Test: Fender Squier Paranormal Toronado LPB, E-Gitarre

9. März 2021

... nicht mehr normal

Fender Squier Paranormal E-Gitarre Test

Die Squier Paranormal Series lässt seit dem vergangenen Sommer einst gebaute aber etwas „vernachlässigte“ Modelle wieder auferstehen. Darunter befinden sich einige kultige Modelle wie auch unsere heutige Testkandidatin, die Fender Squier Paranormal Toronado. Diese Gitarre kam bereits etwa 1998 auf den Markt und ist mit zwei Fender-Atomik Humbuckern bestückt. Letztlich sieht sie fast aus wie eine Jazzmaster. Die Gitarre wurde mit einer schönen Lake Placid Blue Lackierung versehen und wurde in China gebaut. Dies erklärt auch den günstigen Preis. Qualitätsmäßig muss man keine Einbußen hinnehmen, dies darf man im Vorfeld dieses Tests bereits verraten. Die Fender Squier Paranormal Toronado bietet mehrere spielerfreundliche Features, darunter einen schlanken C-förmigen Hals mit Hochglanzlackierung, eine String-Through-Body-Brücke für eine hohe Stimmstabilität, individuelle Lautstärkeregler pro Tonabnehmer, zwei Tonregler sowie eine etwas kürzere Mensur (24,75-Zoll), die das Spiel etwas entspannter machen.

Fender Squier Paranormal Toronado – Facts & Features

Der Lieferumfang der Gitarre gestaltet sich spartanisch, ein Gigbag ist leider nicht inkludiert, lediglich die Inbusschlüssel zur Einstellung der Halsspannung und der Reiter des Steges. Bei dem günstigen Preis ist dies sicherlich nachvollziehbar. Die Verarbeitung der Toronado macht auf den ersten Blick bereits einen guten Eindruck. Diese ist absolut sauber, auch die Qualität der Lackierung kann sich sehen lassen. Aufgrund des Korpus aus Pappel ist die Gitarre mit ca. 3,4 kg recht leicht. Ab Werk wurde ein Satz 009er aufgezogen. Die Saiten der Gitarre waren im Auslieferungszustand noch ungestimmt bzw. schlackerten auf dem Griffbrett. Zu Transportzwecken ist diese Maßnahme sicherlich sinnvoll, die Toronado musste also erst eingespielt und während dieser Phase mehrmals nachgestimmt und werden, bis sie schließlich die Stimmung zuverlässig beibehielt.

Der Korpus der Fender Squier Paranormal Toronado

Der Korpus besitzt etwa die Maße einer Fender Jazzmaster und wurde aus Pappel gefertigt. Hier scheiden sich bekanntermaßen die Geister. Manche halten Pappel für ein minderwertiges Holz für die Verwendung als Gitarrenkorpus, andere machen ausgesprochen gute Erfahrung damit. Natürlich gibt es diesbezüglich auch diverse Qualitätsstufen, Pappel ist also nicht gleich Pappel. Natürlich finden wir auch bei der Toronando die typische „Bierbauchfräsung“, wie wir diese von der Stratocaster kennen, damit sich die Gitarre gut an den Körper schmiegt.

Die Lackierung ist frei von Mängeln und verleiht der Gitarre eine schöne Ausstrahlung und etwas „Vintage-Vibe“. Das 4-lagige Tortoiseshell Schlagbrett harmoniert farblich gut mit dem metallic Blau.

Test: Fender Squier Paranormal Toronado LPB, E-Gitarre

Ein Vibratosystem sucht man bei der Toronado vergeblich (Hardtail). Das Aufziehen der Saiten erfolgt durch den Korpus, so wie man dies von einer gewöhnlichen Telecaster kennt. Durch die Abstinenz eines Vibratosystems verhält sich die Toronado aber sicherlich stimmstabiler.

