Making of: Genesis – The Lamb lies down on Broadway

2. März 2019

Die Fliege an der Windschutzscheibe

Ende November 1974 lud mich mein großer Bruder (was nicht allzu oft vorkam) in sein Zimmer ein, um das neue Genesis-Doppelalbum „The Lamb lies down on Broadway“ zu hören. Der SME 3009 Tonarm seines  Thorens-Plattenspielers senkte sich auf das Vinyl und kurz danach tönten aus den von einem ausreichend dimensionierten Marantz-Verstärker betriebenen Bose 901 MkII die flirrenden Klänge von Tony Banks Klavierintro zum Titelstück. Hochkonzentriert und schweigend hörten wir nacheinander die vier Plattenseiten. Als die letzten Takte von „it.“ verklungen waren, meinte mein Bruder kurz und bündig: „Irgendwie anders als gewohnt aber trotzdem gut“.  Was ich antwortete, erinnere ich nicht mehr. Eines weiß ich aber noch ganz genau: Ich liebte das Album vom ersten Moment an.

Genesis in Headley Grange: Von links nach rechts Phil Collins, Mike Rutherford, Tony Banks, Peter Gabriel und Steve Hackett.

Genesis zum Zeitpunkt der ersten Proben für „The Lamb lies down on Broadway“ in Headley Grange: Von links nach rechts Phil Collins, Mike Rutherford, Tony Banks, Peter Gabriel und Steve Hackett. (Foto: Richard Haines, www.genesispictures.co.uk)

An dieser Stelle ein großes Dankeschön an Richard Haines, der mir erlaubt hat, die Story mit seinen wunderbaren Fotos aus der Zeit in Headley Grange zu illustrieren. Gerne revanchieren wir uns mit dem Hinweis, dass Genesis-Fans auf seiner Website auch Drucke seiner Fotos bestellen können.

Genesis Live

Am 23. Februar 1975 war ich mit den Genesis-Fans unter meinen Freunden in der Berliner Eisporthalle und sah die „The Lamb lies down on Broadway“ Show mit der dreifach geteilten Leinwand für Dia-Projektionen und den wohl exzentrischsten Kostümen, die Peter Gabriel je in einem Konzert getragen hat. Bei „Colony of Slippermen” trug er eine groteske Latexverkleidung mit ballonartigen Testikeln. Der überdimensionale Kopf des Kostüms war beim Singen wohl eher hinderlich. Geschenkt! Die Band spielte das ganze Doppelalbum und als Zugabe „Watcher of the Skies“ und „The Musial Box“. Das war mein Konzerterlebnis schlechthin, an das auch später nur wenige andere Konzerte heranreichen sollten. Was man mit 15 hört, prägt sich halt ins emotionale Gedächtnis ein.

Was ich damals nicht ahnen konnte: Die Produktion des Albums „The Lamb lies down on Broadway“ hatte Genesis an die Grenzen der Belastbarkeit geführt. Die Konsequenz daraus war letztlich der Weggang von Peter Gabriel  – die wohl einschneidendste Veränderung in der gesamten Bandgeschichte. Peter Gabriel hatte bereits im Dezember – als Genesis  durch die USA tourten – seinen Bandkollegen mitgeteilt, dass er nach der  Tournee definitiv aussteigen würde. Die Gründe dafür waren vielschichtig: Er wollte mehr Zeit mit seiner Familie verbringen, kein Rock’n’Roll-Papa sein, der ständig auf Tour ist. Er spürte, wie sein Starruhm die Band zunehmend belastete. Und er wollte auch künstlerisch neue Wege gehen.  Mit seinen Ausstieg zwang er auch die Band, sich neu zu erfinden. Genesis sollten bald riesige Stadien füllen und es zu Superstarruhm bringen. Auch, wenn das dann nicht mehr „meine“ Genesis waren.

Für ihr 6. Studioalbum wechselten Genesis die Welt viktorianischer Herrenhäuser gegen die Lichter des Broadways in New York aus. (c by Shutterstock)

West Side Story statt Nursery Cryme

The „Lamb lies down on Broadway“ war in mehrfacher Hinsicht ein Bruch mit der bisherigen Genesis-Geschichte. Die Band hatte nie zuvor ein Konzept-Album gemacht, schon gar kein Doppelalbum. Sie verabschiedete sich von ihrer bis dahin liebevoll zelebrierten „Englishness“, die sie beim Vorgängeralbum „Selling England by the pound“ noch explizit im Titel zitiert hatte.  Statt spleeniger Geschichten, die in viktorianischen Herrenhäusern oder den „Royal Gardens at Kew“ spielten, hatte  „das Lamm“ New York als Schauplatz. Mehr West Side Story als Nursery Cryme. Die Hauptfigur Rael ist ein Puertoricaner, eine Art Präto-Punk: „Er wäre der Letzte gewesen, der auf Genesis gestanden hätte“, verriet Gabriel dem Melody Maker. Gabriel wollte eine Art moralischer Fabel erzählen: „a type of Pilgrim’s Progress but with this street character in leather jacket and Jeans.“ (Hugh Fielder: The Book of Genesis, St. Martin’s Press, New York City, 1984, Seite 90)

Auch die bei Genesis übliche Arbeitsteilung war bei „The Lamb lies down on Broadway“ komplett anders als gewohnt. Bis dahin galten die Genesis-Alben als Gemeinschaftswerk.  Auch wenn in dieser Gruppe  manche Mitglieder (die Charterhouse-Zöglinge Tony Banks, Mike Rutherford und Peter Gabriel)  immer „gleicher“ waren als andere (die später dazugestoßenen Steve Hackett und Phil Collins) und entsprechend ihre musikalischen Ideen durchdrücken konnten.

Peter Gabriel setzte bei "The Lamb lies down on Broadway" seinen Kopf durch und schrieb fast alle Songtexte allein.

Peter Gabriel setzte bei „The Lamb lies down on Broadway“ seinen Kopf durch und schrieb fast alle Songtexte allein. (Foto: Richard Haines, www.genesispictures.co.uk)

Peter auf dem Ego-Trip

Bei „The Lamb lies down on Broadway“ bestand Peter Gabriel darauf, die Texte komplett selbst zu verfassen. Ein Roman würde schließlich auch nicht von einem Kollektiv geschrieben, argumentierte er. Außerdem steckten in Raels Geschichte eine Menge von Gabriels eigenen Erfahrungen. „I wrote indirectly about lots of my emotional experiences in ‘The Lamb‘ and so I didn’t want other people colouring it.” (H. Fielder, 1984, Seite 90)

Speziell  Tony Banks war nicht glücklich über Peters Ego-Trip. Zum einen, weil Tony der Meinung war, seine eigene, konkretere Art zu texten, hätte einen angenehmen Kontrast zu Peters stark assoziativem Schreibstil gebildet. Aber auch aus ganz praktischen Gründen. Es sollte sich bald herausstellen, dass Peter sich mit der Mammutaufgabe übernommen hatte. Am Ende mussten Tony und Mike sogar aushelfen und den Text zu  „The Light lies down on Broadway“ schreiben.

