Making of: Rammstein Sehnsucht

8. Juni 2019

Rammstein Sehnsucht - Zenit der NDH?

Rammstein Sehnsucht

Rammstein Sehnsucht

Neue (Alte) Deutsche Härte – ein tanzbarer, brachialer Industrial-Ableger, ist mitunter einer der unwahrscheinlichsten deutschen Exportkracher, den man sich hätte ausdenken können. Doch tatsächlich sind es nicht Helene Fischer, die Beatsteaks oder Scooter, die heutzutage in Amerika immer noch Hallen ausverkaufen. Ein gewagtes, oftmals grenzüberschreitendes, lyrisch bisweilen anspruchsvolles Spiel mit der deutschen Identität und Geschichte – Rammstein haben auf einzigartige Weise eine distinkte musikalische Aura erschaffen und diese dabei so mitreißend gestaltet, dass trotz Sprachbarriere große Teile des Globus die Zeilen von „Du hast“ mitsprechen können. Klar – erfolgreichste deutsche Rockband sind und bleiben die Scorpions. Aber Rammstein bastelten einen exportfähigen, musikalischen Hybriden, der mit Assoziationen rund um das Deutschtum bewusst provozierte und dabei jahrzehntelang eine bewundernswerte Gratwanderung meisterte. Ein gerolltes ‚R‘ über maschinenhaft pumpende Gitarrenriffs – dass das funktionieren und als globales Phänomen akzeptiert werden durfte, hat viele Gründe. Einer davon dürften zweifelsohne die intelligenten, vielschichtigen Texte des Frontmanns Till Lindemanns sein, ein anderer, dass die Band, aller provozierenden Ästhetik zum Trotz, seit jeher sehr reflektiert und selbstbewusst auftritt. Was auch immer da mit reinspielt – mit Sehnsucht gelang der Band 1997 der Durchbruch. Wir wollen uns die Anfänge dieser Berliner Jungs ansehen und die Faktoren, die bei der Entstehung von Rammstein Sehnsucht mit reinspielten.

Rammstein Sehnsucht – NDH deluxe!

Klar – um Rammstein Sehnsucht zu verstehen, muss man die Band einordnen können. Wenn man das tut und versteht, welche Einflüsse den treibenden, kalten Sound der Band prägten, wird man speziell beim Erfolg, den die Band in der USA hat, das Gefühl nicht los, dass sich hier ein Kreis geschlossen hat. Klar, Rammstein sind in erster Linie ein Produkt der Neuen Deutschen Härte und ihr eigenes Ding. Aber Stakkato-Riffs im 4/4, unterlegt mit elektronischen Sounds und tanzbaren Arpeggios waren nicht das Brainchild deutscher Tüftler. Hier haben die amerikanische Liaison von Industrial und Thrash und die frühen Strömungen des New Metal ganz klar Spuren hinterlassen. Bands wie Pantera und Sepultura sind also bis zu einem gewissen Grad die eigentlichen Urheber der Neuen Deutschen Härte, wenn man so will, und Bands wie Laibach gaben dem Ganzen einen europäischen Charakter, an dem viele deutsche Bands des Genres Mitte der 90er Gefallen fanden.

Will man jemandem jedoch den Namen deutsche „Szene-Väter“ zuschreiben, fällt das am ehesten noch Die Krupps zu, die schon Anfang der 90er mit EBM-Sequenzen experimentierten. Ihr Album I und Oomphs Platte Sperm dürften also als Wegbereiter der Neuen Deutschen Härte gelten. Oomph waren schon 1994 dann dabei, den New Metal für sich zu entdecken. Die bekanntesten Vertreter der NDH gingen also alle separate Wege, wiesen eine eigene Geschichte und einen eigenen Kurs auf. Die Frage bleibt – wie lässt sich Rammsteins Geschichte in dem Ganzen einordnen?

