Test: DV Mark DV Little Guitar F1 CGR, E-Gitarre

23. April 2019

Little Guitar für Maximum Fun

DV Mark DV Little Guitar F1 CGR

DV Mark DV Little Guitar F1 CGR E-Gitarre

Ich bin mir ziemlich sicher: Viele von uns möchten ihrem besten Stück keine unnötigen Strapazen zumuten und lassen die E-Gitarre daher besser zu Hause, wenn es mal auf Reisen geht. Ist ja auch kein schöner Gedanke, denn abgesehen von den Schäden, die durch unsachgemäßen Transport entstehen können, besteht auch immer die Gefahr eines Diebstahls der Gitarre oder man vergisst sie schlicht und einfach in Bus, Bahn oder Taxi, alles schon passiert! Von daher drängt sich seit jeher die Frage auf, ob es nicht etwas Passendes für unterwegs sein sollte und der Markt bietet auch genau solche Instrumente, die sich gut verstauen lassen und im Vergleich zu einem „ausgewachsenen“ Modell kaum etwas vermissen lassen. In dieser Stelle sei an unsere Tests der Gitarren von Traveler Guitar hingewiesen, die ich am Ende dieses Artikels verlinkt habe.

Hier und heute geht es aber um die DV Mark DV Little Guitar F1 CGR aus Bella Italia bzw. mit einer Entwicklung aus Italien, die mal wieder aus Kostengründen aus dem südöstlichsten Winkel unseres Planeten, genauer gesagt aus Indonesien, entsprungen ist. Kann die Kleine mit der aggressiven Optik ein zuverlässiger Begleiter sein?

DV Mark DV Little Guitar F1 CGR – Facts & Features

Die Firma DV Mark, die sich ja ursprünglich mit der Fertigung von Bassverstärkern in der Szene einen guten Ruf verschafft hat, hat sich mit der Zeit auch im Gitarrensektor zu einer feinen Adresse gemausert. Ausnahmemusiker wie etwa Frank Gambale oder Greg Howe sind mittlerweile Endorser der Italiener und haben ihre eigenen Signature-Amps spendiert bekommen. Auch die hatten wir bereits im Test, die Links dazu findet ihr ebenfalls weiter unten am Ende dieses Artikels. E-Gitarren von DV Mark sind allerdings etwas ganz Neues im Sortiment der Italiener und wenn sie dann noch so außergewöhnlich aussehen wie in diesem Fall, dann sollten wir doch schon mal ein Auge drauf werfen. Der in seiner Form ein klein wenig asymmetrisch verlaufende Korpus der Mini-E-Gitarre besteht aus Linde und wurde mit einer deckenden, giftgrünen Lackschicht überzogen. Pardon, da scheine ich wohl nicht ganz richtig zu liegen, denn der Hersteller bezeichnet das Finish als „Carribean Green“, was wohl die Farbe des Karibischen Meeres darstellen soll und in der Produktbezeichnung als „CGR“ auftaucht. Gut, hätten wir das auch geklärt.

Der Korpus ist von oben bis unten und von hinten bis vorne mit Fräsungen versehen, die ihm nicht nur ein organisches Design, sondern dem Benutzer auch viele Vorzüge hinsichtlich einer komfortablen Bespielbarkeit bietet. Das ist natürlich bei einer E-Gitarre dieser Größenordnung besonders wichtig und bei einer Gesamtlänge des Instruments von lediglich 785 mm zudem keine leichte Aufgabe bzw. eine Herausforderung für die Entwickler. So wurden etwa meine Bedenken, dass das montierte und frei schwebende Wilkinson-Vibrato beim Auflegen der rechten Hand Probleme mit der Stimmung bereiten könnte, schnell aus dem Weg geräumt. Klar, etwas Eingewöhnungszeit benötigt es schon, um die Hand so zu positionieren, dass zum einen ein vernünftiges Abdämpfen der Saiten gelingt und zum anderen der Vibratoblock dennoch in waagerechter Position verweilt. Und sollte man das Vibrato mal einsetzen wollen, dann erwartet den Benutzer ein erstaunlich zuverlässiges System, das dank der Klemmmechaniken an der winzigen Kopfplatte im wahrsten Sinne des Wortes nahezu „reibungslos“ funktioniert!

DV Mark DV Little Guitar F1 CGR Headstock Kopfplatte

Die Kopfplatte ist Teil des einteiligen Ahornhalses, der bombenfest in seine Tasche im Korpus eingeschraubt wurde. Aufgeleimt wurde ein separates Ahorngriffbrett mit einem Radius von 12 Zoll und mit einer Mensur von 648 mm haben wir es hier tatsächlich mit einer vollwertig bespielbaren E-Gitarre zu tun, auch wenn man es auf den ersten Blick vielleicht nicht glauben mag. Recht schmal fällt dennoch die Sattelbreite von 42 mm aus, aber das gibt es auch in der Welt der „normalen“ E-Gitarren des Öfteren mal. Die Verarbeitung der 22 Dunlop Jumbobünde ist gut gelungen, die Kanten wurden sauber abgerichtet, ebenso wurden die Oberflächen der Bunddrähte ausreichend poliert. Kurz und knapp: Es fühlt sich einfach gut an, das gilt auch für die Halsrückseite, die durch ihre offenporige bzw. nur schwach satinierte Oberfläche und das schlanke C-Profil zum komfortablen Bespielen einlädt. Das gestaltet sich bereits „Out of the Box“ ganz gut, denn mit der Werkseinstellung unseres Testinstruments kann man ganz gut leben, Verbesserungen sind aber auch hier möglich.

