Test: Fishman Aura Spectrum DI-Box für Akustikgitarren

26. Mai 2020

Studiozauberbox

Wer schon mal versucht hat, im Homestudio „mal eben schnell“ eine Akustikgitarre aufzunehmen, wird bestätigen können: An einer gut mikrofonierten Akustikgitarre kommt man so schnell nicht vorbei. Piezosysteme sind immer mit Kompromissen behaftet, weil sie eben den Sound der Gitarre, der vorne aus dem Schalloch kommt, nur im Ansatz liefern können. Aber wer von uns hat schon die amtlichen Studiomikros am Start, die die Akustikgitarre so wunderbar voll und satt klingen lassen? So ein Neumann Mikrofon ist ab schlappen 2300 Euron zu haben – und dann hat man erst eins … Das ist jetzt die Bresche, in die die Fishman Aura Spectrum DI-Box springt. Die mit Piezo-Pickup betriebene Akustikgitarre soll durch dieses Wunderkistchen klingen, wie durch ein hochwertiges Mikro abgenommen. Zudem will sie die konstruktiven Eigenarten verschiedenster Akustikgitarren in die sogenannten „Images“ mit einbeziehen. Da nimmt der Hersteller aber den Mund ganz schön voll, hm? Zu voll? Wollen wir uns das Kistchen mal genauer anschauen.

Bei der Fishman Aura Spectrum DI-Box handelt es sich um ein mit Modeling Technologie ausgestattetes Gerät, das sowohl das Holz der verwendeten Gitarre – unterschieden nach Decke und Korpus – als auch das verwendete Mikrofon simuliert. Außerdem wird die Art der vom User verwendeten Gitarre berücksichtigt. Man kann also, so die Idee hinter der Modeling DI-Box, eine Dreadnought Gitarre mit Piezo-Pickup anschließen, heraus kommt dann zum Beispiel eine mit einem Neumann M147 abgenommene Dreadnought mit Fichtendecke und Palisander-Korpus.

Fishman Aura Spectrum DI-Box – Facts und Features

Eine sehr wertige Verpackung lacht mich an und lädt mich ein, die DI-Box aus ihrem Inneren zu befreien. Ein nahezu quadratisches, mit gebürstetem Aluminium Stückchen Hightech steht auf 4 Gummifüßen auf meinem Schreibtisch. 134 x 54 x 143mm misst die Box. An den Seiten links, rechts und vorne finden wir die Anschlüsse und ein paar Regler, rechts beginnend mit der Eingangsbuchse in Klinkenbauweise. Logisch, denn die meisten Akustikgitarren liefern das Piezosignal ebenfalls per Klinke zur weiteren Verarbeitung an. Ebenfalls an der rechten Seite befinden sich eine Mini-USB Buchse, um das Gerät an den Rechner anzuschließen und die sogenannten „User Images“ zu verwalten. Doch dazu später mehr. Das beigelegte USB-Kabel ist mit 1,8 m erfreulich lang, allerdings von minderer Qualität, so hatte ich direkt beim Einstecken das Metall des Steckers in der Hand. Das Kabel hat trotzdem funktioniert, wahrscheinlich habe ich ein Montagsprodukt erwischt. Komplettiert wird die rechte Seite der Fishman Aura Spectrum DI-Box von einem Schalter zur Phasenumkehr des Signals und einem Trimpoti zur Anpassung der Eingangsempfindlichkeit. An der Stirnseite dominiert die XLR-Buchse, mit deren Hilfe die DI-Box per Standard-Mikrokabel an jedwede Form des Mischpultes oder des Aufnahmeequipments angeschlossen werden kann. Netterweise beinhaltet die XLR-Buchse einen automatischen Ground Lift, wenn gleichzeitig der Klinkenausgang belegt wird. Hierdurch werden nervige Brummschleifen verhindert. An der linken Gehäuseseite befindet sich die Netzteilbuchse für ein nicht im Lieferumfang enthaltenes Netzteil, eine Netzversorgung über ein 9 V Netzteil mit mindestens 200 mA stellt kein handelsübliches Netzteil vor Probleme. Ein als Stereobuchse ausgelegter Fx-Loop folgt, hier kann ein externes Gerät eingeschleift werden, benötigt wird hierzu ein Stereo auf 2x Mono-Klinkenkabel. Der Fx-Loop liegt in der Signalkette hinter der Klangbearbeitung direkt vor dem Volume-Regler. Der Klinkenausgang schließt sich an, damit ist die Außenseite des Gerätes vollständig abgegrast. Ein Batteriebetrieb ist möglich, das Batteriefach befindet sich auf der Unterseite.