Paul Landers – Rhythmus-Gitarrist und Gründungsmitglied, hat seine Wurzeln beispielsweise im Punk. Und als er und Till sich in den 80ern in Hohen Viecheln kennenlernten, war Paul mit Feeling B noch fest im Punk unterwegs – gesponsert vom Staatslabel Amiga in der damaligen DDR. Die erste Begegnung passierte (stark alkoholisiert) in Tills Haus in Hohen Viecheln. Irgendwie mochten Flake, der ebenfalls in Feeling B musizierte und Paul den etwas schweigsamen, massiven, einschüchternden Till. Ein früh von Zuhause ausgezogener Korbflechter und Bautischler, der mit 22 das erste Mal Vater geworden war und eine einschüchternde Aura besaß. Er war es, der den damals noch suchenden Gitarristen und musikalischen Nomaden Richard Kruspe ins Spiel brachte. Richard, der zeitweise ins Visier der Staatssicherheit geraten war und zwischen Ost- und West-Berlin hin und her gereist war, fand in Till so etwas wie den ersten richtigen Anschluss. Was folgte, war eine Abfolge vieler musikalischer Projekte, die Mitglieder und Inspirationen untereinander tauschten – Die Firma, The Inchtabokatables, Orgasm Death Gimmick, ehe sich beim Projekt „Rammstein Flugschau„, so der ursprüngliche Name der Band, eine gewisse Chemie einpendelte.

Rammstein Sehnsucht

Doch ganz so einfach lief die Schose nicht ab: Es war Paul, der bei Feeling B den Schmelztiegel anrührte, der die Mitglieder zusammenbrachte, doch als Richard, Christoph, Oliver und Till bei einem Wettbewerb die Möglichkeit gewannen, ein Demo mit vier Tracks aufzunehmen, war Paul außen vor. Christoph selbst hatte seine Schwierigkeiten mit Paul – ihre gemeinsame Zeit bei Feeling B war nicht immer harmonisch verlaufen. „Großmaul“ und „anstrengend“ waren so Attribute, die Schneider Paul zuordnete. So stieß er trotz des Widerstandes einer Person als Rhythmus-Gitarrist schließlich zur Band, ehe Flake als Keyboarder (auf äußerst mühselige Weise) als letztes rekrutiert wurde.

Nachdem 1995 das Album Herzeleid einen Einstieg in die deutschen Charts schaffte, beließ man es nicht lange dabei und tourte die Bühnen Europas mit Größen wie Clawfinger oder Project Pitchfork. Sogar bei der Abschiedstournee der Ramones 1996 durfte man ein paar Mal auf die Bühne. Das war ungefähr auch die Zeit, in der Till seine Ausbildung zum Pyrotechniker absolvierte – ein Abschluss, der für die Bühnenshow der Band weitreichende Konsequenzen haben würde. Die Vorlaufszeit vor Sehnsucht jedenfalls kulminierte in einem Auftritt bei MTV im Jahre 1996, als die Band vor einem internationalen Publikum ein bisschen deutsche Industrial-Weirdness zum Besten geben durfte.

Rammstein Sehnsucht – Grenzüberschreiter

Ihr Selbstbewusstsein hatte die Band während der Touren für Herzeleid auf ein gesundes Maß hochschrauben dürfen – sie galt bis dato als eine der wichtigsten Gruppierungen der Neuen Deutschen Härte. Ob es an der einzigartigen Optik oder Tills Bühnenpräsenz lag, lässt sich schwer sagen: Tatsache ist, dass Rammstein Mitte er 90er von allen Bands der NDH am ehesten Fuß im Ausland fassten. Das kulminierte darin, dass man im Zuge der Tour zu Sehnsucht mit Limp Bizkit und Korn die Staaten bereiste und 1998 vor 17.000 Zuschauern spielte.

Klar ist: Die Band reagierte. Man war aufmerksam geworden auf ihren mikrokosmischen Irrsinn. Diese Welle galt es mitzunehmen. Entsprechend gar nicht lange flackern – gleich bei den großen Namen anklopfen. Recht früh im Prozess kam die Band mit Gottfried Helnwein ins Gespräch, der für Scorpions‘ Blackout die Cover konzipiert hatte. Die Jungs um Till wollten etwas Ähnliches – natürlich erheblich obskurer. Die Leichen-artigen, post-mortem präparierten Porträts der Jungs sind auf jeden Fall tief ins kollektive Gedächtnis der Metal-Szene eingebrannt. Sechs Varianten hat das Cover, jeweils eine für ein Bandmitglied.

Rammstein Sehnsucht

Man begab sich nach Malta, in die Temple Studios und arbeitete wieder Produzent Jacob Hellner und dessen Mixer Ronald Prent zusammen. Was den Songwriting-Prozess angeht hüllt sich die Band seit jeher in Schweigen – es wird nur Wert drauf gelegt, dass demokratische Verhältnisse herrschen. Heißt konkret: Weder Tills noch Richards Meinung zählen mehr, nur weil sie die ursprünglichen Initiatoren der Band sind. Während Paul jedoch oft vor allem einzelne Riffs in den Proberaum bringt, beschäftigt sich Richard verstärkt mit dem Arrangement der Lieder. Und es ist Flakes Aufgabe, das Ganze mit Synthie-Klängen zu würzen – eine Formel, die von Anfang an aufging und bei Rammstein Sehnsucht besonders.

