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Interview: Frank Deimel, Gitarrenbauer und Gründer von Deimel Guitarworks

Von der ersten selbstgebauten Gitarre bis zur Firestar LesLee Synchronizer

25. Juni 2023
Deimel Guitarworks Gitarren

Frank Deimel (rechts) im Gespräch mit DelayDude (links)

Alles begann im Ruhrgebiet der ausklingenden 1970er-Jahre mit einer alten Semi-Hollowbody aus dem Musikladen von Hans Peter und einem Gitarrenhals von einem Freund. Schon seit seiner Jugend baut Frank Deimel Gitarren und machte sich 1998 mit diesem Handwerk selbständig. Zwischenzeitlich studierte er Industrie-Design in Berlin und blieb gleich in der Hauptstadt. 2007 kam auch seine Partnerin Kora mit an Bord und vor einigen Jahren zog es die beiden mit Kind und Kegel raus aus Berlin in die Märkische Schweiz. Dort werden bei Deimel Guitarworks edle Instrumente in Handarbeit gefertigt. Jedes Stück vereint klassische Eigenschaften und moderne Elemente in sich und möchte sich immer auch von den bekannten Modellen abheben.

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Frank Deimel über Gitarren und Synthesizer

Neben den seit 2012 angebotenen Modellen Deimel Doublestar und Deimel Firestar fertigt Deimel Guitarworks individuelle Instrumente ganz nach Kundenwunsch. Zwischenzeitlich führte das den Mann mit der Vorliebe für P-90 Pickups dann auch in die Welt der Synthesizer und es scheint, als würde ihm ein Brückenschlag zwischen zwei Welten gelingen.

Interview: Frank Deimel (Deimel Guitarworks)

Die Deimel Firestar schafft es, über ein CV-Signal die Gitarre mit einem Modular-Synthesizer System zu verbinden. Die Gitarre kann CV-Impulse, also Schwingungsformen, erzeugen, die über eine Input- und Output-Patch-Kabelverbindung mit einem Synthesizer, Effektpedalen oder anderen Modulen, die Control-Voltage verarbeiten können, verbunden und diese Signale dann entsprechend gesendet werden können. Dadurch kann die Gitarre dynamisch durch das Gitarrenspiel CV-Signale erzeugen oder auch von externen Geräten empfangen und mit diesen interagieren. Man kann natürlich auch die Pickup-Schalterstellungen passend zum Song steuern. Diese Technik stellt dementsprechend eine Automation dar, wie es sie bisher noch nicht gab. Es ist der interaktive Weg, um Gitarristen und elektronische Musik zu verbinden und der Kreativität sind mit diesen Mittel kaum Grenzen gesetzt. Mehr zum Deimel Firestar LesLee Synchronizer und ob er dem Material von Korpus oder Gitarrenhals eine größere Bedeutung bemisst, erklärte Frank mir zusätzlich direkt an seinem Stand auf der SUPERBOOTH im Videointerview.

Deimel Guitarworks: Wie alles begann

Unabhängig von der neuen Technik wohnt aber jeder seiner Gitarren eine besondere Schönheit, perfekte Spielbarkeit und Inspiration inne und so werden sie nicht nur von The National Gitarrist Bryce Dessner gespielt. Grund genug, mal ein wenig mit dem sympathischen Mann hinter den bezaubernden Instrumenten ins Gespräch zu kommen. Und so erfuhr ich im Interview mit Frank Deimel die Geschichte seiner ersten Gitarre und welche Rolle Peter Burschs Bröselmaschine in seinem Leben spielte. Natürlich stand er mir auch Rede und Antwort im Hinblick auf die Frage nach seiner Meinung zum Gitarren-Boutique-Markt und verriet mir, welchen ultimativen Tipp er jedem Gitarristen mit auf den Weg geben möchte.

Interview: Frank Deimel (Deimel Guitarworks)

DelayDude:
Erzähl uns doch etwas über deine allererste Gitarre.

Frank Deimel:
Meine erste Gitarre war eine klassische Gitarre von Dieter Hopf aus dem Jahr 1976, die mir meine Eltern im Musikhaus Blum in Hamm/Westf. kauften.

DelayDude:
Hast du sie noch?

