Test: Genelec 8331 A, Aktive DSP Studiomonitore

8. Oktober 2018

Freunde fürs Leben

Genelec-8331-A

Die Zeiten, in denen Lautsprecher einfach nur Lautsprecher waren, sind lange vorbei. Der neue Genelec 8331 A ist ein wahres Hi-Tech-Wunder. Er kommt mit digitalem Verstärker, Wandler, Netzwerk und “GLM”, einer Technologie, welche die akustischen Begebenheiten des Abhörraumes analysiert und den Klang daraufhin abstimmt. Neben all diesen technischen Finessen beherbergt das kleine Gehäuse sogar noch ein paar Lautsprecher …

Die Qualitäten des Genelec 8331 A

Wie alle Studiomonitore der Firma werden auch die Genelec 8331 A von Hand in der finnischen Stadt Isalmi gebaut und unterliegen den strengen Qualitätsstandards, die man sich im Laufe der Jahre selbst auferlegt hat. Was bei mir im Studio ankommt, ist deshalb von außen betrachtet erst einmal von gewohnt guter Genelec Qualität. Nicht umsonst gibt der Hersteller bei Registrierung sogar 5 Jahre Garantie auf seine Lautsprecher. Wer macht so etwas heutzutage noch? An der Verarbeitung gibt es rein gar nichts zu bemängeln.

Die Gehäuse sind aus Druckguss-Aluminium gefertigt, um Resonanzen des Chassis zu minimieren. Mit seinem schlichten, aber gleichzeitig ansprechendem, nordischen Design fügt sich der Genelec 8331 A problemlos in verschiedenste Studioumgebungen ein. Mit einer Höhe von nur 28,5 cm und einer Breite von 19 cm ist er sehr kompakt und etwa auf demselben Niveau wie der kleine Neumann KH 120, der mir als Vergleich zu Verfügung steht. Mit 6,7 kg ist der Genelec 8331A rund ein halbes Kilo schwerer als der Konkurrent von Neumann, den der Kollege Thorsten Walter bereits im Test hatte.

Wer aufgrund des Gehäusedesigns denkt, dass wir es hier in der Mitte nur mit einem kleinen Breitbandlautsprecher zu tun haben, irrt natürlich gewaltig. Gleich 2 ovale Tieftöner (130 x 65 mm) verstecken sich an der Ober- und Unterseite hinter der Frontabdeckung. Die Spalten im Gehäuse lassen die tiefen Frequenzen ungehindert abstrahlen. Mitteltöner (90 mm) und Hochtöner (19 mm) sind an der Vorderseite koaxial und spaltfrei ausgeführt. Der Übergang vom Metallgehäuse zur Sicke ist absolut nahtlos. Der Verstärkerteil liefert 72 Watt im Tieftonbereich und 36 Watt bei Mittel- und Hochtöner.  Durch das intelligente Design beeinflussen die Basslautsprecher nicht das Koaxial-System. Das heißt, wir haben es hier mit einer echten Punktschallquelle zu tun, was im Gegensatz zu den weit verbreiteten Systemen mit mehreren, unterschiedlich positionierten Treibern den Vorteil hat, unanfällig gegenüber Laufzeitdifferenzen und akustischen Überlagerungen zu sein. Das Audiosignal kommt also von nur einer Quelle.

Genelec nennt diese Serie “The Ones” und unser Genelec 8331 A ist das kleinste Modell. Mit einem Preis von knapp 2100 Euro pro Stück richtet sich “The little one” aber nicht unbedingt an Einsteiger, sondern eher an Soundgourmets mit hohen Ansprüchen. Den Übertragungsbereich gibt Genelec mit 45 Hz bis 37 kHz an. Zwischen 58 Hz und 20 kHz beträgt die Abweichung von einem linearen Frequenzgang dabei nie mehr als ± 1,5 dB. Außer der Anwender ändert diesen den Frequenzgang mit der GLM-Software und dem optionalen „GLM-Set“.

Für knapp 500 Euro lässt sich dieses Set bestehend aus Router/Interface und Mikrofon erwerben. Mit diesem lassen sich die Studiomonitore der 8300er Serie sowie die Subwoofer der Serie 7300 einmessen und der Frequenzgang kann dem Abhörraum angepasst werden. Dafür wird sozusagen ein „akustischer Abdruck“ von der Hörposition gemacht und eventuelle Überbetonungen im Frequenzbereich durch eine Equalizer-Filterung kompensiert.

