Test: Heritage Audio OST-6, MCM-8, BT-500, Gehäuse, Mixer und Funkmodul

Heritage Audio MCM-8

Heritage Audio ist ein spanischer Hersteller, der sich vor allem mit Geräten der gehobenen Preisklasse im Studiobereich einen Namen gemacht hat. Und obwohl erst 2011 gegründet, zählen u.a. schon Größen wie die Atlantic Studios NYC zu den „bekennenden Kunden“.

Zum Test der aktuellen Produkte des Herstellers standen von Heritage Audio folgende Geräte der 500er Serie bereit:

  • ein 500er Gehäuse Heritage Audio OST-6 mit Platz für 6 Module
  • ein 500er Gehäuse und passiver Mixer Heritage Audio MCM-8 mit Platz für 8 Module
  • sowie ein Bluetooth-Modul Heritage Audio BT-500 zum Verbinden von Smartphones und anderen Streaming-Geräten

Die anderen Module im 500er Format werden in einem eigenem Test untersucht, da es hier um die Kategorie „Studio Essentials“ bzw. Infrastruktur geht.

Heritage Audio OST-6

OST-6 – leider gibt es keine Arretierung für die weiblichen XLR-Buchsen

Beginnen wir mit dem offensichtlich unscheinbarsten Kandidaten, dem Heritage Audio OST-6. Dieser ist aus dickwandigem Metallblech gefertigt und bietet sechs 500er-Modulen Platz. Test fertig – nein, nicht ganz, denn neben seiner tadellosen Verarbeitung, die in einem robusten Gehäuse resultiert, sind alle Kontakte goldbeschichtet. Das gilt für die 500er-Steckplätze ebenso wie für die XLR-Ein- und Ausgänge sowie den Anschluss für das mitgelieferte externe Netzteil. Einziges Manko hier ist das Fehlen von Arretierungen für die weiblichen XLR-Buchsen. In Anbetracht der Größe und damit beabsichtigten Transportabilität ist das schon als Minuspunkt anzusehen.

Kann mit den Ohren nicht fliegen – die mitgelieferten Rackwinkel

Wenn man möchte, kann man den Heritage Audio OST-6 auch ins 19-Zoll-Rack verbringen, die dazu nötigen Dumbo-Rackwinkel sind im Lieferumfang enthalten.

Gib mir deinen Saft

Die Besonderheit liegt in der Art, wie die einzelnen Slots mit Strom versorgt werden. Das externe Netzteil stellt zunächst die Spannungen für die zwei Versorgungsbusse (+17,5 V und -17,5 V) und die Phantomspannung von 48V bereit. OST steht für „On-Slot Technology“, die dafür sorgt, dass die Spannungsversorgungen der einzelnen Slots voneinander entkoppelt sind, da sie von jeweils einzelnen linearen Spannungsreglern versorgt werden. Das wird insbesondere dann nützlich, wenn man 500er-Module von verschiedenen Herstellern in der Box betreibt, die sich in ihren Spezifikationen untereinander unterscheiden. Dadurch besteht die Gefahr, dass sich dann die Module gegenseitig beeinflussen, da sie alle auf denselben Spannungsregler zugreifen.

…we at Heritage Audio think this is the professional way of handling this reliably, eliminating issues often associated with sharing power between different modules of different brands and natures.

Aus den +17,5 V und -17,5 V werden dann für die eigentlichen Module +16 V/-16 V. Dabei kann die gesamte Box pro Versorgungsbus entweder mit 1,6 A (1,8 A kurzeitig) belastet werden, aber höchstens mit 400 mA pro Bus und Slot. Für die Phantomspannung stehen 140 mA zur Verfügung.

Das Gesagte gilt auch für die 8-fache 500er-Box Heritage Audio MCM-8, die zusätzlich über eine Passivmixerfunktion verfügt.

Das Netzteil, das die einzelnen linearen Spannungsregler versorgt, ist als Schaltnetzteil konzipiert

Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass das „Reizwort“ Schaltnetzteil weder auf der Website noch im als PDF vorliegendem Handbuch (nur für MCM-8) auftaucht. Denn betrachtet man das externe Netzteil, bleibt einem nur der Schluss, dass es sich um ein Schaltnetzteil handeln muss. Es ist nicht besonders groß und dabei sehr leicht – Eigenschaften, die einem klassischen Trafonetzteil bei den o.g. Spezifikationen abgehen würden. Sei‘s drum, an einem Schaltnetzteil ist per se nichts verkehrt, vorausgesetzt, es ist gut umgesetzt, die Schaltfrequenz liegt weit über dem Audiobereich und der Ausgang ist geglättet. Im Test konnte ich dann auch keine wahrnehmbaren Einstreuungen feststellen.

