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Test: Harley Benton Fusion-III EMG HT Roasted SBK, E-Gitarre

Shred-Maschine zum Sparkurs

19. Juli 2022
Harley Benton Fusion-III EMG HT Roasted SBK

Harley Benton Fusion-III EMG HT Roasted SBK

Nach Fusion II folgt Fusion III! Harley Benton unterzieht seinen Oberklassemodellen eine Revision, obwohl der Begriff „Oberklasse“ in diesem Zusammenhang vielleicht etwas merkwürdig klingen mag. Wie von Harley Benton gewohnt, befinden sich selbst die teuersten Modelle in einer sehr niedrigen Preisklasse, die es vor allem Einsteigern leicht macht, mit einem ordentlich gefertigten, gut zu bespielenden und ebenso gut klingenden Instrument die ersten wichtigen Schritte zu gehen. Mit der Fusion Serie schielt man aber sicher auch etwas auf die Pros oder zumindest die semiprofessionellen Spieler unter uns, denen für einen schmalen Kurs mittlerweile sehr ordentliches Material geboten wird. Die Harley Benton Fusion-III EMG HT Roasted SBK repräsentiert in ihrem mattschwarzen Finish, den zwei aktiven EMG-Pickups und dem Reversed Headstock eindeutig das Lager der Metal-Gitarren und steht nun neben mir für einen Test bereit.

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Harley Benton Fusion-III EMG – Specs & Features

Eine klassische Super-Strat sollte man meinen, wenn man die Harley Benton Fusion-III EMG HT Roasted SBK das erste Mal in Augenschein nimmt. Das stimmt so weit auch, lediglich ein Vibrato fehlt auf der Decke, dafür kommt die pechschwarze Axt mit meiner soliden Brücke, die die Saiten durch den Korpus führt. Diese Art der Saitenführung leistet einen nicht unwesentlichen Beitrag für den Grundklang des Instruments und ehrlich gesagt ist mir persönlich in dieser niedrigen Preisklasse ohnehin eine feste Brücke lieber als ein permanent von Stimmungsschwankungen betroffenes Vibratosystem. Nette Feinheit im Detail: Während die Brücke wie auch der aus Nyatoh hergestellte Korpus in mattem Schwarz erscheint, blieben die Schrauben der Saitenreiter unbehandelt und bieten damit einen schönen Kontrast zum ansonsten komplett schwarzen Design.

Ergonomisch von vorn bis hinten

Die Rückseite des Bodys bietet alle Annehmlichkeiten, die das Spielen mit dem Instrument ein Stück weit komfortabler machen. Dazu zählt vor allem der organisch geformte Hals-Korpus-Übergang, der einen nahtlosen Übergang in die hohen Lagen des Griffbretts ermöglicht und zusammen mit dem weit ausgesägten Cutaway beste Voraussetzungen für unbeschwerten Spielkomfort bietet. Nicht fehlen darf natürlich die oft zitierte „Bierbauchfräsung“, die das Instrument harmonisch an den Körper seines Benutzers anschmiegt. Übrig bleiben zwei Deckel auf der Rückseite, der größere erlaubt den Zugang zur Elektronik und der kleinere ist eigentlich gar keiner, sondern ein Fach zur Aufnahme einer 9-Volt-Batterie, mit denen die beiden aktiven EMG Retro 70 Humbucker versorgt werden.

Retro Hot 70 EMG Humbucker

Auch die Knöpfe der Potis sind schwarz, zwei gibt es davon, sie steuern wie erwartet die Lautstärke und den Klang der beiden Retro Hot 70 EMG Humbucker. Komplettiert wird die Schaltung von einem Dreiwegeschalter, weitere Optionen, wie etwa Coil-Split oder Out-of-Phase-Gimmicks sucht man vergebens. Die beiden Regler sind rein mechanisch betrachtet von guter Qualität, sie laufen sauber auf ihren Achsen und mit den aufgesteckten Metallknöpfen hat man stets einen zuverlässigen Zugriff. In der Praxis jedoch zeigt das Tone-Poti durch einen ungleichmäßigen Regelverlauf seine Schwächen. Dazu jedoch später mehr im Praxis-Check.

Roasted Maple Neck

Wunderbar, dass wärmebehandelte Hölzer auch in den unteren Preisregionen mittlerweile zum guten Ton dazu gehören. So besitzt auch die Harley Benton Fusion-III EMG HT Roasted SBK einen solchen Roasted Maple Neck aus kanadischem Ahorn, bombenfest eingeschraubt in seiner Tasche im Korpus. Dazu wurde ein ebenso geröstetes Griffbrett aus Ahorn aufgeleimt, das mit einer wunderbar intensiven Maserung dem Instrument durchaus einen Hauch von Luxus verleiht. Mit dem schlanken C-Profil, der nur satinierten Lackierung der Rückseite sowie  dem flachen Griffbrettradius von 305 mm bietet der Hals genau die Voraussetzungen, die man von einer Super-Strat erwartet. Dazu zählen gewiss auch 24 Bünde, die natürlich auch hier zum Einsatz kommen und von Kopf bis Fuß sauber eingesetzt und abgerichtet wurden. Etwas Kritik ist jedoch bei der Verarbeitung der Bundoberflächen angebracht, denn die wurden zumindest im Fall unseres Testinstruments nur unzureichend poliert und bremsen daher die ersten Sessions, etwa durch Schabgeräusche beim Ziehen der Saiten. Nach ein paar Stunden der Nutzung dürfte dieses Problem aber der Vergangenheit angehören.