Und dennoch bin ich heilfroh, dass sich Mike Rutherford mit seiner Idee, Saint-Exupérys „Kleinen Prinzen“ zu vertonen, nicht gegen Gabriel durchsetzen konnte. Der hatte schlicht keine Lust mehr auf Hippie-Romantik: „It seemed that prancing around in fairyland was rapidly becoming obsolete.“ (Spencer Bright: Peter Gabriel: An Authorized Biography, Sidgwick & Jackson 1988, Seite 61)

Betrachtet man das liebenswürdig-verschrobene Cover von "Selling England by the Pound", dann ahnt man, welch einschneidende Veränderungen das Nachfolgealbum brachte

Betrachtet man das liebenswürdig-verschrobene Cover von „Selling England by the Pound“, dann ahnt man, welch einschneidende Veränderung das Nachfolgealbum bedeutete.

There’s always magic in the air

Um was es in der Geschichte von „The Lamb lies down on Broadway“ genau geht, weiß eigentlich keiner so genau. Peter Gabriel hat damals Bücher des Psychoanalytikers C.G. Jung gelesen. Als weiteren Einfluss nannte er den Kult-Western „El Topo“ des chilenischen Regisseurs Alejandro Jodorowsky: „The Lamb war zum Teil psychedelisch, zum Teil eine Suche nach spiritueller Erleuchtung“, hat Peter das Konzept später erläutert: „Es thematisierte Entfremdung, Unterdrückung und Ablehnung und versuchte einen direkten Weg zu bestimmten Erfahrungen und am Ende auch zu ein wenig Weisheit zu schaffen. Keine allzu schwere Kost also.“ (Genesis – Chapter and Verse, hg. von Philip Dodd, 2007, S. 157)

Die mannigfaltigen Interpretationen füllen Artikel, ganze Bücher und Fanforen. Bereits das berühmte, von Hipgnosis gestaltete Plattencover mit seinen Schwarzweißfotografien und der an Art Deco angelehnten Typografie ist rätselhaft. Es steht in einer langen Tradition ikonischer Plattencover wie „Sgt. Pepper“ oder „Dark Side of the Moon“.

Im Inneren der Plattenhülle gibt es eine ellenlange erläuternde Story von Peter Gabriel, die eher zusätzliche Verwirrung stiftet. Im Kern dreht es sich um das alte Thema der „Heldenreise“. Rael muss zahlreiche Abenteuer und Herausforderungen bestehen.  Manche scheinen ganz real, wie die Rivalität der Jugendbanden in „Back in N.Y.C.“:

„When I take out my bottle, filled up high with gasoline,                                                                                      You can tell by the night fires where Rael has been“

Andere Episoden sind scheinbar surreal, spielen sich nur in seinem Kopf ab. Der Dampf, der in New York aus den Kanaldeckeln dringt, inspirierte Gabriel nach eigener Aussage dazu, sich unterirdische Welten auszudenken, imprägniert mit Geheimnis und Gefahr.

Im Song „In the Cage“ findet sich der Protagonist in einem Käfig wieder und leidet Höllenqualen. Draußen sieht er seinen Bruder John, der aber unwillig oder unfähig ist, ihm zu helfen.

„And I shout ‚John please help me!‘
But he does not even want to try to speak“

Peter kann das Verkleiden nicht lassen. Hier mit einem kecken Hütchen im Kreise der übrigen Genesis-Mitglieder im Park von Headley Grange

Peter kann das Verkleiden nicht lassen. Hier mit einem kecken Kopfschmuck im Kreise der übrigen Genesis-Mitglieder im Park von Headley Grange (Foto: Richard Haines, www.genesispictures.co.uk)

Needles and Pins

Gabriel bietet ein Feuerwerk von Anspielungen und Bezügen. Es gibt Hinweise auf die griechische Mythologie (die lüsternen, Vampir-ähnlichen Lamien), moderne Psychoanalyse oder Personen der US-Zeitgeschichte. In dem Song „Broadway Melody of 1974“ heißt es:

„Caryl Chessman sniffs the air and leads the parade,                                                                                               he knows in a scent, You can bottle all you made.“

Dazu muss man wissen, dass Chessman nach einem umstrittenen Prozess 10 Jahre in der Todeszelle von San Quentin saß, bevor er 1960 in der Gaskammer des Gefängnisses hingerichtet wurde. „In a scent“ klingt gesprochen ganz ähnlich wie „innocent“ – schuldlos. Solche Wortspiele machen die Qualität von  Gabriels Texten aus. Andere berühmte Persönlichkeiten, die in dem Song auftauchen, sind der  kanadische Philosoph Marshall McLuhan, der Schauspieler Groucho Marx und der Filmproduzent und Luftfahrtpionier „Howard Hughes in blue suede shoes“ – und schon ist der Reim perfekt.

Wie oft bei Gabriel spielt auch die Sexualität eine große Rolle, mal ironisch-verspielt in der Popnummer „Counting out time“:

„Erogenous zones I love you.
Without you, what would a poor boy do?“

Mal als bedrohliche Kastrationsphantasie in „The Colony of Slippermen“.

„To see, Doktor Dyper, reformed sniper
he’ll whip off your windscreenwiper“

Gabriel hat sich aber selbst gegen einige vorschnelle Interpretationen  verwahrt. So sei das Lamm keine christliche Anspielung auf „das Lamm Gottes“: „You see, the lamb isn’t a symbol so I was bit worried about the title.“ Gabriel freute sich eher an der Absurdität der Vorstellung, ausgerechnet ein Lamm könnte sich vor den Augen Raels auf dem Broadway niederlegen: „a catalyst of peculiarities that take place“. (Max Bell: Gabriel’s Cosmic Juice, NME, 15.3.1975)

It’s only knock and knowall

Am Ende wächst Rael über sich selbst hinaus, rettet unter Einsatz seines Lebens seinen Bruder John aus den Stromschnellen („In the Rapids“). Nur um in dessen Gesicht sein eigenes zu erkennen. Ein Akt der Selbsterkenntnis, vielleicht war sein Bruder auch von vornherein eine Chiffre für Raels gespaltene Persönlichkeit. Es ist meiner Meinung nach aber auch müßig, sich zu viele Gedanken darüber zu machen. Selbst ein begeisterter Kritiker wie Stephen Thomas Erlewine, der dem Album in AllMusic mit 5 Sternen die Höchstwertung gab, stellte nüchtern fest: „the story never makes sense“. Ich finde aber, die Geschichte macht zumindest Spaß. Gabriel wollte mit „The Lamb lies down on Broadway“ vor allem auch erstklassiges Entertainment bieten und das muss man nicht künstlich durch Textexegese überhöhen. Am Ende heißt es mit einem verballhornten Stones-Zitat.