Fishman Aura Spectrum DI Box

Viele Möglichkeiten auf kleinstem Raum, Tuner eingeschlossen – der übersichtliche Aufbau der Fishman Aura Spectrum DI-Box

Sehen wir uns nun die Oberfläche der Fishman Aura Spectrum DI-Box an. Mittig vorn befindet sich ein kleines Display mit einer 7-Segment Anzeige sowie 5 kleinen LEDs zum Stimmen der Gitarre. Das Stimmgerät arbeitet präzise und angenehm ruhig, Letzteres ist gerade bei Akustikgitarren und Lärm auf der Bühne ein Segen. Eine kleine Stimmgabel im Display gibt Auskunft, ob der Tuner über den mit einem satten Tretwiderstand ausgestatteten Fußschalter rechts vorn aktiviert wurde. Links vorn befindet sich ein weiterer Fußschalter, der die Anti-Feedback-Regelung aktiviert. Der Anti-Feedback-Schaltkreis sucht und eliminiert Rückkopplungen in einem mehrstufigen Verfahren. Zuerst wird bei stummgedrehter Gitarre nach möglichen Resonanzfrequenzen gesucht, danach dreht man die Gitarre auf und überlässt der Box die Arbeit. Zwei weitere, oft komplizierte Frequenzen werden abgescannt und wirkungsvoll unterdrückt. Die Box speichert das Ergebnis, bei der Performance kann später die Anti-Feedback-Regelung über den Schalter abgerufen werden.

Oberhalb der Status-LED, die in kräftigem Weiß die Arbeit der DI-Box quittiert, finden wir von rechts nach links einen Regler für den im Eingang werkelnden Kompressor sowie die üblichen Verdächtigen im Sinne der Klangregelung. Diese Klangregelung kann jetzt aber in zwei verschiedenen Modi betrieben werden. Werksseitig wirkt die Klangregelung ausschließlich auf das Pickup-Signal der Gitarre, das mit einem Image bearbeitete Signal bleibt unbeeinflusst. Hält man den Tuner-Button beim Einschalten der Box gedrückt, wechselt das Gerät in den „Global EQ Mode“, so dass der Equalizer auf das komplette Signal wirkt. Sehr schön und flexibel, vor allem für den Live-Betrieb. Die obere Reihe Regler bildet das Herzstück des Gerätes, hier werden die Images aufgerufen, zugemischt und die Gesamtlautstärke festgelegt. Der Blend-Regler mischt das Image-Signal dem Originalsignal des Gitarren-Pickups bei, im Rechtsanschlag hören wir 100 % des jeweils ausgewählten Images. Ein Schiebeschalter wählt nun die „Image Bänke“, also die Bauart der von uns genutzten Gitarre aus. Hier wird zwischen den gängigsten Bauarten von Akustikgitarren unterschieden, beginnend bei der Dreadnought, über Orchestra und Concert zur Jumbo. Was mit diesen Bezeichnungen genau gemeint ist, verrät ein Blick in die englischsprachige Gebrauchsanweisungl. Die Nylonstring schließt sich an, gefolgt von der 12-String und einem „Bluegrass Modus“, der die Nutzung mit Geigen, Mandolinen und Resonatorgitarren erlaubt. Um ein möglichst realistisches Klangergebnis zu erzielen, rät der Hersteller, eine zum tatsächlich genutzten Instrumententyp passende Bank zu wählen. Das ist aber kein Gesetz, man kann also ruhig mit den Voreinstellungen experimentieren und auch eine Steelstring über ein Nylon-Profil laufen lassen. Der folgende Drehschalter mit 16 Positionen wählt nun das gewünschte Image aus. Steht der Schiebeschalter auf „Dreadnought“, wählt der Drehschalter in Position 13 beispielsweise eine Kombination aus Fichtendecke, Palisanderkorpus und Neumann U87 Mikrofon. Die genaue Kombination kann der Gebrauchsanweisung entnommen werden, die man tatsächlich tunlichst nicht verlegen sollte.