Heritage Audio MCM-8

Das Heritage Audio MCM-8 bietet acht 500er-Modulen Platz und verfügt zusätzlich über eine Stereobus-Mixerfunktion. Diese ist rein passiv ausgelegt, nur am Ende der Summierung sorgt ein Aufholverstärker für die Anhebung auf Line-Pegel. Der Signalhub kann dabei bis zu 26 dBu betragen – also reichlich Saft für die nächste Stufe. Die einzelnen Panoramaregler, die eine satte Mittenrasterung haben, folgen dabei der 3 dB-Panorama-Regel (die besagt, dass ein Signal hart links oder hart rechts 3 dB lauter sein muss, um als gleichlaut mit einem Center-Signal wahrgenommen zu werden).

Signalfluss des MCM-8 von Heritage Audio ohne DB-25-Verbindungen

Da das Summenpoti vor der letzten Stufe liegt, bietet sich die Möglichkeit, diese bei Bedarf in die Sättigung zu fahren, wenn der Pegel dafür heiß genug ist. Der Aufholverstärker ist übrigens vom gleichen Typ, wie der im 1076-Modul von Heritage Audio. Genau wie bei diesem geht das verstärkte Signal zum Schluss in einen Übertrager, der am Ausgang das Signal mit einer Impedanz von 600 Ohm bereitstellt.

Satt und griffig – die Potis am MCM-8

Again, following the vintage topology, a stereo transformer coupled class A output amplifier is employed for this task. This amplifier is the same one used in the 1073 module.

Wie am Signalfluss ersichtlich besteht die Möglichkeit, das Signal sowohl zum Mixer als auch zum hinteren Ausgang zu schicken. Mit einem „Trick“ kann man das Heritage Audio MCM-8 auch ohne Module als Mixer benutzen. Nutzt man einen XLR-Male-auf-Female-Adapter kann man das Signal über die Ausgänge einspeisen und der Summierung zuleiten. Das sollte jedoch tunlichst vermieden werden, wenn noch ein Modul in dem Slot sitzt: Die niedrige Ausgangsimpedanz des Moduls würde das Eingangssignal stark beeinflussen und verzerren.

Zum Mixer gehören noch die AUX-L- und AUX-R-Eingänge, mit denen man eine Stereosumme einspeisen kann, um damit beispielsweise mehrere MCM-8 zu verketten. Der Ausgangspegel kann dann an zwei VU-Metern abgelesen werden, deren Null-Position bei +8 dBu kalibriert ist.

Die letzten Anschlüsse sind je zwei Tascam DB25-Buchsen, die die acht Ein- und Ausgangssignale spiegeln.

Heritage Audio BT-500

Das Modul ist dafür konzipiert, den Studioalltag einfacher zu machen. Bei Besprechungen mit Kollegen und Bands werden immer wieder Smartphones gezückt „… hier hör mal, so soll das klingen“. Dabei kamen bislang immer die unbeliebten Stereoklinken zum Einsatz, die erstens nicht immer auf jedes Smartphone passen und zweitens gezwungenermaßen durch den DA-Wandler des Smartphones laufen – die je nach Hersteller und Produkt doch erheblich variieren.

Dauert keine zwei Sekunden – und die Verbindung steht

Genau hier schafft das Heritage Audio BT-500 Abhilfe. Es verbindet sich über Bluetooth mit dem Smartphone und überträgt die Daten digital. Das BT-500 kennt dabei drei Protokolle: AAC, APTX und das Consumer-Protokoll SBC.

Die Bedienung ist selbsterklärend: Im Smartphone/Tablet zeigt sich das Modul als HERITAGE BT500 und muss nur noch gekoppelt werden – fertig. Ist das Signal empfangen, so wird Verarbeitung des Signals nach der DA-Wandlung von Burr-Brown-OpAmps übernommen, die als Referenz in der Klasse gelten. Jetzt steht das Signal der Box mit bis zu 22 dBu und einer studiotauglichen Impedanz von 600 Ohm zur Verfügung. „Selbstverständlich gilt die Einschränkung, dass das BT-500 nur ein Mono-Signal auf den 500er Bus geben kann?“ Eigentlich nicht. Denn da bei dem Modul der XLR-Eingang des Slots nicht benötigt wird, wird hier eben der zweite Kanal ausgegeben. Um das zu verkabeln, benötigt man einen Adapter, der löblicherweise auch dem BT-500 beiliegt.

