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Test: Zoom M4 MicTrak, mobiler 4-Spur-Recorder

Mobile Recorder (nicht nur) für Filmemacher

23. Juni 2023
Zoom M4 MicTrak test

Zoom M4 MicTrak, mobiler 4-Spur-Recorder

2009, also vor 14 Jahren, hatten wir hier bei AMAZONA.de den ersten mobilen Recorder von Zoom im Test, den inzwischen fast schon legendären Zoom H2. Im Laufe der Zeit hat es Zoom dann – vielleicht noch zusammen mit Tascam – geschafft, zu einem „Tempo-Taschentuch“ der kleinen Aufnahmegeräte zu werden: Fällt der Begriff „mobiler Recorder“, denkt man automatisch an Zoom. Oder, ok, an Tascam. Was zum einen sicherlich daran liegen mag, dass Zoom in all den Jahren beständig nachgelegt und immer neue, verbesserte Modelle auf den Markt gebracht hat, zum anderen aber auch, dass man auch technisch immer ganz vorne mit dabei und Innovationen nicht abgeneigt war. So wie jetzt zum Beispiel mit der neuen M-Serie, bei denen es sich um „Mikrofone“ mit eingebauten Recordern handelt, mit 32-Bit-Float-Aufnahmen und integriertem Timecode-Generator. Deren Flaggschiff Zoom M4 MicTrak schauen wir uns jetzt einmal näher an: Was steckt hinter all den neuen Features und Ideen? Und wie bewähren die sich in der Praxis? Macht es am Ende wirklich „zoom“, wie Klaus Lage einst versprach?

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Zoom M4 MicTrak

Welche Recorder bietet Zoom an?

Bevor wir loslegen, bringen wir doch mal kurz gedanklich ein wenig Ordnung in die mannigfaltigen Zoom-Produktlinien. Die nur auf den ersten Blick vielleicht ein wenig verwirren. Zoom hat fünf Recorder-Produktreihen:

  • Die Handy-Recorder, die allesamt mit einem vorangestellten „H“ im Namen gekennzeichnet sind und aktuell mit sieben Geräten von H1n bis H8 vertreten sind. Die decken alles ab vom Zweispur- und Multitrack-Recorder bis hin zu 360 Grad- und Surround-Sound.
  • Die Field-Recorder, die allesamt mit einem „F“ starten und ebenfalls mit aktuell sieben Geräten (F1 – F8) am Start sind, plus dem F-Control, einem Controller für F8n und F6. Darunter sind sowohl Zweispur- als auch Multitrack-Recorder.
  • Die Podcast-Recorder-Reihe mit dem PodTrak P4 und dem PodTrak P8
  • Drei spezielle Video-Recorder, die erstaunlicherweise aber nicht mit einem „V“, sondern mit einem „Q“ starten, warum auch immer (Q2n-4K, Q8, Q8n-4K).
  • Und jetzt neu hinzugekommen, die drei MicTrak-Recorder M2, M3 und M4, mit denen Zoom eine eigene Reihe startet.

Der im letzten Jahr erschienene F3 Field-Recorder beherrscht übrigens ebenfalls die 32-Bit-Float-Aufnahme, ebenso der Zoom F2, F6 und der F8n. Mit dieser Technik ist Zoom also auch auf mobilem Gebiet bereits vertraut. Weshalb der Hinweis „der M4 MicTrak ist der erste tragbare Recorder mit 32-Bit-Float-Aufnahme“ – zu lesen auf der M4-Produktseite – so eigentlich nicht ganz richtig ist. Aber nun gut, da wollen wir jetzt mal nicht kleinlich sein.

