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Test: ESP LTD M-400 SOLFD, E-Gitarre

16. Juli 2019

Schlicht und schön - ESP LTD M-400

ESP LTD M-400 SOLFD E-Gitarre

ESP LTD M-400 SOLFD E-Gitarre

Ein Brett, zwei Pickups, ein Schalter dazu und ein Floyd Rose Vibrato für die Show: Braucht es mehr für eine perfekte Metal-Gitarre? Viele von uns werden bestimmt mit diesen Komponenten bestens auskommen und genau für diese Klientel bietet der Low-Budget-Ableger von ESP Guitars, die Firma LTD, die M-400 SOLFD. Eine typische Superstrat, die im heiß umkämpften Markt der 1000-Euro-Klasse ein Wörtchen mitreden möchte. Was man außer ihrer hübschen Optik noch zu bieten bekommt, werden wir mal genauer betrachten.

ESP LTD M-400 SOLFD E-Gitarre

ESP LTD M-400 SOLFD – Facts & Features

Wirklich schön, was LTD mit der Lackierung der M-400 SOLFD fabriziert hat. Das von einem Rot- in einen Goldmetallic-Ton übergehende Finish bezeichnet der Hersteller als „Solar Fade Metallic“, was das Kürzel SOLFD in der Produktbezeichnung erklärt. Die Lackierung wurde in einwandfreier Qualität auf den Korpus und die Kopfplatte aufgebracht, lediglich die Halsrückseite wurde von der Sprühpistole verschont. Und das ist auch gut so. Abgesehen von einer leichten Wölbung für die Auflage des Unterarms ist die Decke flach wie Holland, ausreichend weit ausgesägte Cutaways sorgen für eine problemlose Erreichbarkeit aller 24 Bünde, die uns der eingeschraubte Hals mit seinem Pau Fero Griffbrett bietet.

Aus drei Teilen längs verleimtem Ahorn besteht der eingeschraubte Hals der ESP LTD M-400 SOLFD E-Gitarre, dazu kommt ein leicht verjüngter Übergang am Halsfuß zum Korpus hin. Genau das Gegenteil erwartet uns beim Übergang zur Kopfplatte, hier wurde eine Menge Holz übrig gelassen, um diese „Sollbruchstelle“ ein wenig zu entschärfen. Das Halsprofil ist wie erwartet sehr schlank ausgefallen und durch die nur satinierte Rückseite ist das Spielgefühl auch für eine feuchte Greifhand sehr angenehm. Die Bundierung ist gut gelungen, die Drähte wurden sauber in ein Griffbrett aus Pau Ferro eingesetzt, an den Kanten abgerichtet und auf den Oberflächen ausreichend poliert. Es sind natürlich, wie könnte es anders sein, Bundstäbchen im Jumbo-Format, die auf ihren Einsatz warten.

Kleine Dots aus Perlmutt am oberen Rand der entsprechenden Bünde sorgen für die dann und wann nötige Orientierung auf dem Griffbrett. Hier hält sich die ESP LTD M-400 SOLFD ganz dezent zurück und protzt nicht übermäßig mit Glitzer: Das gefällt!

ESP LTD M-400 SOLFD Griffbrett

ESP LTD M-400 SOLFD Griffbrett

Umrandet wird das Pau Fero Griffbrett von einem weißen Binding, das sich bis zur Kopfplatte fortsetzt und diese ebenfalls komplett umschließt. Nicht jedermanns Geschmack dürfte das Design der Kopfplatte entsprechen – der „Reversed Headstock“ scheint auch nach über 30 Jahren Existenz nichts von seiner Faszination verloren zu haben und verschafft auch der ESP LTD M-400 SOLFD E-Gitarre einen aggressiven Look. Schön zu sehen, dass an der empfindlichen Stelle zwischen der Kopfplatte und dem Halsende etwas mehr Material übrig gelassen wurde, so ist diese „Sollbruchstelle“ ein klein wenig entschärft. Zumal ja hier auch der Klemmsattel eingesetzt wurde, durch dessen nötige Bohrungen das Holz an dieser Stelle weiter geschwächt wird. Wir haben es ja schließlich mit einer modernen Metal-Gitarre zu tun und da gehört selbstverständlich ein Floyd Rose Vibrato drauf! Womit wir bei der Hardware angekommen wären.