„‘Cos it’s only knock and knowall, but I like it
Yes it’s only knock and knowall, but I like it“

Bis das bei mir immer noch Gänsehaut auslösende Synthesizer-Portamento am Ende von „In the Rapids“ den Schlusssong „it.“ einleitet und Gabriel diese letzten Zeilen singen konnte, ging die Band allerdings durch ein Fegefeuer physischer und vor allem mentaler Qualen.

Das alte Anwesen Headley Grange macht von außen einen gediegenen Eindruck. Als Genesis dort "The Lamb lies down on Broadway" aufnahmen, war es ein ziemlich verpufftes Rattenloch.

Das alte Anwesen Headley Grange macht von außen einen gediegenen Eindruck. Als Genesis dort „The Lamb lies down on Broadway“ aufnahmen, war es ein ziemlich versifftes Rattenloch. (Foto: Richard Haines, www.genesispictures.co.uk)

Headley Grange – Das Ratten-Haus

Die Produktion von „The Lamb lies down on Broadway“ dauerte rund fünf Monate. Das Schreiben und die Proben für das Album begannen im Juni 1974. Die Band mietete sich zum Komponieren in Headley Grange in Hampshire ein. Das uralte Gemäuer  hatte zuvor diverse andere Bands beherbergt, darunter auch Led Zeppelin. Headley Grange muss sich damals in einem grauenhaften Zustand befunden haben. Völlig verdreckt. Banks erinnert sich, dass auf dem Boden menschliche Exkremente lagen. Überall Ratten, die sich aufführten, als ob das Haus ihnen gehören würde. Phil Collins zog als einer der Letzten ein und bekam das mieseste Zimmer ab. Nachts konnte er kein Auge zumachen von dem Getrappel der Ratten, die zuweilen auch über die Bettdecke liefen: „Für mich ist das einzig Versöhnliche daran die Tatsache, dass Jon Bonham im Treppenhaus der Eingangshalle seinen unglaublichen Groove zu ‚When The Levee Breaks‘ aufgenommen hat“, resümiert Phil Collins in  seiner Autobiographie (Da kommt noch was, München 2016, S. 167). Steve Hackett trat an einem Tag nach der Morgenwäsche vom Waschbecken zurück, als vor ihm buchstäblich der Boden einkrachte.

Jammen für das Lamm

Zumindest musikalisch machte sich diese Umgebung nicht negativ bemerkbar, denn in einem kreativen Rausch schrieb die Band einige ihrer besten Songs. Mike Rutherford erinnert sich: „Wir hatten von Anfang an vor ein Doppelalbum zu machen, was es uns ermöglichte, ein paar von den längeren Stücken zu spielen, mehr zu improvisieren. Es war offener und viel freier.“ (Genesis – Chapter & Verse, 151)

Der  großartige  Titelsong war dabei der letzte, den die beiden Schul-Freunde Peter und Tony gemeinsam komponierten: „Und ich glaube, er zeigt unsere Stärken: Ich hatte ihm eine gute Stimmung verliehen, aber seine Dichte erhielt er hauptsächlich durch Peter“, sagt Tony Banks mit etwas Schwermut im Herzen. (Genesis – Chapter & Verse, S. 156) Auch als Solo-Künstler spielte Peter Gabriel den Titelsong „The Lamb lies down on Broadway“ später noch bei Live-Auftritten. Obwohl er sich die Lyrics alleine unter den Nagel gerissen hatte, mischte er  also auch wenigstens anfangs bei den Kompositionen mit. Gabriel zeichnet für „Counting out Time“ verantwortlich und hatte auch einen guten Anteil an „Chamber of 32 doors“. Als die musikalische Arbeit fortschritt, musste er sich dann mehr und mehr auf das Texten konzentrieren. Die Melodien der Gesangslinien für die Songs entstanden meist im Nachhinein.

Ungewöhnlich für Genesis: Große Abschnitte von "The Lamb lies down on Broadway" entstanden in Headley Grange während langer Jam Sessions.

Ungewöhnlich für Genesis: Große Abschnitte von „The Lamb lies down on Broadway“ entstanden in Headley Grange während langer Jam Sessions. (Foto: Richard Haines, www.genesispictures.co.uk)

Weil die restlichen Musiker ohnehin ständig aufeinanderhockten, verbrachten sie viel Zeit mit gemeinsamen Jam-Sessions: „Wir bauen unser Equipment im großen Wohnzimmer auf, während sich Peter an ein schäbiges altes Klavier zurückzieht, das in einem anderen Zimmer vor sich hin verstaubt“, beschreibt Phil Collins die Arbeitsaufteilung. „Wir vier jammen, er notiert seine Textideen und ich nehme alles mit meinem zuverlässigen Nakamichi-Kassettenrekorder auf.“ (P. Collins 2016, S. 168)

Wie diese Jam-Sessions abliefen, hat Tony Banks am Beispiel von  „Fly on a Windshield“ erklärt: „at times things were little more than improvisation on an idea.“ (H. Fielder, 1984, S. 91) Mike Rutherford hatte die Grundstimmung für den Song vorgegeben mit dem Motto: „Pharaos going down the Nile“. Tony hat im Reissue-Interview von 2007 schön beschrieben, wie so eine Anregung aufgegriffen wurde. Alle hatten plötzlich das Bild einer Armee von ägyptischen Soldaten vor Augen, die sich langsam Richtung Nil bewegten. Zwei wechselnde Akkorde auf der akustischen Gitarre, darüber schweben Tonys „ägyptische“ Mellotron-Chöre. Die beste Stelle des Songs ist die, in der Gabriel mit ganz zurückgenommener Stimme die Titelgebende Zeile singt.