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Frank Deimel:
Ja, in der Tat! Sie hängt allerdings bei meinen Eltern, sie erlitt auch einiges an jugendlicher Energie. David Carradine’s Kung-Fu im Fernsehen inspirierte mich zu einem gewagten Sprung mit gespreiztem Bein über die Sofalehne, welcher ein weiteres Schallloch in der Decke der Hopf zur Folge hatte. Sie klang deswegen nicht unbedingt schlechter … eine frühe Erfahrung :-)

DelayDude:
Wie bist du zum Gitarrenbau gekommen? Wie fing alles an? Erzähl uns etwas über die erste Gitarre, die du selbst gebaut hast. Welche Form hat sie, welche Materialien, Parts etc. hast du benutzt und wo ist sie heute?

Frank Deimel:
Irgendwie ergab sich das auf eine fast natürliche Weise. Meine Eltern betrieben ein Zahnlabor mit vielen Angestellten, mein älterer Bruder und ich beschäftigten uns mit Chemie/Physikkästen über Flugzeug/Schiffs-Modellbau und diversen Bastelprojekten, bis die heimatliche Musikszene der End-70er sich durch die recht massive Szene in der Stadt aufdrängte. Wir waren die Nerds, die auch mal was reparieren konnten. In der Schule habe ich dann auch meinen ersten Gitarrenhals von einem Freund abgekauft, den ich dann an einen alten Semi-Hollowbody-Body von ebenfalls Eko schraubte, der aus dem sehr hippiesken Musikladen von Hans Peter in Hamm stammte, ein Ort, der uns alle sehr inspirierte zu der Zeit. In Teilen ist auch diese Gitarre immer noch oder wieder zu mir gelangt :-)

Interview Fraun Deimel GuitarworksDelayDude:
Hattest du damals bestimmte musikalische Vorbilder und woran orientierst du dich heute beim Bau einer Gitarre?

Frank Deimel:
Es war wie ein natürliches Amalgam, obwohl ich in den 80ern groß wurde, waren unsere Vorbilder die Musiker/innen von Woodstock, das lag mit Sicherheit an dem Video 2000 System, welches mein Vater eines Weihnachtens stolz präsentierte. Wir haben dann alles Spannende wie Rockpalast-Nächte, Nordsee ist Mordsee, und natürlich Woodstock aufgezeichnet. Da waren sie dann alle: Mother’s Finest, Rory Gallagher, Bob Marley, Patti Smith, Can, die ganze „alte“ Szene, aber auch neuere Acts, Nina Hagen, The Tubes, The Clash, später dann die frühen Red Hot Chili Peppers; Rip, Rig and Panic etc. das ganze Spektrum. Dann traten diese ja auch regelmäßig in dem uns umgebenden Ruhrgebiet auf. Mein erstes kleines Konzert war Peter Burschs Bröselmaschine, mein nächstes Konzert im zarten Alter von 14 war Carlos Santana in der Dortmunder Westfalenhalle. All diese erzeugten in mir diese permanente Vorstellung, wie eine Gitarre wann gut aussieht und gut klingt. Das habe ich irgendwie verinnerlicht.

Interview: Frank Deimel (Deimel Guitarworks)

(Quelle: Frank Deimel)

Frank Deimel über seine musikalischen Wurzeln und aktuelle Vorlieben

DelayDude:
Welche Musik hörst du privat?

Frank Deimel:
Ich bin inzwischen durch viele Stile und Sparten gewandert und summa summarum höre ich privat sehr gerne Musik, die mich wegtragen kann. Die mich in die Fänge nimmt, die mir quasi eine mentale Qualität gibt, die nur Musik zu erreichen schafft. Das ist in der Regel sehr moderne oder aber sehr alte Musik. Es gibt immer einen roten Faden zu entdecken und es ist ein unendlich schöner Kosmos. Die Reise hört nicht auf. Viele Freunde von mir haben sich in ähnliche Sphären begeben und wir tauschen uns regelmäßig aus. Es ist unendlich.

DelayDude:
Kann man deine Musik irgendwo hören oder machst du eher für dich im heimischen Proberaum/ Studio Musik?

Frank Deimel:
Meine Musik aktuell gibt es so gesehen nicht, denn ich bin kein aktiver Musiker mehr. Es gab allerdings eine Zeit, in der ich eine Band namens Alan Int. hatte. Wir haben eine Veröffentlichung als LP/CD auf Angry Fish Music gehabt, der Name der Scheibe war „Shroomanized“. Wir sind damals mit der US-Band TAR und anderen Bands zusammen regelmäßig auf Tour gewesen. Eine „Best of“-Veröffentlichung gibt es unter dem Namen Alan Int. auf soundcloud zu finden.

