Test: Epiphone 1966 Wilshire Tremotone LTD WB, E-Gitarre

Sound/Praxis

Was beim Handling mit der Epiphone Wilshire als erstes auffällt, ist das extrem niedrige Gewicht. Eigentlich ist das Tonholz Mahagoni eher bekannt für ein hohes Gewicht, bei der Wilshire hat man sich aber offensichtlich für eine sehr leichte Mahagoniart entschieden – und das kommt natürlich der Performance mit der Gitarre sehr entgegen. Der akustische Grundsound ist dennoch Mahagoni-typisch als sehr warm und voluminös zu beschreiben, auch das Werks-Setting muss man als gut bezeichnen, wenn gleich die hohe E-Saite auf ihrer gesamten Länge etwas schnarrt.

Wie bereits weiter oben schon angedeutet sollte man mit dem Nutzen des Vibratos vorsichtig sein. Leichte Tonhöhen-Modulierungen, wie etwa das sanfte Ausschwingen eines Akkordes, können noch gut gehen, einen kräftigeren Einsatz quittiert das System aber dann mit heftiger Verstimmung. Im Auslieferungszustand ist der Vibratohebel sehr fest, ein Lockern ist aber problemlos (mit einem Geldstück beispielsweise) an der dafür vorgesehenen Schraube möglich. Denn nur so verlässt der Hebel den Aktionsradius der rechten Hand nach Nutzung und behindert den Akteur nicht weiter beim Bespielen des Instrumentes.

-- Die 1966 Wilshire in Worn Cherry --

— Die 1966 Wilshire in Worn Cherry —

-- Die 1966 Wilshire in Aged Cherry --

— Die 1966 Wilshire in Aged Cherry —

Am Verstärker angeschlossen zeigt sich die Epiphone Wilshire zwar nicht unbedingt als die Flexibelste, einen eigenständigen Charakter kann man dem Instrument aber nicht absprechen. So klingt der Front-Pickup unerwartet höhenreich und dynamisch, dem gegenüber fällt der Pickup in Stegposition etwas ab. Er bietet zwar schon irgendwie den typischen Sound eines Steg-Humbuckers, besitzt aber nicht die Spritzigkeit wie sein Gegenüber in der Halsposition. Somit kommt man in die Versuchung, fast alles mit dem Front-Humbucker spielen zu wollen. Oder mit beiden Humbuckern, denn dann ist der Sound wiederum recht ausgewogen: Den Knack und die Schärfe vom Steg-Pickup, die Dynamik und das Höhenspektrum vom Kollegen am Hals. So lassen sich dann clean gespielte und geschlagene Akkorde wunderbar im 60s-Style performen.

Im Distortion-Betrieb benehmen sich die Pickups recht ordentlich, denn es sind keine erwähnenswerten Nebengeräusche wahrzunehmen. Bei niedrigem Gain empfiehlt sich der Front-Pickup auch ideal für bluesige Sounds, welche recht voll und warm rüberkommen. Die Epiphone 1966 Wilshire LTD ist also nicht nur bloß etwas für Akkorde schrammeln, auch Blues-Spieler könnten sich für diesen Sound begeistern. Und würden ihr Budget dabei in keinster Weise überstrapazieren!

Fazit

Bis auf wenige Ausnahmen, wie etwa der unsauber verarbeitete Sattel und der etwas leblos klingende Steg-Humbucker, hinterlässt die Epiphone 1966 Wilshire LTD im Amazona-Test einen durchaus guten Eindruck. Für einen Straßenpreis von gerade einmal knapp über 300,- Euro bietet Epiphone ein Instrument, das für Freunde des Sounds und der Optik der 60er wie geschaffen ist. Besonders gut zu gefallen wussten im Test neben dem guten Handling durch das geringe Gewicht auch der Sound des Front-Humbuckers, der einen eigenständigen Charakter besitzt und von cleanem „Akkorde schrammeln“ bis zu bluesig weichen Solo-Linien bestens genutzt werden kann.

Vorsichtig sollte man allerdings mit dem Nutzen des Tremotone-Vibratos vorgehen. Nur leicht beansprucht konnte das Instrument im Test die Stimmung gerade noch zufriedenstellend halten. Bei groberer Nutzung ist ein Neustimmen allerdings unumgänglich.

Plus

  • Preis-Leistungs-Verhältnis
  • gutes Handling dank niedrigem Gewicht
  • Sound des Front-Pickups
  • authentische 60s-Optik

Minus

  • Verarbeitung des Sattels
  • Steg-Humbucker etwas leblos
  • Vibrato konstruktionsbedingt nicht stimmstabil

Preis

  • Ladenpreis: 325,- Euro
Klangbeispiele
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