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Test: G&L Tribute Doheny Shell Pink, E-Gitarre

22. März 2022

"Pink Panther" mit stimmstabilem Vibratosystem

Die Firma G&L  (George und Leo) war das letzte Unternehmen, das Leo Fender bis zu seinem Ableben führte. Vorher trennte er sich bereits von seiner eigenen Firma (Verkauf an CBS) wie auch von Music Man, die er anschließend gründete. Die Instrumente von G&L überzeugen immer wieder mit guter Verarbeitung und durchdachten Features, dies bestätigt sich auch bei unserer heutigen Testkandidatin.

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G&L Tribute Doheny Shell Pink – Facts & Features

Die Bezeichnungen „Doheny“ sowie auch die schweinchenrosa Farbgebung „shell pink“ finden sich im Namen der heutigen Testkandidatin wieder, Doheny ist der Name eines bekannten Strandes in Orange County (Kalifornien), wo die sogenannte Surfmusik vermutlich geboren wurde.

Das heutige Testobjekt, die G&L Tribute Doheny Shell Pink, polarisiert. Die Lackierung wird manch einen möglicherweise nicht begeistern, andere mögen aber genau darauf abfahren. Mit einer Gitarre wie dieser ist man in der Sparte „Surf-Mucke“ rein optisch gesehen schon mal ganz vorne dabei, abgesehen davon bietet dieses Instrument sicherlich auch weitere Fähigkeiten. Da die Gitarre in Indonesien gefertigt wird, bewegt sie sich preislich im angenehmen Rahmen. Verarbeitungstechnisch hat man hier ganze Arbeit geleistet, auch bei kritischer Begutachtung findet man absolut keinen Grund zu meckern.

Die Form der Gitarre erinnert natürlich stark an eine Fender Jazzmaster und ist kaum von Letzterer zu unterscheiden, sofern es überhaupt Unterschiede zu verzeichnen gibt. Manch eine Erfindung aus dem Umfeld von Leo Fender und Kollegen, wie beispielsweise eine Stratocaster, Telecaster oder auch die Jazzmaster, sind so perfekt gelungen, dass sämtliche Versuche, diese auf ein höheres Niveau zu bringen, scheiterten und nur zu „Verschlimmbessererungen“ führten. Das als nicht unbedingt „stimmstabil“ geltende Vibratosystem alter Jazzmasters erhielt jedoch ein Upgrade und wurde damit tatsächlich spürbar verbessert. Das Instrument wird ohne Gigbag, Softcase bzw. Koffer ausgeliefert, drei Inbusschlüssel zur Einstellung der Halsspannung und des Steges befinden sich im Lieferumfang. Die Gitarre wurde werksseitig mit einem Satz 0.010-er bestückt.

Korpus

In letzter Zeit stellt man immer wieder fest, dass ein Korpus, der in der Vergangenheit meist aus Esche oder Erle gefertigt war, sich nun eines anderen Holzes bedient. So auch beim Korpus der G&L Tribute Doheny Shell Pink. Hier kommt Pappel zum Einsatz. Aus wie vielen Teilen sich der Korpus zusammensetzt, lässt sich aufgrund der deckenden Lackierung nicht feststellen. An der Qualität der Lackierung gibt es nichts auszusetzen.

G&L Tribute Doheny Shell Pink, Body

Die Form erinnert stark an die Jazzmaster

Hals

Die Gitarre erhielt einen geschraubten Hals aus Ahorn, auf den ein Griffbrett aus Palisander aufgeleimt wurde. Der Hals sitzt ohne jegliches Spiel in der Halstasche. Der Griffbrettradius ist mit 9,5″ eher traditionell ausgefallen. Dies passt gut ins Gesamtbild. Die Sattelbreite beträgt im Gegensatz zu den meist anzutreffenden 43 mm nur 41,3 mm. Dieses Maß empfinde ich persönlich als sehr angenehm und praxistauglich.

