Vergleichstest: Adam A7X, Eve Audio SC207, Genelec 8320A, KS Digital D60, Neumann KH120

20. Juni 2016

Monitor-Vergleichstest bis 1.300,- Euro

„Wer billig kauft, kauft zweimal“ – ist ein bekanntes Sprichwort und der erste Studiomonitor, den man in seinem Leben kauft, ist nur selten auch der letzte. Denn mit der Erfahrung steigen die Anforderungen an das Arbeitsgerät und natürlich auch der Anspruch an sich selbst. Wir Musiker und Homerecordler sind dabei eher selten mit Geldüberschuss gesegnet und müssen genau überlegen, wofür das Geld ausgegeben wird.

Soll es vielleicht ein neues Plug-in sein oder gleich der langgehegte Hardware-Traum, eventuell eine neue Gitarre? Es gibt sicherlich viele Möglichkeiten, die eigenen Produktionen auf ein höheres Niveau zu heben, doch wer es wirklich ernst meint, sollte einmal über neue Studiomonitore nachdenken und wenn man schon dabei ist, auch über eine Optimierung der Raumakustik. Diese beiden Maßnahmen zusammen bringen mehr als jedes noch so teure Plug-in oder Hardware-Gerät. Denn erst wenn die Abhörsituation optimal ist, lohnt sich die Investition in zusätzliche Klangverbieger, da man sonst den Unterschied unter Umständen nicht einmal hören wird.

Während sich unser erster Monitor-Vergleichstest um die gehobene Einsteiger-Klasse gekümmert hat, soll es nun um den Einstieg in die Profi-Klasse des Nahfeld-Monitorings gehen. Ab zum Vergleichstest Studiomonitore.

das Testfeld

Das Testfeld

Zum Test hier bei Amazona.de sind wieder fünf Nahfeld-Monitore angetreten, diesmal in der Klasse bis 1.300,- Euro pro Paar. Auf meiner Test-Couch haben Platz genommen: Jeweils ein Pärchen Neumann KH120, Adam A7X, Eve Audio SC207, KS Digital D60 und Genelec 8320A GLM. Auffällig ist diesmal, dass 4 von 5 Teilnehmern ihren Ursprung in unserem schönen Heimatland haben, mithin also deutsche Ingenieurskunst repräsentieren. Dazu gesellt sich mit Genelec ein namhafter finnischer Mitbewerber.

Ausstattung

In der Regel lässt sich sagen, dass Studiomonitore mit steigendem Preis tendenziell eher weniger Ausstattungsmerkmale aufweisen als die preisgünstigen Vertreter. Das lässt sich schon anhand der Eingangsbuchsen erkennen. Während die Adam A7X und die Eve Audio SC207 neben XLR-Eingängen auch noch Cinch-Eingänge besitzen, verzichten alle anderen Testbewerber komplett auf andere Formate als XLR. Die Reduktion auf das Wesentliche kennzeichnet normalerweise die Profi-Geräte im Vergleich zu Einsteiger-Modellen, die eher versuchen, es allen recht zu machen. Auf der anderen Seite bewirkt diese Reduktion aber, dass die entscheidenden Ausstattungsmerkmale in der Regel von hoher Qualität sind.

Die Testkandidaten

Neumann KH 120

Neumann KH120

Neumann KH120

Der Neumann KH120 ist der zweitkleinste Monitor im Test und ein direkter Nachfahre des Klein&Hummel O 110. Der traditionsreiche Lautsprecher-Hersteller Klein&Hummel war schon seit 2005 eine hundertprozentige Sennheiser-Tochter und wurde 2009 aufgelöst. Die Produktpalette an Studiomonitoren ist unter dem Neumann-Markennamen (ebenfalls zu Sennheiser gehörend) neu aufgelegt worden. Der KH120 besitzt einen 5,5 Zoll großen Tiefmitteltontreiber und einen 1 Zoll-Hochtöner. Er besitzt ein sogenanntes elliptisches Mathematical Modelled Dispersion (MMD-)Waveguide, das mehrere Funktionen erfüllt.

Durch die elliptische Form wird erstens die vertikale Schallabstrahlung eingeengt, d.h. Decken- und Bodenreflektionen werden reduziert. Auf der anderen Seite wird die horizontale Schallabstrahlung erweitert, was den Sweetspot vergrößert. Die frequenzmäßig sehr gleichmäßige Schallverteilung im Raum führt dazu, dass der Lautsprecher sehr unempfindlich gegenüber unterschiedlichen Raumeinflüssen ist. Dadurch ist er auch für Räume mit unzulänglicher Akustik sehr gut geeignet. Das Waveguide sorgt aber auch dafür, dass die Schwingspulen von Hoch- und Tieftöner exakt auf einer Achse liegen, so dass der Phasengang beider Treiber auf der Hauptachse übereinstimmt. Für Tontechniker mit Digital-Allergie habe ich hier gute Nachrichten zu vermelden, denn es werkelt kein DSP im Inneren der Box. Alle Komponenten, vom Filter über die Frequenzweiche bis zum Verstärker, sind in analoger Bauweise implementiert.

