sehr elegant wirkt das OM 2 des amerikanischen Herstellers Audix. Das kommt durch den schlanken Body und die mattschwarze Farbe zustande. Das Audix liegt gut in der Hand, dürfte sich aber in zarten Frauenhänden wohler fühlen als in Death-Metal-Pranken.

Auch hier kommt wieder eine Hypernieren-Charakteristik zum Einsatz, mehr als 140 dB max. SPL verkraftet die Kapsel. Mitgeliefert wird eine stabile Mikroklemme, ein gefüttertes Nylon-Transporttäschchen und das Datenblatt.

Verkauft wird das OM 2 für 99,- Euro, Audix gewährt fünf Jahre Garantie auf das Produkt.

Sennheiser e 835s Gesangsmikrofon

Das Sennheiser e 835s

Sennheiser e 835s

Auch in den günstigen Serien fertigt Sennheiser konsequent in Deutschland und so prangt auch auf dem e 835s stolz „Made in Germany“. Die Verarbeitung ist ohne Tadel, gut und schwer liegt das Mikro in der Hand.

Das e 835s arbeitet mit Nierencharakteristik. Der Schalter ist verriegelbar und arbeitet ohne Knacksen. Mit einem Verkaufspreis von 89,- Euro kann das Sennheiser durchaus als günstig beworben werden.

Die Ausstattung ist Standard, Mikroklemme und Nylontasche finden sich neben der mehrsprachigen Bedienungsanleitung im Karton.

Testverfahren für die Gesangsmikrofone

Auch dieses Mal wieder konnte ich zwei geübte Vocalisten für den Soundcheck gewinnen. Akina Ingold studiert an der Pop-Akademie in Mannheim und ist mit ihrer eigenen Band unterwegs.

Patrick Heck wurde die Musik quasi in die Wiege gelegt, er ist mit verschiedenen Formationen unterwegs. Beide bringen eigenes Material zu Gehör.

Unsere Vocalisten: Akina und Patrick

Unsere Vocalisten: Akina und Patrick

Um die Mikrofone gut beurteilen zu können, bringen unsere Künstler jeweils zwei Phrasen zum Vortrag. Zusätzlich wird jedes File in einer Version mit geringem Abstand, im Audiofile gekennzeichnet durch ein „n“ am Ende und mit etwas weiterem Abstand, „w“, aufgezeichnet.

Die Files wurden zum besseren Vergleich normalisiert, auf klangbearbeitende Maßnahmen wurde natürlich verzichtet. Ebenso kam auch kein Poppschutz zum Einsatz, so dass die P-Laute deutlich wahrnehm- und beurteilbar sind.

Da es sich um Live-Mikrofone handelt, kommen natürlich auch die Punkte Handling, Feedbackanfälligkeit und Handgeräusche mit in die Wertung. Die Audioaufnahmen der Handgeräusche wurden nicht normalisiert, um eine direkte Vergleichbarkeit zu erhalten.

Legen wir los!

Soundcheck

Superlux PRA-D1

Etwas skeptisch reagierten meine Künstler auf die Ankündigung, dass unser günstigstes Exemplar keine 20,- Euro kostet. Umso überraschter waren die Beiden, dass das Mikro richtig gut in der Hand liegt. Auch vom Sound waren sie positiv überrascht, erwartet wurde eher eine Performance nahe an einem Karaoke/SingStar-Plastikmodell. Das Superlux ist recht höhenlastig, hat aber auch eine ausgeprägte Neigung zur Bassanhebung im Nahbereich. Diese wirkt sich je nach Stimme mehr oder weniger aus.

Bei Akina kommt das nicht so zum Tragen, hier überwiegt ein recht ausgeglichener, stimmiger Klang. Mit etwas Entfernung klingt das Mikro recht schnell etwas dünn und die Höhen werden zu aufdringlich, was auch durch die nicht optimale Auflösung unterstützt wird. Mit Patricks Stimme verträgt sich das PRA-D1 hingegen im Nahfeld nicht optimal, zu dumpf und etwas topfig lässt der Nahbesprecheffekt hier seine Stimme wirken. Besser ist da etwas Abstand, offen und durchsetzungsfähig klingt hier sein Vortrag.

Weitere Pluspunkte heimst das Superlux mit einer recht geringen Neigung zum Poppen ein, das lässt sich sehr schön am Ende des zweiten Files von Patrick heraus hören. Weniger gut gelungen ist die Unterdrückung von Handgeräuschen, hier kommt beim PRA-D1 so einiges durch. Auch die Feedbackanfälligkeit ist recht hoch, speziell im Bereich um 10 kHz koppelt das Mikro sehr schnell. Hier wird man ohne ein vernünftiges EQing keinen ordentlichen Pegel erhalten.