And I’m hovering like a fly, waiting for the windshield on the freeway.“

Ein kurzer Moment der Ruhe, dann setzt mit voller Kraft Schlagzeug, Bass und die verzerrte E-Gitarre ein. Die Fliege prallt auf die Windschutzscheibe. Ein unglaublich starker Moment des Albums.

„The Waiting Room“ („The Evil Jam“) und „The Colony of Slippermen“ („Chinese Jam“) sind weitere Stücke, die in Jam-Sessions entwickelt wurden. Die Songs auf dem Doppel-Album stehen meist für sich. Manche gehen ineinander über oder werden durch kleine Interludien verbunden. „The Colony of Slippermen“ ist in sogar verschiedene Abschnitte unterteilt: „The Arrival“, „A Visit to the Doctor“ und „Raven“. Aber nie drängt sich ein Vergleich zur großen durchgängigen Suite „Supper’s Ready“ vom Album Foxtrot auf.

Mit der Bilderwelt des alten Ägyptens stimmte Mike Rutherford Genesis auf den Jam zu "Fly on a windshield" ein

Mit der Bilderwelt des alten Ägyptens stimmte Mike Rutherford Genesis auf den Jam zu „Fly on a Windshield“ ein. (Foto: Artsy Bee, Südafrika)

Tony Banks hat verraten, dass er sich auch nicht scheut, olle Kamellen aufzuwärmen, wenn sie in den Kontext passen. So fand zum Beispiel der Song „Anyway“ seinen Weg aufs Album, den Tony bereits 6 Jahre zuvor komponiert hatte – also wirklich in den Anfangstagen von Genesis. „I’ve never been frightened to use old pieces…So, when I am playing and writing for a new record, I get an idea. I’ll just sort of hear a piece that I’ve had before, and I’ve got the old tapes around, and I think, ‚Well, that might work well on this project.'“ (Tony Banks-Interview auf World of Genesis, 17.04.2004)

The Chamber of 32 Doors

Doch schon bald bahnten sich Konflikte an, als Peter Gabriel von Film-Regisseur William Friedkin (Der Exorzist) aufgefordert wurde, sich an seinem neuen Filmprojekt zu beteiligen. Gabriel war sehr aufgeschlossen, zumal ihn das Thema Film brennend interessierte. Weil es nicht einmal ein Telefon in der Bruchbude gab, musste er zur nächsten Telefonzelle radeln, die Hosentaschen voller 10 Pence-Münzen um Mr. Friedkin in Kalifornien anzurufen. Schließlich zog er sich für mehrere Tage zurück, um Ideen für den Film zu entwickeln. Die Stimmung in der Band konnte nicht schlechter sein. Wie im Song „The chamber of 32 doors“ suchte sie nach dem einen Ausgang, der aus der Krise herausführte. Hätte die Band Peters Schlusszeilen ernst genommen, hätte sie gewusst, dass es für ihn bald kein Zurück mehr geben würde:

„Find a door
That doesn’t lead me back again
-take me away.“

Es bedurfte erst der entschiedenen Intervention von Genesis-Manager Tony Stratton-Smith, um Peter Gabriel zurückzuholen. Friedkin zog sein Angebot zurück, da er nicht am Auseinanderbrechen der Band schuld sein wollte. (Nur am Rande: Friedkins Film „The Sorcerer“ floppte.) „Tony Smith und Strat halfen eine Menge, und es wurde hinterher alles so arrangiert, dass niemand sein Gesicht verlor. Aber ich kam in eine sehr finstere Atmosphäre zurück“, erinnert sich Gabriel. (Armando Gallo: Genesis, 1978,  S. 100) Alle in der Band spürten, dass Peter über kurz oder lang eigene Wege gehen würde. Im Probenraum sah man ihn praktisch nie, er arbeitete in einem anderen Raum an seinen Texten. Steve Hackett erwähnt „long periods when the band didn’t actually come together. I felt that the tension was really very, very strong.” (Bright, 1988, S. 60)

Das Thema Entfremdung spielt auf "The Lamb lies down on Broadway" eine große Rolle. Die Sprachlosigkeit, die der fehlende Mund auf der Rückseite des Albumcovers symbolisiert, erinnert aber auch an die problematische (Nicht)-Kommunikation innerhalb der Band.

Das Thema Entfremdung spielt auf „The Lamb lies down on Broadway“ eine große Rolle. Die Sprachlosigkeit, die der fehlende Mund auf der Rückseite des Albumcovers symbolisiert, erinnert aber auch an die problematische (Nicht)-Kommunikation innerhalb der Band.

Get me out of the Cage

Zusätzlich geriet Gabriel privat unter Druck durch die komplizierte Schwangerschaft seiner Frau Jill. Zu einem Zeitpunkt,  da ihn Jill  am nötigsten gebraucht hätte, saß er in diesem Rattenloch fest und schrieb Lyrics gegen die Uhr. Die Geburt war extrem kritisch und die Ärzte mussten um das Leben seiner Tochter Anna kämpfen.  Die Band aber zeigte keinerlei Empathie. „They were pissed off I wasn’t taking the album as seriously as my child.“ (Bright, 1988, Seite 4-5) Peter besang „In the Cage“ praktisch den Käfig, in dem er selber steckte.

Dazu kam, dass Gabriel, Rutherford und Banks durch ihre elitäre Public School-Sozialisation ohnehin kaum in der Lage waren, über solche Probleme wie normale Menschen zu sprechen. Bitte keine Emotionen zeigen, hieß es unter diesen Internatszöglingen. Typisch war die sprichwörtliche stiff-upper-lip. Das Foto auf dem Cover mit dem zugewachsenen Mund spricht Bände! Genesis sind wirklich meine Helden, aber ich glaube, ich hätte es keine zwei Stunden gemeinsam mit diesen Herrschaften in einem Probenraum ausgehalten.

Umzug nach Wales

Im August konnten Genesis dann das gastliche Haus in Headley Grange verlassen und zogen um ins Glaspant Manor-Haus in Carmarthenshire, Wales. Dort starteten die Aufnahmen mit dem Island Mobile Studio: „Wir haben festgestellt, dass uns die Atmosphäre in einem Studio erdrückt, außerdem wollen wir auf Platte so aufregend klingen wie bei einem Konzert“, schreibt Collins in seiner Biographie (S. 170).  Das Island Mobile Studio war ausgerüstet mit zwei 3M 24-Kanalrekordern, einem Helios Mixer mit 30 Kanälen, Altec-Monitoren und zwei Studer A62-Tonbandgeräten für das Mastering. (siehe Tim Morse:  Classic Tracks: Genesis‘ „The Lamb Lies Down on Broadway“ in Mix, 1.5.1999)

David Hutchins betreute die Aufnahmen als Toningenieur. Eine besondere Rolle kam John Burns als Produzent zu. Nicht nur, dass John ein sehr guter Musiker, Toningenieur und Producer war. Die Band schätzte ihn vor allem auch als gute Seele. Es gelang ihm, manche kritische Situation allein durch seinen Humor zu entschärfen.

