Test: FGN J-Standard Iliad 664 BK, E-Gitarre

29. Dezember 2019

Offenporige Tele nicht nur für Drop-Tuning

FGN J-Standard Iliad 664

FGN Instrumente aus dem Land der aufgehenden Sonne haben sich schon lange einen guten Ruf erarbeitet, vor allen Dingen, was den Ton, die Bespielbarkeit und die Verarbeitung angeht. Auch das Preis-Leistungs-Verhältnis der Instrumente  aus dem Hause FGN ist im Allgemeinen als mindestens gut zu bezeichnen. Heute testen wir die J-Standard Iliad 664, eine rabenschwarze, ausgangsstarke Telecaster, die sicherlich Freunde im (nicht ausschließlich) Metal-Sektor finden wird. Das Instrument wäre auch noch in Grau zu erstehen. Die längere Mensur dieser Gitarre (664 mm) begünstigt die Möglichkeit, tiefere Stimmungen einzusetzen, die in Verbindung mit den EMG Humbuckern (81/85) gerade Fans der harten Gangart Freude bereiten dürfte.

FGN J-Standard Iliad 664 – Facts & Features

Die J-Standard Iliad 664 wird inkl. eines schwarzen FGN Gigbags ausgeliefert. Dieses macht einen recht soliden Eindruck. Wenn man die Gitarre häufig außer Haus einsetzt, sollte man jedoch über eine stabilere Lösung, also über einen Koffer oder ein hochwertiges Gigbag nachdenken. Entgegen einiger Behauptungen, dass die J-Standard Iliad 664 mit Drop-C Stimmung  ausgeliefert wird, konnten wir feststellen, dass das Instrument in Standardstimmung gestimmt und ab Werk mit .011-er Saiten (D’Addario EXL 116 (011-052) bestückt war. Die Gitarre wurde mit einem rabenschwarzen, offenporigen Finish versehen. Wie alle FGN Modelle sind die Iliads „Made in Japan“ und haben natürlich auch die wesentlichen FGN Features wie zum Beispiel das „Circle Fretting System“, das laut Hersteller eine bessere Bundreinheit und einen verbesserten Ton bewirken soll.

FGN J-Standard Iliad 664

Korpus

Das Gewicht der Gitarre gestaltet sich ca. 3,5 kg angenehm leicht. Für den Korpus wurde Esche verwendet. Ein weißes Binding umrahmt den Korpus, der ziemlich genau den Ausmaßen einer Fender Telecaster entspricht. Auf der Rückseite hat man jedoch eine dezente „Bierbauchfräsung“ vorgenommen, die deutlich kleiner ausfällt als beispielsweise bei einer Stratocaster. Die J-Standard Iliad 664 schmiegt sich angenehm an den Körper an. Der Eschekorpus wurde aus drei Teilen gefertigt. Dies ist nur bei genauem Hinsehen zu erkennen, da die Teile optisch kaum sichtbar zusammengefügt wurden und dies auch nur von der Unterseite erkennbar ist. Die Decke der Gitarre besteht aus einem aufgeleimten Furnier, das den Eindruck erweckt, es könnte sich beim Korpus um einen Einteiler handeln. Der Korpus wurde nicht mit einer porenfüllenden Grundierung ausgestattet, da die etwas raue Oberfläche nach Auftragen der rabenschwarzen Lackierung erhalten blieb und man die Poren noch sehen und fühlen kann.

Auf der Rückseite des Korpus wurde ein Batteriefach für einen 9-Volt-Block gefräst, der die Elektronik für die Tonabnehmer versorgt. Ein schnelles Ersetzen der Batterie wäre also im Handumdrehen erledigt, ohne dafür beispielsweise das Schlagbrett entfernen zu müssen.

Ergonomisch sinnvoll wurde der Übergang zum Hals gestaltet. Hier kommt eine entsprechend geformte Stahlplatte zum Einsatz, die einen leichten Zugang der Greifhand zu den hohen Lagen ermöglicht. Die Ecke der Halstasche wurde entsprechend abgerundet.