Das Superlux PRA-D1 überrascht trotz Abzüge Griffgeräuschen und Monitorpegel mit einer guten Performance und einem unschlagbaren Preis-Leistungs-Verhältnis.

AKG P5

Auch mit dem AKG können sich meine Testsänger sofort anfreunden, Optik und Handling gefallen.

Akustisch arbeitet das P5 recht gefällig, stimmig und geschlossen klingen die Aufnahmen. Das P5 passt für beide Stimmen, Druck ist vorhanden, wenn auch die Mitten etwas prägnanter sein dürften, die Auflösung ist gut. Auffällig ist hier eine geringe Neigung zum Nahbesprecheffekt, so kann auch sehr schön mit dem Mikrofonabstand gearbeitet werden.

Bei Akina wird der größere Abstand in den hohen Lagen zwar etwas scharf, der Sound lässt sich aber sehr gut steuern. Weniger schön ist die deutliche Anfälligkeit zum Poppen, hier ist viel Disziplin nötig oder es wird etwas am Mikrokopf vorbeigesungen. Auch bei der Feedbackanfälligkeit ist das AKG P5 kein Musterknabe und kann sich in diesem Punkt nicht vom zuvor getesteten Superlux absetzen. Ebenso sind die Handgeräusche auf etwa gleichem Niveau. Dem kann natürlich durch den Einsatz eines Mikroständers abgeholfen werden.

Das AKG P5 ist durch seinen guten Klang und die robuste Bauweise ein Tipp für Vocal-Artisten, die günstig einsteigen wollen und nicht auf ein Markenprodukt verzichten möchten.

Samson CS Mic CS1/CS2

Das Samson kommt mit zwei Kapseln, beide werden wir mit Gesang testen und so feststellen, wo der Unterschied liegt.

Den Anfang macht wieder Akina, wir starten mit der CS1-Vokalkapsel.

Die Lippen dicht am Mikrofon arbeitet das Samson sehr schön mit ihrer Stimme, rund und harmonisch klingen ihre Soundsamples. Mit etwas Abstand gehen natürlich wieder die Tiefen zurück, trotzdem bleibt das Signal angenehm und füllig. Bei Patrick sollte eher nicht mit den Lippen am Korb gesungen werden, seine doch mit ordentlichen Tiefen ausgestattete Stimme schiebt da in diesem Bereich dann doch zu arg.

Dieser Eindruck verstärkt sich mit Einsatz der CS2-Instrumentalkapsel, die Stimme ist noch näher an der Kapsel und lässt den Klang noch dröhnender geraten.

Gut bekommt diese Variante allerdings Akinas Stimme in der Nahversion, so gelingt ein intimer und durchsetzungsfähiger Sound. Die CS2-Kapsel hat etwas mehr mit Poppen zu kämpfen, für Gesang ist sie eben auch nicht gemacht. Der CS1-Kopf reagiert da gutmütiger. Ebenfalls recht gutmütig ist das Feedbackverhalten, circa 5 dB lauter als die zuvor getesteten Probanden ist das Samson zu kriegen. Dann koppelt es zuerst in den hohen Mitten, das Feedback baut sich aber recht langsam auf und lässt sich so auch gut kontrollieren. Bei den Körperschall-Geräuschen kann sich das Samson nicht besser präsentieren als Superlux und AKG.

Das Samson CS Mic ist eine empfehlenswerte Kombi, die zum kleinen Kurs guten Klang mit hoher Feedbackfestigkeit paart und zudem noch mit dem Zusatznutzen als Instrumentalmikrofon aufwartet.

the t.bone GM 55

Optisch macht das Thomann-Mikrofon schon einiges her, durch die schiere Größe und die verchromte Oberfläche ist es schwerlich zu übersehen. Erkauft wird die Extravaganz mit einem Arbeitsgerät, das sich nur auf einem Stativ einsetzen lässt. Akustisch hinterlässt das GM 55 nicht den allerbesten Eindruck, der Gesamtklang ist schlecht auflösend und unhomogen, in den Höhen klingt es metallisch, die Mitten sind unterrepräsentiert.

Der Nahbesprecheffekt ist ausgesprochen gering, so ist bei Akina der geringste Unterschied in den bisher getesteten Modellen zu hören.

Akina mit dem GM 55

Akina mit dem GM55

Etwas deutlicher kommt der Effekt bei Patrick zum Ausdruck, aber auch hier überrascht das Mikro mit geringen Unterschieden. Gut ist auch die Unterdrückung des Poppens gelöst, recht unanfällig reagiert hier die Kapsel.