Auf der nächsten Seite gehen wir auf die fünf Genesis-Musiker näher ein: Auf das Equipment, was sie damals einsetzten, und die persönlichen Erfahrungen, die sie während der Produktion von „The Lamb lies down on Broadway“ machten.

Einige der Quellen, die ich benutzt habe: Armando Gallo berühmtes Genesis-Buch von 1978, Chapter & Verse mit vielen Originalzitaten der Musiker und Phil Collins Autobiographie.

Einige der Quellen, die ich benutzt habe: Armando Gallos berühmtes Genesis-Buch von 1978, Chapter & Verse mit vielen Originalzitaten der Musiker und Phil Collins Autobiographie. (Foto: Costello)

Forum
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    AMAZONA Archiv

    Danke für den tollen Artikel,ich war damals ziemlich beiendruckt von dem Album.

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      costello  RED

      Danke! LLDOB ist eins der Alben, die ich heute noch gut hören kann, ohne immer zu denken: Ach ja, die 70er :-)

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        Organist007  

        Stimmt, klingt immer noch irgendwie frisch.

        Back in NYC klingt sogar ein wenig newwavig. Peter war schon immer seiner Zeit voraus.
        Wer erinnert sich noch an den Gabriel Auftritt im ROCKPALAST 1978 ? Als Zugabe spielte er den Titelsong von The Lamb. Peter wollte einfach weg von dem 70iger Jahre- Ding, und das ist ihm auch gelungen. man denke nur an PG II -IV, mit SO war er dann im Mainstream.

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    psv-ddv  AHU

    Suuuper, danke Dir Costello! Da kann ich selbst als eingefleischter Genesis Fan noch einiges lernen.
    Sehr sauber recherchiert auch die Abschnitte zum Instrumentarium.
    Ich habe mit dem Album immer ein wenig gefremdelt, und muss zugeben es klingt mir manchmal etwas zu unfertig, eher wie eine Ideensammlung und nicht filigran genug. Andererseits ist mit „the Lamia“ einer meiner absoluten Lieblingssongs darauf und es gibt auch sonst viele hervorragende Momente.
    Leider hatte ich nicht wie Du, die Chance das Ganze damals live zu sehen. Aber ich muss sagen die historisch korrekte Aufführung der „Musical Box“ Coverband hat mir das Album näher gebracht. Ich fand die Diashow und die Kostüme hervorragend und ihrer Zeit voraus. Ich würde sogar so weit gehen, zu sagen die Bühnenshow ist ein untrennbarer Bestandteil des Albums. Das Ganze macht so einfach mehr Sinn und wirkt erheblich geschlossener, oder um es mit Zappa auszudrücken, es gehört zur conceptual continuity.

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      costello  RED

      Danke psv-ddv! The Lamb ist sicher nicht so getüftelt wie andere Alben, vieles entwickelte sich aus Jam-Sessions und Produzent Burns berichtet sogar, dass Peter auf den letzten Metern der Produktion ihn immer das Band anschmeißen ließ, wenn er wieder ein paar Verse fertig hatte. Das macht vielleicht das „Unfertige“ aus. Andererseits litten manche Beiträge auf den geschliffneren Genesis-Alben auch daran, dass sie überarrangiert waren (zum Beispiel „The Battle of Epping Forest“) Aber mit dem Punkt, das Musik und Show hier wirklich zusammengehören, triffst Du den Nagel auf den Kopf. Und wer die Show einmal gesehen hat, bekommt die Bilder auch nicht mehr aus dem Kopf und kann sie beim Hören der Platte immer wieder abrufen.

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    offbeat

    Toller Artikel Costello, es wird mal dringend Zeit für mich, das ganze Album mal wieder im Ganzen anzuhören. Und die Detaillfülle haut mich echt um!
    Es gibt allerdings eine Stelle, die mir fragend die Augenbrauen anhob, wie beim guten alten Mr. Spock: Ein HIWATT 100 Transistorverstärker???
    Bislang war mir nicht bekannt, dass HIWATT zu der Zeit Transistorverstärker gebaut hätte, ich kenne sie nur als Hersteller hochfeinster Röhrenverstärker „nach militärischen Qualitätsstandarts“ (was offensichtlich etwas Gutes sein sollte), die kaum in´s Verzerren zu bringen sind, aber perfekt für Effektpedalritter sind.
    Aber vielleicht hast Du ja eine bessere Quelle für die Information?
    Aber auf jeden Fall ein ganz großes DANKE für diesen Artikel!

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      costello  RED

      Hallo Offbeat, danke für Dein nettes Feedback. Und Du hast völlig recht: Bei dem Gitarren-Amp ist mir etwas durcheinander geraten. Die Box ist von Hiwatt, der Solid State-Amp aber ist der HH Model IC 100. Ich habe zwei Links angefügt. Eine Anzeige auf Reverb, wo der HH gut zu sehen ist, und dann noch die Seite von lileighwhite, wo das Genesis-Equipment mit dem der Coverband Musical Box verglichen wird. Eine echte Fundgrube :-)
      https://bit.ly/2tKkAtp
      https://bit.ly/2Vz8j7b

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        offbeat

        Danke für die schnelle Auskunft, den HH Amp kenne ich noch aus den 70er Jahren. Demnach hat Steve Hacket zu der Zeit gar nicht mehr über einen HIWATT Amp gespielt? Ich dachte immer, er hätte beide gleichzeitig im Setup gehabt. Auf dem schönen Cover Foto von Genesis Live mit dem geheimnisvoll blauen Bühnenlicht ist ja nicht wirklich zu erkennen, was da so seitlich am Bühnenrand steht.