In der Schalterposition „user images“ können nun über die von der Fishman Homepage zu ladende „Aura Image Gallery“ per Drag & Drop die 16 Images nach Belieben überschrieben werden. Eine Möglichkeit, die Images per Fußschalter abzurufen, gibt es nicht, hier muss jedes Mal die Hand an den Drehschalter gelegt werden.

Screenshot Fishman Aura Spectrum DI Box

Ein Screenshot der Aura Image Gallery. Sind in den 7 Voreinstellungen des Select-Schalters lediglich Konstruktionsmerkmale und Mikrofontypen benannt, werden hier konkrete Angaben zum gemodelten Instrument und Mikrofon gemacht.

Der globale Volume-Regler und eine deutlich sichtbare rote LED für Clipping-Warnung und Batteriestatus runden das Bild der Fishman Aura Spectrum DI-Box ab. Der Signalfluss durch das Gerät wird am Einfachsten nochmals durch das Schaubild aus der Gebrauchsanweisung erläutert.

Fishman Aura Spectrum DI Box Signaldiagram

Der Signalfluss innerhalb der DI-Box. Der Equalizer beeinflusst, wie im Text beschrieben, entweder nur den Piezo-Sound oder das komplette gemodelte Signal.

Die Fishman Aura Spectrum DI-Box in der Praxis

Für die Klangbeispiele, die nur im Ansatz das Potential der Box ankratzen können, habe ich eine Ibanez Artwood AW54CE-OPN, also eine Dreadnought zur Verfügung, zum Checken der Nylonstring-Profile eine LaMancha Rubi CMX-CER. Die 12-String-Fraktion bekommt Futter von einer Yamaha APX -9-12, deren zusätzliches internes Mikrofon abgedreht wurde. Also liegen am Eingang der Aura Spectrum DI-Box ausschließlich die Piezo-Signale der jeweiligen Gitarren an. Die DI-Box wurde über ein Klinkenkabel mit einem Native Instruments Komplete Audio 6 Interface verbunden. Aufgenommen wurde mit Cubase ohne Equalizer oder sonstige Effekte mit Ausnahme einer geringen Dosis Raumsimulation aus der DAW. Als Abhörmonitore dienen meine zwei JBL Series 3 MkII Aktivmonitore und ein Ultrasone PRO 1480i Kopfhörer. Die Klangregelung der DI-Box wurde bei allen Beispielen in Mittelstellung belassen. Rerecording ist übrigens laut Hersteller möglich, so kann auch nicht-destruktiv gearbeitet werden und eine Spur aus der DAW nachbearbeitet werden.

Beginnen wir mit der Dreadnought. Im ersten Beispiel hören wir den Piezo-Pickup der Gitarre pur, der Blend-Regler der DI-Box steht ganz links. Das zweite Beispiel zeigt die dezente Arbeit des Kompressors, der mir persönlich in einer Stellung um die 60 % am besten gefällt. Im dritten Beispiel steht der Blend-Regler ebenfalls auf 60 %, also ist der Piezo-Pickup noch zu hören. Als Model ausgesucht habe ich Image No. 13, Fichtendecke, Palisander Korpus und ein Neumann U87 Mikrofon. In Beispiel 4 wird der Blend-Regler auf 100 % erhöht, um ausschließlich das Model der DI-Box zu beurteilen. Insgesamt zeigt sich im Laufe des Tests aber, dass eine Reglerstellung um die 60 % die besten Ergebnisse erzielt.