Die Beurteilung des Körperschalls ist etwas schwierig, da das the t.bone ja keinen Schaft besitzt, also fingere ich in Rockabilly-Manier, die Hand von oben auf das Mikro gelegt, daran herum. Die Störgeräusche sind tiefer angesiedelt als bei den bisher Getesteten, dadurch stören sie etwas weniger, obwohl sie in der Gesamtlautstärke sogar ein wenig höher liegen. Bei der Neigung zum Feedback liegt das GM 55 auf Niveau von Superlux/AKG, hier darf also gern ein guter Monitor-EQ zum Einsatz kommen.

Das the t.bone GM 55 ist ordentlich verarbeitet und optisch außergewöhnlich, dürfte aber aufgrund klanglicher Schwächen vorwiegend als Show-Effekt zum Einsatz kommen.

Røde M1-S

Schlichter kann man ein Mikro optisch nicht präsentieren, schwarzer Schaft, schwarzer Korb, der einzige Zierrat ist der kleine goldene Røde-Punkt. Das M1 ist nichts für Bling-Bling-Musiker, sondern will als ehrliches Arbeitsgerät überzeugen. Und das gelingt ausgesprochen gut. Das Røde ist eher dunkler und mittiger abgestimmt, das kommt Akina in ihren höheren Lagen sehr zugute, der Klang bleibt homogen, ohne unangenehm schrill zu werden.

Die Auflösung ist sehr gut. In den tieferen Bereichen ist der Nahbesprecheffekt zwar da, er manifestiert sich aber straff und ohne Dröhnen, sodass er der Stimme die nötige Wärme verleiht. Das zeigt sich auch bei Patrick, der Nahbesprecheffekt kommt in einem etwas höheren Frequenzband zum Tragen und unterstützt die Stimme gut. Hier dürfte die Kapsel aber in den Höhen präsenter sein. Sehr gut gefällt seine Stimme mit etwas Abstand, hier treten die Tiefen etwas in den Hintergrund und lassen die hohen Frequenzen deutlicher zum Vorschein gelangen.

Die Handgeräusche sind recht gering, hier haben die Entwickler eine gute Unterdrückung verwirklichen können. Ebenfalls gut gelöst ist die Abschwächung von Popplauten, hier verdient sich das Røde Bestnoten. Auch mit Feedback kommt das M1 gut zurecht, hier liegt es etwa gleichauf mit dem Samson CS Mic. Mit einer kleinen Absenkung um die 100 Hz lässt sich das noch etwas verbessern. Das Handling überzeugt ebenfalls, das Mikro liegt gut und rutschfest in der Hand, das blockierbare Anschlusskabel und der zu sperrende Schalter sind klare Pluspunkte.

Das Røde M1-S ist ein Arbeitstier, das nichts so schnell übel nimmt. Solide gebaut, stimmiger Klang, gute Geräusch- und Poppunterdrückung. Ein heißer Tipp für den hart arbeitenden Frontmann.

Samson Q8

Das Q8 ist als Nachrücker in den Test gekommen, da eine große amerikanische Firma leider das angefragte Testmodell nicht liefern konnte. Was lag also näher, als einem anderen amerikanischen Anbieter die Chance zu geben, zumal ich selbst das Mikro seit Jahren im Verleih benutze und bisher nur positive Reaktionen seitens der Musiker erfahren habe?

Auch das Q8 ist recht schlicht gestaltet, mattgrauer Body mit mattsilbernem Kugelkopf, damit sieht es dem Stallkollegen CS1 zum Verwechseln ähnlich.

Akustisch kann das Samson voll überzeugen, der Sound ist direkt, bietet ordentlich Druck und schöne Höhen, die schnell ansprechen und gut auflösen. Im Nahbereich verhält es sich ähnlich dem Røde, die Tiefenbetonung ist recht hoch angesiedelt und trägt so zum druckvollen Klangbild ohne Dröhnen bei.

Das Q8 harmoniert mit beiden Stimmen gut. Bei Akina bietet es genug Wärme und bleibt in den Höhen schön seidig. Auch die mit Abstand gesungene Passagen bieten ein schönes Klangbild, hier kann schön variiert werden. Patrick kommt in beiden Versionen auch gut rüber, die Nahbesprech-Versionen haben genug Höhen, die weiter Entfernung lässt ein wenig den Druck vermissen, ist aber dennoch in sich stimmig und eine gute Soundoption.