Am Ende zählt der Song. Und Rammstein Sehnsucht hat Songs. Die Platte ist ein bisschen wie ein Best-of der Band, das neben Mutter von den Kritikern immer noch als die beste Rammstein-CD angesehen wird. Beim lyrischen Kanon ist ebenfalls alles mit dabei: Von Inzest- und Mordfantasien bei Tier, über sexuellen Missbrauch bei Spiel mit mir bis zu Unterwerfungsfantasien bei Bück dich. Ist Till Lindemann irre? Vielleicht. Ein bisschen. Exzentrisch wird auch gerne genannt, Tatsache ist aber: Wer sich seinen Gedichtband Messer zu Gemüte führt, stellt auch recht schnell fest, dass es sich bei ihm um einen begnadeten Lyriker handelt, der auch ohne musikalischen Eskapaden wahrscheinlich sein Publikum gefunden hätte. Er beherrscht die feinen Töne, versteht es, Monumentales und schwer auf der Seele Lastendes in nur einem bis zwei Sätzen treffend zu bebildern. Dafür ist das kalte Industrial Klangbild wie gemacht. Denn bei Rammstein geht es in erster Linie um brachiale Konfrontation: Die lyrische Auseinandersetzung mit Wunden der deutschen Seele, die Tendenz, kompromisslos alles zu thematisieren, was sich im deutschen, kollektiv unterbewussten belly of the beast abspielt: Das können Rammstein. Und auf Rammstein Sehnsucht zelebrieren sie das zur Perfektion.

Rammstein Sehnsucht

Grenzen überschreiten – vor allem im Rahmen der Live-Performance ein Thema. Da kamen der Band während der Tour zu Sehnsucht ganz neue Ideen, vorsichtig ausgedrückt. Wie schafft man es, von der Bühne aus in den USA 10 Monate Bewährung zu kriegen? Ganz einfach: Man simuliert als Sänger der Band Analsex mit dem Keyboarder, verspritzt eine Sperma-ähnliche Flüssigkeit ins Publikum und wedelt mit Attrappen-Dildos herum. Und auch wenn Massachusetts‘ Jungs und Mädchen das Ganze daneben fanden: Die amerikanische Künstlerszene und ihre Avantgardisten fanden recht schnell Gefallen an den durchgeknallten Deutschen. Niemand geringeres als Nine Inch Nails‘ Kopf Trent Reznor sorgte dafür, dass Rammstein Sehnsucht einem größeren Publikum zugänglich wurde. Als die Regie-Legende David Lynch nämlich Trent Reznor damit beauftragte, für die (was in den 90ern noch äußerst üblich war) Compilation-CD des Filmes Lost Highway Bands und Songs rauszusuchen, landeten zwei Lieder der Herzeleid auf dem Album. Vor der Zeit des Internet kam das einem Super-GAU gleich: Mit einem Schlag wurde die Band einem breiterem, internationalen Publikum bekannt und das in einem avantgardistischen Rahmen. Richard Kruspe sprach im Nachhinein von einem der „coolsten Momente der Bandgeschichte“.

Was bleibt? Platin in Deutschland für Rammstein Sehnsucht. Und das schon im Jahre 1998, gefolgt von Gold in den USA sowie ein Echo für das Musikvideo von Engel. Rammstein haben ihren Sound als solchen nie neu erfunden oder radikale Kehrtwenden unternommen, sondern es immer wieder geschafft, schmerzhafte Ohrwürmer zu erschaffen und entlang etablierter Linien Perfektion anzustreben. Das neue Album trägt den Namen der Band und könnte eventuell das Letzte sein, so Richard Kruspe. Sollte dies der Fall sein, steht fest: Es ist bei Rammstein nicht viel ungesagt geblieben.

Forum
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    TobyB  RED

    Zu den Anfängen und Wurzeln muss man noch Till Lindemanns First Arsch und Das Auge Gottes anführen. In welcher Richard Kruspe den für Rammstein später typischen Stil schon vorwegnahm. Feeling B und die in der ehem. DDR als Die Anderen Bands bezeichneten der Punk, Alternativ, Metal sind noch mal eine extra Geschichte. Ich empfehle dazu die Doku „Flüstern und Schreien“, zu finden bei der Bundeszentrale für Politische Bildung. Hier kann man auch Feeling B. mit Paul und Flake sehen. Meckpomm war damals so der Rückzugs-Ort der Berliner Szene und irgendwie hatten entweder Verwandtschaft oder man kannte sich eh. Und tief in der MeckPomm Pampa war man eh ungestört und konnte sich ausleben.