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Mehr Informationen

Zoom M4 MicTrak: Technische Fakten & Daten

Der Zoom M4 MicTrak ist ein 4-Spur-Mobil-Recorder in Form eines Mikrofons mit zwei neuentwickelten Stereo-X/Y-Mikrofonen hinter dem oben gelegenen Mikrofonkäfig. Deren Empfindlichkeit gibt der Hersteller mit -42 dB (1 kHz bei 1 Pa) an. Über zwei weitere Mic/Line-Eingänge (maximaler Eingangspegel: +4 dBu (MIC), +24 dBu (LINE) lassen sich auch externe Mikrofone oder Instrumente anschließen, die Vorverstärker stammen aus der F-Serie. Der Signalrauschabstand der Eingänge liegt bei -127 dBu. Jede Eingangsschaltung verfügt über zwei A/D-Wandler mit unterschiedlicher Eingangsverstärkung, die abhängig vom Eingangspegel automatisch umschalten. Das soll eine Anpassung der Eingangsverstärkung von Hand überflüssig machen.

Bis zu vier Spuren können gleichzeitig aufgenommen werden (2x internes XY MIC, 2x XLR/TRS Eingänge). Der integrierte Timecode-Generator für die Synchronisation mit Videos arbeitet mit einer Genauigkeit von 0,2 ppm. Der M4 kann auch als Audiointerface mit 32-Bit-Float-Technologie (4 IN, 2 OUT) genutzt werden. Aufgezeichnet wird auf microSD-Karten bis 1 TB Größe, die Stromversorgung erfolgt über 4 AA-Batterien, die bis zu 18 Stunden halten sollen. Alternativ kann die Stromversorgung des M4 auch über ein am USB-Port angeschlossenes Wechselstromteil, über USB-Bus-Power oder ein Akku-Pack betrieben werden. Die hätten dann immer Priorität vor den Batterien, die in dem Fall nicht extra entnommen werden müssten.

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235 g bringt das M4 ohne Batterien auf die Waage, mit den vier AA-Zellen sind es dann 330 g. Zum Vergleich: Zoom H5 176 g (leer), Tascam DR-40X 213 g (leer), Tascam Portacapture X6 365 g (mit Batterien). Kein Leichtgewicht also, aber noch im üblichen Rahmen. Getestet wurde das M4 mit der zum Testzeitpunkt aktuellen Firmware-Version 1.10.

Zoom M4 MicTrak

Die „Windschutzscheibe“

Was gehört zum Lieferumfang des Zoom M4 MicTrak?

Die kleine, unscheinbare braune Pappbox mit den angenehm dezenten schwarzen Aufdrucken hat gerade einmal Platz genug für das M4 MicTrak selber, einige Kurzanleitungen in mehreren Sprachen und zwei kleine Stoffsäckchen, die auf der deutschen Produktseite von Zoom irritierenderweise als „Windschutzscheibe“ bezeichnet werden. Ja, es gibt Begriffe (wie eben „Windshield“), die man nicht zwingend übersetzen sollte. Und wenn, dann bitte nicht mit Google Translate. Dass diese dünnen Säckchen sich aber nun tatsächlich als „Windschutz“ eignen, kann ich mir kaum vorstellen. Aber vielleicht wurde ja Kryptonit mit eingearbeitet oder der Stoff nach einer Geheimformel gewebt – das prüfe ich nachher mal, erinnert mich bitte daran.

Weitere Beigaben – wie etwa ein „richtiger“ Windschutz, Kabel oder Software-Versprechen – gibt es nicht. Dafür aber auch kein unnötiger Plastikmüll. Die komplette Verpackung besteht aus Pappe, deren ökologischer Fußabdruck nicht durch unnötige Hochglanzdrucke geschmälert wurde.

Äußerlichkeiten und Verarbeitung: Klavierlack und Kunststoff

Die Anordnung der einzelnen Elemente ist übersichtlich und planmäßig: Oben das Gitter mit den beiden über Kreuz angeordneten (Kugel-) Mikrofonen, darunter ein kleines Farbdisplay. Die Knöpfe liegen (fast) alle in Reichweite des Daumens und sind auch ohne große Verrenkungen recht gut erreichbar.