Das Samson ist recht Feedback resistent und agiert hier auf einer Stufe mit dem Røde und dem CS Mic aus eigenem Hause. Wenn es koppelt, dann zuerst im 10 kHz-Bereich, da kann mit dem Kanal-EQ am Pult schon gut gegengewirkt werden. Auch das Popp-Verhalten ist gut und stellt einen unproblematischen Sachverhalt her. Die Griffgeräusche sind minimal und stellen, soviel schon vorweg, den besten Wert diese Test-Oktetts.

Das Samson Q8 ist ein gut klingendes, völlig unproblematisches Mikrofon, das zudem recht günstig angeboten wird. Tipp!

Audix OM 2

Ein weiterer Amerikaner im Testfeld, das schicke OM 2 von Audix. Ganz in Schwarz, zierlich, Seriennummer, eigentlich ganz das Frauenmikro, mal sehen, wie es sich mit Männerstimmen schlägt.

Deshalb lassen wir diesmal Patrick den Vortritt. Das OM 2 hat einen nicht zu ausgeprägten Nahbesprecheffekt, der sich gut einsetzen lässt. Allerdings kommen hier die Höhen etwas zu kurz, so klingt das Mikro ein wenig belegt und könnte auch einen Tick mehr Dynamik vertragen. Dass die Höhen durchaus vorhanden sind, zeigen die Beispiele, die mit Abstand gesungen sind. Sie geraten auch deutlich spritziger.

Patrick demonstriert hier die verschiedenen Gesangsabstände

Patrick demonstriert hier die verschiedenen Gesangsabstände

Bei Akinas Stimme leistet das Audix gute Arbeit. Die Nah-Versionen sind druckvoll und direkt. Die Entfernt-Variationen bringen die nötigen Höhen mit ein, könnten aber in diesem Bereich etwas präziser auflösen. Insgesamt gelingt ein recht überzeugender Vortrag. Auch in der Disziplin „Handgeräusche“ schlägt sich das OM 2 gut, hier ist wenig zu hören und zu beanstanden. Etwas schlechter kommt die Poppneigung weg, das Audix liefert hier guten Durchschnitt, aber keine Bestwerte. Gut präsentiert es sich hingegen wieder bei der Feedback-Anfälligkeit, hier steht es auf einer Stufe mit dem Røde M1 und dem Samson Q8.

Das Audix OM 2 ist ein elegantes Mikro, dass trotz seines filigranen Erscheinungsbildes robust aufgebaut ist. Der Klang ist gut, ebenso überzeugen Feedbackfestigkeit und Griffgeräusche.

Sennheiser e 835s

Als letzter Kandidat in unserem Testfeld darf sich ein deutsches Produkt beweisen, das e 835s von Sennheiser. Der dunkel-anthrazitfarbene Schaft liegt gut und griffig in der Hand, der schwarze Einsprechkorb ist ausreichend stabil. Das e 835 ist klanglich eher hell abgestimmt.

Das unterstützt Akina in ihren nah gesungenen Files. Hier klingt das Mikro offener als so mancher Mitbewerber, die Auflösung ist gut. Allerdings ist auch eine deutliche Neigung zum Poppen zu hören, was die Arbeit mit direktem Lippenkontakt zum Einsprechkorb wieder etwas schwierig macht. Die mit Abstand aufgenommenen Soundbeispiele geraten etwas drucklos und dadurch auch zu indirekt. Deutlich besser funktioniert da aber die Poppunterdrückung. Der Idealabstand dürfte bei Akina also in der goldenen Mitte liegen. Patricks Stimmorgan harmoniert hingegen weniger mit dem Sennheiser. Der von ihm gewünschte Druck kann das Mikro in beiden Abständen nicht erzeugen, die Varianten mit größerem Abstand klingen zudem im Höhenbereich zu metallisch.

Die Entkopplung des Korpus ist hingegen gut gelungen, die Griffgeräusche sind auf ein recht geringes Maß reduziert. Auch mit Feedback hat das Mikro wenig zu kämpfen, zudem reagiert es recht gutmütig und bedächtig auf hochschwingende Frequenzen.

Das Sennheiser e 835s ist ein gut designtes Mikrofon „Made In Germany“, das eine eigene Klangästhetik verwirklicht und somit nicht für alle Stimmen universell passt. Wer ein dynamisches Mikrofon sucht, das in den Höhen fast schon Kondensator-Niveau erreicht, der sollte das e 835 antesten.

Zum Schluss hier noch die Audiodateien der Griffgeräusche zum direkten Vergleich.