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      Ted Raven  AHU

      Was soll denn der Sound der Hip-Hop-Band Das Auge Gottes mit dem Sound von Rammstein zu tun haben? Das Auge Gottes war ein Joint-Venture verschiedener Bands. Kruspe war nur deswegen kurzzeitig dabei weil er zu der Zeit zufällig gerade bei Elegantes Chaos spielte. Mitglied oder gar für den Sound von Das Auge Gottes verantwortlich war er nie.

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        TobyB  RED

        Morsche Ted,
        ganz ruhig, es ist alles gut. Ich wollte nur andeuten, dass Richard die später Rammstein typischen Gitarrenfiguren bei DSA verwendet hat. Was nicht unbedingt mit DSA kompatibel war. Die Jungs haben sich damals alle mehr oder minder ausprobiert und sich dann bei Rammstein gefunden. Und die ersten Live-Auftritte als Vorband von Sandow waren echt laut und übel. Ich hab die damals 1994 im MAU in Rostock gesehen. Der Typ am FOH Platz hatte eine Flasche Coke und eine Flasche Jack Daniels, so klang es dann auch. Soweit ich mich erinnere, wurde das auch gefilmt. Vermutlich ist das in irgendeinem Giftschrank verschwunden, wer will Flake schon im Schlüpfer über die Bühne rennen sehen oder Till wird von einem Groupie geritten und dabei versohlt.

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          Modellwelle

          Hallo Toby:
          War es zufällig das Konzert? https://youtu.be/ljYY_HUdqo4

          1994 wurde Flüstern und Schreien Teil 2 gedreht. In dem Film lag der hauptfokus auf Sandow und Rammstein. Lief auch mal im fernsehen. Ein paar aufnahmen, die es nicht in den film geschafft haben, wie diese, findet man jetzt auf youtube. Unter anderem proben Sie in Eichwalde im nem engen Keller. Ich glaube, daraus sollte auch noch mal ein weiterer film werden.

          Gibt in der Zeitung Freie Presse ein interview mit Richard K, in dem er Gerd Eiche Reichelt von DAG seinen „musikalischen Ziehvater“ nennt.

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            TobyB  RED

            Danke fürs finden :-) Flüstern und Schreien 2 liegt beim MDR im Giftschrank. Ich weiß allerdings nicht warum. Angeblich sollte dieses Jahr noch ein Teil 3 unter dem Titel „Achtung wir kommen und wir kriegen euch alle!“ rauskommen.

            Der Ton ist aber stark gedubbed. So klang es im Mau nie, noch nicht mal mit fünf Pils im Tee. Das war im Prinzip ne olle Bretterbude anno 1994. Ich hatte die ca. ein halbes Jahr von diesem Gig in Güstrow als „Geheimauftritt“ erlebt, vor ca. 50 Leuten. Und draussen vorm Klub die örtlichen Nazis und Unterstützung.

            DAG waren an und für sich nicht schlecht und hatten Potential, ich weiss nicht warum es bei denen nicht geklappt hat.

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    Michael Deusinger

    Im Vorprogramm der Ramones habe ich sie damals zum ersten Mal wahrgenommen. Da wirkten sie wie Aliens. Danach beim Zillo-Festival in Hildesheim. Da haben sie schon besser hingepasst. Aber stimmt schon, Sehnsucht ist nach wie vor ein Meilenstein.
    Lediglich an der Bezeichnung Industrial reibe ich mich schon seit Ewigkeiten.
    Das könnte aber auch an meinem fortgeschrittenen Alter und den damit verbundenen Hörgewohnheiten liegen. Ich sehe eher die „Klassiker“ wie NON, Throbbing Gristle oder Cabaret Voltaire als Industrialbands an, zumal Industrial ja auch eine Abgrenzung zu konventionell erzeugter Musik wie Rock und auch Punk darstellte.

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    lightman  AHU

    Rammstein Industrial? Der war gut.

