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Test: ESP E-II M-II NT BTB, E-Gitarre

26. Mai 2019

Ein neues Monster von ESP ist geboren

ESP E-II M-II NT BTB

ESP E-II M-II NT BTB

Ohne Zweifel gehört ESP zur Speerspitze der Hersteller, wenn es um den Bau moderner E-Gitarren geht. Der ewige Dauerkonkurrent zu Ibanez ist ebenfalls schon sehr lange im Geschäft und passt seine Instrumente stets dem Zeitgeist und vor allem den Bedürfnissen seiner zumeist „schwermetallernen“ Kundschaft an. Ziemlich angesagt sind in der Szene die Pickups von Bareknuckle, von denen die ESP E-II M-II NT BTB zwei an Bord trägt und auch sonst mit einer Menge Luxus lockt. Kann man ja auch erwarten, bei einem Preis von deutlich über 2000,- Euro. Ist sie eine würdige Vertreterin der Luxusklasse von ESP und was kann man mit ihr so alles anstellen?

ESP E-II M-II NT BTB Front

ESP E-II M-II NT BTB – Facts & Features

Das Gefühl, mit der ESP E-II M-II NT BTB in die Luxusklasse aufgestiegen zu sein, umschmeichelt den neuen Besitzer dieser E-Gitarre schon,  bevor er überhaupt das Instrument zu Gesicht bekommt. Bei ESP bzw. bei deren Premiuminstrumenten gehört es seit jeher zum guten Ton dazu, sogar das mitgelieferte Case in eine Stoffhülle zu verpacken. Nicht anders ist es auch hier und nach dem Abstreifen der schwarzen Umhüllung und dem Öffnen des robusten Koffers blicken die Augen zunächst auf eine kräftig strukturierte Wölkchenahorndecke, die in einem dunkeln Grünton lackiert wurde. Nach Grün sieht es zumindest in natura aus, obwohl ESP der Gitarre die Farbbezeichnung „Black Turquoise Burst“ verpasst hat. Wie dem auch sei, das Finish sieht verdammt gut aus und ja, es handelt sich hier ganz ehrlich um eine ca. 4 mm starke Decke, kein Furnier. Das sieht man deutlich an den Rändern des Korpus, die in der natürlichen Farbe des Ahorns belassen wurden.

ESP E-II M-II NT BTB Top

Quilted Maple Decke

Bei der E-II M-II NT BTB haben wir es wieder, typisch ESP, mit einer Neck-through-Konstruktion zu tun. Was bedeutet, dass an den durchgehenden Ahornhals zwei Teile Holz für den eigentlichen Korpus, in diesem Fall Mahagoni, angeleimt wurden. Wie die Erfahrung zeigt, bringt solch eine Bauart enorme Vorteile in Sachen Resonanzverhalten und Sustain. Doch das ist noch nicht alles, mit dem diese E-Gitarre ihren maximalen Sound auszupressen versucht, denn zusätzlich zur Neck-through-Konstruktion gibt es noch eine String-through-Saitenführung für den maximalen Druck!

Die Saiten werden also von hinten durch den Korpus eingefädelt und dann durch eine Brücke von Hipshot hinauf zur Kopfplatte bzw. dem „Reversed Headstock“ geführt. Dort sitzen sechs Mechaniken von Gotoh, die über einen Klemmmechanismus verfügen und wie die übrige Hardware eine mattschwarze Farbe besitzen. Ihre Funktion entspricht den Erwartungen an ein Instrument in dieser Preisklasse vollkommen, so förmlich kann man das sagen. Die Tuner laufen weich, sehr präzise und geben sich auch beim Halten der Stimmung zu keiner Zeit die Blöße. Hätte jemand etwas anderes erwartet?

ESP E-II M-II NT BTB Rückseite

Ähnlich mit den Erwartungen verhält es sich mit dem Hals und dessen Bespielbarkeit, für die ja primär das Halsprofil verantwortlich ist. Die ESP E-II M-II NT BTB ist ganz offensichtlich eine Metal-Gitarre und entsprechende Vorkehrungen für technisch anspruchsvolle Spielarten wurden auch hier natürlich geschaffen. Das „Thin-U“ Profil ist extrem schmal ausgefallen und dazu passt auch der breite Radius des Griffbretts von 305 mm. Trotz der Lackschicht, die die Halsrückseite restlos bedeckt, erhält die Greifhand ein komfortables Spielgefühl, das auch bei zunehmender Feuchtigkeit nicht nachlässt. Komfortabel ist ein gutes Stichwort in dem Zusammenhang, denn durch den extrem homogen ausgeführten Hals-Korpus-Übergang und die weit ausgesägten Cutaways flutscht die linke Hand ganz locker und easy hinauf bis zum letzten Bund auf dem Ahorngriffbrett. Die 24 Jumbo-Bünde sind ein weiteres Beispiel für eine perfekt verarbeitete E-Gitarre – sauber eingesetzt, von einem Binding an ihren Rändern umschlossen, sorgfältig poliert und zudem gleichmäßig in ihrer Höhe abgerichtet, sodass eine beispielhafte Saitenlage möglich ist.

Das Griffbrett selbst erscheint eher im Understatement-Look, auf Perlmuttüberflutungen wurde Gott sei Dank verzichtet, zur Orientierung dienen nur recht kleine Inlays an den Oberkanten der Bünde. Der Benutzer der Gitarre darf sich trotzdem auch im Dunklen über eine gute Übersicht bei seiner Arbeit freuen, da die Positionspunkte an den Rändern des Griffbretts fluoreszieren!