Klangeinstellungen

Klangeinstellungen

Alle Klangeinstellungen werden auf der Rückseite über Schalter vorgenommen, die man auch von oben leicht erreichen kann. Alles ist leicht reproduzierbar und nach kurzer Eingewöhnung fast blind zu bedienen. Dadurch dass die Bedienelemente nach innen versetzt sind und die Stecker von unten in einen Absatz eingesteckt werden, lässt sich der kleine Neumann sogar bündig an einer Aufhängung montieren. Für diesen Zweck sind zwei M8-Aufhängepunkte vorhanden. Über ein Mäuseklavier lässt sich das beleuchtete Neumann-Logo dimmen und sogar ausschalten. Meiner Meinung nach sollte das jeder aktive Monitor besitzen, dieses Geblinke stört einfach.

Forum
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    elektrock  AHU

    Hallo.

    Super Test.
    Mich würde auch noch interessieren wie sich die Dynaudio BM5 MK3 hier durchsetzt.
    Leider gibt es so gut wie keine Testberichte.
    Aber wie gesagt sehr guter Test und einer Kaufentscheidung sollte nichts mehr im Weg steh’n.
    Danke.

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      r.biernat  RED

      Die Dynaudios kenne ich noch vom Studium und von einem Kollegen. Ich denke die können da mithalten, wobei die Neumänner vom Sweetspot und Diffusfeld-Klang schon schwer zu schlagen sind, zumindest in der Preisklasse.

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    tenderboy  

    Ich hatte bei den kleineren Genelec (bis zu den 6″erln) immer das Prolem, dass die Mischungen auf ihnen auf anderen Lautsprechern und Systemen fast immer (deutlich) schlechter klangen…sie also schönfärben und damit die Portability leidet.

    Ist das auf den 8320 ähnlich?

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      r.biernat  RED

      Ich finde Genelec-Monitore generell recht crisp vom Klang her. Das muss man wissen, ansonsten kann es woanders schnell dumpf klingen. Ansonsten hat die Übertragbarkeit von MIschungen auch viel mit dem Mischraum und der Lautsprecher-Aufstellung zu tun. Da können durch Raummoden schnell sehr starke Überhöhungen und Auslöschungen im Klangbild entstehen, was das Mischen erschwert. Für mich war ein extra Sub die Lösung.

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    a.e.neumann

    Gute vergleichsübersicht, danke! Aber da ich alle kandidaten ausser Eve SC207 kenne, war das ergebnis von vornherein klar: der KH120 klingt halt in der preisklasse eindrücklicher als die anderen. Das taten die Klein+Hummel seit je. Doch die sibilanzschärfe (S-laute) hätten die Neumann/Sennheiser-ingenieure dem KH120 schon abgewöhnen können, darüber klagt man seit generationen.

    Nur, pardon, „eine Runde Applaus für ihren glatten Frequenzgang von 20 kHz runter bis 40 Hz“ ?
    Unter linearem frequenzgang verstehe ich doch etwas anderes, nämlich:
    http://rec.....a6c0d7.jpg

    Das ist der typische frequenzgang der PSI A17-M. (Meine exemplare, gemessen in der anechoischen messkammer bei PSI, sehen genau so glatt aus.) Überhaupt, um zu ermessen, was im preisbereich bis 1500 € an phasenlinearität und neutralität möglich ist, sollte man die PSI A17M hinzuziehen. Trotz 10% aufschlag wg. des absurd starken CH-frankens. Oder, wenn die grössenklasse Genelec 8320A vorgegeben ist, den kleinen bruder PSI A14-M. Man höre, messe, und staune.

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      r.biernat  RED

      Bei solchen Frequenzdiagrammen darf man den Abbildungs-Maßstab nicht vergessen, der ist bei deinem verlinkten Diagramm nämlich recht grob, da fallen Unregelmäßigkeiten weniger auf. Die Senke bei 1,5 kHz ist hier locker 6dB. Das kann der Neumann besser. Mit meiner Messung solltest du das auch nicht vergleichen, einen schalltoten Raum habe ich nämlich nicht, deswegen sind die Unregelmäßigkeiten auch höher.
      Darüber hinaus habe ich von den PSI-Monitoren aber wirklich nur gutes gehört und gelesen. Auch einen Blick wert sind die Monitore von PMC aus England. Die durfte ich im Studium viel benutzen, leider sind sie hierzulande nicht so bekannt und auch nicht unbedingt Geldbeutel-freundlich.