    Nee, also da habe ich eine andere Vorstellung von Industrial, besonders vom Spirit her. Mit Rammstein kann ich nicht viel anfangen, nicht so sehr wegen musikalischer Fragen, sondern weil ich dem ganzen Zirkus irgendwie nicht vertraue… schwer zu beschreiben. Nix für ungut, aber wirkt auf mich total fake.

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    Ted Raven  AHU

    Man muss klar zwischen Industrial Noise und Industrial Rock unterscheiden. Bands wie Rammstein, Nine Inch Nails, Krupps … machen Industrial Rock. Kiew, Mono No Aware, Winterkälte usw. machen Industrial Noise. Wer nur den Terminus „Industrial“ für eine der beiden Richtungen verwendet – wie es auch im Artikel geschieht, wird immer wieder seltsame Überraschungen erleben.

    „Neue Deutsche Härte“ ist ein Ausdruck, den ein planloser Pseudojournalist, der das Genre Industrial Rock (und die entsprechenden Bands) nicht kannte, für die Musik von Rammstein erfunden hat.

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      lightman  AHU

      Industrial ist für mich ein sehr geprägtes Genre, in dem Rammstein bei mir nicht vorkommt, egal ob als Rock oder Noise.

      Egal, Schubladen sind was für Samstagvormittagrasenmäher. :)

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      Mr.Ketoujin

      Bin jetzt echt überrascht als typischer Genrevertreter des Industrial Noise aufgezählt zu werden, da ich für meinen Teil mit dem Begriff Industrial Music/Culture etc. in Bezug auf meinen Sound so gar nichts verbinde. Ich nenne das eher (wenn ich es überhaupt irgendwie nennen möchte) rhythm noise. Da ist es inhaltlich nicht festgelegt und bezieht sich auf das hörbare.
      Zu Rammstein: tja, Rock Elektro Crossover. Mehr fällt mir dazu nicht ein.

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        TobyB  RED

        Hallo ,

        damals war halt die Zeit des Crossover und man hatte wenigstens Sepultura, Pantera und dann auch Clawfinger als CDs. Und Krupps und Oomph waren auch immer griffbereit. Sicher werden sich Rammstein von denen inspiriert gefühlt haben.

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        Ted Raven  AHU

        Tag Mr. Ketoujin,

        ich habe Euch 2002 auf dem WGT gesehen, damals noch im Haus Auensse wenn meine Erinnerung mich nicht trügt. Wir (eine Gruppe aus Industrial-Noise-Fans und Nicht-Fans) waren uns damals alle einig, dass Eure Musik astreiner Industrial Noise ist. Viele Musiker ordnen ihre eigene Musik nicht einem Genre zu weil sie überhaupt nicht beabsichtigen diese oder jene Musikrichtung zu machen und es für sie nicht so klingt wie für den Zuhörer, das ist vollkommen normal. Wie oft habe ich schon von Musikern in Interviews oder Backstage-Gesprächen gehört, das ihre Musik „in keine Schublade“ passe. Letztendlich entscheidet das Ohr des Publikums über solche Dinge.

        Das Konzi damals fanden wir übrigens ziemlich geil, vor allem der Anfang. Das Publikum war gelassen und entspannt in Gespräche vertieft und dann kam der erste Ton von Euch. Plötzlich war niemand mehr entspannt :)

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          Mr.Ketoujin

          9Ui, ist wirklich lang her.
          Ich denke übrigens bei Industrial an einen ganz bestimmten gedanklichen Zugang der für mich persönlich absolut keine Rolle spielt. Also jetzt ganz unabhängig ob mit oder ohne Rhythmus und so weiter.
          Aber freut mich das es Dir gefallen hat damals. Ich erinnere mich noch, daß der ASR sich einmal kurz nach dem Beginn weggegangen hat. Was besonders ärgerlich war, weil fast alle Beats von dem waren und alles neu eingeladen werden mußte. Dazu war unsere Playtime sowieso sehr kurz.

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      Ted Raven  AHU

      Vom planlosen Teil der Musikpresse? Mir fallen da auf Anhieb nur Die Krupps, Oomph! und Herren ein. Obwohl Die Krupps natürlich deutlich länger bestehen, die Presse sie jedoch jahrzehntelang ignoriert hat.

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        TobyB  RED

        Wundert dich das Ted? Ich weiß nicht ob die Zillo noch kennst? Und deren Wandlung vom Indie/Alternative Blatt zur obskuren dunklen Zeitung, mit Rechtsausschlag. Die Musikpresse macht das immer noch, wobei Die Krupps und Oomph! sicher die krassesten Beispiele sind.

