Test: Gibson Les Paul Slash Standard, E-Gitarre

25. Oktober 2020

Die neue Slash Signature Paula

Gibson Les Paul Slash Standard

Gibson Les Paul Slash Standard VB

Der Mann mit dem Zylinder und Gibson – eine treue und seit vielen Jahren erfolgreiche Verbindung. Slash zählt zweifellos zu den populärsten Zugpferden im Stall der US-Company, die in letzter Zeit ja eher durch Klagen und Rechtsstreitigkeiten als durch Qualität und Innovationen bei ihren Produkten in die Schlagzeilen geriet. Nun steht das aktuelle Modell der Slash-Paula in den Startlöchern, neben dem Standardmodell gibt es auch zwei limitierte Ausführungen in der neuen Serie, von denen wir uns die Gibson Les Paul Slash Standard VB mal für einen Test haben zukommen lassen.

Gibson Les Paul Slash Standard VB – Facts & Features

Wie üblich bei Gibson und deren Instrumenten im oberen Preissegment wird auch die Gibson Les Paul Slash Standard VB in einem hochwertigen Form-Case ausgeliefert. Mit dabei ist eine ganze Reihe von Zubehör, dazu zählt ein Zertifikat, ein Pickguard, ein Satz Dunlop-Plektren, ein Inbusknochen, ein Ledergurt, zwei Strap-Locks, ein Farbfoto der Gitarre, ein Putztuch sowie eine Abdeckung für die Öffnung des Halseinstellstabs, falls man die ab Werk montierte und mit der Signatur des Künstlers versehene doch lieber gegen eine etwas unauffälligere tauschen möchte. Das von uns für den Test vorliegende Modell ist eines von zweien in limitierter Auflage: „Vermillion Burst“ nennt Gibson dieses dunkelrote Burst-Finish, die andere Lackierung trägt mit seiner giftgrünen Farbe sinngemäß die Bezeichnung „Anaconda Burst“. Die Preise beider Modelle sind dabei identisch.

Gibson Les Paul Slash Standard Zubehör

Gibson Les Paul Slash Standard Zubehör

Die Klarlackschicht der Decke gibt den Blick auf das verwendete Ahorn zum großen Teil frei, auch bei der Les Paul Slash Standard VB setzt Gibson auf die bewährten Hölzer, die eine echte Les Paul ausmachen. Dazu gehören neben der geriegelten Ahorndecke ein Korpus sowie ein eingeleimter Hals aus Mahagoni, selbstverständlich aus einteiligen Hölzern hergestellt und mit sehr schöner Maserung ausgewählt. Ein cremefarbenes Binding ziert den Rand der Decke und setzt sich an den Rändern des Palisandergriffbretts fort, die Verarbeitung der einzelnen Teile ist hervorragend gelungen und entspricht den Erwartungen an ein Instrument dieser Preisklasse vollkommen. Der Künstler scheint von einem gekammerten Korpus („Weight Relief“) jedoch nicht viel zu halten, entsprechend hoch im Gewicht präsentiert sich daher auch diese Les Paul.

Lackierte Halsrückseite mit Bremseffekt

So gut die rundum sauber aufgebrachte Klarlackschicht das Instrument auch schützen mag, so unangenehm fühlt sich allerdings die Lackschicht auf der Halsrückseite an. Nicht nur, dass die Gitarre ein recht wuchtiges Halsprofil besitzt – auch der Lack bremst die Greifhand beim Bespielen spürbar ab. Das dürfte für viele Spieler von unbehandelten bzw. nur satinierten Hälsen störend wirken, Fans und langjährige Benutzer von Les Paul Gitarren dürften davon vielleicht nicht einmal Kenntnis nehmen. Letztlich ist das natürlich Geschmackssache, ich persönlich komme aber ehrlich gesagt mit dem gebotenen 50s Vintage Halsprofil nicht besonders gut klar, obwohl die Saitenlage nicht besser sein könnte und die Gitarre in allen Lagen auf dem Palisandergriffbrett sauber intoniert und sich zudem mit einer perfekt eingestellten Oktavreinheit bei uns im Test präsentierte. Nichts zu meckern gibt es auch bei der Bundierung, alle 22 Bundstäbchen wurden sauber eingesetzt und ebenso sauber an ihren Kanten abgerichtet. Das Gleiche gilt für den Sattel, der von Graph Tech stammt und sauber in seiner Position Platz genommen hat.

