Test: Gibson Buckethead Les Paul Studio, E-Gitarre

Test: Gibson Buckethead Les Paul Studio, E-Gitarre

Test: Gibson Buckethead Les Paul Studio, E-Gitarre

Man muss es ja zugeben: Ein wenig befremdend wirkt der Herr mit dem Eimer auf dem Kopf und der venezianischen Maske im Gesicht schon, wenn man ihn mal live an seinem Instrument erlebt. Die Rede ist von Brian Patrick Carroll, besser bekannt unter dem Namen Buckethead. Mittlerweile hat es dieser US-Gitarrist, dessen Stil so gar nicht in irgendeine Schublade passt, zu immerhin 35 Studioalben gebracht, auf vielen weiteren Produktionen namhafter Künstler wie Guns N‘ Roses oder Primus durfte er seinen Sound ebenfalls zum Besten geben. Und selbst für die Soundtracks namhafter Hollywood-Filmproduktionen wie beispielsweise Saw II, Ghosts of Mars oder Schwarzeneggers Last Action Heroe steuerte der Multiinstrumentalist einen Großteil der Kompositionen bei und spielte sie überwiegend auch selbst ein. Warum denn aber nun der Eimer, fragt man sich natürlich früher oder später. Nun, einen Großteil seiner Bühnen-Performance bestreitet Buckethead mit einem Eimer der amerikanischen Fastfood-Kette Kentucky Fried Chicken als Kopfbedeckung, ergänzt um einen Sticker mit den Großbuchstaben FUNERAL. Hiermit möchte er auf die barbarischen Umstände der Massentierhaltung und -schlachtung aufmerksam machen, welche ja bekanntlich nicht nur bei KFC herrschen, sondern grundsätzlich ein Problem unserer Zeit darstellen. Soviel also dazu.

Sein Gitarrenspiel aber klingt eher weniger nach „Chicken-Wings“ und befindet sich eher zwischen Progressive-Metal, Bluegrass, Funk, Blues und Avantgarde, kombiniert mit slapstickartigen Roboter-Bewegungen auf der Bühne. Bislang verschaffte er der Welt Gehör für sein Spiel hauptsächlich mittels einer Gibson Les Paul. Bei Gibson hat man das Talent dieses Multi-Instrumentalisten und Lebenskünstlers nun endlich erkannt und ernst genommen. Das Ergebnis ist die Gibson Buckethead Les Paul, ein Signature-Instrument auf Basis einer gewöhnlichen Les Paul Studio. Nun ja, nicht ganz, denn es gibt schon ein paar wesentliche Unterschiede zu dem Serienmodell. Doch alles der Reihe nach.

Ein Blick auf die Gibson Buckethead Les Paul Studio

Wie es sich für eine „Echte“ Les Paul gehört, wird auch die Buckethead in einem Original Gibson-Case geliefert. Mit an Bord befindet sich auch ein kombinierter Sechskant-Kreuzschlitz-Schlüssel, mit der alle relevanten Einstellarbeiten an der Gitarre vorgenommen werden können. Das Instrument selbst erscheint als „Jumbo-Form“ der herkömmlichen Les Paul-Modelle, was bedeutet, dass sowohl der Korpus als auch die Länge des Halses deutlich größer als bei einer normalen Les Paul ausfallen. Zudem ist der Korpus „chambered“, also hohl im Innern und soll dem Instrument somit einen erweiterten Grundsound bieten. Aber natürlich wirkt sich ein in der Masse reduzierter Korpus auch positiv auf das berühmt-berüchtigte „Kampfgewicht“ von Gibsons Les Paul-Modellen aus, keine Frage. Ganz traditionell wurde sowohl für den Korpus als auch für den Hals mit seiner überlangen Mensur von 27″ Mahagoni als Tonholz gewählt, wobei Gibson dem Body der Gitarre zusätzlich eine Ahorndecke spendiert. Ebenso traditionell wurde auch der Hals im Korpus verleimt. Er besitzt ein Griffbrett aus „Baked Maple“, wurde mit 24 Medium Jumbo-Bünden ausgestattet und ist, wie die gesamte Gitarre, von einer weiß-matten Lackierung bedeckt, die sich bis zum Rand des Griffbretts erschließt.

Die Bünde wurden sauber eingesetzt, dort gibt es nichts zu mäkeln, allerdings besteht bei dem Übergang der Lackierung zum Rand des Griffbretts auf beiden Seiten des Halses ein deutlicher Versatz. Das merkt man zwar nicht unbedingt beim Bespielen der Gitarre, es fühlt sich aber trotzdem nicht schön an und hinterlässt keinen guten Eindruck. Und wenn wir schon mal bei Kritik sind: Auch die Qualität des verwendeten Lackes kann nicht überzeugen. Speziell auf der Vorderseite tendiert die weiß-matt lackierte Schutzschicht schon sehr zur „Orangenhaut“, also versetzt mit Luftbläschen und mit unterschiedlich dick aufgetragenen Schichten. Das ist auf der Rückseite deutlich besser gelungen, denn dort ist die Lackschicht gleichmäßig und nicht zu dick aufgetragen und ermöglicht so dem Korpus ein ungehindertes Schwingen.

