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Test: Hagstrom Ultra Swede ESN BK, E-Gitarre

25. Dezember 2018

Günstige Paula aus Wikingen

Hagstrom Ultra Swede ESN BK

Die Hagstrom Ultra Swede ESN BK

Hagstroms „Ultraschwede“ dürfte ja mittlerweile vielen Gitarristen hinreichend bekannt sein. Um dieses Modell auch für weniger gut betuchte Anfänger bzw. preisbewusste Fortgeschrittene zugänglich zu machen, hat Hagstrom nun die ESN-Variante entwickelt. Diese wird in China gefertigt. Die drei Buchstaben ESN stehen für Essential. Dies soll laut Hersteller allerdings lediglich auf die Ausstattung dieser Ultra Swede-Serie zutreffen. Man verzichtet hier auf unnötige Schnörkel und Luxus, wie z. B. ein Coilsplitting per Push-Pull-Poti. Die Ultra Swede ESN ist demnach ein etwas minimiertes Single-Cut-Modell mit geschraubtem Hals und einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis.

Die ESN-Serie ist kostengünstig, verfügt aber dennoch über die wichtigsten Hagstrom Pro-Funktionen. Die Hagstrom Ultra Swede ESN besitzt beispielsweise den H-Expander Trussrod, der eine optimale Halsstabilität gewährleisten soll.  Das Sustainblock-Tailpiece verwendet sechs massive Messingblöcke, die laut Hersteller jede Saite einzeln direkt an den Körper „koppelt“, wodurch ein gutes Sustain erreicht werden soll. Die beiden Custom 62 Humbucking-Pickups aus eigenem Hause eignen sich für ein breites Spektrum an Musikstilen.

Diese Gitarre ist auch in der leicht abgewandelten Variante Hagstrom Ultra Swede CBB zu erstehen. Diese ist möglicherweise optisch für den einen oder anderen noch etwas attraktiver, aber auch geringfügig teurer.

Facts & Features der Hagstrom Ultra Swede ESN

Unschwer zu erkennen, ist die Hagstrom Ultra Swede ESN eine optische Kopie einer Gibson Les Paul, wobei wir doch einige Unterscheidungsmerkmale erkennen können. Die Gitarre kommt vernünftig eingestellt ins Haus, es bleibt aber noch etwas Spielraum für ein Finetuning bzw. die Optimierung der Werkseinstellung (Saitenlage). Die Elektrik wurde spartanisch gehalten. Auf Luxus, wie ein Binding am Hals oder aufwendige Griffbretteinlagen wurde verzichtet.  Die Optik der Hagstrom Ultra Swede ESN ist schwarz hochglänzend. An der Qualität der Lackierung sowie der Verarbeitung gibt es nichts auszusetzen. Der Hals der Gitarre ist mit vier Schrauben mit dem Korpus verschraubt. Die Gitarre wurde ab Werk mit einem 0,010er Satz D’Addario EXP 110 (10-46) bestückt. Ein Koffer bzw. Gigbag gehört nicht zum Lieferumfang, angesichts des moderaten Preises der schwarzen Schwedin ist dies aber zu verschmerzen.

Hagstrom Ultra Swede ESN – der Korpus

Der Korpus der Hagstrom Ultra Swede ESN besteht aus drei verleimten Mahagonistücken. Die Form des Korpus ist angelehnt an eine Gibson Les Paul. Das Cutaway hat eine etwas abgewandelte Form, dies hat vermutlich auch rechtlich Gründe. Die Decke der Gitarre ist „curved“, verzichtet aber auf eine Ahorndecke. Hier wurde also fertigungstechnisch etwas mehr Aufwand betrieben, als es beispielsweise eine „Plain Top“- Gitarre erfordert.

