Test: DPA d:screet CORE 6060, d:fine CORE 6066, Mikrofone

28. Dezember 2018

Klein, kleiner, DPA 6060 Serie

dpa core 6060

Mit der brandneuen CORE 6060 Serie begibt sich DPA an die Grenze des physisch Machbaren. Die Rechnung ist eigentlich recht einfach: Je kleiner die Membranfläche eines Mikrofons, umso höher ist das Eigenrauschen. Wie klein kann eine Mikrofonmembran sein, die trotzdem noch hohen klanglichen Anforderungen gerecht wird und einen professionellen Signal-Rauschspannungsabstand bietet? Die Dänen machen es mit dem DPA d:screet CORE 6060 und DPA d:fine CORE 6066 vor.

DPA d:screet CORE 6060

Das DPA d:screet CORE 6060

Auf der IBC in Amsterdam hat DPA die Katze aus dem Sack gelassen. Nur noch 3 mm misst die neue Kapsel der CORE 6060 Modelle, die ab sofort in verschiedenen Varianten (Headset, Lavalier, Low-Sens …) erhältlich ist. DPA waren schon in der Vergangenheit ein Meister der Miniaturisierung.
Erst Anfang dieses Jahres wurde die CORE-Technologie für die Miniaturmikros der 4060er Serie eingeführt. CORE minimiert Verzerrungen und damit wurde der Dynamikbereich je nach Mikrofonmodell um bis zu 14 dB erweitert. Der Klang wird damit auch bei höchster Lautstärke unkomprimiert und unverzerrt wiedergegeben. Mehr Information zu CORE findet ihr übrigens in meinem Test über das DPA d:vote CORE 4099. Einen Blick hinter die Kulissen und den beeindruckenden Herstellungsprozess bei DPA liefert euch dieser Bericht eines Besuchs der DPA Fertigungshallen in Dänemark.

DPA d:screet CORE 6060

Ich sehe was, was du nicht siehst und das ist … ein richtig gutes Mikrofon

Subminiature par excellence mit DPA d:screet CORE 6060 und DPA d:fine CORE 6066

DPA hat sich in den letzten Jahren vor allem in der Entertainment-Branche einen großen Namen erarbeitet. Mit neutralem Klang, enormer Vielseitigkeit und bedingungsloser Verlässlichkeit in Extremsituationen hat man viele Fans gefundenen. Heutzutage werden DPA Mikros am Filmset der größten Blockbuster und bei Serien wie „Games of Thrones“ eingesetzt. Aber auch in Studios, Theatern, Opernhäusern, bei Live-Übertragungen und Konzerten erlangen DPA Mikros immer größere Beliebtheit. Dabei ist die Größe oft von entscheidender Bedeutung. Wie klein kann das Mikrofon sein, um nicht mehr erkennbar zu sein? Je kleiner das Mikrofon, desto weniger störend ist es auch für die Schauspieler bzw. Musiker. Am Filmset werden diese Mikros zum Beispiel gerne in den Haaren der Schauspieler oder Knopflöchern versteckt. Der Sound bleibt allerdings auf Studio-Niveau – wie unser Test im Praxisteil bestätigen wird.

DPA d:screet CORE 6060

Ein Gitarren-Plektrum wirkt im Vergleich zum zierlichen DPA d:screet CORE 6060 wie ein Koloss

Das Kapselgehäuse der 4060er Serie misst gerade einmal 5,4 mm. Bei der neuen 6060 Serie wurde dieses um sage und schreibe 60 % auf nur noch 3,4 mm verkleinert! Auch die oben erwähnte CORE-Technologie wurde geschrumpft und sie passt auch noch irgendwie in die Subminiatur-Kapsel.
Trotz dieser winzigen Abmessungen ist die Mikrofonkapsel des DPA d:screet CORE 6060 und DPA d:fine CORE 6066 extrem strapazierfähig. Das Gehäuse besteht aus Edelstahl und ist daher sehr robust und stabil. Die matte Oberfläche wurde PVD-behandelt, einem Verfahren, das entwickelt wurde, um Oberflächen mit extrem dünner Farbschicht äußert widerstandsfähig zu machen. Erhältlich  sind die Mikros in den beiden Farboptionen schwarz und beige.

DPA d:fine CORE 6066

Das DPA d:fine CORE 6066

One size fits all – DPA d:screet CORE 6060 und DPA d:fine CORE 6066

Wie auch bei der 4060er Serie teilen sich das DPA 6060, das 6061 und das 6066 im Grunde die gleiche Kondensator-Kapsel. Die Richtcharakteristik ist Kugel, der Frequenzgang ist zwischen 50 und 6 kHz extrem linear und steigt dann langsam an und erreicht mit einer Spitze von +4 dB bei 14 kHz seinen Höhepunkt. Da wir es mit Kondensatormikrofonen zu tun haben, benötigen die Mikros auch etwas Saft vom Vorverstärker. In Verbindung mit einem XLR-Adapter (z. B. DAD6001) funktionieren die Mikros bereits ab 12 Volt Phantomspannung und entfalten zwischen 44 und 52 Volt ihre volle Leistung. Bei Drahtlos-Anlagen mit entsprechendem Adapter arbeiten sie auch schon ab 3 Volt bzw. mit 5 Volt (bei 5 Volt voll innerhalb der Spezifikationen).