Die 21 Medium-Jumbo-Bünde wurden einwandfrei in das Griffbrett eingesetzt, abgerichtet und poliert. Diesbezüglich gibt es in den letzten Monaten gar Jahren nur in Ausnahmefällen etwas zu beanstanden, da dieser Job mittlerweile fast ausnahmslos von Maschinen perfekt erledigt wird. Beim Begutachten des Halses fällt sofort das staubtrockene Griffbrett ins Auge, das Holz lechzt sozusagen nach etwas Griffbrettöl.

G&L Tribute Doheny Shell Pink, Hals

Bünde und Block-Inlays sauber verarbeitet

Schön sind die „Block-Inlays“, die immer etwas „nobler“ als simple Dots wirken. Die Mensur von 650 mm (25 1/2″) kennt man natürlich von Strats und Teles etc. Das Halsprofil wird vom Hersteller mit „Medium C“ umschrieben. Fakt ist, dass der Hals sich ausgesprochen angenehm anfühlt. Die Rückseite des Halses wurde nur dünn und seidenmatt lackiert.

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G&L Tribute Doheny Shell Pink, Kopf

Typische G&L Kopfplattenform, seidenmatte Lackierung der Halsrückseite

Elektrik & Hardware

Die G&L Tribute Doheny Shell Pink erhielt zwei G&L Wide Bobbin Magnetic Field Design Singlecoil Tonabnehmer, die einen gemeinsamen Mastervolume-Regler besitzen. Erfreulich ist die passive Klangregelung (PTB-Tone-System), wobei ein Tone-Regler wie gewohnt die Höhen beeinflusst, der zweite gestattet die Bässe bei Bedarf aus dem Signal zu ziehen, was in der Praxis ein deutliches Plus bedeutet.

Die Umschaltung der Tonabnehmer erfolgt per 3-Wege-Toggle-Schalter, der sich am oberen Cutaway befindet. Die komplette Hardware wurde verchromt, so auch das von Leo Fender designte G&L Dual-Fulcrum Vibrato, was später noch etwas gequält wird, um die Stimmstabilität auszutesten. Die Mechaniken aus eigenem Hause (Übersetzung 18:1) sprechen gut an und ermöglichen ein präzises Stimmen.

Aus der Erfahrung der Vergangenheit des Vibratosystems der Jazzmaster wuchs die Erkenntnis, dass diesbezüglich durchaus Verbesserungen gewünscht seien, so finden wir auf dem Instrument ein sogenannte Dual Fulcrum System, das sich zweier stabiler Bolzen und einer Grundplatte bedient, die mithilfe des Messerkantenprinzips nur sehr wenig Reibung bei Betätigung erzeugt und damit die Verstimmungen auch bei heftigem Einsatz deutlich besser im Zaum hält. Der sehr stabile, steckbare Vibratohebel sitzt ohne Spiel in der ebenfalls robusten Buchse. Der ganze Steg wirkt sehr durchdacht, da auch die sechs Saitenreiter sehr massiv ausfallen. Das Ganze macht auch optisch was her, da der Steg auch keinesfalls klobig wirkt. Jeder Fender-Strat würde ein Vibrato-Upgrade wie dieses sicherlich auch guttun.

G&L Tribute Doheny Shell Pink, Steg

Deutlich robuster, das Dual Fulcrum-Vibrato-System

Die Tonabnehmer im P90-Stil sind eine Neuentwicklung und serienmäßig erstmals in einer G&L Tribute Doheny (Surf Green) E-Gitarre verbaut. Die Pole-Pieces ließen sich für eine eventuelle Anpassung mithilfe der mitgelieferten Inbusschlüssel in der Höhe noch feinjustieren.

Handling

Die Gitarre kommt ausgewogen auf den Knien zu liegen, Kopflastigkeit ist nicht zu bemerken. Das Instrument war ab Werk erfreulicherweise gut eingestellt. Die Bundreinheit stimmte und die relativ tiefe Saitenlage ermöglicht ein komfortables Agieren. Das Vibratosystem arbeitet weitgehend verstimmungsfrei, nur nach extrem heftiger Auslenkung (Divebombs) musste nur sehr moderat nachgestimmt werden.