Qualität der Fender Squier Paranormal

Die Mensur des Instruments fällt etwas kürzer (629 mm (24,76″) aus, als man es von Fender Gitarren gewohnt ist. Dadurch ist die Toronado sicherlich etwas leichter zu spielen. Der geschraubte Ahornhals fällt geringfügig breiter aus und wurde hochglänzend klar lackiert. Das Halsprofil ist ein C, welches außergewöhnlich gut in der Hand liegt. Für das Griffbrett kommt Lorbeer zum Einsatz, welches man z. B. auch bereits von den Squier Classic-Vibe-Modellen kennt. Das altbewährte Palisander steht ja  mittlerweile unter Artenschutz, deswegen musste man auf Alternativen zurückgreifen. Der Griffbrettradius (241 mm gleich 9,49″) fällt vintagemäßig aus und erinnert an beispielsweise die Strats aus den 70er Jahren. In das Griffbrett wurden Pearloid Dot Einlagen an den obligatorischen Stellen eingesetzt.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Die Sattelbreite beträgt 42 mm und bewegt sich damit knapp unter den so oft gesehenen 43 mm, was einer guten Bespielbarkeit zugutekommt. Der Sattel wurde aus synthetischem Knochen gefertigt. Die 22 Narrow Tall Bünde wurden perfekt eingesetzt, anschließend nur minimal abgerichtet und sauber poliert. Auch hier lässt die Verarbeitung nichts zu wünschen übrig, da man scharfe Bundkanten erfreulicherweise vergeblich sucht. Der Hals wurde hochglänzend lackiert, was möglicherweise nicht jedermanns Sache ist, da einige Spieler beim Lagenwechsel gerne mal  „kleben“ bleiben. Ich persönlich mag Hochglanzlackierung ausgesprochen gerne, wobei auch ein Satin-Finish oder ein „gerösteter“ Hals auch sicherlich nicht zu verachten ist.

Fender Squier Paranormal Toronado

Günstige Squier von Fender – Elektrik & Hardware

Für eine Fender/Squier Gitarre eher ungewöhnlich, wurde die Gitarre mit zwei  Humbuckern (Atomic) aus eigenem Hause bestückt. Diese haben deutlich mehr Kraft als die üblich verbauten Singlecoils. Für jeden Pickup steht jeweils ein Volume- und ein Tone-Regler zur Verfügung. Die Anwahl des (der) verwendeten Tonabnehmer geschieht über einen 3-Wege-Schalter (Toggleswitch), der sich am linken Cutaway befindet. Auf den Einbau einer Treble-Bleed-Schaltung wurde verzichtet. Womöglich möchte Fender seinen unverschämt teuren Tone Saver an den Mann (die Frau) bringen, wobei sich allerdings viele Käufer trotz des aufgerufenen Preises sehr positiv darüber äußern. Die vier Potis laufen sauber und erhielten verchromte und griffige Metallknöpfe, wie man diese von einer Telecaster kennt. Letztere wurden mit Kreuzschlitzschrauben an den Achsen befestigt, sie sind also nicht gesteckt, wie das beispielsweise bei einer Strat üblich ist. Die vier Potis laufen sauber, ohne unnötiges Spiel zu offenbaren oder schwergängig zu sein.

Die Vintage-Style-Mechaniken sprechen gut an und verrichten ihren Dienst ordentlich. Die kleinen Flügelchen sind etwas mehr vertieft, als man das von den üblichen Vintage-Mechaniken kennt, dadurch scheinen sie noch etwas griffiger zu sein, da sie sehr gut in der Hand liegen. Die Hardware der Toronado wurde verchromt.

Test: Fender Squier Paranormal Toronado LPB, E-Gitarre

Fender Squier Toronado – das Handling

Beim ersten Antesten kann man festhalten, dass die Bespielbarkeit sehr angenehm ausfällt, da auch das Werkssetting erfreulicherweise einmal optimal vorgenommen wurde, was leider mittlerweile zur Seltenheit geworden ist. Meist muss hier erst einmal nachgearbeitet werden, um eine optimale Bespielbarkeit zu erreichen. Leider ist anzumerken, dass die Gitarre, wenn sie auf den Knien zu liegen kommt, minimal kopflastig ist, das wird dem leichten Pappelkorpus geschuldet sein. Der Hals mit seinem C-Profil fühlt sich ausgesprochen gut an und ist leicht zu bespielen, obwohl der Griffbrettradius mit seinen 9,5 Zoll eher traditionell (mittlerweile „vintagemäßig“) bzw. mit Strats aus den 70er-Jahren zu vergleichen ist. Während der Testphase erwies sich die Toronado als stimmstabil. Die etwas kürzere Mensur verlangt eigentlich nach einem Satz 010er, da der installierte 09er Satz sich etwas „schlabbrig“ anfühlt.

