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Test: Fender Deluxe Active Jazz Bass V OWT, E-Bass

In der Praxis mit dem Fender Deluxe Active Jazz Bass V

Umgehängt erweist sich der Deluxe Active Jazz Bass V nicht als Leichtgewicht, aber für einen Fünfsaiter auch nicht übermäßig schwer. Das Gewicht hängt gut verteilt, dank des relativ flachen und somit leichten Halses und den leichten Mechaniken ist Kopflastigkeit überhaupt kein Thema. Der Hals ist von Werk aus relativ flach, aber nicht zu sportlich eingestellt und lässt sich sehr angenehm bespielen. Kein Über-Renngerät, dafür ist er etwas zu breit, aber für so was gibt es andere Instrumente.

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Der unverstärkte Ton klingt sonor, aber etwas verhalten. Jazz Bässe aus Erle mit Palisandergriffbrett sind dafür bekannt, sich etwas zahmer zu geben als ihre Kollegen aus Esche und mit Ahorngriffbrett und die zusätzliche Holzmasse tut hier ihr Übriges. Am Verstärker setzt sich dieses Verhalten direkt fort. Leider habe ich, egal wie ich Amp und Elektronik einstelle, stets etwas das Gefühl, dass Fender mit der Kombination aus fünf Saiten, Mini-Humbuckern und HiMass-Bridge etwas zu viel gewollt hat und sich ein wenig Selbst ein Bein stellt. Der Deluxe Active Jazz Bass klingt sonor, ausgewogen und mit viel Sustain, aber ohne die gewohnte Lebendigkeit eines Jazz Bass. Gleichzeitig ist er aber mit seinem relativ niedrigen Output und den schmalen Abnahmefeldern der Tonabnehmer im Singlecoil-Format auch keine Rockmaschine wie etwa ein Gibson Thunderbird.

Fender Deluxe Active Jazz Bass V

— Fender Deluxe Active Jazz Bass V —

Ich muss mich bemühen, hier nicht überkritisch zu werden – ich mag knallige, extravagante Bässe und dem hier geht einfach irgendwie etwas Charakter und Spritzigkeit ab. Dabei ist er ein durchaus gut klingendes Instrument, vor allem die fünfte Saite ist nahezu perfekt eingebunden, trotz der lediglich normalen Mensur von 34 Zoll. Klanglich kommt der Fender Deluxe Active Jazz Bass V dem Klang, dem man von einem Jazz Bass erwartet, auch durchaus nahe, aber eben nicht ganz. Das wirkt alles etwas zu zurückhaltend – dafür ist aber ein sehr runder Klang und Sustain ohne Ende da.

Die Grundcharakteristik ist natürlich ähnlich wie bei jedem anderen Jazz Bass auch, knorzig-rockig am Halstonabnehmer wie in Hörbeispiel 1, etwas klarer und offener mit beiden Tonabnehmern zusammen wie in Hörbeispiel 2.

Die Höhen und der berühmte Fender Attack treten aber stets etwas in den Hintergrund, und wärmere Töne überwiegen. Der Stegtonabnehmer kommt dadurch auch nicht übermäßig aggressiv rüber, zumal er in der klassischen 60er-Position verbaut ist. Dafür liefert der im passiven Betrieb knochentrockene Sounds ab, denen auch eine passive Höhenblende ebenso gut stehen würde wie mir das Üben von Sechzehntelfunk, Hörbeispiel 3.

Schalter umgelegt, Aktivelektronik aktiviert, nichts passiert – so weit, so gut, in Neutralstellung ist die auch wirklich neutral und färbt nicht. Also ans Werk und mit dem typischen „Music-Man-Griff“ Bässe und Höhen etwas aufgeblasen. Das führt zu einem mehr gediegenen als aggressiven Slapsound, der aber sehr brauchbar ist, Hörbeispiel 4.