Frank Deimel Guitarworks InterviewDeimel Guitarworks und der Boutique-Markt

DelayDude:
Der Gitarrenmarkt ist stark umkämpft. Ist es schwer, sich gegen die bekannten Marken durchzusetzen? Welche Vorteile hat die Boutique-Welt?

Frank Deimel:
Das ist richtig, selbst der Boutique-Markt ist inzwischen stark umkämpft. Die bekannten Marken sind in der Tat omnipräsent, in jedweder Presse, auf jedem Festival oder TV oder Internet sind die großen Player am Start. Man spielt entweder BMW oder Mercedes … ich finde diese Entwicklung traurig, denn in den 60ern gab es eine so derartige Explosion und 1:1-Übersetzung von musikalischer Entwicklung und Instrumenten-Design, aber irgendwann gingen sie alle pleite, die Ekos, Jaccobaccis, Wandres, Hopf, Höfner, Framus und Japaner stampften alles an Oddballs ein. Alles ordnete sich den Big 2 aus den USA unter: Fender und Gibson oder besser gesagt den „Corporate Directives“ von CBS und Norlin, den großen Geldgebern, die die Ursprungsfirmen aufkauften. Und siehe da, in den 70ern bauten sie nur noch auf Masse. Die glorreichen 50/60er, wo die Erfinder noch lebten, sind heute das Vorbild vieler Boutique-Builder, die die gute Bauqualität mit dem aktuellen Hybrid/Offset-Trend kombinieren und Gitarren im Retro-Stil, aber Top-Qualität rausbringen. Wir verstehen uns hier durchaus selbstbewusst als Trendsetter und Akteur der ersten Stunde.

Deimel Guitarworks Firestar LesLee Synchronizer

DelayDude:
Gitarre vs. Synthesizer scheint ja lange schon wie ein „entweder-oder“. Mit deiner Firestar Leslee Synchronizer (der Gitarre mit CV-Steuerung) gehst du ja einen Schritt in die Richtung, Gitarren und Synthesizer zu versöhnen. Erzähl uns doch mal etwas mehr über dieses Projekt.

Frank Deimel:
Nun, es handelt sich in der Tat um eine unmittelbare Verknüpfung, die eine reale Anbindung an modulare Systeme ermöglicht. Das Ganze basiert auf der von Pascal Stoffels erfundenen Einheit, die sich Pickup LesLee nennt. Dieser „Onboard“ -Effekt, der direkt vom Spieler auf der Gitarre steuerbar ist, erzeugt eine permanente Schwingung, sprich es oszilliert zwischen Hals-und Steg-Tonabnehmer hin und her, und lässt sich in der Geschwindigkeit sowie in der Intensität über die in Offset-Gitarren üblichen Wheeler-Pots regeln. Darüber hinaus kann man die Hüllkurve dieses Effekts verändern, und via 4-Wege-Schalter von Sägezahn, über Rechteck und reinem Sinus-CV eine Schwingung raussenden. Das Schöne ist, dass man ebenfalls CV empfangen kann und das bedeutet, dass jedwede modulare Quelle Zugriff auf diese LesLee-Schaltung der Gitarre hat und diese somit quasi massiv beeinflussen kann. Das klingt mitunter sehr fremdartig, aber ungemein spannend. Das Schöne ist, dass der übliche Gitarrenton komplett erhalten bleibt und weiterhin über den regulären Output zu hören bzw. zu mischen ist.

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Mehr Informationen

DelayDude:
Du warst ja auf der SUPERBOOTH mit einem Stand vertreten. Nutzt du selbst Synthesizer? Wenn ja, wie setzt du sie ein? Wenn nein, warum nutzt du sie nicht?

Frank Deimel:
Ich habe mich bisher lediglich mit einem Moog 32 vertraut gemacht, um die Deimel LesLee Synchronizer zu testen. Schneider TM, mein guter Freund, riet mir zu einem Make Noise Strega und mein Kunde Jay Ahern, der die allererste Synchronizer in Auftrag gegeben hatte, empfahl mir den Make Noise O-Coast, der leider damals ausverkauft war. Ich taste mich vor, es ist für mich als Gitarrenbauer ein ungemein zartes, neues Feld und ich möchte mich erstmal nur rudimentär nähern, um es alles besser zu verstehen. Ich habe schon einige IG-Posts mit der Synchronizer und auch Dreadbox-Effekten gemacht. Wir stellen dieses Jahr auf der Superbooth 2023 zusammen mit Dreadbox aus, da sie als einzige uns bekannte Firma Pedale bauen, die für beide Welten funktionieren. Das freut uns sehr, da wir sehr an einer Genre-freien, schubladenfreien Denke interessiert sind.