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          costello  RED

          Beim Equipment habe ich vor allem auf den Artikel von Tim Morse in „Mix“ zurückgegriffen, der nur den H&H erwähnt, aber auch auf den Vergleich Genesis-Equipment vs. Musical Box-Equipment, der auf der lileighwhite-Seite dokumentiert ist. Die Jungs von Musical Box bekamen ja nicht nur die alte Dia-Show von Genesis zur Verfügung gestellt, sondern durften auch in die alten Tapes reinhören, um sich die Soli rauszuschreiben. Bei Equipment legen die großen Wert auf Authentizität. Da ist von Hiwatt nur das Speaker Kabinett erwähnt. Allerdings noch ein kleiner Fender Champ Amp, mit Verweis auf die Website von Jim Kleban. https://bit.ly/2UgzaVm Bei „Steve Hackett GTR“ https://bit.ly/2tOmFEV findet sich allerdings ein Hinweis auf Hiwatt: „For a while, Hackett used Hiwatt amps, but during the 1980’s began to move more towards Marshall amplification and now uses Marshall 1987x 50-Watt heads and Marshall 1960A 4X12 cabinets.“ MusicPlayers.com)

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    Organist007  

    Danke für den Spitzenartikel ! Für mich ist LLDOB die beste Genesisscheibe ever. Dann kommt Selling England by the Pound und Foxtrot.

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      costello  RED

      Danke Organist 007! Bei mir sieht das Ranking genauso aus. Nursery Cryme hat auch ein paar starke Momente, dann Trick of the Tail und dann das schon etwas schwülstige Wind and Wuthering. Mit allem, was danach kam, habe ich erst sehr viel später meinen Frieden gemacht ;-)

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        Organist007  

        wobei die 2. scheibe (Tresspass) auch nicht schlecht ist, ich hab da eine japanische CD Version – peters stimme klingt toll und die akustischen sounds kommen gut rüber.

        Ich denke, es ist kein Zufall , dass Peter und Steve die Band letztendlich verlassen haben, für mich sind und bleiben die beiden die Musikalischsten und Kreativsten !

        Hackett spielt die alten Genesis-Sachen derzeit auf Tour in unglaublichen Versionen, modern und frisch und trotzdem am Original, er ist der wahre Nachlassverwalter !

        Meine Haltung zu Banks ist äußerst zwiespältig – als klassikorientierter Keyboarder zweifellos super, ich denke aber nicht, dass er einen Blues spielen kann ;-) und improvisieren auch nicht.

        Der wahre Keyboard-Gott war für mich damals Emerson, der konnte einfach alles.

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          costello  RED

          Tony ist schon sehr entscheidend für die Musik von Genesis. Niemand hat so wie er die Welt der Akkorde ausgeleuchtet, das Watcher-Intro ist ja das beste Beispiel dafür. Und seine Begleitarbeit (Slippermen) ist extrem komplex, seine Soli sehr anspruchsvoll. Improvisationen hätten da schwerlich reingepasst, das war alles sehr ausgeklügelt. Eigentümlicherweise hat er die Magie von Genesis auf seine Soloplatten nicht übertragen können. Die hauen mich nicht vom Hocker.

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            Organist007  

            Stimmt sicherlich. Die Keyboard Parts sind sehr raffiniert angelegt. Dein Super-Artikel hat mich in eine Zeitreise versetzt und danach habe ich nochmals auf YT die Cross-Technik bei der Titelnummer (Lamb) angeschaut, ist schon beeindruckend. Trotzdem verstehe ich Peter, dass er was Neues wollte. Soundmäßig war mir Banks immer zu schwülstig. Es lohnt wirklich, sich die Neuinterpretationen von Hackett anzuhören, der hat einen Wahnsinnskeyboarder, die Sounds orientieren sich natürlich am Original, wirken aber wesentlich frischer und luftiger. Die Supers Ready Version in der Royal Albert Hall ist ein Hammer und das lange Hackett Solo beim Outro (auf der Platte ausgefaded) ein Wahnsinn. Irgendwie war mir Banks immer ein wenig unsympathisch – very stiff upper lip, sorry.

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    TimeActor  AHU

    Super! Vielen Dank für die tolle Rezension und Info!
    Als total eingefleischter Genesis Fan mit Hauptaugenmerk der Jahre mit Peter ist seit jeher The Lamb mein absolutes Lieblingsalbum der Band.
    Auch wenn ich manchmal das Album erst wieder alle paar Jahre mal auflege gelingt es mir zu meiner großen Freude nebst Gänsehaut noch viele Textpassagen ohne Songbook mitsingen zu können. Über die Unstimmigkeiten mit Peter aus privaten Gründen hatte ich Kenntnis aber nicht alle Details der Unzufriedenheit (Steve) etc. war mir genaueres bekannt.
    Klasse…mehr davon!

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      costello  RED

      Merci Time Actor! Das ist tatsächlich so: Die Story mag stellenweise verworren sein. Aber die Lyrics prägen sich ein und die Melodien sind teils echte Ohrwürmer. Einen LLDOB-Fan muss man nur eine Zeile wie „Mild-mannered supermen are held in kryptonite“ hinwerfen, dann kommt die Antwort schon aus der Pistole geschossen: „And the wise and foolish virgins giggle with their bodies glowing bright“ Ein tolles Album :-)

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    og_penson   1

    Großartiger Artikel, exzellent recherchiert!
    Einen winzigen Fehler hab ich trotzdem gefunden: Die Taurus Pedals kamen erst 76 auf A Trick Of The Tail zum Einsatz. Bei den Lamm-Aufnahmen gab’s die noch gar nicht.

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      costello  RED

      Danke og_penson, mit dem Moog Taurus liegst Du richtig. Das war ein Dewtron-Pedal „Mr. Bassman“ auf LLDOB. Das Taurus- Pedal kam erst auf dem Nachfolgealbum zum Einsatz.

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      costello  RED

      Hier eine Abbildung des Dewtron Mister Bassman auf Matrixsynth. https://bit.ly/2XAtwzp
      Habe die Stelle überarbeitet und bei der Gelegenheit ein neues Rutherford-Zitat gewählt, in dem er die Vorzüge des Taurus im Vergleich zum Bassman nennt.
      Nochmals danke an og_penson für den Hinweis :-)

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        offbeat

        Das ist genau der Blechkasten, an dem die Leute von Musical Box beim Konzert in Bremen 2018 in der Pause zwischen den beiden Sets herumgeschraubt haben!

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    volcarock  

    Sehr gut recherchierter Artikel, sehr umfassend und dazu kurzweilig geschrieben! Vielen Dank, gerne mehr davon!!!

    Schwer vorstellbar, dass oder gerade wegen solcher Divergenzen und Abgründe solch fantastische Stücke entstanden sind. Für mich sind Selling England by the pound und The Lamb lies down noch immer meine Favoriten.