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Auch ein Vollausschlag des Höhenreglers führt nicht zu übertriebenen Ergebnissen. Vielmehr habe ich mich in zwei mit dem Fender Deluxe Active Jazz Bass V bestrittenen Proben einer Fusion-Rock-Band des Öfteren dabei erwischt, diese Option tatsächlich zu nutzen, um mich durchzusetzen. Dann klingt es auch im Kontext deutlich mehr nach Jazz Bass …

Im weiteren Verlauf erweist sich die Elektronik als gut abgestimmt, aber relativ dezent. Ein Soundchamäleon ist der Fender Deluxe Active Jazz Bass V damit nicht ganz, aber man kann dem Instrument eine recht große Bandbreite von Sounds entlocken. Stets unter Beibehaltung eines kultivierten, warmen Tones, verleugnen kann auch die Aktivelektronik diese Grundkonstruktion nicht. Mit etwas geboosteten Bässen und Mitten – das Band des Mittenreglers ist relativ tief angesetzt – bei zurückgenommen Höhen lassen sich mit dem Halstonabnehmer dafür gute Rocksounds erzielen, die zwar nicht ganz den Punch eines Precision haben, aber dem schon relativ nahekommen, Hörbeispiel 5.

Mit dem Pick, Palm Mutes und noch weiter abgedrehten Höhen wird die Sache noch fetter, damit lässt sich doch arbeiten. Hörbeispiel 6.

Wie bereits angesprochen sind „kultiviert“ und „ausgewogen“ die größten Stärken des Fender Deluxe Active Jazz Bass V, während „Lebendigkeit“ und „Aggressivität“ definitiv nicht dazugehören. Damit kann man durchaus schöne Dinge machen, wenn man nicht im allzu harten Bereich unterwegs ist. So lassen sich dem Stegtonabnehmer mit Mitten-Cut und geboosteten Höhen, wie sie an manch anderem Aktivbass zu ekelhaftest klatschenden Death-Metal-Sounds führen würden, wunderbar hochauflösende Klänge für das Akkordspiel entlocken, Hörbeispiel 7.

Um noch einmal auf die Einbindung der fünften Saite zurückzukommen: In Hörbeispiel 8 ist zweimal langsam quer und längs übers Griffbrett gespielt und die Unterschiede von Saite zu Saite sind sehr, sehr klein. Die tiefe H-Saite klingt dick, aber nicht zu dick und keineswegs dumpfer als die anderen. Auch Sustain ist genug da – in der Hinsicht auf jeden Fall Daumen hoch! Die gleiche Kombination aus Mini-Humbuckern, Holz und massiver Bridge, die für den zurückhaltenden, vielleicht etwas zu zahmen Charakter des Fender Deluxe Active Jazz Bass V verantwortlich ist, scheint auf der anderen Seite für Ausgewogenheit, Sustain und eine gute Einbindung der tiefen H-Saite zu sorgen.

Fender Deluxe Active Jazz Bass V

— Fender Deluxe Active Jazz Bass V —

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Fazit

Bei der Bewertung macht es mir der Fender Deluxe Active Jazz Bass V sehr schwer. Einerseits bekommt man hier ein wirklich gut gebautes, gut zu bespielendes und eigentlich auch gut klingendes Instrument mit einer für eine 34-Zoll-Mensur geradezu sensationell gut eingebundenen tiefen H-Saite. Andererseits kommt der Bass mit seinen beiden Noiseless-Tonabnehmern, die streng genommen eigentlich Humbucker sind und der gut abgestimmten, aber nicht sonderlich flexiblen Aktivelektronik stets etwas zu zahm und für meinen Geschmack zu wenig Jazz-Bass-mäßig daher. Zusammen mit dem Preis von über 1.068,- Euro, der zwar nicht übertrieben ist, zu dem man aber teils bei anderen Herstellern doch etwas mehr geboten bekommt, landet die ganze Sache bei mir genau auf dem Grat zwischen 2 und 3 Sternen.

Da es mir schwerfällt, ein Instrument, mit dem ich irgendwie nicht wirklich zufrieden war, mit „sehr gut“ zu bewerten, wird es ein „gut“ – da ist aber viel persönlicher Geschmack drin, antesten sollte man diesen Bass bei Interesse an einem entsprechenden Modell auf jeden Fall. Der Fender Deluxe Active Jazz Bass V ist ein gutes Instrument und wird sicherlich seine Fans finden, wer aber einfach nach dem fünfsaitigen Pendant zu seinem klassischen Jazz Bass sucht, wird hier vielleicht nicht zu 100% glücklich.

Plus

  • Verarbeitung
  • Ausstattung
  • ausgewogener Klang
  • Bespielbarkeit
  • gut eingebundene fünfte Saite
  • gut abgestimmte Aktivelektronik

Minus

  • klanglich etwas zu zurückhaltend
  • Elektronik könnte etwas flexibler sein
  • Preis-Leistungs-Verhätnis

Preis

  • Ladenpreis: 1.068,- Euro
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