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Workshop DIY Effektpedal: Vibe-Pedal Modulationseffekt für E-Gitarre bauen

29. August 2021

DIY-Workshop - Modulationspedal selber bauen!

Workshop DIY: Vibe-Pedal Modulationseffekt für E-Gitarre bauen

Das Thema DIY ist für viele Leute ein Buch mit sieben Siegeln. Wir haben uns in der jüngsten Vergangenheit verstärkt dem Thema zugewandt – eben auch, um Klarheit über folgende Punkte zu schaffen:

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  • Wie läuft die Vorbereitung ab?
  • Welche Komponenten braucht man?
  • Worauf muss beim Löten und der Platine geachtet werden?

Das kratzt nur an der Oberfläche, aber wir haben es uns nicht nehmen lassen und euch jüngst drei DIY-Workshops vorgestellt, die sich folgenden Themen widmen:

Nun wollen wir uns einer Modulationsklasse zuwenden – dem Vibe. Seit ich vor etwa zehn Jahren begann, mir meine Gitarren-Effektgeräte und Stompboxen selber zu bauen, konnte ich reichhaltige Erfahrung sammeln, die ich den interessierten Lesern nun gerne zur Verfügung stellen möchte. Vielen Gitarristen und Bassisten, die sich mit dem Gedanken beschäftigen, dies auch einmal zu versuchen, könnte das eine angenehme Hilfestellung sein, um schneller und problemloser zum Erfolg zu gelangen.

Workshop DIY: Vibe-Pedal Modulationseffekt für E-Gitarre bauen

DIY Magnavibe, funktionstüchtig, noch unbeschriftet

Mein erstes erfolgreiches Projekt im „Stompbox-Business“ bestand darin, meinem alten Crybaby-Wah einen True-Bypass zu verschaffen, um dies vom allgemein bekannten „Tonesucking“ zu befreien, da dieses ja ohne True-Bypass den Grundsound stets etwas verfälschte. Später versuchte ich mich daran, viele weitere Effektschaltungen zu „klonen“ oder gelegentlich auch für meinen Geschmack zu modifizieren, um den Sound, die Funktionalität oder das Design noch ansprechender zu gestalten.

Mittlerweile besitze ich ca. achtzig selbstgebaute Effektpedale (Booster, Verzerrer, Delays, Reverbs, Tremolos, Chorus, Phaser, Vibes, Kompressor, Amp-Simulatoren, Netzteile etc.), die ich teilweise auch gerne regelmäßig live auf der Bühne einsetze. Aufgrund dessen arbeitete ich stets mit größter Sorgfalt und peinlicher Genauigkeit, da ich mich live zu 100 % auf die Funktionstüchtigkeit verlassen muss.

Heute werden bekannterweise unzählige Effekte wirklich guter Qualität schon zu supergünstigen Preisen angeboten. Manchmal kann der DIY-Effekt unter Umständen sogar kostenaufwendiger als der (Gebraucht-) Kauf sein. Der Bastelspaß ist also eher nur etwas für „Freaks“, die Wert auf individuellen Sound und eigenes Design legen.

So baust du dir ein Effektpedal – Vorbereitung für DIY

Der hier vorgestellte DIY-Workshop für Effektpedale befasst sich mit dem Magnavibe, das nach meinem Geschmack sehr schön klingt und dennoch relativ leicht zu bauen ist, da es keine wirklich große Zahl an Bauelementen erfordert. Dieses wird auf einer Streifenrasterplatine aufgebaut, somit erspart man sich das lästige Ätzen von PCBs.

Natürlich gibt es unter den später aufgeführten Bezugsquellen auch vorgefertigte Bausätze, (Kits) fertig zu kaufen, welche den Bau für den ungeübten Bastler erheblich erleichtern. Dem DIY-Anfänger raten wir eher zum Kauf dieser Bausätze, da sie alle ausgiebig getestet wurden, eine sehr gute Bauanleitung mitliefern und sicher aufzubauen sind.

Workshop DIY: Vibe-Pedal Modulationseffekt für E-Gitarre bauen

Platine mit allen Komponenten, saubere Arbeit

Wenn man aber alles gerne selber „von der Pike auf“ selbst gestalten möchte, für den möge dieser kurze Baubericht möglicherweise inspirierend sein. Der Suchtfaktor wird aber unter Umständen sehr hoch werden, wie ich aus eigener Erfahrung berichten darf. Wenn ihr nach reiflicher Überlegung gewillt seid, das Wagnis und Abenteuer des Selbstbaus von Gitarreneffekten einzugehen, solltet ihr gerne weiterlesen und euch sachkundig machen, welche Schritte gemeistert werden müssen, um zum gewünschten Erfolg zu kommen. Der Glücksmoment, in dem man feststellt, alles richtig gemacht zu haben, entschädigt immens für die Mühe und den geleisteten Aufwand!