DPA d:screet CORE 6060

Das DPA d:screet CORE 6060 und 6061 sind Lavaliermikrofone, die sich durch ihre Empfindlichkeit unterscheiden.

Das 6060 ist die normale Ausführung mit einer Empfindlichkeit von 20 mV/Pa, während das 6061 nur eine Empfindlichkeit von 6 mV/Pa aufweist und für laute Schallquellen gedacht ist. Dafür liegt beim 6061 der Grenzschalldruckpegel, also die Lautstärke, bevor das Signal anfängt zu übersteuern, bei 144 dB im Vergleich zu 134 dB beim DPA d:screet CORE 6060.

Bei beiden Mikros liegt der Dynamikumfang bei 102 dB, der Rauschpegel liegt beim DPA d:screet CORE 6060 bei 24 dB (A-gewichtet) und beim 6061 bei 26 dB (A-gewichtet). Gemessen an Studio-Kondensatormikrofonen mag das etwas hoch erscheinen, aber je kleiner die Membran, desto höher leider das Rauschen. Die Rauschwerte bei einer derart kleinen Membran so niedrig zu halten, ist eine technische Meisterleistung und daran gemessen sind das absolute Spitzenwerte.

Zum Vergleich: Die Werte des größeren DPA d:screet CORE 4060 und 4061 liegen bei 23 dB und 26 dB, sind also fast identisch!

Da der Nahbesprechungseffekt durch die Kugelcharakteristik wegfällt, lassen sich die Mikros auch extrem nahe an der Schallquelle positionieren, was wiederum etwas höhere Rauschwerte kompensiert.

Inklusive Kabel und Microdot-Stecker bringt das DPA d:screet CORE 6060 übrigens ganze 8 Gramm auf die Waage. Das DPA d:fine CORE 6066 kommt inklusive Headset auf beeindruckende 11 Gramm!
Ich selbst finde die leichtgewichtigen DPA Mikros daher vor allem für mobile Recording-Aufgaben ungemein attraktiv. Die Mikros fallen einfach nicht ins Gewicht, selbst 10 DPA Lavalier-Mikros haben zusammen weniger als 100 Gramm und liefern dabei exzellente Ergebnisse. Auch benötigt man keine schweren Stative und bekommt obendrein noch 1,8 Meter extrem dünnes Kabel mit dazu (beim Headset 1,3 Meter). Den Temperaturbereich gibt DPA mit -40°C bis 45°C an, Luftfeuchtigkeit bis zu 90 % stecken die Mikos problemlos weg. Selbst einer frostigen Session in Sibirien oder einem heißen Konzert im Urwald steht damit also nichts im Wege. Unserem Testmodell lag noch eine Microdot auf XLR-Stecker bei, die Verarbeitung macht einen extrem guten Eindruck und es gibt daran überhaupt nichts auszusetzen.

Das DPA d:fine CORE 6066 Headset ist eine komplette Neukonstruktion und DPA hat auch hier verkleinert, minimiert und alles verbessert, was im Bereich des Machbaren ist. Es kommt in einem schicken Case mit eingebautem Spiegel, um direkt zu sehen, ob es richtig sitzt.

DPA d:fine CORE 6066

Das DPA d:fine CORE 6066 kommt sogar mit Spiegel im Case

Da das Headset sehr flexibel einstellbar ist, gibt es nur eine Universalgröße, die für alle Kopfgrößen passt. Dank dreier Auflagepunkte über, unter und hinter den Ohren sitzt es wirklich bombenfest. Beeindruckend ist, welch hohe Stabilität mit den dünnen Metallbügeln erreicht wird. Wie das Mikrofon selbst, besteht der Bügel aus Edelstahl und ist PVD-beschichtet. Durch diese neue Oberfläche konnte der Bügel verkleinert werden und erscheint  auch weniger glänzend. Nach dem Einsatz lässt sich das Headset zusammenfalten und im Case verstauen, ohne dass es dadurch  seine Form oder seine Spannung verlieren würde.

DPA d:fine CORE 6066

Die Sicherung des Bügels ist sehr einfach

Auch ist es möglich, die Bügelposition von links nach rechts zu wechseln, wenn man den Bügel unterhalb des Ohrs entfernt und auf der anderen Seite anbringt.

Klangbeispiele
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