Der Hals

Der geschraubte Hals wurde aus Ahorn gefertigt. Die Mensur von 628 mm orientiert sich am Vorbild. Das Griffbrett wurde aus Jatoba gefertigt. In dieses sind 22 Bünde (Medium Jumbo) eingesetzt, diese Arbeit wurde gleichfalls einwandfrei ausgeführt. Das Abrichten und Polieren der Bünde wurde leider nicht optimal ausgeführt, dazu später mehr. Der Hals besitzt einen Radius von 15″, der damit sehr flach ausfällt und ein angenehm leichtes Ziehen der Saiten bei niedriger Saitenlage gestattet. Das Halsprofil hat die Bezeichnung Ultra Slim D. Ich selbst würde die Halsform eher mit einem „Slim D“ umschreiben, da der Hals schon eine gewisse Stärke besitzt und keinesfalls die Tiefe einer beispielsweise supersportlichen Ibanez aufweist.  Die Halsdicke beträgt am 1. Bund  21,6 mm, am 5. Bund 22,0 mm und am 12.Bund 22,2 mm. Die Sattelbreite beträgt 43 mm, was gleichfalls typisch für diese Modelle ist.

Auf aufwendige äußerliche Merkmale wurde in der ESN-Serie verzichtet, so finden wir beispielsweise kein Binding am Hals oder aufwendige Inlays. Die Griffbretteinlagen sind Pearloid Dots mit 6 mm Durchmesser. Der Sattel ist das Tusq XL Modell von GraphTech in Schwarz. Natürlich besitzt die Kopfplatte die firmentypische Form.

Hagstrom Ultra Swede ESN – die Hardware

Der Steg bzw. die Saitenhalterung der Gitarre ist außergewöhnlich, da wir hier das eigens von Hagstrom entwickelte Stop-Tailpiece mit sechs einzelnen (verchromten) Messingblöcken vorfinden. Die Brücke stammt aus eigenem Hause und hört auf den Namen „Longtravel T-O-M“ (für Tune-o-Matic). Der Saitenhalter setzt sich nicht nur optisch von vergleichbaren Konstruktionen ab. Dieser ist massiv ausgeführt und liegt auf dem Korpus auf. Die Saiten werden von hinten eingefädelt. Dies soll laut Hersteller einen besseren Kontakt mit dem Holz und somit zu einem besseren Sustain führen.

Die Mechaniken der Gitarre aus eigenem Hause besitzen eine Übersetzung von 18:1, was sich in der Praxis als durchaus sinnvoll erweist. Diese laufen sauber, packen aber auch gut zu. Auch die firmentypischen Flügelchen sind wieder an Bord, die gut mit dem Design der Gitarre harmonieren.

Elektrik der Hagstrom Ultra Swede ESN

Die Elektrik der Ultra Swede ist ebenso sinnvoll wie spartanisch. An Bord sind jeweils ein Volume- und ein Tonregler. Der bei einer Gitarre nach Gibson-Vorbild übliche 3-Way-Toggle-Switch finden wir an einer anderen Stelle, als von vielen Les Paul-Modellen gewohnt.

Der Volume-Regler wurde einem sogenannten Treble-Bleed ausgestattet. Die Kombination aus zwei Bauteilen, einem Widerstand und Kondensator (laut Hersteller R/C Circuit) verhindert, dass beim Zurücknehmen des Volume-Reglers ein Höhenverlust auftritt. Das ist grundsätzlich eine gute Idee und gehört heutzutage in jede Gitarre. Es gibt zwar auch Gitarristen, die dies generell ablehnen, die Vorteile eines Treble-Bleeds überwiegen jedoch. Ich persönlich bin ein ausgesprochener Befürworter, da alle meine Gitarren mit einem Treble-Bleed am Volume-Poti ausgestattet sind.

Die beiden Custom 62 Humbucker besitzen keine Metallkappen und fügen sich gut in das Design der schwarzen Ultra Swede ESN ein.

Hagstrom Ultra Swede ESN – Handling

Die Gitarre ist mit ihren ca. 3,5 kg natürlich etwas leichter als etwa eine gewöhnliche Gibson Les Paul mit Ahorndecke. Beim Spielen im Sitzen fällt auf, dass die Gitarre leicht kopflastig ist. Der Tonregler wurde (wahrscheinlich bewusst) etwas entfernt angebracht. Dieser wird im Allgemeinen meist auch nur selten gebraucht. Der Umschalter für die Tonabnehmer sitzt gleichfalls relativ „südlich“. Auf einen Fräskanal, den man bei einer klassischen Gibson Les Paul vorfindet (da sich der Toggleswitch hier ja im oberen Teil des Korpus befindet) wurde verzichtet.