Das ist der Sound der Fender Squier Toronado

„Trocken“ gespielt liefert die Gitarre einen frischen und ausgewogenen Grundsound. Die Pappel schwingt ordentlich, also nicht schlechter als ein Korpus aus beispielsweise Erle oder Esche. Die Humbucker sind alles andere als „heiß“ und erinnern klanglich an PAF-Tonabnehmer aus der Vintage-Abteilung. Der Steg-Pickup besitzt etwas mehr Ausgangsleistung, was im parallelen Betrieb gut harmoniert. Die Pickups klingen mit ihrem recht weichen und warmen Sound sehr angenehm, lassen darüber hinaus aber keine Präsenzen vermissen. Für Blues oder Jazz geradezu prädestiniert.

Kommen wir zu den Klangbeispielen und beginnen mit dem klaren Sound des Hals-Pickups. Der Sound ist schön ausgewogen, aber natürlich nicht so fett, wie man das von einer Les Paul, ES335 etc. erwarten dürfte. Das Instrument kann dies ja aufgrund der Bauweise gar nicht liefern, ich war jedoch positiv überrascht, dass die verbauten Humbucker in der Toronado so überzeugend herüberkamen:

Für funky oder auch Rockabilly-Sounds eignet sich die Mittelposition des Toggleswitchs sicherlich ausgezeichnet. Hören wir uns die Parallelschaltung beider Pickups an. Auch hier gibt es nichts zu meckern:

Auch der Steg-Pickup liefert einen mehr als brauchbaren Sound. Schön, dass die Toronado aufgrund ihrer Bestückung mit Humbuckern natürlich vollständig brummfrei arbeitet:

Die Gitarre macht sowohl im klaren als auch angezerrten Bereich eine gute Figur, wie wir gleich hören dürfen. Wer mit einer Toronado liebäugelt, wird ihr Einsatzgebiet vermutlich nicht unbedingt im Metal-Bereich sehen. Der Gain-Regler meines Peavey Classic 20-Testamps befand sich deswegen im moderaten Bereich auf 12 h. Der Steg-Humbucker entwickelt einen angenehmen Biss, ohne dabei schrill zu klingen:

Schließlich hören wir den Halstonabnehmer gleichfalls mit moderat verzerrtem Sound. Dieser eignet sich sicherlich hervorragend für Blueslicks, ist letztlich aber sicherlich in jeder Stilrichtung gut einsetzbar:

Die Klangbeispiele wurden mit folgendem Equipment aufgenommen:

Fender Squier Paranormal Toronado – Peavey Classic 20 MH – MESA/Boogie 1 x 12″ Thiele Box mit Creamback Celestion Lautsprecher – Shure SM57 – Apogee Duett – Mac mit Logic (etwas Hall bzw. Delay hinzugefügt).

Fazit

Die Fender Squier Paranormal Toronado hinterlässt einen guten Eindruck, da Verarbeitung und Sound stimmen. Für das Geld bekommt man ein solides Instrument, das sich für viele Stilrichtung ausgezeichnet einsetzen lässt und darüber hinaus noch abgefahren aussieht. Das Preis-Leistungs-Verhältnis geht sicherlich noch in Ordnung, obwohl die Gitarren aus der Squier-Classic Vibe-Serie normalerweise noch etwas günstiger zu erstehen sind.

Plus

  • Sound
  • Design
  • Pickups
  • Verarbeitung
  • Preis-Leistungs-Verhältnis

Preis

  • 419,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Armin Bauer  RED

    Die ist aber echt hübsch geworden. Preis ist auch ok, in schwarz (leider nicht ganz so schön) im Moment sogar für 249,- zu kriegen.

Kommentar erstellen

Die AMAZONA.de-Kommentarfunktion ist Ihr Forum um sich persönlich zu den Inhalten der Artikel auszutauschen. Sich daraus ergebende Diskussionen sollten höflich und sachlich geführt werden. Haben Sie eigene Erfahrungen mit einem Produkt gemacht, stellen Sie diese bitte über die Funktion Leser-Story erstellen ein. Für persönliche Nachrichten verwenden Sie bitte die Nachrichtenfunktion im Profil.