FGN J-Standard Iliad 664

FGN J-Standard Iliad 664 – Hals

Die Mensur der Gitarre fällt mit 664 mm etwas länger als bei einer gewöhnlichen Elektrogitarre (Fender, Gibson etc.) aus und soll das Spiel in tieferen Stimmungen bzw. mit heruntergestimmter e-Saite positiver gestalten. Der recht massive Ahornhals wurde mit einem Ahorngriffbrett bestückt, was in Verbindung mit dem schwarzen Korpus ansprechend aussieht. Ein dunkles Griffbrett hätte der Gitarre sicherlich einen zu düsteren Look verpasst. Die Rückseite des Halses wurde nur ganz dünn mit matter Lasur versehen, die dem Hals ein angenehmes Spielgefühl verleiht. Wer ein zur Metal-Abteilung passendes Flitzefinger-Shredder-Profil erwartet, wird eines Besseren belehrt, der Hals besitzt ein recht massives U-Profil. Wer eher traditionelle Halsprofile bevorzugt bzw. generell gerne was „in der Hand hat“, könnte hier jedoch sicherlich glücklich werden.

FGN J-Standard Iliad 664

Das FGN Circle Fretting System im Vergleich mit traditioneller Bundierung

Die Sattelbreite des Instruments beträgt 43 mm, der Griffbrettradius dürfte sich nach wohl auf mindestens 12″ belaufen. Für das Griffbrett wurden schwarze Dots als Markierungen gewählt. Diese befinden sich nicht zentral, also in der Mitte des Griffbretts, sondern am Rand, was der Gitarre optisch ein gewisses „Alleinstellungsmerkmal“ verleiht. Die 24 fetten Jumbo-Bünde wurden mit dem von FGN patentierten Circle Fretting System ausgestattet. Die Kopfplatte unterscheidet sich im Design etwas von der Form einer gewöhnlichen Telecaster, da diese ja nicht 1:1 kopiert werden darf.

Leider ist auch festzuhalten, dass die J-Standard Iliad 664 leicht kopflastig ist, was vermutlich dem etwas längeren und relativ massiven Hals anzulasten ist. Hier hätte man unbedingt einen etwas schwereren Korpus (evtl. ohne Bierbauchfräsung) oder einen etwas weniger massiven Hals kombinieren müssen. Kopflastigkeit ließe sich vermeiden und kopflastige Instrumente (was bei einer Endkontrolle sicherlich sofort auffällt) sollten nach meiner Auffassung überhaupt nicht auf den Markt gelangen. Demzufolge musste es Abzug in der Bewertung geben.

FGN E-Gitarre – Elektrik

Die Gitarre wurde mit zwei aktiven EMGs (EMG 81TW bzw. 85 Humbucker) bestückt. Den benötigten Strom liefert ein 9-Volt-Block, der auf der Rückseite der Gitarre in einem Batteriefach untergebracht ist. Steckt kein Klinkenstecker in der Ausgangsbuchse, kann auch kein Strom verbraucht werden, deswegen empfiehlt es sich, nach Beendigung des Spielens den Stecker aus der Buchse auszuklinken. Normalerweise darf man bei regelmäßigem Gebrauch aktiver Tonabnehmer mit einigen Monaten Batterielebensdauer rechnen. Das einschichtige schwarze Schlagbrett wurde vergleichsweise zu einer „normalen Telecaster“  in der Form etwas abgewandelt.

Die Gitarre besitzt einen Volume-Regler und einen Tonregler mit Push/Pull-Funktion. Bei gezogenem Potiknopf wird der Hals-Pickup gesplittet, der Steg-Pickup ist nicht splitbar. Der 3-Wege Schalter (Toggleswitch) hätte etwas größer ausfallen dürfen, er ist von etwas kleinerer Bauart und wirkt etwas fragiler, aber man dürfte sich daran schnell gewöhnt haben.