    War mir bisher nicht bekannt, dass John Bonham so grossen Einfluss auf Phil hatte und vom EMS „Gitarrenpedal“ hab ich heute auch das erste mal erfahren :-)

    Besonders spannend fand ich auch die Erläuterung zur Produktion und von Burns zur Arbeit mit den Spuren der analogen Bandmaschinen. Trotz der ganzen Möglichkeiten die wir seit digital und DAW haben und innovativer Instrumente, der Grossteil meiner Lieblingsalben sind alle aus der Ära Ende 60er bis Ende 70er. Musikalisch genauso wie die Produktionen. Lebendig, Innovativ und jenseits von überproduziert.

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      costello  RED

      Danke volcarock, vielleicht machen die Spannungen in der Band sogar einen Teil der Intensität des Albums aus.
      Das EMS Hi-Fli hatte ich auch erst unmittelbar zuvor auf der Dortmunder Pink Floyd-Show kennengelernt. David Gilmour war ein Fan davon. Und dann kam es mir bei den LLDOB- Recherchen gleich ein zweites Mal unter.
      Zu Phil und John: Ich denke, Collins war damals wirklich der Rocker in der Band. Schlimme Entgleisungen wie A groovy kind of love lagen noch in weiter Ferne ;-)
      Zu Burns Produktion solltest Du Dir unbedingt das Interview mit ihm durchlesen, ist in der Linksammlung. Burns war besonders wegen des Remasters von Nick Davis skeptisch, weil er ja damals alles von Hand machte und an 100 Kleinigkeiten gleichzeitig denken musste.

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    iggy_pop  AHU

    Ach, da schau her — das dütfte mein alter Synthi Hi-Fli im obigen Video sein, wenn es der von The Musical Box ist.
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    Ein Wahsinnsteil, in der Tat — man muß wahnsinnig sein, die gemeinhin dafür geforderten Preise auf den Tisch zu legen.
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    Der Phaser klingt grandios, der Rest läßt selbst eine Kreissäge alt aussehen. Unter diesem Aspekt ist obige Demonstration geradezu zahm und gefällig (und nur wenig abschreckend für potentielle Interessenten…).
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      costello  RED

      Klasse Iggy! Und danke – durch Deinen Verkauf an Musical Box hast Du es mit ermöglicht, dass LLDOB noch einmal kongenial aufgeführt werden konnte. Der Phasersound ist wirklich einzigartig.

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    mariemusic  

    Klasse Artikel, was für ein Hintergrundwissen! Hat mir richtig Lust gemacht, mir diese beiden LPs noch mal zuzulegen. Vielleicht läßt sich das Album ja noch aufstöbern. Zur Zeit des Erscheinen damals hatte ich „The Lamb“ leider nur auf Cassette, und hatte es schon früher sehr gemocht.

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      costello  RED

      Hi mariemusic, ich habe meine alte Vinyl-Ausgabe von 1974 leider verkauft, weil ich gar keine Schallplatten mehr höre. Um das aufwändig gestaltete Cover inkl. der Inner Sleeves tut’s mir aber schon leid. Habe gerade gesehen: Für rund 23 Euro gibt’s die 180 Gramm-Pressung von LLDOB zu kaufen und für 43 Euro die Deluxe-Edition mit HalfSpeed-Mastering.

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        TimeActor  AHU

        Ja, allerdings heist es aufgepasst bei den den neuen Remasterings! Da gibts Unterschiede zum alten Album. Manche Spuren wurden nach hinten gerückt und wieder andere nach vorne…für jemanden der quasi jeden Ton des ursprünglichen Albums mit Vornamen kennt wie auch ich, fällt das extrem auf und ein etwas befremdliches Gefühl tritt zumindest bei mir auf wenn ich die klanglich zwar bessere aber in der Gesamtstimmung schlechtere 180g Pressung anhöre. Bin mir nicht sicher aber ich glaube es gibt 2 Versionen verschiedener Mastering Engineers.

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    k.rausch  RED

    Super Artikel! Ausgerechnet das Genesis Album rauszupicken, bei dem für meine Begriffe einfach alles stimmig ist. Konzept, Aufbau, Song und Instrumente Arrangements, Vortrag der Lead Vocals, Soloparts Instrumente – besser Genesis geht für mich kaum. War auch mein Einstieg in deren Werke, vergesse ich nie. So alle paar Jahre höre ich das Album mal komplett, und stelle fest: Dieser Spirit hat sich bis heute gehalten, ob Piano Intro, Lilywhite Lilith oder The Lamia – einfach nur wow.

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      mariemusic  

      Geht mir ebenso. DAS Genesis Album, intelligenter Rock, einfach genial. Und ausgerechnet dieses hatte ich nie als LP 😒

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      costello  RED

      Lieber Klaus, Du sprichst mir aus der Seele. The Musical Box haben ja bei ihrer Extravaganza-Tour auch ein paar Songs von den frühen Alben gespielt, die Genesis nie aufgeführt haben – wie zum Beispiel „Time Table“. Aber das ist dann wirklich der Zauber der Nostalgie, dasselbe Gefühl wenn ich Yes-Alben aus der Zeit höre. Bei LLDOB ist das anders. Ein bisschen ist dieses Album aus der Zeitschiene entrückt. Ich kann es als reine Musik genießen, ohne immer zu denken: „schön war die Zeit.“ The Lamb klingt immer wieder frisch und aufregend für mich.

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      TimeActor  AHU

      Ja sehe ich auch so,- allerdings hatte ich den Einstieg mit Trespass …“The Knife“ natürlich gehabt was immer auf unseren Partys wie so vieles von Genesis lief und dann Selling England, Foxtrott, Nursery Crime und dann The Lamb etc. Die „From Genesis to Revelation“ ist auch noch aus der Zeit hier – mit Anthony Philips als genialen Genesis Gitarristen vor Steve Hackett. Anthony Philips taucht leider nicht so viel in der History von Genesis auf. Anthony hatte psychische Probleme und ist ausgestiegen. Er hatte noch weitere Soloplatten später.

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        costello  RED

        Meine ersten beiden Platten überhaupt waren „Genesis live“ und „Broken Barricades“ von Procul Harum. Wobei ich Procul Harum am Anfang sogar mehr mochte. Aber dann hörte ich Nursery Cryme und Foxtrot und war fortan militanter Genesis-Fan. Trespass und speziell From Genesis to Revelation habe ich gleichwohl erst viel später zur Kenntnis genommen. Die Trespass-CD führt bis heute bei mir ein Aschenputtel-Dasein. Kann bis auf The Knife wenig damit anfangen und der Song kommt live 10 mal besser, finde ich.
        Anthony Philips steht wirklich etwas im Schatten, dabei ist er so ein klein wenig der Syd Barrett von Genesis.