Unser Blick wandert weiter nach oben über den sauber eingesetzten Graph Tech TUSQ Sattel bis hin zur Kopfplatte, die im Reversed-Design erscheint und mit sechs Klemmmechaniken ausgestattet wurde. Die stammen aus eigener Fertigung von Harley Benton und verrichten zuverlässig ihren Job. Während das Instrument in meiner Obhut war und über mehrere Tage fast täglich gespielt wurde, gab es keine nennenswerten Ausreißer bezüglich des Haltens der Stimmung. Und wenn überhaupt mal nachgestimmt werden musste, dann verrichten die Tuner recht präzise und ohne großes Spiel auf ihren Achsen klaglos ihren Dienst.

Harley Benton Fusion-III EMG HT Roasted SBK Headstock

Harley Benton Fusion-III EMG HT Roasted SBK Reversed Headstock

Wie klingt die Fusion-III EMG HT Roasted SBK?

Akustischer Grundklang / Handling

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Die Kombination aus Nyatoh für den Korpus und Ahorn für den Hals liefert einen spritzigen und zugleich knackigen Grund-Sound, der jedoch trotz der Saitenführung durch den Korpus nicht besonders vor Sustain strotzt. Aber gut, diesen Job können ja die EMGs übernehmen, zu denen wir gleich noch kommen. Die Bespielbarkeit ab Werk geht in Ordnung, könnte aber mit sauber polierten Bundoberflächen und einer sorgfältiger eingestellten Saitenlage noch besser sein. Beides lässt sich aber schnell arrangieren, das eine ergibt sich wie bereits besprochen von selbst und für das andere lässt sich in Sekundenschnelle ein Schraubendreher oder ein ähnlicher Gegenstand in die Schraube am Halsfuß einführen, um dort den Halswinkel zu korrigieren. Ansonsten aber war unser Testinstrument bezüglich seiner Oktavreinheit bestens vorbereitet, Akkorde und Voicings klingen auf der gesamten Länge des Halses stets rein und klar.

Elektrischer Sound

Über EMG-Pickups zu berichten, ist wie das berühmte „Eulen nach Athen“ tragen. Die in der Fusion-III EMG HT Roasted SBK verbauten Retro 70 Humbucker des US-Herstellers geben sich keine Blöße und fügen dem knackigen und spritzigen Grundklang ihre typische druckvolle Note hinzu. Hoher Output, geringes Rauschen und ein enormer Headroom bestimmen auch hier das Bild und machen die beiden Humbucker damit perfekt für High-Gain-Orgien mit Riffs und Lead-Sounds, bei denen es maßgeblich auf Druck und Präzision ankommt. Allerdings gibt es ein kleines Manko, das zumindest die Leute betrifft, die das Tone-Poti zur Formung ihrer Sounds einsetzen möchten (Ja, die soll es wirklich geben!). Ich hatte das Problem weiter vorne bereits angesprochen: Rein mechanisch betrachtet läuft der Regler wie auch das Volume-Poti sauber auf seiner Achse, jedoch ist der Regelweg alles andere als linear. Was konkret bedeutet, dass 80 % Drehung rein gar nichts bewirken und das Filter erst ab den letzten ca. 20 % erst richtig anfängt, in das Signal einzugreifen.

Einen Grund, die Tonblende einzusetzen, gibt es meiner Meinung nach ohnehin hier nicht, auch die unverzerrten Sounds können davon nicht unbedingt profitieren. Die profitieren aber ebenso von dem kraftvollen Sound der EMGs, sodass auch unverzerrt gespielte Linien und Soli glockenklar und mit einer hohen Durchsetzungskraft erzeugt werden. Und das wie immer nicht so nasal und quakend, wie man es in aller Regel von passiven Humbuckern gewohnt ist. Keine Frage: Diese Pickups passen zur Fusion-III EMG HT Roasted SBK wie die Faust aufs Auge!

Harley Benton Fusion-III EMG – Klangbeispiele

Für die folgenden Klangbeispiele habe ich die Harley Benton Fusion-III EMG HT Roasted SBK zusammen mit einem Mesa/Boogie Studio 22+ Combo eingesetzt. Vor dem Verstärker wurde ein AKG C3000 Mikrofon platziert.

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Fazit

Harley Benton macht uns mit der Fusion-III EMG HT Roasted SBK mal wieder ein extrem verlockendes Angebot. Das im Stil einer echten Super-Strat gefertigte Instrument überzeugt mit einer guten Verarbeitung sowie einer komfortablen Bespielbarkeit und hat mit seinen EMG-Pickups zwei ganz heiße Eisen im Feuer, die sowohl dem gestandenen Metaller als auch dem Einsteiger einen kompromisslosen Metal-Sound mit vielen Facetten liefern.

Plus

  • Verarbeitung
  • Klang
  • Optik
  • Preis-Leistungs-Verhältnis

Minus

  • Bundoberflächen ab Werk nicht ausreichend poliert (Testinstrument)

Preis

  • 449,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Django07

    Interessanter Test!
    Zum Thema Tone-Poti: so wie es sich verhält vermute ich, dass anstelle eines Audio-Potis ein linear arbeitender Poti verbaut wurde.
    Dadurch hat man dann dieses seltsame Verhalten bzgl. des Regelwegs.

    Also: ein lineares Poti führt zu nicht linearen Verhalten. Noch schlimmer: ein falsch herum eingelötetes „korrektes“ Poti…

    Wäre vielleicht mal mit Big T zu klären, ob dass ein Produktionsfehler oder ein Einzelfall ist.

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