Von der Idee zur fertigen Gitarre

DelayDude:
Ich liebe das Firestar Design. Es ist das wohl edelste Offset-Design, das ich kenne. Wie schwer ist es, ein einzigartiges Design zu kreieren? Sprich, wie viele Prototypen entwirfst du, bevor du wirklich zufrieden bist und welche Zeitspanne nimmt dieser Entwicklungsschritt in Anspruch?

Frank Deimel:
Es ist zunächst ein rein gedanklicher Prozess, vieles formt sich vor dem inneren Auge. Da ich Industrie-Design an der HdK, jetzt UdK in Berlin studiert habe, sind mir die Prozesse der Produktentwicklung bekannt, jedoch war für mich die Prägung der existierenden Modelle und deren Gewicht immer ein Störfeuer im kreativen Prozess, vor allem wie Industrie-Design funktioniert. Es ist nicht möglich, im Bereich Gitarren-Design mal eben alles über den Haufen zu werfen, obwohl das inzwischen einige erfolgreich widerlegen. Aber zu meinem Zeitpunkt war es am Horizont, z. B. über hybride Formen nachzudenken, das „Morphen“ war in aller Munde. Aktuell arbeiten wir an einem neuen Modell und wir durchlaufen ähnlich wie in einem Designbüro viele Schritte, um einen finalen Entwurf zu bauen. Es dauert manchmal nur wenige Monate, manchmal 1-2 Jahre, bis es reif ist.

DelayDude:
Du scheinst eine Vorliebe für P-90 Pickups zu haben. Was macht sie in deinen Augen so besonders?

Frank Deimel:
Dieser so simple wie klanglich so akzeptierte Ton ist es. Er liegt immer richtig, irgendwo zwischen SC und HB. Und er ist ein SC, also hat ein definiertes Magnetfeld, welches ihn immer gut erkennbar macht im Mix. Darüberhinaus deckt er viele „Stile“ ab, ist also ein ungemein universeller Pickup.

DelayDude:
Über welchen Deimel Nutzer freust du dich besonders?

Frank Deimel:
Das ist natürlich aktuell Schneider TM, der mit seinem Prototypen „Spark“ aktuell unter anderem mit „Faust“ unterwegs ist. Er spielt auch die für ihn entwickelte „Fireschneider“. Des Weiteren freue ich mich aktuell sehr über Bryce Dessner, er und David Chalmin bringen beide Firestars zum Einsatz und zwar auf ihrer aktuellen „Dream House Quartett“ Tour gemeinsam mit Katia und Marielle Labèque. Sehr stolz bin ich auf die Zusammenarbeit mit Kalle Kalima, Barbara Jungfer, Michael Rodach und Andreas Willers. Allen habe ich Instrumente in meiner Berlin-Phase gebaut, die sie noch heute intensiv nutzen. Das erfüllt mich zutiefst.

Franks ultimativer Tipp für Gitarristen

DelayDude:
Gibt es einen „ultimativen Tipp“, den du jedem Gitarristen mit auf den Weg geben möchtest?

Frank Deimel:
Ja, den gibt es:-) Brian Eno sagte mal in einem Interview: Stellt eure Hifi-Anlage für 3 Wochen dumpf und den Balance-Regler auf links. Ändert eure Hörgewohnheiten. Seid ihr selbst und denkt an eure innere Stimme und euren Beitrag zur Emotion, die die Welt vielleicht gerade hören möchte. Macht eine direkte Verbindung von eurem inneren Befinden zur Welt da draußen, wie immer sie auch sich euch darstellt. Ihr formt die Welt und nehmt den direkten Weg, es rauszuhauen. Und hört nicht nach links oder rechts, äußert euch unmittelbar, mit der Sprache der Musik, ohne Umwege. Musik ist absolute Freiheit.

Ich möchte mich an dieser Stelle ganz herzlich bei Frank Deimel von Deimel Guitarworks für das Interview bedanken.

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Forum
  1. Profilbild
    Sven Blau AHU

    Danke für das Interview. Wunderschöne Gitarren, die den Offset-Weg von Fender neu gehen und ins Moderne hieven. Leider bauen sie Dirk von Lowtzow’s erste Deimel Signature nicht auf Anfrage nach, bei der würde ich schwach werden…

    Das Schlusszitat von Eno ist wunderbar, kann ich nur unterschreiben!

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