An der ebenfalls weiß lackierten Kopfplatte sitzen sechs verchromte Locking-Mechaniken von Schaller. Ein mühsames Kurbeln entfällt bei der Buckethead Les Paul also, die Saiten werden eingeführt und mit den Schrauben festgezogen, fertig. Nach etwa einer Umdrehung steht die Saite dann in Stimmung und sollte diese auch weitestgehend halten. Im Test funktionierte das auch reibungslos, zu keiner Zeit gab es Probleme mit dem Tuning der Gitarre. Dem gegenüber sitzen auf dem Korpus die Tune-o-Matic-Bridge und das typische Gibson Tailpiece. Beides verchromt und beides auch in der Höhe verstellbar.

Die Elektronik der Les Paul Studio E-Gitarre

Gegenüber der Serien-Les Paul wurde bei der Les Paul Buckethead der Dreiwege-Toggle-Switch nicht am oberen Ende des Korpus (also am Halsansatz) platziert, sondern befindet sich genau gegenüber am unteren Ende des Korpus nahe der Klinken-Outputbuchse. Platz machen musste der Schalter nämlich einem sogenannten „Killswitch“, welcher sogar in zweifacher Ausführung, nämlich auch noch am unteren Korpusteil, in die Decke der Gitarre eingelassen wurde. Diese beiden roten Kunststoff-Buttons dienen zum Unterbrechen der Soundausgabe der Buckethead und wirken so, als ob man sie aus einer Atari-Spielekonsole der frühen 80er entnommen hätte. Kein Wunder, dass Gibson diese beiden Buttons auch mit „Arcade Style Buttons“ bezeichnet. Sehr treffend.

Die beiden Humbucker-Pickups sind von keiner Blechkappe bedeckt. Es handelt sich hierbei um den 496R in der Halsposition, am Steg sorgt ein mittels des Push/Pull-Tonepotis splitbarer 500T für den nötigen Dampf. Und der Toggle-Switch hat zwar seinen angestammten Platz verloren, sitzt aber dennoch gut zu erreichen hinter den beiden Potis und wurde mit einer roten Kunststoffkappe versehen. Die Qualität der Potis und auch des Dreiweg-Schalters muss man als gut bezeichnen, anders sieht das bei den beiden „Killswitches“ aus. Sie wirken nicht sehr hochwertig und werden vermutlich als erstes defekt gehen – noch lange bevor irgendein anderes Bauteil der sonst robust gefertigten Elektronik und der Hardware das Zeitliche segnen sollte.

Sound/Praxis Gibson Buckethead Les Paul Studio

Trotz der Übergröße präsentiert sich die Buckethead Les Paul als unerwartet leicht, dem „Chambered Body“ sei Dank. Was als erstes allerdings auffällt, ist das misslungene Werks-Setting, welches das Bespielen des Halses zu einem wahren Kraftakt werden lässt. Aber kein Problem, schnell ist die Saitenlage mithilfe des Halseinstellschlüssels auf ein humanes Maß korrigiert, und der Spaß kann beginnen. Grundsätzlich präsentiert sich die Buckethead Les Paul als ein typischer Vertreter der Les Paul-Klasse: langes Sustain und druckvolle Sounds mit einem durchsetzungsfähigen Mittenbild. Zusätzlich sorgt aber das Body-Design mit den Kammern im Innern und der Ahorndecke für eine deutliche Aufwertung des Grundsounds. Denn nicht nur die oft matschigen Bässe einer Les Paul bleiben dem Spieler hier erspart, auch das Mittenbild gewinnt dank dieser zusätzlichen Kammern deutlich an Biss und sorgt schon bereits beim trockenen Anspielen für einen sehr schön singenden Sound, speziell beim Spielen von Scales und Arpeggien. Gewöhnungsbedürftig sind allerdings wie immer die lackierte Halsrückseite und das doch recht kräftig ausgefallene Halsprofil. Hier eben typisch Les Paul.

Am Verstärker angeschlossen, vermögen die beiden Ceramic-Pickups dieses Klangbild auch elektrisch bestens weiterzureichen. In ihrer Ausgangsleistung moderat, vermögen sie zu jeder Zeit einen matschfreien und sauber artikulierten Ton zu produzieren. Unerwünschte Feedbacks oder Nebengeräusche sind nicht auszumachen, und besonders die Möglichkeit den Steg-Pickup zu splitten, verleiht der Buckethead Les Paul einen nicht zu unterschätzenden Vorteil. Denn in Kombination mit dem Front-Pickup sind so durchaus Strat-ähnliche Sounds hinzubekommen und machen das Instrument somit auch für Cleansounds wirklich brauchbar. Man merkt zweifellos, was sich der gute Mr. Buckethead hierbei gedacht hat, denn er spielt ja keineswegs nur verzerrt.

Sorgen bereiten allerdings die beiden „Killswitches“. Denn nicht nur, wie bereits weiter oben erwähnt, wirken sie etwas fragil, auch ist bei deren Nutzung ein deutliches Knacken im Signal wahrzunehmen. Aber das ist wahrscheinlich nur bei Sessions im Studio wahrzunehmen, im Proberaum oder beim Gig dürfte das vermutlich nicht weiter stören.

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