Test: Fender AM Pro II Strat HSS, E-Gitarre

6. Dezember 2020

Fender did it again!

Fender AM Pro II Strat HSS E-Gitarre

Fender AM Pro II Strat HSS

Fender überarbeitet mal eben wieder seine gesamte Instrumentenflotte. So lange ist es noch gar nicht her, als die American Professional Serie auf der Bildfläche erschienen ist und schon schiebt der amerikanische Hersteller die Version 2 nach. Wieder einmal gibt es Verbesserungen bzw. Überarbeitungen der gesamten Palette, vornehmlich Lösungen im Detail, denn viel kann man an den ewigen Dauerbrennern Strat, Tele und Co. wohl kaum noch verbessern. Das Rad erfindet Fender also nicht neu, bietet aber dennoch interessante Upgrades bei ihren Instrumenten, die wir uns nun stellvertretend bei einer AM Pro II Strat HSS mal näher anschauen werden.

Fender AM Pro II Strat HSS – Facts & Features

Andere Hersteller rösten bloß ihre Hälse – Fender röstet gleich den ganzen Korpus! Der Body unseres Testmodells besteht im Gegensatz zum klassischen Tonholz Erle für eine Strat aus einem Stück wärmebehandelter Pinie und besitzt nur eine Schicht Klarlack als Schutz vor äußeren Einflüssen. Fans von Naturlook dürften also hier voll auf ihre Kosten kommen und sich zudem an der gleichmäßigen Maserung des einteiligen Stück Holzes auf der Vorder- und Rückseite erfreuen. Rückseite ist ein gutes Stichwort, denn dort fällt die erste Neuerung auf, der Hals-Korpus-Übergang wurde ein gutes Stück weit abgerundet und auch die Halsplatte folgt dieser Form. Doch nicht nur das, die Metallplatte zur Verbindung von Korpus und Hals besitzt eine Bohrung, in die eine Inbusschraube eingesetzt wurde. Damit ist es möglich, den Hals in seiner Tasche anzuheben, um somit ein sehr komfortables Setting zu ermöglichen. Kein ganz neues Feature, denn das gab es in der Vergangenheit bei Gitarren und Bässen von Fender immer mal wieder. Dafür aber ein ungemein praktisches und man fragt sich, wieso das nicht zur Standardausstattung einer jeden Fender-Gitarre gehört.

Fender AM Pro II Strat HSS Hals-Korpus

Hals-Korpus-Übergang

Compound Radius Ahornhals mit lackiertem Griffbrett

Nun trifft es auch die gute alte Strat – der Compound Radius des Halsprofils. Wieso auch nicht, ist ja ungemein praktisch, so ein Profil, das in den unteren Lagen etwas schmaler ist und sich nach oben hin verdickt. Um wie viel sich der Radius verändert, drüber gibt Fender in den Spezifikationen allerdings keine Auskunft. Tatsache ist aber, dass sich der Hals vorzüglich bespielen lässt und die Bespielbarkeit sicher noch ein Stück besser wäre, wenn man auf die Klarlackschicht auf dem Griffbrett verzichtet hätte. Man wollte der neuen Strat wohl noch ein wenig mehr Glanz spendieren und hat wohl deshalb diesen Schritt vollzogen. Die Halsrückseite hingegen erscheint mit einem wunderbar griffigen Satin-Finish, das ein natürliches Spielgefühl vermittelt und die Greifhand zu keiner Zeit zum gefürchteten Ankleben nötigt. Das lackierte Griffbrett hingegen lässt so manches Bending und den einen oder anderen Slide etwas zäh von der Hand gehen. Zumindest dann, wenn man diese Art der Oberfläche nicht gewohnt ist.

Die 22 Bünde wurden vorbildlich in den einteiligen Ahornhals eingesetzt und an ihren Kanten sorgfältig abgerichtet. Das gleiche gute Bild gibt auch der Knochensattel ab, der wie angegossen in seiner Position sitzt. Zusätzlich dienen abgerundete Kanten im Holz auf beiden Seiten des Griffbretts zur Erhöhung des Spielkomforts, einfache schwarze Dots an den bekannten Stellen dienen der Orientierung.

