Test: Dynacord PowerMate 1000-3, 1600-3 Powermixer

12. März 2020

Kräftiger Powermixer

Die Stadt Straubing ist gar nicht mal so weit weg von mir und als geborener Bajuware freut es mich einfach diebisch, wenn ein Audiogerät nicht nur nicht (wie fast meistens) aus China kommt, sondern man sich bei dem „Made in Germany“ sogar noch das „z’sammagschraubt in Bayern“ vor das geistige Auge legen kann. Also bitte ich euch um Nachsicht ob meines offensichtlichen Lokalpatriotismus, der Testlauf ist auch bei diesem Kameraden ohne Vorschusslorbeeren.

Der hier getestete PowerMate 1000-3 entspricht weitestgehend dem größeren Modell Dynacord PowerMate 1600-3. Die wesentlichen Unterschiede sind beim 1600-3 das größere Gehäuse und 12 statt 6 Mikrofoneingänge (XLR und Klinke). Insofern gilt dieser Test auch in Hinblick auf das große Modell.

Die große Version Dynacord Powermate 1600-3

Außenbetrachtung des Dynacord PowerMate

In einer schicken Schale kommt er aber schon daher, das muss man ihm einfach zugestehen. Der abnehmbare Deckel besitzt stabile Verschlüsse und einen Griff, mit dem sich der PowerMate sehr gut tragen lässt. Er ist zwar kein Fliegengewicht, aber aufgrund der enormen Endstufenleistung von 2x 1250 Watt (an 4 Ohm) sind 14 kg geradezu lächerlich wenig.

Der mitgelieferte Koffer

Unter der Haube steckt ein 10-kanaliges Mischpult mit insgesamt 6 Mono- und 4 Stereokanälen, 2 Effektwegen zu dem eingebauten Dual-Prozessor, 2 Aux-Wegen mit wählbarem (!) Pre- oder Post-Fader-Status sowie 2 weitere Monitorwege. Vervollständigt wird das ganze Anschlussbild durch vier Pärchen Cinch-Buchsen für z. B. CD-Player, MP3-Player, Stereo-Recorder usw. Außerdem gibt es eine USB-Buchse zum Anschluss an den Rechner, denn der PowerMate besitzt auch ein vollwertiges 4 In/4 Out USB-Interface. Ach ja, und zwei MIDI-Buchsen finden wir auch noch – und das Schöne daran: Es ist tatsächlich ein vollwertiges MIDI-Interface für den Computer eingebaut. Als Sahnehäubchen liegt ein kleines Cubase Aufnahmeprogramm bei.

Zum Testen im Studio

Betrachtung der Kanalzüge des Powermixers

Die Monokanäle sind mit einem semiparametrischen EQ mit durchstimmbaren Mitten ausgestattet, der wählbare Frequenzbereich liegt zwischen 100 Hz und 8 kHz, ein sehr weit regelbarer Bereich. Der Tiefenbereich wird bei 60 Hz geregelt, der Höhenbereich greift bei 12 kHz. Der zusätzlich schaltbare Lowcut bei 80 Hz passt gut dazu, ein weiteres Feature ist das schaltbare Voice-Filter. Anschlussseitig gibt es hier eine XLR-Buchse für das Mikrofon sowie Line-Eingang mit zugehörigem Insert.

Die Stereokanäle unterscheiden sich etwas, hier gibt es eine feste Mittenfrequenz des EQs bei 2,4 kHz und keinen Lowcut, es lassen sich aber in diesen Stereokanälen zusätzlich Mikrofone betreiben, die mit einem zusätzlichen Gain-Regler gepegelt werden. Auf diese Art und Weise kann dann z. B. ein Synthesizer plus ein Mikrofon an einem Kanal gleichzeitig betrieben werden, allerdings müssen sich dann diese beiden Signale einen EQ teilen.

Allen Kanälen gemeinsam ist jeweils ein Mute- sowie ein PFL-Schalter, selbst die Stereosumme ist damit ausgestattet. Die Signalkontrolle ist also überaus weitreichend. Ein besonderes Schmankerl sind die Feedback-Filter in den zwei Monitor-Schienen. Hiermit kann man der ärgsten Störfrequenz mit Hilfe eines durchstimmbaren Notch-Filters auf den pfeifenden Leib rücken.