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      spookyman  

      War nicht gemeint, Monitor-Vergleichstest bis 1’300 Euro? Pro Paar…und nicht pro Stück. Weil bei PSI Audio kostet ein A17m schon über 1’600 Euro pro Stück…die klingen tatsächlich sehr gut (ich besitze ein Paar A14m). Aber sie spielen auch in einer anderen Preisliga (eher ähnlich wie ATC, PMC, usw…).

      Aber vielen Dank für den sehr interessanten Vergleich !

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    gaffer  AHU

    Gute Auswahl, guter Test. Schade, dass die Neumänner gerade 100€ teurer geworden sind. Oder hast Du Dich verrechnet ;) Vielleicht gibt’s bei zwei aber auch Rabatt und ich hab’s nicht gefunden.

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      r.biernat  RED

      Ja, die Neumänner sind kurz nach Fertigstellen des Tests leider wieder teurer geworden.

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    Audiosexual

    Kurze Anmerkung zur Genelec 8320: es können alle Filtereinstellungen über die GLM-Software manuell editiert werden. Die Höhenwiedergabe kann also beispielsweise problemlos an die eigenen Hörgewohnheiten angepasst werden.

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      r.biernat  RED

      Das stimmt und wird im Text korrigiert. Ich hatte die Option nicht gefunden. Dabei hätte es ein Doppelklick auf den Lautsprecher in der Software getan. Das war wohl temporäre Betriebsblindheit;)

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    Polysix

    Netter Test. Was ich aber nicht ganz verstehe ist, die KS Digital D60 mit den anderen Kandidaten zu vergleichen (aber Auftrag ist Auftrag…). Das ist m. E. eine ganz andere Ecke. Ich habe die KS C-55 im Einsatz und finde sie neben den Dynaudio BM12 MKIII unschlagbar für für alles, was die Akustik Ecke angeht. Der Vergleich mit einem „vorbeifahrenden Krankenwagen“ ist wohl eher theoretischer Natur und tritt womöglich hin und wieder auf, wenn man sich im Live Betrieb das Gehör verdorben hat:-) Ich persönlich finde die Nachfolger-Serie der KS nicht gelungen. Sie sind laut, ja, man könnte damit ein Publikum beschallen. Nur: wie im Test bereits bemerkt: das Rauschen ist wie bei einigen Vorgängern mit KS Flirtec Technologie (wie bspw. die ADM Reihe) inakzeptabel. Hier hat man manches verheiratet, aber auch manches verdorben. Na ja, lange Rede kurzer Sinn: die entsprechenden Dynaudio’s (möglicherweise auch ne Nummer kleiner als oben angegeben) hätten besser in die Testreihe gepasst…

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      r.biernat  RED

      Der Krankenwagen war auch nur zur Veranschaulichung des Effekts gedacht;)
      Es ist aber gut zu hören, dass die Vorgänger in Sachen Nebengeräuschverhalten besser sind, da ich nur Gutes darüber gehört habe. Ich persönlich brauche auch keine DSP´s im Lautsprecher. Mir reicht eine grobe Raumanpassung auf analogem Wege und eine gute rauscharme Verstärkung aus. Was soll ich sagen, meine Tannoy Ellipse 10 sind komplett passiv. Da kann man wenigstens noch mit verschiedenen Verstärkern experimentieren:)
      Aber laut und mächtig können die KS D60 definitiv, das reicht schon als Mid-Field aus.

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    arnte  

    Die APS Klasik hätten noch gut in den Test gepasst. Alle Tests die ich bislang darüber lesen konnte waren geradezu euphorisch.

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    pytrel  

    Also die Frequenzgang messungen im bild sehen eher aus als würde man einen Raum messen. Also ich kann mir bei besten willen nicht vorstellen das 5 verschieden boxen so einen ähnlichen Frequenzgang haben selbst wenn es sich über Monitor boxen handelt. Also ich glaube das der Raumeinfluß so groß ist das die messungen fast unbrauchbar sind abgesehen das man bei der KS sieht das der Hochton früher abfällt. Der rest des tests ist jedoch schön und ziemlich brauchbar

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      r.biernat  RED

      Gut erkannt, aber ich habe im Text auch dazu geschrieben, dass ich keinen schalltoten Raum besitze und sich somit der Raumeinfluß stark bemerkbar macht, vor allem unter 800 Hz. Trotzdem sind Unterschiede sichtbar, wenn auch gering. Die Unterschiede im Frequenzgang auf Achse sind in der Tat aber sehr gering. Die Messungen sollten also nicht zu wichtig genommen werden. LG

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