Hier kann man sich die Gitarre mit fetten Metal-Passagen anhören:

FGN J-Standard Iliad 664 – Hardware

Die J-Standard Iliad 664 besitzt kein Vibratosystem und wurde mit schwarzer Hardware ausgestattet, als da wären: FGN FJIL-6WSTD Steg mit 6 Einzelreitern und Gotoh Locking Mechaniken. Diese sprechen gut an und leisten präzise Arbeit. Der Stegtonabnehmer sitzt unglücklicherweise schief, also nicht parallel zum Korpus, da dessen Rahmen ein schräges Profil besitzt, auch in diesem Punkt sollte man sicherlich nachbessern.

FGN E-Gitarre – Sound

Schon trocken angespielt resoniert die J-Standard Iliad 664 gut, da der massive Hals mit den .011 er Saiten bereits einen satten Ton mit gutem Sustain produziert. Hören wir uns die rabenschwarze Tele nun eingeklinkt an. Wir beginnen mit einigen Akkorden, die E-Saite wurde auf D heruntergestimmt (Drop D). Beim Aufnehmen der Klangbeispiele wird schnell wieder einmal bestätigt, dass die EMGs einen hohen Ausgangspegel abgeben und der Verstärker dadurch verhältnismäßig schneller in die Sättigung gefahren wird. Verglichen mit dem mageren Ausgangssignal eines Vintage-Singlecoil-Tonabnehmers ist das Signal natürlich mächtig:

Drop D, Gain 12 h:

Hier einige Rhythmuspassagen mit quasi den gleichen Einstellungen, die Höhen wurden minimal angehoben:

FGN J-Standard Iliad 664

Für absolut typische 80-er Rocksounds ist diese Gitarre geradezu prädestiniert, da die EMGs einen recht hohen Output und den typischen Frequenzgang dafür haben. Selbst wenn der Verstärker wie hier nur mit mäßigem Gain gefahren wird, sorgen die aktiven EMG-Tonabnehmer für einen ausgesprochen satten Ton.

Nun hören wir den Hals-Pickup mit moderatem Gain und ein paar bluesigen Linien:

Hören wir die Gitarre schließlich clean, erst der Steg- dann der Halstonabnehmer. Da schwächeln die EMGs etwas, da der Sound etwas glatter und kühler erscheint, als man es von passiven Pickups kennt. Diese Gitarre wird aufgrund ihrer Spezifikationen vermutlich vorwiegend verzerrt gespielt, da fällt der etwas kühlere Charakter der Pickups letztlich kaum ins Gewicht. Der Klang der EMG-Tonabnehmer polarisiert viele Gitarrenfreaks. Während zahlreiche Elektrogitarristen den EMG-Sound ablehnen, da sie ihn als zu leblos, zu glatt empfinden, stehen andere Kollegen sehr darauf, da das Nebengeräuschverhalten absolut überzeugt.

Die EMGs, erzeugen selbst im Singlecoil-Betrieb auch mit Sounds, die sich viel Verzerrung bedienen, keinerlei Nebengeräusche (Brummen, Pfeifen). Der EMG 85 am Steg ist verglichen mit dem Modell 81 etwas weniger „dominant“.

Die Klangbeispiele wurden mit folgendem Equipment aufgenommen:

J-Standard Iliad 664 – Peavey Classic 20 MH – MESA/Boogie 1 x 12″ Thiele Box mit Creamback Celestion Lautsprecher – Shure SM57 – Apogee Duett – Mac mit Logic (etwas Delay hinzugefügt).

Fazit

Die J-Standard Iliad 664 erzeugt nicht zuletzt durch die aktiven EMG Pickups mächtig Druck. Die Verarbeitung ist, wie man dies von FGN kennt, gewohnt gut. Aus Gründen der Kopflastigkeit und einiger „Kinderkrankheiten“, musste ein Stern in der Bewertung dran glauben.

Plus

  • Sound
  • Verarbeitung
  • Design

Minus

  • leicht kopflastig

Preis

  • 899,- Euro
Klangbeispiele
Forum

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