Les Paul Slash Standard – Hardware

Auch bei der Hardware haben wir es wieder mit den üblichen Verdächtigen zu tun. Die einst von Ted McCarty für Gibson entwickelte ABR-1 Tune-o-Matic Bridge wurde sauber auf ihren zwei Bolzen in die Decke eingesetzt und auch das klassische Tailpiece gehört logischerweise mit dazu. Am anderen Ende der Drähte sitzen sechs Vintage Keystone Mechaniken an der Kopfplatte – schön anzusehen und auch recht zuverlässig in ihrer Funktion. Etwas schwammig fühlen sie sich jedoch beim Benutzen an, man sollte sie daher auf keinen Fall mit den heutigen bzw. modernen Typen wie etwa von Schaller oder Gotoh vergleichen, die doch deutlich feinfühliger bzw. sensibler arbeiten, aber rein optisch wohl kaum mit diesen charmanten Keystone-Flügeln mithalten können.

Ist das Instrument jedoch erst mal in Stimmung gebracht, dann gibt es diesbezüglich nichts zu meckern. Das unverkennbare Symbol bzw. die Signatur des Künstlers befindet sich übrigens dauerhaft unter dem Lack auf der Rückseite der Kopfplatte verewigt. Als Teil der Hardware gibt Gibson zudem das im Lieferumfang beigelegte Pickguard an, das bei Gefallen gerne auf der Decke montiert werden kann.

Gibson Les Paul Slash Standard Tuner

Gibson Les Paul Slash Standard Vintage Keystone Tuner

„Custom Slash Bucker“ vorne und hinten

Speziell in Zusammenarbeit mit dem Künstler wurden die beiden Humbucker entwickelt bzw. nach den Vorgaben und dem Geschmack von Slash angepasst. Abgesehen davon, dass die elektrische Schaltung handverdrahtet wurde, erwarten uns keine großen Überraschungen bezüglich der klanglichen Optionen. Beide Pickups besitzen je einen Volume- sowie einen Tone-Regler und werden über den Dreiwegeschalter an bekannter Position ausgewählt. Die Qualität der Bauteile ist sehr gut, besonders positiv fällt der Schalter auf, der absolut frei von jeglichem Spiel sauber und deutlich spürbar in seinen drei Positionen einrastet. Die Potis stehen dem kaum etwas nach, laufen sie doch sauber und ebenso frei von Spiel auf ihren Achsen. Meinem Geschmack nach dürften aber speziell die beiden Volume-Regler ruhig noch etwas leichter arbeiten, zumal die aufgesteckten Plastikknöpfe durch ihre sehr glatten Oberflächen nicht immer einen sicheren Zugriff garantieren.

Gibson Les Paul Slash Standard Pickups

Die neue Slash-Paula in der Praxis

Akustischer Grundsound / Handling

Eine Paula ist eine Paula ist eine Paula – was soll man noch dazu sagen? Auch die Les Paul Slash Standard erschient mit all den Attributen, die eine gute Les Paul ausmachen und sie seit Jahrzehnten zu den wohl beliebtesten E-Gitarren dieses Planeten machen. Bereits ihr Grundsound ist absolut typisch: Druckvoll, sehr resonant, voll mit Obertönen bespickt und zudem mit einem grandiosen Sustain ausgestattet. Da treten die für mich eher mittelmäßige Bespielbarkeit aufgrund des wuchtigen und lackierten Halses sowie das hohe Gewicht fast schon in den Hintergrund, denn jedes Anschlagen der Saite(n) wird mit beeindruckender Power unmittelbar in einen ungemein dicken und tragenden Ton umgesetzt.

