Test: Sontronics Corona, Gesangsmikrofon

30. November 2018

Dynamischer Gesang im Studio?

Das Sontronics Corona – ein dynamisches Gesangsmikrofon in Retro-Optik

Der britische Mikrofonhersteller hat ja schon einige skurrile Konstruktionen im Portfolio. So wurde vor einiger Zeit das Halo vorgestellt, ein dynamisches Mikrofon zur Amp-Abnahme im Retro-Design. Diesen Hingucker möchte Sontronics nun mit dem Corona auch als Gesangsmikrofon auf Bühnen und in die Studios bringen.

Erster Kontakt mit dem Sontronics Corona

Das Corona kommt sicher verpackt in einem Hartschalenkoffer, stilecht auf einem samtartigen Kissen gebettet.  

Hübsch und sicher gebettet

Auffälligstes Merkmal ist die ungewöhnliche Konstruktion. Das Mikrofon selbst ist dosenförmig und wird durch vier Federn in der Mitte eines Metallrings gehalten. Dieser sitzt auf einem rechteckigen Endstück auf. Hier befindet sich auf der Unterseite die vergoldete XLR-Anschlussbuchse, hinten ist die integrierte Stativklemme angebracht. Vorne prangen groß das Firmenlogo und der Name. 

Der XLR Anschluss

Das sieht natürlich alles sehr stylish und abgefahren aus, genau das Richtige für mich als bekennender Liebhaber ungewöhnlicher Konstruktionen. Ich bin gespannt auf die Performance.

Werte des Sontronics Corona

Das Corona ist ein dynamisches Mikrofon mit Supernieren-Charakteristik. Der Frequenzgang ist mit 50 Hz bis 15 kHz angegeben, ein üblicher Wert für dynamische Mikrofone. Die Frequenzkurve zeigt einen deutlichen Anstieg ab 1 kHz, der bei 10 kHz endet, danach fällt die Kurve weiter steil ab. Auch am anderen Ende ist bis ca. 120 Hz eine Absenkung zu verzeichnen. 

Der Frequenzgang des Corona

Die Impedanz liegt bei 600 Ohm, ein recht hoher Wert. Auch das angegebene Gewicht ist mit knapp unter 800 Gramm nicht gerade niedrig. Da das Mikro aber nur für den Einsatz auf einem Stativ vorgesehen ist, fällt das nicht ins Gewicht. Die Einstellschraube der integrierten Stativklemme hat jedenfalls kein Problem mit dem Gewicht. 

Mit 162 mm Höhe, einer Breite von 113 mm und der Tiefe von 62 mm ist das Corona auch nicht klein, wirkt durch die offene Konstruktion aber deutlich zierlicher.

Soundcheck des Sontronics Corona

Das Corona wurde vorwiegend als Vocalmikrofon entworfen, also soll hierauf auch der Schwerpunkt gelegt werden. 

Der Klang mit Sprache und Gesang ist recht hell und entspricht so der Frequenzkurve. Die Höhenwiedergabe ist mir zu spitz und zu grob aufgelöst, hier bin ich sofort versucht, mit einem EQ gegenzusteuern. Hmm, Sontronics bewirbt das Produkt ausdrücklich als ein Mikro, das keinen EQ benötigt. Die Mitten klingen etwas nasal und hohl. Das hängt auch damit zusammen, dass der Nahbesprecheffekt recht wenig ausgeprägt ist. So bleibt der Grundsound über eine größere Entfernung nahezu erhalten. Ganz dicht ran empfiehlt sich nicht, da hier eine deutliche Neigung zum Poppen zu vernehmen ist. Naher Sprechabstand erfordert dann einen Popp-Filter. Im Studio natürlich üblich, live würde das aber die gewollte Optik nachhaltig stören. Nicht optimal ist auch die Rumpel-Unterdrückung, obwohl der Frequenzgang in den Bässen abgesenkt ist. Hier scheint sich Sontronics etwas zu sehr auf die vier fragilen Federn zu verlassen.

Die Supernieren-Charakteristik ist recht eng, allzu viel Spielraum vor dem Mikro bleibt dem Sänger da nicht, da wird es schnell dumpf und indirekt. Etwas von der Seite drauf singen macht das Corona aber recht gutmütig mit. 

Nun, bisher kann ich mir das Corona noch am besten bei sphärischen, körperlosen Stimmen vorstellen. Oder natürlich, perfekt optisch passend, zu weitgehend original vorgetragenem Liedgut der 20er und 30er Jahre à la Max Raabe.

Forum
  1. Profilbild
    Kutscher  

    Hallo Armin vielen Dank für den Test.

    Hast du das Exemplar noch zum Testen da?

    Denn mich würde ineressieren wie sich das Corona im Live einsatz schlägt.

    Also Feedback empfindlichkeit gegenüber den Klassikern SM58 Und Beta.
    Sowie der Bauform wegen vor dem Gitarren Amp. (Wird damit nicht geworben?) So Lollipop Design spart da ja auf der Bühne viel Platz wenn mans auf ein kleines Tellerstativ stellt.

    Und wie gutwir der Tritschall oder Griffgeräusche gedämpft?

    Ich glaube nicht dass sich das Corona im Studiobereich durchsetzen wird. Allerding sicherlich als optisches Stilmittel für alle 20er bis 50er Bands.

    Gruß Kutscher

    • Profilbild
      Armin Bauer  RED

      Hi,

      nein, das Mikro ist wieder weg. Aber ich versuche mal deine Fragen zu beantworten.
      – Live sehe ich schwierig, der Sound ist schon speziell und Nahbesprechung ist eigentlich nicht möglich.
      – Feedback ist eigentlich o.k., Die Superniere funktioniert am besten, wenn 2 Wedges links und rechts stehen.
      – Für Gitarrenamp hat die Firma mit dem Halo ein Modell im Programm. Gleiche Optik, deutlich günstiger.
      – Trittschall und Griffgeräusche nicht so dolle, steht auch im Test.

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