DIY Workshop Gitarrenpedal – Komponenten

Folgende Schritte führen dann allmählich zum DIY-Ziel:

Als erstes besorge man sich einen „Vero-Layout-Plan“ (Streifenrasterplatinen-Layout) für das gewünschte Gerät. Diesen findet man u. a. im Internet auf folgenden Seiten, wo auch Hunderte weitere Layouts für jede erdenkliche Art von Effekten angeboten werden:

http://tagboardeffects.blogspot.de

http://www.sabrotone.com

http://revolutiondeux.blogspot.de

und vielen weiteren Seiten im Netz.

Die Bauteile bestellt man online, z. B. bei:

http://www.uk-electronic.de/onlineshop/index.php

http://www.musikding.de

http://www.banzaimusic.com

Für unsere Variante von „Stompbox-Effekt“ werden hier im Allgemeinen Metallschichtwiderstände mit 0,6 Watt sowie Folienkondensatoren mit ca. 100 V Belastbarkeit verwendet. Modelle mit kürzeren bzw. längeren Anschlussdrähten sind, je nach gewünschtem Layout, erhältlich. Bei der Auswahl der Kondensatoren, insbesondere der Elektrolytkondensatoren (auch kurz „Elkos“ genannt) ist darauf zu achten, dass diese die zulässigen Betriebs-Höchstspannungen verkraften. Für unsere Zwecke sind das gewöhnlich 16 bis max. 25 V, da die Elkos normalerweise mit einer Spannung von 9 Volt DC (mit einer Blockbatterie oder einem Netzteil) betrieben werden. Belastet man diese mit zu hoher Spannung, könnten sie im ungünstigsten Falle sogar platzen. Die hierbei austretende Flüssigkeit ist mit Sicherheit gesundheitsschädlich, sollte sie mit den Augen, der Lunge oder der Haut in Berührung kommen!

Wichtig: Bestellt man zu große Bauteile, haben diese natürlich nicht genügend Platz auf der Platine. Elektrolytkondensatoren gibt es sowohl radial als auch axial zu erstehen. Wir benötigen für unsere Zwecke meistens radiale Exemplare. Sollten noch ungelöste Fragen auftauchen, (Anschluss Leuchtdiode, LED-Vorwiderstand, Anschluss Stromversorgung, Batterie etc.), kann man sich in den entsprechenden Foren kostenlos anmelden (z. B. Musikding-Forum) und Fragen stellen. Die DIY-Community ist sehr hilfsbereit, man findet dort Informationen in großer Zahl.

Erst wenn alle Bauteile für das Effektpedal passend und vollständig sind, wird es Zeit „to get your hands dirty“!

DIY Workshop Effektpedal – Löten & Platine

Workshop DIY: Effektpedal für E-Gitarre bauen

Etwa so kann eine Platine aussehen (hier anderes Projekt)

Man sägt sich zunächst mit einer Laubsäge die Streifenraster-Platine in passender Größe zurecht. Diese wird dann an den Kanten etwas geglättet (mit einer Feile, Schleifpapier) und mit einem Spülschwamm (raue Seite) und etwas Spülmittel oder Alkohol aus der Apotheke sorgfältig gereinigt. Sauber und fettfrei ist hier erwünscht, das bringt später immer ein besseres Lötergebnis.

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Ich bohre dann mit einem 3-mm-Bohrer von Hand die sogenannten „Cuts“, also die Leiterbahnunterbrechungen an den entsprechenden Stellen. Dazu öffne ich das Layout mit einem Bildbearbeitungsprogramm und spiegele dieses horizontal um 180° („Arbeitsfläche horizontal spiegeln“ lautet der entsprechende Befehl). Im Rahmen meines ersten Bastelprojekt tat ich dies nicht, was zur Folge hatte, dass ich die Bauteile spiegelverkehrt einlötete und die Schaltung dann natürlich nicht funktionierte. Ich empfehle auch unbedingt, mit einem Messgerät zu prüfen, ob es nicht doch noch ungewollte Verbindung zwischen den Leiterbahnen gibt, die man vorher unterbrochen hat, damit das Gitarrenpedal auch am Ende funktioniert.