Hinweis: Alle Online-Soundfiles der Live-Gesangsmikrofone liegen im MP3-Format vor. Wer sich die unkomprimierten Aufnahmen anhören möchte, gelangt über diesen Link zu einer Zip-Datei mit den nicht komprimierten Daten. www.amazona.de/media/downloads/1.Live-Vocalmiks-bis-100.zip

Fazit

Erstaunlich, wieviel Mikrofon hier für wenig Geld geboten wird. Optisch lässt es sich kein Kandidat anmerken, dass wir es mit der Einstiegsklasse zu tun haben. Auch in der Verarbeitung gibt es keine Aussetzer, alle acht Mikrofonen dürfte ein langes Bühnenleben beschieden sein. Überraschend positiv ist die Klangperformance der günstigeren Modelle, hier müssen vorwiegend Abstriche bei der Feedback-Empfindlichkeit und den Griffgeräuschen gemacht werden. Hier zeigen sich die etwas teureren Exemplare deutlich besser aufgestellt, auch beim Sound können sie noch das entscheidende Quäntchen draufpacken. Da entscheidet die persönliche Vorliebe, welches Mikro als die Nr.1 in Frage kommt.

Apropos Geld, im Moment steigen viele Preise durch den für uns ungünstigen Wechselkurs zum Dollar. So habe ich von der Auswahl der Mikros bis zum Schreiben dieses Specials einige Preise mehrmals korrigieren müssen. Deshalb sind die im Test genannten Zahlen der Obolus, der zum Zeitpunkt der Aufnahmen, Ende März 2015, gültig war. Das kann sich inzwischen wieder geändert haben.

Preis

  • Superlux PRA-D1: 19,99 Euro
  • AKG P5: 41,- Euro
  • Samson CS Mic CS1/CS2: 44,- Euro
  • the t.bone GM 55: 59,- Euro
  • Røde M1-S: 99,- Euro
  • Samson Q8: 79,- Euro
  • Audix OM 2: 99,- Euro
  • Sennheiser e 835s: 89,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    gaffer  AHU

    150 dB – da würde ich lieber nicht daneben stehen

    Ich finde es auch interessant, was man für wenig Geld heute an Mikro bekommen kann. Etwas über 500€ für acht Mikros. Guter Test

    • Profilbild
      Armin Bauer  RED

      Ja, gerade die günstigen Sachen sind sehr erstaunlich.
      Die nächsten zwei Folgen bieten auch noch einige Überraschungen, es bleibt spannend.

    • Profilbild
      Armin Bauer  RED

      Wir müssen natürlich eine repräsentative Auswahl treffen, da fällt das eine oder andere hinten runter.
      Das M-75 hat ja mit der Mic Control ein Alleinstellungsmerkmal, da bietet sich eher mal ein Einzeltest an.
      Schauen wir mal, was sich da machen lässt.

  2. Profilbild
    Markus Galla  RED

    So stelle ich mir einen gelungenen Vergleichstest vor. Natürlich muss immer jeder mit seiner eigenen Stimme testen. Die Ergebnisse entsprechen meinen Erwartungen. Interessant ist übrigens die Sennheiser e-Serie als Ganzes betrachtet: zwischen dem e835S und dem e935 liegen gar nicht so viele Euros – aber Welten im Klang. Für 100€ mehr erhält man ein Vielfaches an Sound. Mein Liebling von Sennheiser ist immer noch das e945. Dennoch ist es erstaunlich, was man für 89€ machen kann. Selbst das günstige AKG-Mikro, welches noch einmal günstiger ist, klingt ansprechend. Ich schätze mal, dass in der nächsten Preisklasse das leider gerade preislich aufgestiegene SM58 zu finden ist. Ich bin gespannt, wie sich der Klassiker schlagen wird.

    • Profilbild
      Armin Bauer  RED

      Hallo markus,

      schön, dass dir die Arbeit gefällt und danke, dass du dich so intensiv damit auseinander setzt.

      Welche Mikros im 2. Teil aufschlagen? Wird nicht verraten, wir wollen doch die Spannung erhalten :-)

  3. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Auch von meiner Seite aus vielen Dank für diesen ausführlichen und gewohnt guten Testbericht.
    Gerade diese Preiskategorie dürfte bei den meisten regelmäßigen Besuchern der Website interessant sein, die halt ab und an mal ein wenig mit dem Mikro machen und daher nicht sofort einen vierstelligen Betrag für ein Pro-Mike hinlegen wollen und können.
    Ich bin auch sehr angenehm überrascht, welche Qualität mittlerweile bis 100 (oder gar für 41) Euro möglich ist.

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