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    TobyB  RED

    Sehr schöner Beitrag Costello :-) Immer wenn es in UK nicht so gut lief, kamen epochale Alben zu Stande und es spülte Ausnahmemusiker nach oben. Im Idealfalle spielten die alle in einer Band. So bei Genesis und so bei LLDOB. Peter Gabriels Vision einen „kleinen Jungen“ im Moloch Großstadt seinen Weg suchen zu lassen und seine viktiorianische Poesiephase mit diesem Konzeptalbum beendete, ist ein Meilenstein. Carpet Crawlers als Singleauskopplung geht okay. Honigsüss. Erinnert mich immer etwas an Kuschelrock. Der Rest des Albums ist dann wie ein wilder Trip zwischen Gebärmutter und Big City High Street. Und wohl auch ein Stück vom Erwachsenwerden.

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      costello  RED

      Danke Toby! Ich denke auch, dass das Ausnahme-Musiker sind. Wobei es im Wortsinn vermutlich nur auf Phil Collins zutrifft, der ein Weltklasse-Drummer ist. Mike hat in einem Anflug von Selbstironie in einem Interview mal gesagt, dass jeder US-Gitarrist, der abends zum Spielen ins Holiday In geht, technisch vermutlich versierter wäre als er. Er meinte aber, dass die Musik auch sehr kompliziert wird, wenn da 5 Superstars sich gegenseitig versuchen an die Wand zu spielen. Beispiel Yes. Und da ist was dran. Es gibt sehr viel schnellere Gitarristen als Steve, aber was er spielt hat Seele. Peters Stimme ist sicher nicht „schön“, aber er lebt die Songs. Auf der Bühne war er wirklich Rael. Tony beklagte, dass er nicht sehr akkurat spielte, aber speziell seine Akkorde schaffen eine unglaubliche Stimmung und seine genau ausgetüftelten Keyboardlinien bewundere ich mehr als manche Überschallsoli von Emerson oder Wakeman. In der Summe ist den Fünfen da wirklich etwas Großes gelungen.

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        TobyB  RED

        Hallo Mr. C,
        deshalb schrieb ich ja , sie spielen idealerweise in einer Band ;) Alle Bandmitglieder sind für mich schon Ausnahmekünstler, sei es hier als Genesis oder Solo. Ich mein die haben mit LLDOB schon eine Menge weiterer Bands und Künstler inspiriert. Oder sich als Band und Solokünstler anschliessend neu“erfunden“. Was wäre die Popwelt ohne Hans plays with Lotti and Lotti plays with Hans. Oder Mama. Allein die Drums sind der Knaller, dann Phils Hahahahaarr. Und jetzt setzt Tony ein. Das ist dann iconic. Was sie halt auf LLDOB sehr gut geschafft haben, ist die englische, britische Stimmung einzufangen, das macht es für mich zu einem Ausnahmealbum.

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    Piet66  RED

    Hallo lieber Costello, Gratulation zu diesem ausgezeichneten Beitrag! Ein schöner Anlass, sich dieses epochale Album mal wieder zu Gemüte zu führen.

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      costello  RED

      Danke lieber Peter! Schwebe gerade auf Wolke 7! Hätte nie gedacht, dass ein Beitrag über dieses nun fast 45 Jahre alte Album so viele Amazona.de-Leser interessiert. Ich stelle mir gerade vor, wie heute auf etlichen Plattenspielern und CD-Laufwerken „The Lamb“ gelaufen ist :-))

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    0gravity  

    Auch von mir ein herzliches Dankeschön für diesen tollen Bericht.
    Auch wenn ich mit der Platte zunächst nicht so viel anfangen konnte war sie zum Glück auf Anhieb interessant genug um sie mehrfach zu hören.
    Für mich zählt TLLDOB inzwischen zusammen mit „Selling England by the pound“ und „A Trick of the Tail“ zum Besten was Genesis je gemacht haben.
    Besonders auf „the grand parade of lifeless packaging“ freue ich mich immer wieder aufs neue, auch wenn ich hier gelernt habe, dass das eine Art last minute Notfall Track war.

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      costello  RED

      Dankeschön! Ja, diese Last Minute-Kompositionen geben dem Album seine Frische und Spontaneität.
      Steve hat ja mal geklagt, dass das Vorstellen einer Idee bei Genesis immer so war, als ob man einer russischen Jury von Eiskunstlauf-Schiedsrichtern gegenübertreten würde ;-) Da waren diese Jam-Sessions mal eine erfrischende Abwechslung.

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    Organist007  

    Die LIVE Version von der „Archive-Box“ mit den neu eingespielten bzw. gesungenen Parts ist einfach nur WOW. Hackett war immer „seriously underrated“.
    Freu mich schon auf sein Konzert am 11.Mai in Vienna,.

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      costello  RED

      Vielen Dank! Seit 9 Jahren bei Amazona und heute Dein erster Kommentar anlässlich von LLDOB. :-)
      Das freut mich total! Ja, dieses Album ist der Wahnsinn. Und danke für den Link. Da klingt der Bass von Mike teils noch bissiger als später in der Endmischung.

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    TonvaterJan

    Auch von mir multiplen Dank für diesen sehr sehr gut recherchierten Artikel.

    Ich bin Jahrgang 74 und habe die alten Genesis erst so mit 14 Jahren entdeckt.
    Als ich das erste mal LLDOB gehört habe, konnte ich kaum atmen vor Staunen und Ehrfurcht.

    Ich weiss nicht, wie oft ich das Album schon komplett durchgehört habe, aber es ist sicher
    das am meisten gespielteste in meinem Leben.

    Ich finde, die Platte hat soundmässig und kompositorisch die Latte nochmal dermassen hochgelegt,
    das sie für mich schon nicht mehr nach „typisch“ 70er Jahre klingt; sie hat immer noch einen sehr
    frischen Sound (besonders die Drums und FX – und gerade die kleinen athmosphärischen, filmmusikartigen
    Kurzschnipselnummern).

    Es ist auch sehr interessant, das Album mal auf kompositorische Leitmotivik hin durchzuanalysieren.
    Da tauchen auf AlbumSeite 2+3+4 immer wieder Akkordstrukturen und Motive aus den vorherigen
    Nummern auf.
    Das gibt dem ganzen zusätzlich noch einen kompositorischen Glue…

    Ein zeitloses Kunstwerk.

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