ESP E-II M-II NT BTB – Elektrik

Nachdem der ewige Konkurrent Ibanez sie eingesetzt hat, scheint man auch bei ESP Gefallen an den Tonabnehmern von Bare Knuckle gefunden zu haben. An Hals und Steg der Gitarre sitzen mit dem Aftermath Tiger zwei identische Typen des englischen Herstellers, die über einen Dreiwegeschalter angesteuert und mittels eines Volume- und Tone-Potis in Lautstärke und Klangfarbe beeinflusst werden können. Die Aftermath Tiger Pickups sollen mit ihrer straffen Basswiedergabe besonders für außergewöhnlich schnelles Tracking von High-Speed-Staccato-Riffs geeignet sein. Die Pickups besitzen zudem ein breites Mittenspektrum und eine präzise Artikulation in den Höhen – perfekt also für das angepeilte Einsatzgebiet im Metal-Bereich. Man darf also gespannt sein, was sie zusammen mit der Neck-through-Konstruktion der Gitarre an den Amp liefern!

Vorher sei aber noch gesagt, dass die beiden Regler und auch der Schalter aus dem oberen Regal stammen: Die Potis mit den griffigen Metallknöpfen laufen wie in Butter und ohne jegliches Spiel auf ihren Achsen, ein ähnlich gutes Bild gibt der Dreiwegeschalter ab, der sicher die Million Schaltvorgänge mühelos knacken sollte. Premiumliga von vorne bis hinten kann man da nur sagen, aber bleibt dieses äußerst positive Bild auch im Praxistest bestehen?

ESP E-II M-II NT BTB Bare Knuckle

ESP E-II M-II NT BTB – Bare Knuckle Aftermath Humbucker

ESP E-II M-II NT BTB – in der Praxis!

Die Tradition im Hause ESP, auf eine Konstruktion mit durchgehendem Hals zu setzen, geht auch bei der E-II M-II NT BTB mal wieder auf. Bereits der akustische Grundsound ist sehr resonant, mit ordentlich Pfeffer im Mittenbereich ausgerüstet und oben drauf mit einem beachtlichen Sustain bestückt! Das alles sorgt für einen dicken und sauberen Ton an allen Positionen des Griffbretts, dessen flacher Radius alle Schandtaten moderner Techniken ermöglicht.

So und nicht anders kann es an den Amp gehen, denn mit solch einem Grundsound kann ja nichts passieren, oder? Nein, in der Tat nicht, die beiden Bare Knuckle Humbucker versprechen nicht zu viel und bieten genau den richtigen Biss und das nötige Fundament, das man sich als Metal-Gitarrist nur wünschen kann. Allerdings stößt man mit dem über weite Strecken sauberen, definierten Sound an Grenzen, je mehr sich der Gain-Regler des angeschlossenen Amps in Richtung Vollanschlag bewegt. Hier gilt es auszuloten, was man sich und seinen Ohren bzw. denen des Publikums zumuten möchte. Ich persönlich finde ja schade, dass die Bare Knuckles nicht auch Singlecoil können – auch der Metaller pickt schließlich gerne mal eine Ballade. Nichtsdestotrotz ist die ESP E-II M-II NT BTB auch mal für ein paar unverzerrte Sounds gut: Einfach deshalb, weil sie durchaus ihren eigenen Charakter besitzt!

ESP E-II M-II NT BTB – die Klangbeispiele

Kommen wir zu den Klangbeispielen. Wie immer habe ich meinen Orange Micro Dark mit angeschlossener 1×12″ Celestion V30-Box als Referenz-Setup herangezogen. Aufgenommen wurde die Fuhre mit einem AKG C3000 in Logic Audio.

Los geht’s mit den Cleansounds, in Track 1 hören wir den unverzerrten Klang sämtlicher Pickup-Konfigurationen, angefangen vom Bare Knuckle am Hals, danach beide Pickups und schließlich der „Aftermath“ am Steg. Man merkt hier natürlich besonders die fehlende Singlecoil-Option, die Grundkonstruktion kann alles liefern …

So, nun aber rüber zur eigentlichen Bestimmung der E-II M-II NT BTB – das Abfeuern von verzerrten Sounds. Und hier geht echt die Hölle ab, die Bare Knuckles schreien und tröten, dass es nur so eine Freude ist. Wir hören in Beispiel 2 und 3 den Leadsound des Front-Pickups, dann den des „Aftermath“ am Steg.

Und weil es so schön kracht, noch gleich einen Riff dazu, eingespielt auf dem Steg-Pickup. So, wie es sich gehört.

Zwischen High-Gain und einem völlig klaren Sound gibt es noch etliche Facetten dazwischen, wie wir alle wissen. Auch diese Kategorie kann mit der ESP abgedeckt werden, als Beispiel dafür ein Crunchsound, eingespielt mit beiden Pickups und zurückgenommenem Volume an der Gitarre. Das Frequenzbild sowie die Dynamik bleiben davon so gut wie unberührt.

Fazit

Ist die ESP E-II M-II NT BTB die perfekte Metal-Gitarre? Nun, sie ist in jedem Fall sehr nah dran! Ein attraktiv designter Korpus aus massiven Hölzern, ein schlanker Ahornhals, Hardware der Oberklasse und die beiden Bare Knuckle Pickups machen aus dieser Superstrat eine verdammt scharfe Waffe, an der es kaum bis gar nichts auszusetzen gibt. Allenfalls die fehlende Singlecoil-Option könnte man anführen, auf der anderen Seite ist da die Frage, ob der neue Besitzer überhaupt vorhat, die Gitarre ohne Zerre zu benutzen. Einfach selbst antesten und ein Bild machen – und eine gefüllte Brieftasche mitbringen.

Plus

  • Verarbeitung
  • Klang
  • Bespielbarkeit
  • Optik
  • kommt im Luxuskoffer

Minus

  • klanglich nicht sehr flexibel

Preis

  • Ladenpreis: 2356,- Euro
Klangbeispiele
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