Nachdem die Löcher korrekt gebohrt sind, beginnt man damit, die Komponenten einzulöten. Ich persönlich überprüfe vor dem Einbau jedes Bauteil mit einem entsprechenden Messgerät (Multimeter für Dioden, Transistoren und Widerstände bzw. Kapazitätsmessgerät für Kondensatoren) auf Funktion, um später keine bösen Überraschungen zu erleben. Beim Einbau von Dioden, Elektrolytkondensatoren unbedingt auf korrekte Polung und bei ICs und Transistoren auf deren Ausrichtung achten! Die Reihenfolge der einzulötenden Bauteile richtet sich nach der jeweiligen Höhe. Die flachsten Komponenten (meist Dioden und Widerstände) zuerst, später folgen dann Kondensatoren, IC-Fassungen, Transistoren und Elkos.

Wie das fertige Ergebnis im Falle des hier vorgestellten „Magnavibe“ ohne Gehäuse aussieht, kann man hier bewundern:

Workshop DIY: Effektpedal für E-Gitarre bauen

Fertige Platine, komplett verdrahtet, bereit zum Einbau

An dieser Stelle sei erwähnt, dass man dabei schon über eine gewisse Geschicklichkeit mit dem Lötkolben beim Selbstbau eines Effektpedals verfügen sollte. Ich selbst durfte über die Zeit eine massive Verbesserung meiner Lötkunst registrieren. Der Lötkolben sollte max. 25 Watt haben, eine Lötstation mit regelbarer Temperatur ist natürlich von Vorteil. Der Besitz einer Entlötpumpe oder Entlötlitze wird auch helfen, einmal gemachte Ungenauigkeiten bzw. Lötfehler zu korrigieren.

Wenn alle Bauteile korrekt auf der Platine eingelötet wurden, werden die Verbindungskabel zu den Buchsen, den Potentiometern, der Leuchtdiode, dem 3DPDT Fußschalter etc. angelötet und mit den entsprechenden Komponenten verbunden. Verschiedenfarbige Litze und ein Stück Schrumpfschlauch sind hier sehr hilfreich, um Ordnung und Überblick zu behalten (z. B. schwarz für Masse, rot für Plus etc.).

Dann testet man die Schaltung zunächst ohne Gehäuse. Ich selbst verwende ein „Dummygehäuse“, an dem sich lediglich die beiden Klinkenbuchsen und eine 9 Volt Spannungsversorgungsbuchse befinden, an die ich vorübergehend zum Testen die entsprechenden Kabel anlöte. Wenn man etwas Geschick bewiesen und sauber gearbeitet hat, funktioniert alles wie erhofft.

Workshop DIY: Gitarrenpedal für E-Gitarre selbst bauen

Gehäuse Größe A, bereits gebohrt, einige Komponenten testweise eingebaut

So baust du ein Gitarrenpedal selbst – das Gehäuse

Funktioniert alles gut, kann man sich mit dem Bohren des Gehäuses befassen. Zuerst sollte man die Durchmesser der Potis (meist 7 mm), der Klinkenbuchsen (10 mm), der Leuchtdiodenfassung und des 3DPDT Fußschalters (12 mm) messen. Wichtig ist hierbei, das Design genau zu planen, bevor man sich mit dem Bohren beschäftigt! Dann werden mit Körner und Hammer die Markierungen für die Bohrlöcher gesetzt und anschließend gebohrt. Klug ist es, zunächst einen etwas kleineren Bohrer zu benutzen und die Löcher erst anschließend auf die entsprechende Größe zu feilen. Dies ermöglicht eine Korrektur der meist auftretenden Ungenauigkeiten beim Bohren. Sofern man einen Bohrständer besitzt, ist dieser beim Bohren natürlich die erste Wahl, eine handelsübliche Bohrmaschine oder ein Akkuschrauber erledigen den Job jedoch auch meist zufriedenstellend. Für Gitarristen, die im Rahmen dieses DIY-Workshop ihr Effektpedal bauen wollen, gilt aber auch:

Pflicht bei Metallarbeiten ist natürlich das Aufziehen einer Schutzbrille, um Verletzungen der Augen, z. B. durch umherfliegende Metallspäne mit Sicherheit zu vermeiden. Anbei noch ein gut gemeinter Rat: Gerade als Musiker sollte man beim Bohren genauestens auf das Vermeiden von Unfällen, z. B. an den Händen achten, daher niemals mit Hektik oder unter Zeitdruck arbeiten!