Elektrischer Sound

Dieses gute Bild setzt sich nahtlos beim Anschließen der Gitarre an den Amp fort und wird zum Teil sogar noch übertroffen. Die beiden Slash-Bucker portieren den zweifellos potenten Grundsound ohne Wenn und Aber an den Verstärker weiter und fügen dem Klang zudem einen warmen, cremigen Vintage-Touch hinzu. Allerdings sollte man es mit der Verzerrung nicht zu übertreiben, denn obwohl die Pickups erstklassig klingen, tendieren sie doch bei zu hoher Verzerrung zu Nebengeräuschen. Und das vornehmlich in Gestalt von einem Brummen und wenn es ganz hart auf hart kommt trotz des großen Headrooms auch mit einem etwas matschigen Klangbild. Rock ´n´ Roll ist also angesagt, aber doch eher weniger Metal. Dafür aber klingen die Slash-Bucker auch im unverzerrten Betrieb überraschend ausgewogen, sodass man etwa eine fehlende Singlecoil-Option nicht unbedingt vermisst. Zudem zeigen sie kaum Veränderungen im Klangbild und der abgegebenen Dynamik, wenn das Volume an der Gitarre etwas abgesenkt wird, was sie wiederum ideal für die Musiker macht, die gerne und oft mit einem guten Röhren-Amp am anderen Ende der Strippe experimentieren.

Gibson Les Paul Slash Standard back

Makelloser Rücken

Gibson Les Paul Slash Standard VB – Klangbeispiele

Für die folgenden Klangbeispiele habe ich die Slash-Paula in einen Mesa/Boogie Studio 22+ Combo angeschlossen. Vor dem Amp wurde ein AKG C3000 Mikrofon platziert, ehe das Signal in Logic Audio aufgenommen wurde. Effekte wurden keine eingesetzt, lediglich ein Limiter fand auf dem Summensignal Anwendung.

Fazit

Die neue Les Paul Standard Slash VB zeigt sich dank der bewährten Mahagoni-Ahorn-Kombination und den charaktervollen Sounds der Slash-Bucker Tonabnehmer als echtes Arbeitstier in vielen Stilistiken. In Verbindung mit einem guten Gitarren-Amp kommt der Spieler in den Genuss von äußerst dynamischen Sounds, die von warm klingenden, unverzerrten Klängen über durchsetzungsfähige Crunch-Sounds bis hin zu singenden Leads reichen, die mit einem gewohnt überragenden Sustain und jeder Menge Headroom aus den Speakern gefeuert werden. Punktabzüge gibt es lediglich für die nicht ganz brummfreien Pickups sowie – für mich ganz persönlich – das übermäßig kräftige 50s Vintage-Halsprofil mit seiner klebrigen Rückseite.

Plus

  • gewohnt fetter Paula-Sound
  • sehr gute Verarbeitung
  • reichhaltiges Zubehör
  • Limited-Status

Minus

  • klebrige Halsrückseite
  • Pickups brummen bzw. matschen bei höherer Verzerrung

Preis

  • 2919,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    ctrotzkowski  

    Hi Stefan,

    an sich ein gut geschriebener Testbericht – was ich aber so gar nicht nachvollziehen kann:

    Du schreibst im Fazit „echtes Arbeitstier in vielen Stilistiken“.

    Wenn ich mir (außer „Clean“) die Klangbeispiele anhöre, dann scheint die Gitarre bei allen PU Kombinationen und sogar Crunch/Lead irgendwie immer gleich zu klingen, – verschiedene Nuancen eines Klanges klingen irgendwie nicht nach „vielen Stilistiken“, und in der 3k€ Preisklasse macht ein One-Trick-Pony eigentlich nicht wirklich Sinn. Und auch bei Clean wäre es m.E. sinnvoll gewesen, mal die verschiedenen Pickups einzeln zu hören.

    Zum Vergleich: Jan’s zeitgleicher Testbericht „Hagstrom vs. Epiphone“ zeigt wesentlich überzeugender die klangliche Bandbreite beider dort getesteter Instrumente.

    Gruß
    Carsten

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