Fender AM Pro II Strat HSS Headstock

Auch die Kopfplatte bekam eine Schicht Klarlack ab

Die Hardware – 2-Punkt-Vibrato gegen Verstimmungen

Das klassische Vintage-Vibrato der Strat geht also in die nächste Runde – und kämpft erneut mit Problemen beim Halten der Stimmung. Trotz der Lagerung des Vibratoblocks auf zwei Bolzen sollte man auch hier wieder sachte vorgehen, dieses System ist für exzessiven Gebrauch einfach nicht gemacht und wird sich auch wohl nie ohne Probleme benutzen lassen. Vielleicht würden Klemmmechaniken da noch weiterhelfen, bei unserer Fender AM Pro II Strat HSS befinden sich aber nur einfache Typen ohne Arretierung an der Kopfplatte. Was aber nicht etwa heißen soll, dass die Tuner minderwertig sind – sie entsprechen in jedem Fall den Erwartungen an eine Fender Strat „made in USA“ und überzeugen mit einem seidenweichen Lauf frei von jeglichem Spiel. Auf jeden Fall ist die Stimmung damit recht zügig wieder herzustellen, falls man es mit dem Hebel etwas übertrieben hat. Der ist übrigens nur eingesteckt und nicht etwa mit einem Gewinde versehen, somit geht er der rechten Hand nach Benutzung ganz automatisch aus dem Weg und wackelt dabei kein Stück in seiner Führung.

Fender AM Pro II Strat HSS Vibrato

Zweipunkt-Vintage-Vibrato mit gestecktem Hebel

V-Mod II- und DoubleTap Humbucking-Pickups

Auch an die Tonabnehmer hat Fender bei der neuen American Professional II Serie Hand angelegt. Unsere Testgitarre erscheint darüber hinaus mit einem Humbucker in der Stegposition, der sich mit einem Druck auf das untere Tone-Poti in den Singlecoil-Modus versetzen lässt. Das ergibt ein sehr flexibles Klangspektrum und macht diese Strat auch für Genres interessant, in denen es im Allgemeinen härter zur Sache geht. Am Hals und in der Mitte sitzt ein Pärchen neu entwickelter V-Mod II Singlecoils, damit die Strat auch wirklich wie eine klassische Strat klingen kann. Geschaltet wir wie eh und je über einen Fünfwegeschalter, als Besonderheit hat Fender ihrer neuen Strat zudem eine „Treble Bleed Schaltung“ gegönnt. Sie sorgt dafür, dass bei abgesenktem Volume das Frequenzbild und die Dynamik des Signals weitgehend erhalten bleiben.

Bei den Bedienelementen gibt es nichts zu meckern, die Schalter laufen mit einem gesunden Drehwiderstand auf ihren Achsen, während der Schalter satt und knackig in seinen fünf Positionen einrastet und keinerlei Spiel besitzt. Die gesamte Elektronik wurde in ein schwarzes, dreischichtiges Pickguard eingesetzt, das die cremefarbenen Regler und Pickup-Kappen optisch deutlich hervortreten lässt.

Eigens für die American Professional II Serie entwickelte Pickups

Fender AM Pro II Strat HSS – Praxis-Check

Akustischer Grundsound/Handling

Die technischen Neuerungen sind die eine Sache, dennoch bleibt die Strat unterm Strich eine Strat – und das ist auch gut so! Die Fender AM Pro II Strat HSS bietet all die Attribute, die diese Gitarre so berühmt und beliebt machen. Ihr Grundsound ist bereits knackig und geprägt von einem kräftigen Mitten-/Höhenbild, hinzu kommt ein ausgesprochen kräftiges Sustain sowie ein strammes Attack, das jede gepickte Saite sofort in die Tat bzw. einen Ton umsetzt. Der neu designte Hals mit seinen abgerundeten Griffbrettkanten und dem schlanken Profil mit der satinierten Oberfläche verschaffen sofort ein vertrautes Gefühl, etwas gewöhnungsbedürftig ist jedoch die Sache mit dem lackierten Griffbrett. Das dürfte nicht jedermann gefallen bzw. benötigt sicher für den einen oder anderen Spieler einer gewissen Zeit, um sich damit vertraut zu machen. Ansonsten gefällt das leichte Gewicht des Pinien-Bodys, der wie gewohnt perfekt ausbalanciert ist und sich somit gleichmäßig am Gurt einpendelt. Eben typisch Strat!

Elektrischer Sound

Enorm vielseitig präsentiert sich die Fender AM Pro II Strat HSS an der Strippe. Die neu designten Pickups wirken noch eine Spur frischer als ihre Vorgänger, wenn auch die beiden Singlecoils die Unart des Brummens nach wie vor nicht ablegen konnten. Dennoch überzeugen alle drei Kandidaten auf ihre eigene Art: Die Singlecoils mit einem typisch glockig-glasigen Sound, wie man ihn einfach erwartet und der Humbucker mit einem druckvollen und knochigen Klang, der selbst Metal-Gitarristen mehr als zufriedenstellen sollte. Hinzu kommt die Möglichkeit, durch einen Druck auf das untere Tone-Poti den Doppelspuler auf Singlecoil-Betrieb umzuschalten. Das geschieht ohne Verlust an Lautstärke und sofort stehen weitere Sounds auf Abruf bereit. Die Treble-Bleed-Schaltung verrichtet ebenso hervorragende Arbeit, es sind kaum spürbare Verluste in Dynamik und im Frequenzbereich des Signals beim Absenken des Volume-Reglers zu bemerken.