Die Bespielbarkeit der Hagstrom Ultra Swede ESN ist ausgezeichnet. Der große Radius, die damit verbundene minimale Griffbrettwölbung und die angenehme relativ schlanke Halsform gestatten ein sehr entspanntes Spiel bei einer komfortablen Saitenlage.

Hört man genau hin, kann man an einigen Bünden beim Saitenziehen „Schabgeräusche“ hören. Das lässt darauf schließen, dass beim Abrichten der Bünde nicht überall fein genug gearbeitet wurde, bzw. nicht optimal poliert wurde. Durch das Spielen selbst wird sich dieses Phänomen irgendwann von selbst in Luft aufgelöst haben, da beim Saitenziehen die Bünde praktisch gleichfalls poliert werden, aber in diesem Punkt hätte man sich mehr Mühe geben müssen.

Hagstrom Ultra Swede ESN Rücken. freigestellt

Die Ultra Swede besitzt einen geschraubten Hals

Sound der Ultra Swede ESN

Trocken weist die Gitarre einen ausgewogenen Ton auf. Sie entwickelt trotz des geschraubten Halses ein gutes Sustain. Bei einer Konstruktion mit geschraubtem Hals darf man jedoch nicht das Sustain einer „echten“ Paula erwarten. Der Mahagonikorpus erzeugt einen warmen Grundklang, der auch gut mit den Tonabnehmern harmoniert. Die Gitarre klingt recht mittenbetont, was seinen Grund in der Wahl des verwendeten Holzes hat. Da die Ultra Swede ESN keine Ahorndecke besitzt, ist der Grundsound etwas dunkler.

Hören wir zunächst einige klare Sounds der schwarzen Schwedin, wir beginnen mit dem Halstonabnehmer:

Nun Hals- und Stegtonabnehmer parallel, der Sound ist für Rockabilly ideal:

Jetzt hören wir den Steg-Pickup:

Jetzt wird der verzerrte Kanal meines Peavey Miniheads aktiviert. Der Sound ist crunchy. Wir hören zwei Klangbeispiele, zunächst der Steg-Pickup:

Wir vernehmen einen warmen Ton in Verbindung mit einem schönen Biss. Gerade für Blues und Rock sehr gut geeignet.

Schließlich hören wir den Hals-Pickup (crunch), dieser klingt ausgewogen und nicht zu basslastig:

Die Custom 62 Humbucker Tonabnehmer hinterlassen einen guten Eindruck. Sie klingen ausgewogen und produzieren einen lebendigen Ton, der weder matscht noch zu höhenreich klingt.

Die Klangbeispiele wurden mit folgendem Equipment aufgenommen:

Hagstrom Ultra Swede ESN – Peavey Classic MH – MESA/Boogie 1 x 12″ Thiele Box mit Creamback Celestion Lautsprecher (Klon) – Shure SM57 – Apogee Duett – Mac mit Logic (etwas Hall und Delay hinzugefügt).

Fazit

Die Ultra Swede ESN mag im Vergleich zur regulären Ultra Swede auf Schnörkel und Luxus (wie etwa ein Coilsplitting) verzichten, aber weniger brauchbar ist sie deshalb noch lange nicht. Das Konzept ist durchdacht und liefert für den zu berappenden Preis dank der Custom ‘62 Ceramic Humbucker gute Soundergebnisse. Dieses ESN-Modell dürfte sich vorwiegend für junge Spieler eignen, die gute Funktionalität mit einem kleinen Preis vereinen wollen. Vor allem diese können für kleines Geld ein ausgezeichnet zu bespielendes Instrument erwerben, das Spiellaune macht und einen flexiblen Sound bereitstellt.

Plus

  • Sound
  • Verarbeitung
  • Preis-Leistungs-Verhältnis

Minus

  • leicht kopflastig
  • Bünde nicht optimal poliert

Preis

  • Ladenpreis: 349,- Euro
Klangbeispiele
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