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Test: ESP LTD SN 1000, E-Gitarre

17. November 2019

Super-Strat mit Roasted Maple Neck

ESP LTD SN 1000

ESP LTD SN 1000 E-Gitarre

Jackson röstet fleißig, Charvel tut es auch, Music Man sowieso und selbst aus dem Fernen Osten werden mittlerweile Gitarren und Bässe gesichtet, die dem neuesten Trend der Industrie folgen: der Wärmebehandlung von Tonhölzern. Da muss natürlich auch der japanische Hersteller ESP gleichziehen, um nicht den Zug der Zeit zu verpassen, auch wenn dieses Verfahren unter Fachleuten nach wie vor umstritten ist. Aber gut ausschauen tut die kaffeebraune Färbung in jedem Fall und bei der Entscheidung für eine E-Gitarre spielt ja auch das Auge eine nicht unerhebliche Rolle. Solch ein geröstetes Teil finden wir in Form eines wärmebehandelten Ahornhalses eingeschraubt in den Korpus der ESP LTD SN 1000 – eine waschechte Super-Strat, die sich mit einem Preis knapp unter der 1000-Euro-Grenze einer harten Konkurrenz stellen muss. Mal schauen, was das schlicht gestylte Brett so drauf hat!

ESP LTD SN 1000 – Facts & Features

Schlicht muss ja nicht gleich unattraktiv bedeuten oder sollte man die Optik der ESP LTD SN 1000 besser als Understatement bezeichnen? Fakt ist, dass die weiße Metalliclackierung des Korpus zusammen mit dem gerösteten Ahornhals einen sehr schönen Kontrast bildet. Genauer gesagt handelt es sich um eine Effektlackierung, die je nach Lichteinfall einen mehr oder minder ausgeprägten purpurfarbenen Ton übergeht. Das macht die Gitarre rein optisch betrachtet zu einem perfekten Show-Instrument, das ohne Billig-Perlmutt an allen möglichen Ecken und Rändern oder etwa einem aufgeklebten Ahornfurnier als Nachbildung einer echten Decke auskommt. Die ESP LTD SN 1000 E-Gitarre gibt es ausschließlich in diesem Finish.

Beim Holz des Korpus begegnet uns das klassische Tonholz einer guten Strat – ein Stück Erle darf es sein, das es mit ausgeprägten Fräsungen auf Vorder- und Rückseite dem Spieler so bequem wie nur möglich macht. Ein angepasster Hals-Korpus-Übergang sowie der versenkt eingesetzte Kunststoffdeckel sorgen dafür, dass auch auf der Rückseite alles reibungslos vonstattengeht. Das geröstete Ahorn für den Hals besteht zwar aus einem Stück, allerdings wurde das Griffbrett separat aufgeleimt. Es trägt die 24 Jumbo-Bünde, deren Verarbeitung vorbildlich gelungen ist – nichts kratzt, pikt oder schabt an allen Positionen des Halses und durch das weit ausgesägte Cutaway sollten auch Spieler mit „Schlosserpranken“ keine Mühe haben, Bund Nummer 24 noch sicher zu erreichen. Dort, unterhalb des letzten Bundes, finden wir übrigens durch eine Lochschraube die komfortable und schnelle Möglichkeit, an den Halseinstellstab zu gelangen. Dezenter Luxus findet sich in den farbigen Perlmutt-Dots wieder, die uns an den bekannten Stellen den Weg weisen.

ESP LTD SN 1000 Griffbrett

ESP LTD SN 1000 Griffbrett mit Truss-Rod-Schraube am Halsfuß

Die Halsrückseite mit dem schlanken Thin-U-Profil liegt gut in der Hand. Das Holz wurde naturbelassen bzw. nur mit einer dünnen Satinlackschicht überzogen, was zum einen für ein sehr natürliches Spielgefühl sorgt und zum anderen der Greifhand einen kaum nennenswerten Widerstand entgegensetzt. Eher suboptimal war allerdings das Setting, mit dem unsere Testgitarre ausgeliefert wurde. Dank des fixen Zugangs zur Halseinstellschraube und dem auf zwei Bolzen gelagerten Floyd-Rose-Vibrato ist dieses Problem aber schnell behoben. „Floyd Rose“ ist ein gutes Stichwort, führt es uns doch zur Betrachtung der Hardware und der Pickups der ESP LTD SN 1000 E-Gitarre.