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          Ted Raven  AHU

          Nein, es wundert mich nicht. Es stört mich jedoch sehr.

          Die Zillo wurde mit dem Tod Easy Ettlers schlagartig schlechter. Schon in der ersten Ausgabe ohne seine Mitwirkung wurden Bandnamen falsch geschrieben, Musiker falschen Bands zugeordnet usw. Auf dem M’era Luna fand folgende Bandankündigung statt: „Aus London, London After Midnight“ (wer die Band nicht kennt, sie kommt aus L.A.). Easys Tod hat den Anfang vom Ende der Zillo markiert. Es wurde immer weniger recherchiert. Ich habe den Verdacht, dass der Rechtsausschlag nur deswegen zustande kam, weil die Schreiberlinge sich überhaupt nicht mit den Ausrichtungen der Bands befasst hatten.

          Es betrifft leider nicht nur die Musik- sondern alle Bereiche der Presse. Auch Dokus sind davor nicht gefeit. Gerade vorhin in eine Tierdoku geschaltet und Wölfe gesehen (ich mag Wölfe), dann viel der Satz „Wie ihre Nachkommen, die Hunde …“. Uuund weggeschaltet. Demnächst behauptet noch jemand, Pilze seien Pflanzen und der Mensch stamme vom Affen ab. Alles Dinge, die früher geglaubt wurden aber seit Jahrzehnten widerlegt sind. Wie oft habe ich schon in angeblichen Wissenschaftssendungen vollkommen falsche Erläuterungen der Raumkrümmung gesehen. Journalismus findet leider immer weniger statt.

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    HX  

    hätte nie gedacht das ich bei Amazona mal mit einer Selbstverständlichkeit von Hohen Viecheln lese….

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      TobyB  RED

      Meckpomm ist halt immer für eine Überraschung gut. Glaub mir die hatten damals vor Techno, House und Trance mehr Angst als vor Rammstein. ;)

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    gaffer  AHU

    Genrebezeichnungen fand ich schon immer Käse. Da steht dann bei Beatles einmal Pop, dann Alternative, dann fehlt noch Schlager.

    Für mich (ja, ganz subjektiv) sind zwei Gruppen aus D ganz weit vorne, Kraftwerk und Rammstein, beim Model treffen sie sich, bei Skorpion habe ich immer gegähnt, gut möglich, dass die trotzdem erfolgreicher waren. Einflußreicher sicher nicht.

    Krupps sind da sicher auch wichtig, obwohl ich die anfangs immer als DAF Clones wahrgenommen habe. Die wurden der NDW zugerechnet, aber da fing es an.

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      lightman  AHU

      Die NDW-Zurechnung war für nicht wenige Musiker und Bands problematisch, das klebte teils wie Pech an denen, obwohl sie mit Da Da Da und Fräulein Menke nicht viel zu tun hatten. Fehlfarben, Foyer des Arts, und dann eben Krupps, Oomph, DAF, usw. Teile der Musikjournaille konnten mit Wave und seinen Spielarten nichts anfangen, auch später nicht, als einige davon im Bereich EBM und dem frühen „Tekkno“ wieder auftauchten.

      Man kann das auch auf vielen NDW-Kompilationen aus dieser Zeit sehen, da findet man Hubschraubereinsatz neben Knutschfleck, Räuber und der Prinz neben Major Tom, etc. Das war nicht etwa redaktionelle Freiheit, sondern schlicht Planlosigkeit, wobei es andererseits wiederum gut war, der Sennerin vom Königssee-Fraktion auch mal was Gescheites anzubieten.

      In der Aufbruchszeit von 1979 bis Mitte 80er stecken starke Wurzeln meiner eigenen musikalischen Entwicklung, deshalb ist mir das wichtig.

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    gaffer  AHU

    Bin ich voll bei dir, lightman. Meine Sozialisation war da zwar schon Geschichte, diese Gruppen zogen mich allerdings aus dem grausamen Bombastrocksumpf, der Ende der 70er herrschte, mit großer Kraft raus. Die Industrie wusste nicht was ihr geschah und die erste Schublade, die sich bot wurde dankbar angenommen. NDW Label für Liason Dangereux, Palais Schaumburg, auch die Neubauten wurden darunter subsummiert, grauenhaft. Wobei wir wieder bei dem unsäglichen Genrebegriff wären. Neubauten, dürfte auf Rammstein auch einen Einfluß gehabt haben. Lyrik und Härte. Aber ist ja nicht so deines, fast vergessen.

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