ESP LTD M-400 SOLFD Kopfplatte

ESP LTD M-400 SOLFD Kopfplatte

ESP LTD M-400 SOLFD – Sorgenkind Floyd Rose Vibrato

Wie man sich vermutlich aufgrund des Verkaufspreises schon denken kann, finden wir auf der Decke keine US-Variante des wohl berühmtesten Vibratosystems der Welt, sondern die fernöstliche „Special“-Version. Ich kann kaum zählen, wie viele E-Gitarren mit diesem System ich in den vergangenen Jahren getestet habe und wie viele wiederum in diesem Punkt ein dickes Minus einfuhren. Immer und immer wieder traten Probleme mit dem Halten der Stimmung nach dem Einsatz des Hebels auf, der auch hier natürlich wieder geschraubt ist und den Benutzer daher zu Kompromissen zwingt: Entweder zu fest angezogen und nach der Benutzung im Weg oder aber zu locker eingeschraubt, was zu einem nervigen Klappern führt. Und das kann man auch über den angeschlossenen Amp hören.

Der störrische Hebel wäre ja noch zu verschmerzen, wenn es denn dann mit der Stimmung klappen würde. Leider jedoch Fehlanzeige: Die ESP LTD M-400 SOLFD E-Gitarre kippt vielleicht nicht ganz so aus der Stimmung, wie viele andere ihrer Brüder und Schwestern mit dem Fernost Floyd Rose, Verstimmungen sind aber auch hier deutlich zu hören und kaum zu vermeiden. Dazu kommen die schwergängigen Schrauben der sechs Feinstimmer, bei denen immer ein klein wenig die Furcht mitschwingt, sie beim Drehen zu beschädigen. Also nichts Neues und so auch zu finden an vielen weiteren Gitarren in dieser Preisklasse.

ESP LTD M-400 SOLFD Vibrato

Berühmt und berüchtigt – das Fernost Floyd Rose „Special“ Vibrato

Dagegen können die sechs Mechaniken an der Kopfplatte leider nichts tun, denn nach dem Verriegeln des Klemmsattels sind sie ja weitgehend von ihren Aufgaben entbunden. Dennoch schön, dass hier trotz „Made in Indonesia“ auf Qualitäts-Hardware zurückgegriffen wurde, denn die sechs schwarz lackierten Tuner stammen aus dem Hause Grover und geben das erwartet solide Bild ab.

ESP LTD M-400 SOLFD – Seymour Duncan Pickups

Auf die Pickups von Seymour Duncan ist Verlass, nicht umsonst benutzt ein Großteil der Hersteller diese Tonabnehmer, die wir in Form von zwei Humbuckern auf der Decke der ESP LTD M-400 SOLFD E-Gitarre vorfinden. Am Hals wurde das Modell „Jazz“ verbaut – passt ja wie die Faust aufs Auge für eine Metal-Gitarre – oder? Am Steg sitzt ein „Custom 5“ Doppelspuler, beide Pickups werden über einen Dreiwegeschalter angewählt und mit einem gemeinsamen Volume-Regler in der Lautstärke geregelt. Das war es auch schon – kein Tone-Regler, keine Minischalter und auch keine Push-Pull-Potis, puristischer kann man eine E-Gitarre wohl kaum ausrüsten. Leider umfasst dieser „elektrische Sparkurs“ weitere Optionen, so gibt es beispielsweise keine Singlecoil-Option für die beiden Duncans, was die klanglichen Möglichkeiten und somit die Flexibilität des Instruments natürlich noch einmal deutlich erweitert hätte.

ESP LTD M-400 SOLFD Seymour Duncan Pickups

2x Seymour Duncan bitte!

ESP LTD M-400 SOLFD – Praxis-Check!