Hardware & Pickups

Beim verbauten Vibratosystem handelt es sich um eine koreanische Variante des klassischen FR-Klemmvibratos, das in diesem Fall pechschwarz ausgeführt wurde. Die Befestigungsschrauben der Saitenreiter sowie die der sechs Klemmböckchen wurden jedoch von der Lackierung ausgenommen, genau so wie auch die drei Inbusschrauben im Klemmsattel. Nette Details bei einer ansonsten recht cleanen Optik. Unter der Vielzahl der erhältlichen fernöstlichen FR-Systemen scheint man hier ein gutes Händchen bewiesen zu haben, denn das verbaute 1000SE Vibrato arbeitet bis auf kleine Nuancen weitestgehend verstimmungsfrei und hält auch Brutalitäten wie „Dive Bombs“ ohne groß zu murren durch. Standard ist aber auch hier leider wieder der per Hutmutter geschraubte Vibratohebel, der dem Benutzer nur die Wahl zwischen zu fest angezogen (und damit nach der Benutzung im Weg) oder zu locker eingeschraubt (mit den Folgen eines nervigen Klapperns) lässt.

ESP LTD SN 1000 Floyd Rose

ESP LTD SN 1000 Floyd Rose 1000SE Vibratosystem

Ein Set von Seymour Duncan Pickups

Die komplette Elektronik wurde auf einem schwarzen Pickguard montiert. Zur Abnahme des Klangs dienen drei Seymour Duncan Tonabnehmer: In der Stegposition wurde der Humbucker Custom 5 eingepflanzt, während die mittlere und die Halsposition mit je einem Hot Strat besetzt sind. Eine Super-Strat fällt ja nicht nur durch zusätzlichen Luxus auf, auch durch Reduzierung kann man ein Instrument aufwerten und so wurde bei der Elektronik der ESP LTD SN 1000 E-Gitarre zum Glück auf ein zweites Tone-Poti verzichtet. Der frei gewordene Platz wurde genutzt, um das Volume-Poti etwas weiter nach unten zu setzen, sodass man hier mit der rechten Hand nicht versehentlich die Lautstärke herunterregelt. Nicht nur Strat-Neueinsteiger kennen dieses Problem.

Angewählt werden die Duncans über einen knackig einrastenden Fünfwegeschalter, zudem bietet das Tone-Poti durch Anheben die Möglichkeit, den Custom 5 am Steg im Singlecoil-Modus zu betreiben. Ganz so einfach ist das jedoch nicht zu bewerkstelligen, denn die Kunststoffknöpfe sind nicht besonders griffig und mit feuchten Händen kann die Sache schon recht knifflig werden, bis der Regler durch ein kräftiges Knacken den Einspulermodus des Humbuckers schaltet. Dennoch eine klangliche Option, die natürlich sehr gerne angenommen wird und die die ESP LTD SN 1000 in der Praxis noch ein Stückchen flexibler macht. Und zur Praxis kommen wir nun im folgenden Absatz.

ESP LTD SN 1000 rear

In der Praxis!

Den akustischen Grundsound kann man als recht ausgeglichen bezeichnen, die Konstruktion besitzt zudem ein recht gutes Attack und ausreichende Werte in puncto Sustain. Die Bespielbarkeit wäre sicher ein Traum, denn das schlanke Halsprofil und die griffige, fast schon zu glatte Halsrückseite bieten beste Voraussetzungen dafür. Die Saitenlage unseres Testinstruments macht der Sache aber leider einen Strich durch die Rechnung, ich erwähnte es bereits weiter vorne im Text. Die drei Duncan Pickups fügen dem eher höhenreichen Grundsound der Gitarre eine warme Note hinzu, was besonders bei den beiden Singlecoils auffällt. Es mangelt da zwar etwas an Brillanzen, dafür erhält man aber einen ungewöhnlich dicken und warmen Klang, den ich ehrlich gesagt so nicht erwartet hatte.

Dreht man das Gain am Verstärker auf, nimmt allerdings auch das klassische 50 Hz Brummen proportional dazu seine Arbeit auf, sodass man bei höheren Gain-Settings besser auf den Humbucker umschalten sollte. Der liefert dann auch den erhofften präzisen, mittenreichen und damit durchsetzungskräftigen Sound für alles, was mit High-Gain zu tun hat. Und das ganz ohne Nebengeräusche. Es sei denn, man aktiviert die Singecoil-Schaltung des Doppelspulers, dann fängt aber auch er logischerweise mit dem Brummen an.