 

Folgende Anschlüsse bietet der Genelec auf der Rückseite:
Ein XLR-Eingang, an den sowohl analoge wals auch digitale Signale (AES/EBU) angeschlossen werden können und ein XLR-Digital-Thru zum Durchschleifen des Signals zu einem weiteren Monitor
Daneben gibt es zwei Netzwerk-Anschlüsse und den obligatorischen Stromanschluss.
Was Strom angeht, ist der kleine nicht wählerisch. Sein intelligentes Power-Management erkennt die anliegende Spannung automatisch. Zwischen 100 und 240 Volt ist ihm alles recht. Damit lässt er sich weltweit ohne manueller Anpassung betreiben.

An den digitalen Eingang lassen sich Quellen mit einer Samplingrate bis zu 192 kHz anschließen. Intern arbeitet das DSP-System allerdings mit 96 kHz / 24 Bit, wobei zu beachten ist, dass alle höheren Samplingraten heruntergetaktet werden.

Es trifft sich sehr gut, dass ich während des Testzeitraums die Räume meines Heimstudios komplett umkremple. Insofern kann ich die Genelecs 8331 A daher auch in meinem neuen Büro testen, das noch ohne jegliche Schalldämmung auskommt.

Aufgebaut sind die Genelecs in Windeseile und dank der verstellbaren „IsoPod“ Füße ist der passende Arbeitswinkel schnell eingestellt. Durch die IsoPod ist auch gleichzeitig eine Entkoppelung von der Auflagefläche gegeben. Bei Bedarf lassen sie sich auch seitlich anbringen, um den Lautsprecher horizontal aufzustellen. Neben den Lautsprecherkabeln benötigt man noch zwei Netzwerkkabel, um das GLM-Set mit einem Lautsprecher bzw. die Lautsprecher untereinander zu vernetzen. Dieser Kabelsalat ist allerdings nur bei der Kalibrierung nötig. Hat man die Lautsprecher einmal eingestellt, können beliebig viel Kalibrierungsdateien mit der GLM-Software gespeichert und wieder aufgerufen werden. Ein Setting lässt zudem in den Lautsprechern speichern, damit auch ohne GLM-Software das optimierte Klangverhalten abgerufen werden kann.

GLM GEZ GZSZ? Für den Genelec 8331 A

Zur Begriffserklärung: „GLM“ bedeutet „Genelec Loudspeaker Management“ und ist der Name der Software, die eventuellen Verfärbungen der Raumakustik entgegenwirken kann.
„SAM“ bedeutet „Smart Active Monitor“ und bedeutet, dass die Lautsprecher mehrere Notch und Shelving Filter besitzen und den Klang mit GLM automatisch anpassen können.
Alle GLM-fähigen Lautsprecher von Genelec lassen sich natürlich auch ohne GLM-Software und Kontrollnetzwerk benutzen.

Auf der Rückseite gibt es einige DIP-Schalter, mit denen man die Klangregelung direkt beeinflussen kann. Wir wollen das Potential aber ausschöpfen und natürlich hören, wie die Optimierung klingt.

GLM-Software (https://www.genelec.com/glm) ist für Windows und Mac verfügbar (250 MB) und die Installation geht auf meinem Mac gewohnt leicht von der Hand. Nun wird das kleine Interface per USB verbunden und das Messmikrofon angeschlossen. Dieses stelle ich auf die Abhörposition und beginne mit den ersten Tests.

Die Software führt leicht verständlich durch jeden Arbeitsschritt. Hier teste ich nur ein Stereo-System, es ist aber möglich damit bis zu 45 SAM Monitore und Subwoofer zu kalibrieren.
Pro Lautsprecher wird ein Sine-Sweep-Signal (vom tiefsten Bass bis zu den höchsten Höhen) abgespielt. Da die Analyse des Materials sehr rechenintensiv ist, kann man sich der Genelec Cloud für die Berechnung der Daten bedienen. Nach weniger als einer Minute liegt das erste Testergebnis vor.

Die rote Linie beschreibt den gemessenen Frequenzgang. Die blaue Linie veranschaulicht die Veränderungen der Genelec 8331 A Lautsprecher. Die grüne Linie ist schließlich der optimierte Frequenzverlauf.

Forum
  1. Profilbild
    defrigge  

    Ich habe keine Zweifel, dass die Genelecs sehr gut klingen, und finde den Testbericht prima!

    Aber
    a) für den Preis pro Stück bekommt man knapp drei Neumann KH120, und das bisschen Detail-Unterschied rechtfertigt für mich nicht mal ansatzweise diesen Preisunterschied. Und

    b) würde ich so viel Geld pro Stück ausgeben, würde ich ohne jedes Zögern die dann immer noch preiswerteren Neumann KH 310A vorziehen.

  2. Profilbild
    Ralph Schloter  

    Wenn die 8331 so gut klingen wie die 1032, halte ich den Preis für gerechtfertigt. Ich bleibe aber trotzdem bei meinen Manger. Evtl. mit Subwoofer ;)

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