Sitzen alle Löcher an der richtigen Stelle, kann man sich der Gestaltung des Gehäuses widmen. Den Farben bzw. Lackierungen sind natürlich keine Grenzen gesetzt. Man kann sich sein Effektpedal/Gitarrenpedal genau nach seinen individuellen Vorlieben bauen. Ich persönlich verwende im Rahmen meiner DIY-Projekte gerne farbige, pulverbeschichtete Gehäuse oder lackiere mit Spraydose mein gewünschtes Design. Dabei trage ich zunächst eine Alugrundierung auf, danach Hammerschlaglack und evtl. Klarlack darüber. Gerne auch schleife ich die nackten Alugehäuse mit Schleifpapier (schrittweise 180-2000 Körnung) und poliere die Gehäuse anschließend mit Polierpaste, bis sie hochglänzend sind.

Auch eine Beschriftung mit Lackstift ist möglich. Bei Bedarf kann man auch ein Decal (Folien zum Ausdrucken) anfertigen, aufbringen und klar überlackieren. Auch die Knöpfe und Leuchtdioden inkl. deren Fassungen gibt es in reichhaltiger Auswahl zu erstehen.

Nach erfolgreichem Abschluss aller Arbeiten kann man sich dann über ein Effektgerät freuen, das eventuell sogar schöner als das Original klingt. Oder zumindest einzigartig ist und ebenbürtig gut klingt, dabei aber deutlich günstiger ist und vor allem selbst gemacht wurde!

Workshop DIY: Vibe-Pedal Modulationseffekt für E-Gitarre bauen

Hier wird es richtig eng, alles funktioniert wunschgemäß

Effektpedale für E-Gitarre bauen – wo liegt der Fehler?

Funktioniert die Schaltung wider Erwarten allerdings nicht, muss man sich auf Fehlersuche begeben. Häufig gemachte Fehler sind:

– Vergessene oder an falscher Stelle eingesetzte Bauteile.

– Kalte Lötstellen

– Ungewolltes Überbrücken von Leiterbahnen durch unsauberes Löten

– Falsch herum eingesetzte Bauteile, insbesondere LEDs, Elkos, Transistoren und Dioden. Bei Widerständen, Folien- oder Keramikkondensatoren ist die Polung hingegen unwichtig.

Da wir es hier mit Audioschaltungen zu tun haben, hat sich zur Fehlersuche auch ein einfacher und günstiger Signalgenerator bewährt (gibt es mittlerweile auch als App für das Smartphone). Man schickt das Testsignal an den Eingang des Effekts und verfolgt es gemäß Schaltplan, d. h. man schließt eine Teststrippe an einen Verstärker (Kopfhörerverstärker, Gitarrenverstärker, Mischpult etc.) an. Dort wo man kein Signal mehr hören kann, lässt sich dann der Fehler vermuten. Auch hier sollte man über rudimentäre Elektronikkenntnisse verfügen, einen Schaltplan interpretieren können oder gegebenenfalls einen kompetenten Fachmann zur Hilfe heranziehen.

DIY Effektpedal Workshop – in der Praxis

Das hier vorgestellte DIY-Modulationspedal befindet sich in einem sehr kleinen Alugehäuse der Größe A. Dieses zu verwenden empfehle ich nur dem sehr erfahrenen und geübten Bastler, da der „Newbie“ mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit daran verzweifeln wird, hier alle Bauteile funktionstüchtig unterzubringen.

Workshop DIY: Vibe-Pedal Modulationseffekt für E-Gitarre bauen

DIY Magnavibe, getestet, kyrillisch beschriftet und bereit für die Bühne

Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass die Herstellung von DIY-Projekten nicht gänzlich unkompliziert ist oder immer von Erfolg gekrönt sein wird. Dieser Artikel soll den interessierten AMAZONA.de Lesern lediglich eine Hilfestellung sein, ein geeignetes Projekt in Angriff zu nehmen. Wir übernehmen selbstverständlich keinerlei Haftung im Falle von Gesundheitsschäden oder eine Garantie, wenn der gewünschte Erfolg ausbleiben sollte! Bitte wendet euch bei unbeantworteten Fragen nicht an uns, sondern an die einschlägigen, oben genannten Foren.

Anbei ein kleines Demovideo des fertigen Projekts:

 

Und nun bleibt uns nur noch, euch viel Spaß und Erfolg zu wünschen!

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Plus

  • Bastelspaß garantiert
  • individuelles Design möglich
  • einfach modifizierbar
  • ggf. deutlich günstiger als das Original

Minus

  • elektronische und handwerkliche Vorkenntnisse unbedingt erforderlich
  • keine Erfolgsgarantie
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