G&L Tribute Doheny Shell Pink – Sound

Bereits trocken gespielt liefert die G&L Tribute Doheny Shell Pink einen sehr ausgewogenen Klang. Klanglich kann ich zwischen der verbauten Pappel und der gewohnten Esche oder Erle keinen nennenswerten Unterschied ausmachen. Die Tonabnehmer sind wirklich der Bringer. Diese liefern einen warmen und doch spritzigen Ton, die trotz ihrer „Einspuligkeit“ relativ wenig Brummen erzeugen. Heftig verzerrte Singlecoil-Sounds ließen sich notfalls natürlich auch mit einem vernünftigen Noise Gate bändigen.

Hören wir zunächst die drei möglichen Sounds mit klarem Ton und beginnen mit dem Steg-Tonabnehmer.

Der Sound ist schön kraftvoll und knackig, hat aber auch mehr Bässe und Power als ein „gewöhnlicher Steg Strat-Tonabnehmer, der oft zu wenig Bässe abgibt und oben herum eher dünner klingt.

Beide Pickups in Kombination liefern gleichfalls ein sehr ansprechendes Klangbild, wobei sich der Biss des Steg-Pickups mit der Wärme des Halstonabnehmers zu einer schönen Melange addieren.

Auch der Hals-Pickup liefert aufgrund seines vergleichsweise höheren Outputs einen sehr natürlichen, lebendig und warmen Ton, der universell einsetzbar ist. Mit diesen Tonabnehmern klingt man stets individuell und lebendig.

Aktivieren wir nun den verzerrten Kanal meines Testverstärkers, einem Peavey Classic 20 Minihead. Die Singlecoils machen auch im verzerrten Bereich einen ausgezeichneten Job, klingen außerordentlich interessant und setzen sich gleichfalls vom Mainstream ab. Im folgenden Beispiel werden der Steg-Pickup und der passive Bass-Control-Regler ausgecheckt. Bei ca. 00:06 wird der Bass-Regler komplett zugedreht, was die Bässe spürbar aus dem Signal zieht, dies bewegt sich in einem sehr praxistauglichen Rahmen. Bei 00:11 werden die Bässe dann wieder voll aufgedreht. Gegen Ende des Klangbeispiels wird dann auch der Vibratohebel eingesetzt. Verstimmungen sind nicht zu bemerken.

Hören wir nun den Hals-Pickup mit „crunchy Ton“. Die Bässe matschen erfreulicherweise nicht, der Ton bleibt letztlich schön „spanky“ und dynamisch. Natürlich könnte man auch hier den passiven Bass-Control einsetzen, um den Klang im sprichwörtlichen Handumdrehen etwas schlanker zu formen.

Die schweinchenrosa G&L liefert definitiv einen super Ton und Spielspaß. Wenn auch noch die Farbe passt, sollte man sie unbedingt mal anspielen, da man recht selten eine solch gute Ausstattung zu diesem Preis erhält.

Die Klangbeispiele wurden mit folgendem Equipment aufgenommen:

G&L Tribute Doheny Shell Pink – Peavey Classic 20 MH – MESA/Boogie 1 x 12″ Thiele Box mit Creamback Celestion Lautsprecher – Shure SM57 – MOTU M4 – iMac mit Logic (etwas Hall vom Verstärker).

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Fazit

Die G&L Tribute Doheny Shell Pink macht einen ausgezeichneten Eindruck, wobei die Farbgebung sicherlich polarisiert. Klanglich überzeugt die Gitarre mit interessanten Sounds, die Verarbeitung ist perfekt. Die Existenz des passiven Bass-Reglers ermöglicht eine zusätzliche und sinnvolle klangliche Beeinflussung. Die G&L ist ein guter „Allrounder“ und das sehr zuverlässige Vibratosystem kann ohne Bedenken auch mal härter rangenommen werden, ohne Verstimmungen in Kauf nehmen zu müssen. Und die perfekte „Surfvibe“ hat sie allemal.

 

Plus

  • Verarbeitung
  • Sound
  • Pickups
  • Vibratosystem
  • Optik
  • Preis-Leistungs-Verhältnis

Preis

  • 689,- Euro
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Klangbeispiele
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