Test Genelec 1032C SAM, Studiomonitore

23. April 2018

Finnisches Déjà-vu

Genelec 1032C

Mit den neuen Genelec 1032C SAM Studiomonitore hatte euer (hoffentlich geschätzter) Testonkel ein regelrechtes Déjà-vu-Erlebnis. Denn kaum ausgepackt, hörte ich mich lautstark fragen, was an den dicken Eimern denn neu sein soll? Einige Male schon in den letzten 25 Jahren hatte ich diesen weitverbreiteten Midfield-Monitor in diversen Regieräumen stehen sehen, welche meist doppelt bis dreifach so groß waren, wie mein eigener in der Tonküche.

Was ist neu am Klassiker Genelec 1032C?

Obgleich das gesamte Drumherum der „alten“ wie aktuellen Genelec 1032 wie ein Ei dem anderen gleicht, haben die audiophilen Finnen doch eine bedeutende Neuerung in die 17 kg schwere „Nicht-mehr-ganz-so-kompakte-Box“ hineingebaut: Die sogenannte SAM-Technologie. Hierbei wird über ein Messmikrofon, ein kleines Steuerkästchen (auch Interface genannt) sowie einer passenden Software das Frequenzverhalten des Raumes ermittelt und aufgrund dieses Messergebnisses der Frequenzgang plus etliche andere Parameter der Box korrigiert.

Genelec 1032C

Die nackten Daten der Genelec 1032C

Bei der Genelec 1032C SAM handelt es sich um einen klassisch aufgebauten 2-Wege Lautsprecher. Der Frequenzbereich laut Datenblatt von Genelec geht von 40 Hz bis 20 kHz bei einer Schwankung von +/- 2,5 dB im Frequenzdiagramm. Der Basstreiber ist ein fetter 10-Zöller, die hohen Töne werden von einem 1 Zoll Hochtöner ins Studio transportiert. Die integrierten Endstufen leisten 200 Watt im Bassbereich, 150 Watt stehen für den Hochtöner zur Verfügung, Leistung satt also. Die Maße einer Genelec 1032C SAM beträgt 495 x 320 x 290 mm (HxBxT).

Hinten befindet sich der analoge XLR-Eingang mit zugehörigem Pegelsteller sowie der ebenso per XLR vorhandene Digital-In im AES/EBU-Format. Ein digitaler Ausgang im gleichen Format ist ebenso vorhanden. Zwei Netzwerkbuchsen ermöglichen den Anschluss des GLM-Kits sowie die Weiterleitung zur nächsten Box. Und dann gibt es noch das Genelec-typische „Mäuseklavier“ mit 88 Tasten. Nein, Spaß, es sind lediglich 14.

Die Anschlüsse sind nach unten ausgerichtet

Das optionale GLM-Kit

Das Kit besteht aus einem kleinen „Kasterl“ mit diversen Anschlüssen zur Verbindung zwischen Lautsprechern und dem Rechner sowie einem Messmikrofon, welches die akustische Situation am Hörplatz ermittelt und diese an das „Gehirn“ in Form der GLM-Software weiterleitet. Die Software kann kostenfrei von der Genelec Website „gezogen“ werden und ist sehr einfach zu installieren.

Messmikrofon

Per USB-Kabel wird das leichte, aber recht solide wirkende Genelec-Kästchen an den Rechner (Mac oder PC) angeschlossen, ein Datenkabel geht von der Box zum ersten Lautsprecher, ein zweites Datenkabel von dort aus zur zweiten Lautsprecherbox. Das mit einem festen Kabel versehene Messmikrofon wird per symmetrischer Miniklinke an das GLM-Interface angeschlossen.

GLM-Interface

Problem Nummero 1

Wer es nicht glauben mag, der möge in mein Studio nach Gauting kommen: Auch eine eher kompakte Regie kann super klingen, wenn denn die Boxen passen. Und genau das taten die 1032 C SAM hier nicht mehr, da sie schlicht zu breit für meine Boxenständer waren. Da ich diese aber peinlich genau ausgemittelt habe, wollte ich die Ständer nicht umherzerren. Deshalb entschloss ich mich kurzerhand, die Lautsprecher in meine Außenstelle nach Haag i. OB. mitzunehmen, in welcher ich die größeren Sachen wie Blasorchester und Chöre aufnehme. Dort ist der richtige Platz für Kandidaten vom Schlage einer Genelec 1032.

Problem Nummero 2

Zum Anschluss hatte ich mir zwei XLR-Kabel mitgenommen sowie zwei Neutrik Klinke-XLR-Adapter. Aber denkste: Die Monitorausgänge meines Yamaha AG06 liegen relativ dicht beisammen, so dass die fetten Neutrik-Adapter sich gegenseitig den Platz versperrten. Au weh zwick….Nun, was machste, Onkel Schöbel? Bei schönstem Schneefall die 80 km zurück nach Gauting und passende Kabel löten und flugs dann nochmals in die Schneepracht hinein? Hab mich dann doch für eine Sonderbestellung über das Internet entschieden und mir währenddessen bei einer halben Bier von meiner mollig warmen Aufnahmebude aus das lustige Schneetreiben angesehen.

Denkste…..

Freude Nummero 1

war auf jeden Fall zuerst einmal die Genelec-übliche, erstklassige und makellose Verarbeitung. Das schlichte Design passt überall hin, die Rückseite mit den nach unten angebrachten Anschlussbuchsen ist eine besonders feine Sache. Das ist praktisch, da die Stecker nicht nach hinten herausstehen und es sieht einfach top aus.