In Beispiel 5 & 6 folgt eine etwas perkussivere Spielweise. erst wieder im Bypass-Mode, dann 100 % Modeling einer Kombination aus Fichte, Palisander und einem Shure KSM141. Anhand dieser beiden Beispiele wird der doch hochgradige Einfluss der DI-Box auf das Originalsignal sehr deutlich. Beispiel 7 & 8 folgen mit einem bluesigen Fingerpicking, einmal ausschließlich mit dem Kompressor der DI-Box, der übrigens einen wunderbar unaufdringlichen, aber sehr effektiven Job macht. Darauf folgt dann eine Kombination aus Fichte, Mahagoni und einem Soundelux E47 Mikro. Hier wurde bewusst eine „Fehlanpassung“ vorgenommen, die beiden Models entstammen der Imagebank „Jumbo“.

Die Nylonstring ist dran. Zunächst wieder der Piezo-Pickup der Gitarre pur zum Vergleich. Dann folgen zwei Beispiele mit der Kombination Zeder/Palisander und jeweils eines Soundelux E47 und eines DPA 4011 Mikros bei ca. 60 % Blend und 45 % Kompressoranteil. Die Audiobeispiele 4 & 5 zeigen einmal nur die Arbeit des Kompressors bei einer Einstellung von 45 % und einmal ca. 60 % des Models Zeder/Palisander/Neumann M147

Die 12-String steht in den Startlöchern, zunächst wieder pur mit DI-Box auf Bypass. Beispiel 2 simuliert Fichte/Palisander mit dem Soundelux E47, die Beispiele 3 & 4 die Kombination Fichte/Mahagoni und Neumann U87.

 

Fazit

Die Fishman Aura Spectrum DI-Box bietet Models von mikrofonierten Akustikgitarren in riesiger Auswahl und in beeindruckender Qualität zu einem Preis, für den man noch nicht mal ein einziges der hochwertigen Studiomikrofone bekommen könnte. Ob die Models der Mikrofone und Holzkombinationen gelungen sind und den Originalen entsprechen oder nicht, könnte nur ein direkter Vergleich in einem teuren Studio ans Licht bringen. Aber darum geht es meiner Ansicht nach auch gar nicht. Mit dieser DI-Box holt man sich unzählige, wirklich mehr als brauchbare Optionen der Akustikgitarrenabnahme ins Homestudio und auf die Bühne. Gerade Letzteres ist  dann tatsächlich ein Highlight, hier kommt der DI-Box auch das sauber und unaufgeregt arbeitende Stimmgerät, die sensationelle Anti-Feedback-Option und der Einschleifweg zugute, die diese DI-Box wohl für einige Akustikgitarren-Boards interessant machen dürfte. Ich habe lediglich die Möglichkeit vermisst, die User-Images mit Hilfe zum Beispiel eines externen Fußschalters durchzusteppen, denn wenn ich mit dem Akustikprojekt unterwegs bin, wechsle ich oft zwischen allen drei der von mir genutzten Gitarrentypen. Fishman hat mit der Aura Spectrum DI-Box wirklich ein heißes Eisen im Feuer, das ich zum unbedingten Antesten empfehlen möchte.

Plus

  • Konzept
  • Sound
  • Vielseitigkeit
  • Für Live und Studio nutzbar
  • sehr guter Compressor
  • livetauglicher Tuner
  • sehr praxistaugliche Anti-Feedback-Schaltung
  • Preis

Minus

  • Presets nicht per Fußschalter abrufbar
  • Qualität des mitgelieferten USB-Kabels

Preis

  • 315,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    ctrotzkowski  

    Als begeisterter Helix Anwender bin ich ja eigentlich ein Fan von Modelling Technik, allerdings höre ich bei fast allen Klangbeispielen der Models – im Gegensatz zu den Bypass Beispielen – ein sehr unangenehmes Dröhnen in den unteren Mitten.
    War da ggf. der Bassregler an der Fishman Box hochgedreht, oder greifen die Models doch derart kräftig in die unteren Frequenzen ein?

    • Profilbild
      Jan Steiger  RED

      Hey :-)
      Die Audios sind alle ohne jeden externen EQ aufgenommen, der EQ der Box stand ebenfalls auf neutraler Einstellung. Bei meiner Abhöre ist das Dröhnen nicht präsent, das liegt wahrscheinlich immer ein bisschen an der verwendeten Box. Das sollte durch ein bisschen EQ Einsatz gut ausbügelbar sein. Aber ja, die Kiste verwandelt den Grundsound schon ganz ordentlich
      LG
      Jan

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