Akustischer Grundsound

Wie immer zuerst der Check des akustischen Grundsounds, der Bespielbarkeit und dem „Feeling“, das die Gitarre vermittelt. Das geht soweit in Ordnung, die Konstruktion bietet keine besonders starken Resonanzen, dafür aber ein schnelles Attack beim Picken der Saiten. Auch in puncto Sustain hat man schon Besseres erlebt, trotz des eingeleimten Halses kann man diesen Punkt im Grundsound der ESP LTD M-400 SOLFD E-Gitarre ebenfalls nur als durchschnittlich bezeichnen. Gut gefallen wiederum kann die Bespielbarkeit des schlanken Halses, auch wenn die extrem kräftigen Jumbo-Bünde schon für den einen oder anderen eine Eingewöhnungsphase erfordern dürfte. Die Saitenlage bei unserem Testinstrument geht in Ordnung, der Profi wird sich aber hier sicher noch ein flacheres Setting justieren wollen und es vermutlich auch tun, denn die gute Verarbeitung des kerzengeraden Halses und der sauber eingesetzten Bünde laden regelrecht dazu ein. Und sind wir doch mal ehrlich: Bei einem solchen „Shred-Brett“ sollte es so flach wie möglich zugehen, oder?

Elektrischer Sound

Die beiden Duncan Humbucker geben sich redlich Mühe, können den etwas matten Grundsound der M-400 SOLFD aber nur zum Teil kaschieren. Mit viel Gain am Verstärker erreicht man dennoch das gewünschte Ergebnis – durchdringende und schneidende Riffs produziert der Custom 5 am Steg, der „Jazz“ am Hals kann mindestens genau so wild und beide zusammen bieten eine gute Basis für nur angezerrte Sounds. Vermisst wird von mir persönlich die Singlecoil-Option und ebenso ist es nicht so schön, dass das Signal bei Zurücknahme des Volume-Reglers spürbar an Dynamik verliert, was die Interaktion mit dem angeschlossenen Verstärker erschwert. Doch es gibt auch Gutes zu vermelden, beide Tonabnehmer fallen weder durch übermäßige Nebengeräusche auf, noch neigen sie bei hoher Verzerrung zu einem undifferenzierten bzw. unkontrollierbaren Klangbild.

ESP LTD M-400 SOLFD – Klangbeispiele

Für die folgenden Klangbeispiele habe ich wieder meinen Referenz-Amp Orange Micro Dark mit gekoppelter 1×12″ Celestion V-30-Box herangezogen. Vor der Box wurde ein AKG C3000 Mikrofon platziert, ehe das Signal in Logic Audio aufgezeichnet wurde.

Hören wir zunächst in Beispiel 1 den Cleansound beider Pickups, danach in Beispiel 2 die gleiche Pickup-Konfiguration, allerdings mit Verzerrung.

Wir bleiben beim bevorzugten Einsatzgebiet der ESP LTD M-400 SOLFD E-Gitarre – den High-Gain-Sounds. Wir hören in den folgenden drei Beispielen nacheinander den Leadsound des Front-Pickups, dann den Klang des Custom 5 am Steg mit einer Sololinie und zum Abschluss einen Riffsound des Custom 5.

ESP LTD M-400 SOLFD Body

Fazit

Die ESP LTD M-400 SOLFD ist eine grundsolide E-Gitarre, die für einen fairen Kurs mit einer guten Verarbeitung, einer angenehmen Bespielbarkeit und einem hübschen Äußeren glänzt. Ihr Klang reißt keine Bäume aus, auch wenn der eingeleimte Hals und die beiden Seymour Duncan Pickups als Basis eine gute Performance versprechen. Ein echter Schwachpunkt ist jedoch auch hier wieder das unzuverlässig arbeitende Floyd Rose Special Vibrato aus Fernostproduktion, was der Gitarre insgesamt einen weiteren Punktabzug bringt.

Plus

  • sehr gut verarbeitet
  • gute Bespielbarkeit
  • Optik
  • druckvoller Metal-Sound

Minus

  • Klang eher durchschnittlich
  • Vibratosystem nicht ganz verstimmungsfrei

Preis

  • Ladenpreis: 849,- Euro
Klangbeispiele
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