Klangbeispiele

Für die Klangbeispiele habe ich unsere AM Pro II Strat an den Eingang meines Mesa/Boogie Studio 22+ Combos angeschlossen. Vor dem Amp wurde ein AKG C3000 Mikro platziert, Effekte wurden keine benutzt.

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Fazit

Und jedes Mal wird sie ein Stücken besser, die gute alte Strat. Die Fender AM Pro II Strat HSS hinterlässt im Test einen sehr guten Eindruck und hievt die Qualitäten einer US-Strat von Fender auf dem Podest noch ein klein wenig weiter nach oben. Sicher, Kinderkrankheiten wie etwa das nicht stimmstabile Vibrato oder die brummenden Singlecoils sind geblieben, dafür aber sind die neuen Pickups und die Überarbeitung des Halses vollkommen gelungen und machen auch diese Strat zu einem absoluten Arbeitstier für viele Stilistiken.

Plus

  • Verarbeitung
  • Bespielbarkeit
  • authentisches "Strat-Feeling"
  • vielseitiger Sound

Minus

  • Vibrato-System nach wie vor nicht stimmstabil
  • Pickups brummen übermäßig bei Overdrive

Preis

  • 1699,- Euro
Klangbeispiele
Forum
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    Hein Schlau  AHU

    „Roasted Pine“ hat mit „Pinie“ nichts zu tun. Fender will uns hier für 1700 Euro eine Gitarre mit einem Kiefern-Body andrehen.

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    Emrage

    Ich warte auf den Tag, an dem Fender zwischen dem Bridge Pickup und dem Volume Regler mehr Platz lässt, so dass man unbeschwert spielen kann.

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      HanSolo

      Andere Hersteller, die weniger bräsig sind als Fender, haben es längst getan. Z.B. MusicMan oder Schecter.
      Ich habe auf dem Gebrauchtmarkt eine neuwertige MusicMan Cutlass PDN für 1300€ gekauft und bin superzufrieden damit. Die Cutlass hat einen megaschön geflammten Ahornhals, Edelstahl-Bünde, Locking Tuners von Schaller, kompensierten Sattel, vernünftiges Tremolo, nahezu brummfreie Pickups usw. Die zwei American Deluxe, die ich hatte, habe ich dann nahezu sofort verkauft.
      Mir ist es ein Rätsel wie man für so eine Fender so viel Geld ausgeben kann. Im besten Fall ist sie die Hälfte ihrer UVP wert. Aber dass es außer Gibson und Fender noch andere Hersteller gibt, haben wohl nicht alle gehört.

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          HanSolo

          Danke Stephan, ich finde die MusicMan großartig! Bitte nicht falsch verstehen, ich habe nichts gegen Fender, aber der Hersteller scheint manchmal, sich viel zu gelassen auf seinen Lorbeeren auszuruhen.

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            Stephan Güte  RED

            Du musst dich weiß Gott bei mir nicht entschuldigen! Ich sehe das genau so wie du, aber fairerweise muss man sagen, dass diese Strat bis auf das Problem mit dem Vibrato echt ok ist. So ne MM kostet ja auch mal locker das doppelte neu … viel Spaß mit der Cutlass, auf die wäre ich ja auch scharf!!

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      bagotrix

      Die Position des Volumepotis? Für die einen ist es ein Bug, für andere ein Feature. Viele Gitarristen schätzen es, dass man es so bequem mit dem kleinen Finger erreichen kann, mich eingeschlossen. Da tickt halt jeder anders, aber als objektiven Mangel kann ich das nicht sehen.

      Dass Singlecoils brummen, liegt in ihrer Natur. Mich störts auch, deshalb sind in meiner Strat brummfreie Dimarzios, aber alles, was wirklich hilft, ändert auch den Sound ein wenig. Für viele Strat-Fans wäre das also eher ein Minus.

      Das Problem mit dem Verstimmen ist schon was anderes, das sollte in der Preisklasse nicht vorkommen. Nur ist der Minuspunkt in 99% der Fälle weder dem (inzwischen eigentlich sehr guten) Vibrato noch den Mechaniken geschuldet, sondern einem zu eng gekerbten Sattel, zumindest beim gesteten Exemplar. Wenn der Händler den ein bisschen nachbessert, bleibt eine toll bespielbare Gitarre mit durchaus stimmigen Modernisierungen und einem Sound, der sehr nahe an den alten Klassikern liegt.

      Und Strats mit brummfreien Pickups und Locking Tunern gibts ja auch bei Fender, man will halt verschiedene Geschmäcker bedienen.

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