2-Wege mit ordentlich Power

Freude Nummero 2

war der erste Soundcheck der Genelec 1032C SAM, welchen ich mit einer aktuellen Rockproduktion aus meinem Studio durchgeführt habe. Zu diesem Zweck habe ich meinen Studiorechner nach Haag mitgenommen und dort diese Mehrspurproduktion weitergemischt. Da ich an dieser Produktion mittlerweile ein halbes Jahr arbeite (natürlich mit Unterbrechungen), kenne ich die Sounds sehr gut und die Beurteilung einer Testbox fällt mir dementsprechend leicht.

Was wurde zum Test der Genelec 1032C verwendet?

Vom iMac per USB in das Yamaha AG06, von dort per symmetrischer Audioleitung in die Genelec 1032C SAM. Zuspieler für die Konservenmusik war ein Apple SuperDrive, welches auch direkt am Rechner hing und dann über das Yamaha-Pültchen auf die Lautsprecher kam. Fertig!

Testplatz

Neben oben bereits erwähnter Mehrspurmischung einer aktuellen Produktion hatte ich auch wieder mein Standard-Repertoire für die Lautsprechertests dabei:

Sigi Schwab & Percussion Academia: LIVE
Diese Aufnahme ist exzellent zur Beurteilung von dynamischen Feinheiten geeignet, da erstens Spitzenmusiker an bestem Instrumentarium aufspielen und zweitens der Scheibe (entgegen dem gängigen Blödsinn der Totkomprimierung) auch eine wohltuende Portion Dynamik gelassen wurde.

Status Quo: BLUE FOR YOU
Knackiger Blues-Rock zum Lautstärketest und wie es so mit dem Druck einer Box aussieht. Besonders der „Mystery Song“ eignet sich dazu besonders gut, da er sich langsam aufbaut, zudem sollte der starke Choruseffekt auf der Gitarre am Anfang des Songs auch bei monophoner Wiedergabe einer Box noch angenehm klingen.

Yello: FLAG
Wundervoll gemischtes Meisterwerk mit edlem Synthsound und vielen musikalischen/tontechnischen Gimmicks. Gibt Aufschluss darüber, wie „edel“ diese Mischung wiedergegeben werden kann.

Dolcenera: UN MONDO PERFETTO
Eine emotionelle Frauenstimme vom Allerfeinsten mit einer erstklassigen Band im Hintergrund. Dolceneras Stimme erscheint vor guten Studiomonitoren wie plastisch davorstehend. Hier zeigt sich, wie „in sich stimmig“ und räumlich ein Lautsprecher arbeitet.

Forum
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    Sterilmusic

    Onkel Sigi, Du magst anscheinend auch tendenziell eher spritzige Boxen, die den Fuß wippen lassen und hast hier schon einiges getestet.
    Was wäre Deine Empfehlung im Preisbereich bis 2000€, 1,5m Nahfeld und 14qm Studioraum?

    • Profilbild
      Onkel Sigi  RED

      Griass Di Markus,

      im Prinzip hast Du da völlig recht, aber diese baulichen Maßnahmen sind relativ teuer und aufwendig, zudem ist es in einer Mietwohnung oft auch nicht erlaubt. Eine Möglichkeit sind mobile Akustikpaneele, aber dafür braucht man halt auch den Platz. Und wenn man diese nicht selbst bauen kann/will, ist das GLM-Kit fast preiswert dagegen…..

      Musikalische Grüße

      Onkel Sigi

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      Audiosexual

      Eine Investition in die Raumakustik ist immer sinnvoll. Richtig eingesetzt ist GLM aber ein sehr gutes Werkzeug, um gerade im Bassbereich eine deutlich bessere Präzision und Durchhörbarkeit zu erreichen, die ansonsten nur durch aufwendige Baumaßnahmen erreicht werden kann. Und die Lautsprecher sollten (anders als hier im Bild) wandnah aufgestellt werden, um Rückwandreflexionen und die daraus resultierenden Auslöschungen zu unterbinden. Die mit dieser Aufstellung einhergehende gleichmäßige Anhebung im Bassbereich wird durch die Einmessung kompensiert, entlastet den Lautsprecher und verschiebt noch die untere Grenzfrequenz.

  2. Profilbild
    Audiosexual

    Sorry – aber die Einschätzung der GLM-Einmessung kann man so nicht stehen lassen. Bzw. man muss unterstreichen, dass das eine sehr persönliche Einschätzung des Autoren ist, die sich nicht mit der Mehrheit der Nutzer deckt, die wir kennen … ;-) Nach der Einmessung werden Raumeinflüsse kompensiert, d. h. besonders der Einfluss von Raummoden wird deutlich reduziert. Eine „Verschlankung“ des Klangbilds ist somit folgerichtig. Was ist das Resultat, wenn man beispielsweise „gegen“ den Einfluss einer Raummode mischt? Genau – in einem anderen Raum funktioniert die Mischung nicht mehr oder ändert sich zumindest deutlich. Einen Vergleich zu ziehen zwischen dem Mischen im GLEICHEN Raum, den man noch dazu gut kennt, und dem anschließenden Abhören ohne Einmessung ist somit nicht zielführend. Eine Mischung muss in unterschiedlichen Räumen auf unterschiedlichen Systemen funktionieren – und das ist definitiv einfacher, wenn man auf einer linearen Basis arbeitet (die gerne nach Geschmack angepasst werden darf).

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