Über den Reset kann das gerade gepaarte Gerät wieder rausgeworfen werden

Das Tablet im Test nutzte das SBC-Protokoll und obwohl rein akustisch keine Artefakte oder Verzerrungen zu vernehmen wahren, sieht der Vergleich eines Testsignals als Original (WAV) und als aufgenommener Stream nicht so prickelnd aus. Das ist auch kaum verwunderlich, denn um über das doch recht lahme Bluetooth übertragen zu werden, muss die Datei zwangsläufig komprimiert werden – und damit handelt man sich all die tollen Sachen einer solchen Komprimierung halt ein. SBC hat eine maximale Bandbreite von 372 kbit/s und wenn diese vollständig übertragen werden können (keine Hindernisse oder Störquellen in der Nähe) ist die Qualität mit einem MP3 von etwa 192 kbit/s vergleichbar – das sollte für einen einigermaßen guten Klangeindruck sorgen, ist jedoch nichts für den Master-Mixdown.

Ein kleiner Vergleich zwischen originalem WAV, kodiertem MP3 und einer Aufnahme des über SBC übertragenen Signals

Das BT-500 von Heritage Audio versteht aber noch andere Protokolle. Bluetooth selber arbeitet mit einer maximalen Bandbreite von 768 kbit/s und wenn beide Geräte z.B. AAC verstehen, so fällt die zusätzliche Komprimierung über SBC zumindest weg. AAC, von Apple genutzt, hat also hier den Vorteil, dass iTunes und YouTube (die häufigsten Show-Off-Quellen) direkt streamen können, ohne den Codec konvertieren zu müssen. APTX wiederum ist der Standard, den die meisten Android-Geräte adaptieren, um Audio zu streamen. Dieser setzt sich auch für viele Wireless-System in Home-Entertainment und „Hi-Fi“ durch.

Wohlgemerkt, keines der Protokolle ist nicht verlustbehaftet. Eine echte Referenz können nur möglichst hochqualitative WAVs sein. Aber den Studioalltag erleichtert es doch ungemein.

Fazit

Alle hier vorgestellten Geräte machen ihren Job sehr gut. Besonders hervorstechend ist der passive Mixer MCM-8, da er auch ohne Module als „akustischer Kleber“ genutzt werden kann. Die Färbung, die jede Benutzung eines Übertragers mit sich bringt, ist dabei angenehm zurückhaltend und bändigt die Höhen etwas, während es Mitten und Bässe ein wenig hervorhebt. Das ergibt dann diesen sogenannten „Vintage“-Charakter. Mit der Möglichkeit, den Aufholverstärker in die Sättigung zu fahren und so auch dem Übertrager mehr Saft zu geben, kann dieser Charakter noch verstärkt werden, indem man über eine subtile Übersteuerung den Obertongehalt des Signals anreichert.

Der OST-6 ist einfach ein zuverlässiges Arbeitstier, bei dem ich, mehr als beim eher stationären MCM-8, die Arretierung für die weiblichen XLR-Buchsen vermisse.

Das BT-500 Modul ist für das Gebotene schon sehr günstig und macht endlich Schluss mit den Mini-Stereoklinke-Fummeleien. Die Natur des Bluetooth-Protokolls macht eine verlustfreie Übertragung zwar unmöglich, ein krass entstellender Unterschied war aber nicht auszumachen.

Plus

  • OST-6: getrennte Stromversorgung per Slot
  • MCM-8: getrennte Stromversorgung per Slot, Nutzung als passiver Summierer auch ohne Module
  • BT-500: sehr einfache Bedienung, native Unterstützung von AAC und APTX-Codec.

Minus

  • OST-6: weibliche XLR-Buchsen ohne Arretierung

Preis

  • Ladenpreise:
  • MCM-8: 1469,- Euro
  • OST-6: 479,- Euro
  • BT-500: 219,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Dieses 500er Format ist für den besonders fleißigen Musiksklaven und GAS Süchtigen genau das gefundene Fressen. Die Dinger sehen aber auch einfach verführerisch aus und sind leider gar nicht ohne Kredit zu haben. Ich wage mich solchen Geräten noch nicht einmal mehr als 100m zu nähern. Auch wenn ich es nicht bräuchte, aber es ist einfach sexy, verführerisch….. schnell weg hier!

    • Profilbild
      t.goldschmitz  RED

      Ja, dieser Einstellung kann ich mich nur anschließen. ich hab ja jetzt schon ein paar Module (u.a. von Rupert Neve Designs) getestet.
       
      Wenn man die einmal in Aktion gehört hat, möchte man die tatsächlich nicht mehr hergeben. Es klingt in der Tat einfach verführerisch edel.

Kommentar erstellen

Die AMAZONA.de-Kommentarfunktion ist Ihr Forum um sich persönlich zu den Inhalten der Artikel auszutauschen. Sich daraus ergebende Diskussionen sollten höflich und sachlich geführt werden. Haben Sie eigene Erfahrungen mit einem Produkt gemacht, stellen Sie diese bitte über die Funktion Leser-Story erstellen ein. Für persönliche Nachrichten verwenden Sie bitte die Nachrichtenfunktion im Profil.