Die Master-Sektion des Powermate

Wie wurde getestet?

An den Speakon-Buchsen hingen meine HK-Audio Premium Pro 10X, an Musikmaterial wurde meine kleine Keyboardburg samt Gesang drangehängt. Zudem hörte ich diverse Lieblings-CDs und auch meine eigenen Mischungen über die PowerMate.

Wie klingt der Dynacord PowerMate 1000-3

Exorbitant gut! Der transparente Grundsound hat eine merkliche Tendenz zu Wärme und Fülle, dabei knallt einem perkussives Material aber dermaßen knackig um die Ohren, dass es eine wahre Freude ist. Mit guten Boxen dran kann sich mancher HiFi-Verstärker der gehobenen Klasse warm anziehen, so temperamentvoll und grundtönig spielt der Niederbayer auf. Nix von wegen pappiger Muckersound, der Dynacord würde sogar eine Band der Schwermetallfraktion in einem kleineren Rahmen gut zu Gehör bringen.

Natürlich werden sich jetzt einige am Kopf kratzen und sich fragen, ob man denn bei einer Endstufe die Unterschiede HÖREN kann. Da gehen die Meinungen stark auseinander, aber zumindest bei Powermixern trifft diese Aussage schon zu, da sie ja eine Vielzahl von einzelnen Elementen unter einer Haube vereinen. Und Fakt ist, wenn man an einem und denselben Lautsprecher verschiedene Powermixer anschließt, wird man sehr wohl einen Klangunterschied feststellen. Ich selbst hatte die letzte Zeit schon einige Geräte dieser Gattung für AMAZONA.de hier im Studio zum Testen und stellte durchaus (hörbare) Unterschiede fest.

Was am Dynacord Powermate besonders auffiel

Das getestete Gerät knackste weder beim Ein- noch Ausschalten. Das gibt es nur ganz selten und zeugt von Liebe zum Detail.

Die Bedienungsanleitung ist exzellent, SO sollte es bei jedem Gerät sein.

Der PowerMate ist mit einem 11-bandigen Graphic-EQ ausgestattet, der sich entweder auf die Stereosumme oder einen der beiden Monitorwege legen lässt. Mit 11 Bändern ist ein merklich differenzierterer Gesamtsound einstellbar als bei den gängigen 7- bzw. 9-bandigen Typen.

Die eindeutige farbliche Kennzeichnung der Drehregler zu den dazugehörigen Fadern ist sehr gelungen und schafft Übersicht.

Das schaltbare Voice-Filter in den Monokanälen gibt der Stimme einen guten Punch und nimmt ihr die Schärfe. Ein exzellentes Feature nicht nur für Anfänger. Diese Schaltung hat jemand gemacht, der wusste, was er tat. Allerdings kann der Grundtonbereich möglicherweise zu dick kommen (abhängig von der Gesangsstimme und vom verwendeten Mikrofontyp) und muss dann entsprechend korrigiert werden.

Die Effektsektion des Powermate 1000-3

Der Prozessor bietet eine große Auswahl an praxistauglichen Effekten ohne „Effekthascherei“. Hier wurde die Auswahl gezielt auf den Live-Bereich gelegt  und das angebotene Material ist von bemerkenswerter Qualität. Ich kann mir ohne Weiteres vorstellen, diesen On-Board-Prozessor als Haupthall einzusetzen. Durch die Möglichkeit, gleichzeitig einen zweiten Effekttyp anzusteuern, ist schon viel möglich.

Besonders gefallen haben mir die „Doubling“-Effekte, welche die Stimme schön dezent andicken, ohne sie zuzumatschen. Insgesamt bietet das Effektteil die stattliche Anzahl von 100 Effekten pro Prozessoreinheit, dazu gesellen sich noch 20 Speicherplätze für eigene Einstellungen. Für das Eintappen von Delay-Zeiten steht ein eigener Taster zur Verfügung und das Effektgerät selbst kann über einen Fußschalter ein- und ausgeschaltet werden. Das Display ist hervorragend scharf und übersichtlich, die orangene Anzeige ist bei vielen Lichtverhältnissen sehr gut abzulesen. Die Einstellung der Parameter erfolgt komfortabel mit Hilfe eines Drehencoders.