Die Klangbeispiele

Für die folgenden Klangbeispiele habe ich wie immer mein Referenz-Setup Orange Micro Dark & 1×12″ Celestion V-30-Box benutzt, aufgenommen wurden die Tracks mit einem AKG C3000 Mikrofon. Effekte wurden nicht benutzt, nur die Pegel wurden in Logic nahe der 0-dB-Grenze gerückt. Ganz einfach war es nicht, bei einer Saitenlage von rund 4 mm in der Oktavlage.

Fazit

Die ESP LTD SN 1000 präsentiert sich im Test als eine sehr gut verarbeitete und flexibel klingende Super-Strat, bei der es abgesehen vom nicht ganz stimmstabilen Vibrato sowie der bedenklichen Saitenlage des Testinstruments absolut nichts auszusetzen gibt. Wer also ein entsprechendes Budget aufbringen kann und dabei mit einer E-Gitarre möglichst viele Stile abdecken möchte, sollte sich die ESP LTD SN 1000 mal zu Gemüte führen!

Plus

  • Verarbeitung
  • vielseitiger Klang
  • gute Bespielbarkeit
  • feine optische Finessen

Minus

  • Vibrato nicht ganz stimmstabil
  • Saitenlage des Testinstruments

Preis

  • Ladenpreis: 935,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    S_Hennig

    Eine ganz ehrliche Frage an den Tester: Wenn Ihr zum Test eine Gitarre bekommt, die nicht richtig eingestellt ist, testet Ihr die Gitarre so, wie sie aus dem Paket kommt, oder so, wie sie richtig justiert klingen würde?
    Das eine wäre so unfair wie das andere, aber ich hätte halt für den hier aufgerufenen Preis eine andere Justage erwartet, deshalb bin ich zwar sehr dankbar, dass das Problem im Text erwähnt wird, aber ich habe das Gefühl, dass die Lead-Demos deshalb unnötig angestrengt klingen und vielleicht der Gitarre nicht zu 100% gerecht werden.
    Das ist keine Kritik an dem Text sondern eine ganz ehrliche Frage zu Eurer prinzipiellen Vorgehensweise.

    • Profilbild
      Stephan Güte  RED

      Hey :)

      Wir testen Gitarren so, wie sie aus dem Karton/der Tasche geliefert werden und stellen da nichts nach :) Wir bekommen auch keine speziell vorbereiteten Instrumente, alles so, wie es auch der Kunde bekommt. Von daher ist es manchmal schon nicht ganz einfach, auf Gitarren mit solchen horrenden Settimgs spielen zu müssen, glaubs mir … aber ich gebe mir Mühe beim Einspielen ..

      • Profilbild
        PLan9  

        Hallo,

        Grundsätzlich finde ich es OK das Gerät so zu testen wie es ankommt. Das ist das was man bekommt. Aber, vielleicht ist es eine gute Idee das Instrument erst mal so zu testen wie es ankommt und danach testen ob sich durch eine optimierte Einstellung was an dem Instrument verbessern lässt.

      • Profilbild
        bagotrix

        Hi,

        ich würde PLan9 da unbedingt zustimmen. Die Werkseinstellung ist sicher ein Punkt beim Testen, aber ich halte ihn in dieser Preisklasse für eher nachrangig. Eine Gitarre um die 1.000 € wird selten der Einstieg sein, eher ist das die Mittelklasse für Fortgeschrittene, oder auch viele altgediente Spieler, die nicht mehr ausgeben wollen. Ich persönlich stelle wie viele sowieso an jeder Gitarre erstmal rum. Selbst eine „gute“ Werkseinstellung passt keineswegs für jeden, angefangen bei den Vorlieben für verschiedene Saitenstärken.

        Aus meiner Sicht gehört zum Test daher immer auch, wie gut man Einstellungen ändern kann. Kann man z.B. noch genug „Relief“ am Halsstab einstellen, wenn man dünnere Saiten verwendet? Wie tief kann man die Saitenlage einstellen? Konnte der Tester ohne viel Aufwand eine für ihn optimale Einstellung erreichen?

        In dieser Preisklasse muss der Hersteller sparen. Da ist es mir lieber, wenn das bei Arbeiten geschieht, die ich eh selber nochmal durchführe, und dafür ein 1000er Floyd Rose eingebaut wird (und nicht das FR Special, das mMn wirklich gar nichts taugt). Kleines Detail: die nicht geschwärzten Teile sind ein echtes Upgrade, weil aus Edelstahl.

        Lob darf ich allerdings auch loswerden, für die anschauliche Beschreibung von Sound und Spielbarkeit, und vor allem die ungeschminkte Aufzählung der Schwächen.

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