DV Mark DV Little Guitar F1 CGR – Hardware & Elektrik

DV Mark DV Little Guitar F1 CGR Wilkinson

Wilkinson Vibrato an der kleinen DV Mark DV Little Guitar F1 CGR

Ich hatte es bereits weiter vorne schon angesprochen: Ein Wilkinson-Vibrato sorgt zusammen mit einem Satz No-Name-Klemmmechaniken an der Kopfplatte für eine erstaunlich zuverlässige Stimmstabilität der kleinen E-Gitarre. Sicher spielen die Klemmmechaniken eine maßgebliche Rolle bei dieser Zuverlässigkeit, hinzu kommt aber ganz bestimmt noch die absolut gerade Saitenführung zu den Mechaniken, akkurat gefeilte Sattelkerben sowie der Verzicht auf den Einsatz von „String Trees“ als klassischen Stimmungskiller an der Kopfplatte. Sicherlich lässt sich dieses System nicht so exzessiv nutzen wie das allseits bekannte Floyd Rose, dafür aber erlaubt es, dank seiner leichtgängigen, ja fast schon federweichen Funktion, einen wunderbar nuancenreichen Einsatz: Es reicht schon ein weiches Zucken mit dem kleinen Finger aus, um hier eine deutliche Tonhöhenveränderung zu erhalten.

Neuland erwartet uns bei den Pickups, die aus eigener Fertigung von DV Mark stammen und gleich in dreifacher Anzahl auf der Decke zu finden sind. Ein Alnico 4 Humbucker sorgt für Dampf am Steg, während die Mitten- und Halspositionen von zwei identischen DV Mark Singelcoils besetzt wurden. Geschaltet wird über einen etwas fragilen Fünfwegeschalter, je ein Regler für Lautstärke und Tonblende mit griffigen Metallknöpfen komplettiert die elektrische Schaltung. Die insgesamt gute Verarbeitung der DV Mark DV Little Guitar F1 CGR zeigt sich auch in kleinen Details, so laufen etwa die Saiten allesamt absolut mittig über die Magneten der Tonabnehmer, was zumindest in der Theorie ein ausgeglichenes Lautstärkeverhältnis der Drähte untereinander verspricht. Und das ist gegeben, wie der  Praxistest nun zeigen wird.

DV Mark DV Little Guitar F1 CGR – in der Praxis!

Sicherlich kann man aufgrund der Maße der Gitarre keine Wunder in Sachen Sustain erwarten, dafür überrascht die Grundkonstruktion aber mit ihrem bissigen, mittenreichen Klang, der eine solide Basis für den elektrischen Sound bildet. Und der zeigt sich dann nach dem Anschluss an den Amp als typisch für eine E-Gitarre mit H-S-S-Bestückung und klingt zudem alles andere als eingeschrumpft! Unterschiede sind gegenüber einer ausgewachsenen E-Gitarre nicht festzustellen: Der Humbucker am Steg drückt ein fettes Brett ab und die beiden Einspuler sind aufgrund ihrer niedrigen Nebengeräusche durchaus auch für verzerrte Sounds geeignet, sie liefern jedoch auch mehr als brauchbare Cleansounds, wie wir im ersten Klangbeispiel hören werden. Hier habe ich ein paar unverzerrte Akkord-Voicings aufgenommen und schalte dabei die Tonabnehmer nacheinander durch, beginnend mit dem Singlecoil am Hals.

Nun gleich rüber zu den Zerrsounds, zunächst ein Riff mit hoher Verzerrung, eingespielt auf dem Humbucker am Steg:

Auch durchaus zu gebrauchen: die Kombination Steg-Humbucker und mittlerer Singlecoil:

Abschließend der Overdrive-Sound des Singlecoils am Hals, der mit erfreulich wenig Nebengeräuschen zu Werke geht:

DV Mark DV Little Guitar F1 CGR Korpus Body 2

Fazit

Ihre Optik täuscht: Bei der DV Mark DV Little Guitar F1 CGR handelt es sich um eine vollwertige E-Gitarre, die sich hinsichtlich ihres flexiblen Klangs, der Verarbeitung und nicht zuletzt der guten Bespielbarkeit kaum hinter einer „ausgewachsenen“ elektrischen verstecken muss. Die kleine grüne Metal-Maschine nur als „Reisegitarre“ zu bezeichnen, wird der Sache bei Weitem nicht gerecht: Ich würde sie ohne zu zögern auch auf der Bühne einsetzen. Und das nicht nur wegen ihrer auffälligen Optik!

Plus

  • gute Verarbeitung
  • vielseitiger und "ausgewachsener" Sound
  • stimmstabiles Vibrato
  • witzige Optik

Minus

  • fragiler Fünfwegeschalter

Preis

  • Ladenpreis: 599,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    tantris  

    Im Gegensatz zu anderen Reise-Gitarren ist dieses Model nicht zu Ende gedacht. Die linke Korpushälfte ist unnötig und wird auch kaum den Sustain steigern. Die Potis und der Schieberegler auf der rechte Korpusseite behindern die Spielhand. Das ist eine Kinder-Gitarre, weniger eine Reise-Gitarre. Noch eine Frage : wo schliesst man eine Reise-E-Gitarre am Reiseziel an?

    • Profilbild
      Stephan Güte  RED

      Die linke Korpushälfte sorgt aber für ein gutes und ausgewogenes Handling der Gitarre und die Potis und der Schalter stören überhaupt nicht, zumindest mich nicht. Am Ziel angekommen könnte man die Gitarre zB in ein iPhone stöpseln, oder ein Android Handy, ein iPad, da gibt es mittlerweile auch endlos viele Möglichkeiten (Stichwort IK Multimedia). Man könnte sogar schon unterwegs in der Bahn damit loslegen :)

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