Betrachtung der eingebauten Endstufe

Die Endstufen besitzen einen zusätzlichen Eingang, an dem z. B. ein anderes Mischpult unter Umgehung des eigenen Mischpultteils angeschlossen werden kann. Ein als „Master B“ bezeichneter zweiter Hauptausgang lässt sich sowohl abhängig als auch unabhängig vom L/R-Master betreiben und kann auch auf Monobetrieb geschaltet werden. So lassen sich z. B. Nebenraumbeschallungen oder die Kombination mit einem Subwoofer leicht bewerkstelligen. Ein 4-poliger 12 Volt Lampenanschluss ist ebenso vorhanden.

Was gibt es zu meckern?

Ein so erstklassiges Gerät und keine gekonterten Potiachsen?? „Pfui“, sagt der Onkel Sigi. Die Drehschalter wackeln zwar nicht übermäßig, aber doch merklich in ihrer Position.

Ich schätze es, wenn eine LED-Aussteuerungsanzeige nach dem „0“-Bereich die Farbe wechselt, beim PowerMate 1000 bleibt es aber grün bis zur „+9 dB“-Marke. Eine eindeutige Anzeige des „0“-Bereichs bzw. dessen Überschreitung wäre – besonders bei schlechten Lichtverhältnissen – besser.

Für wen ist der PowerMate 1000 richtig?

Für die „Geiz ist geil“-Mentalität ist dieses Edelteil aus Straubing nichts, denn er ist zwar geil, aber geizt mit nichts. Alles vorhanden, was ein anspruchsvoller Musiker/Beschaller so braucht. Der Preis ist im oberen Bereich angesiedelt, aber zu teuer ist er nicht, denn so eine Audio-Performance bringen die vielen angebotenen Billigheimer nicht einmal annähernd. Zudem dürfte er sehr lange halten und auch als Submischer macht er eine gute Figur, das Mischpultteil ist von sehr guter Qualität.

Es gibt keine Musikrichtung, wo der PowerMate nicht einsetzbar wäre und die Reserven dieses Kraftpaketes sind enorm. Ich drehe für Testzwecke gerne eine kernige Lautstärke hinein, doch bis in den roten Bereich wollte ich den Dynacord meinen Lauscherchen zuliebe dann doch nicht aufreißen: Er kann lauter, als meine Studiofenster vertragen.

Fazit

Beim Dynacord PowerMate 1000-3 und 1600-3 hört und sieht man, was herauskommen kann, wenn nicht zwingend ein Kampfpreis angestrebt wird. Für mich ist der PowerMate definitiv der Mercedes unter den Powermischern, da von den Eingangsstufen bis zu den Verstärkern und alles dazwischen erste Wahl und Qualität ist. Einzig die ungekonterten Potiachsen passen nicht ins Bild, dennoch erhält das Gerät aufgrund seiner absolut erstklassigen Performance und der höchst reichhaltigen Ausstattung von mir die höchste Bewertung.

Plus

  • sehr guter Gesamtklang
  • Mikrofon-Preamps in professioneller Qualität
  • hervorragende Verarbeitung
  • Voice-Filter
  • durchstimmbare Feedback-Filter in den Monitorwegen
  • 11-bandiger Graphic-EQ
  • programmierbares Dual-Effektgerät
  • hohe Leistung der Endstufen
  • eingebautes USB-Audio- und MIDI-Interface
  • sehr leiser Lüfter
  • sehr gut geschriebene Bedienungsanleitung
  • geringes Gewicht

Minus

  • Drehknöpfe nicht gekontert

Preis

  • Dynacord Powermate 1000-3: 1.999,- Euro
  • Dynacord Powermate 1600-3: 2.236,- Euro
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