Das Gehäuse des M4 MicTrak selber will jedoch so gar nicht zur umweltfreundlichen Verpackung passen: Bis auf die Verriegelungen der XLR-Klinke-Kombo-Buchsen und das wabenförmige Gitter der X/Y-Mikrofone besteht es komplett aus Kunststoff. Mal abgesehen davon, dass ein „Drop the Mic“ zwar vielleicht cool aussieht, aber generell meist blöde Folgen für das Mikrofon hat, wären meine Sorgen beim M4 da noch ungleich größer. Besonders stabil und widerstandsfähig sieht es eher nicht aus. Aber da Crash-Tests für gewöhnlich nicht zum üblichen Umfang unserer AMAZONA.de-Tests gehören, bleibt es bei meiner Vermutung. Andererseits spart man durch den massiven Kunststoffeinsatz wiederum Gewicht, was bei einem mobilen Gerät ein nicht ganz unwichtiger Aspekt ist. Vor allem dann, wenn man es für längere Zeit in der Hand halten muss. Die Hand hinterlässt dann auf dem schwarzen Klavierlack auch dezent Fingerabdrücke. So eine Lackierung sieht halt immer nur so lange wirklich edel aus, so lange niemand auf die Idee kommt, das Objekt in die Hand zu nehmen.

Allerdings hat sich Zoom dabei etwas gedacht: „Ziel der Entwicklung des M4 war es, den leisesten Handheld-Recorder aller Zeiten zu bauen. Die einzigartigen X/Y-Mikrofone und das Hochglanzfinish minimieren Handgeräusche und sorgen so zu jeder Zeit für eine saubere und klare Audioqualität.“ Eine Lackierung, die Handgeräusche minimiert? Also doch Kryptonit? Neugierig, wie ich bin, habe ich natürlich direkt mal bei Zoom nachgefragt. Die Antwort: „Zoom hat ausführliche Tests bei der Entwicklung gemacht und z. B. gummierte Gehäuse bzw. raue Lackierungen wie beim H1n bzw. H5 mit glatten Lackierungen verglichen. Dabei ist aufgefallen, dass Geräusche, die bei Bewegungen der Hand/Finger über das Gehäuse entstehen, bei glatter Oberfläche weniger bzw. leisere Nebengeräusche erzeugen als bei angerauter Oberfläche. Eine raue Oberfläche erzeugt mehr Widerstand als eine glatte Oberfläche, vor allem bei Bewegungen.“

Die glattpoliert-glänzende Oberfläche ist allerdings nicht dazu angetan, ein besonders sicheres Griffgefühl aufkommen zu lassen. Besonders, wenn man (im Sommer) mit schwitzigen Händen den M4 in der Hand bewegt, um die Knöpfe zu betätigen, könnte das in hektischen Situationen schon mal schiefgehen. Vielleicht wäre da ja eine Sicherungsschlaufe – wie man sie zum Beispiel an Kameras oder auch den Controllern der Nintendo Switch findet – eine Option?

Was mir dagegen sofort gefällt, ist die schlanke, einem Mikrofon nachempfundene Form. Für gewöhnlich neigen mobile Multitrack-Recorder ja eher zur Korpulenz, sprich zu einer etwas unhandlichen Kastenform, wie z. B. der Zoom H6 oder der Tascam Portacapture X8. Das M4 dagegen ist wohltuend schlank, liegt gut in der Hand, keine Knöpfe werden verdeckt – form follows function. Was in der Breite fehlt, wird in der Länge wettgemacht: Mit 20,8 cm ist das M4 MicTrak wohl jeder Hosen- und Jackentasche entwachsen.

Zoom M4 MicTrak

Als Batteriefach dient eine Schublade, die nach unten herausgezogen wird und die vier benötigten AA-Batterien aufnimmt. Das Fach ist durch eine Rändelschraube auf der Unterseite gesichert, die sich auch ohne Werkzeug bequem mit den Fingern öffnen lässt. Die Schraube selber wiederum kann nicht verloren gehen, da sie fest mit dem Gehäuse verbunden ist. Ebenfalls auf der Unterseite befindet sich das Stativgewinde, im Griff auf der Vorderseite entdecke ich einen (sehr) kleinen Lautsprecher.

Zoom M4 MicTrak

Anschlussvielfalt am Zoom M4 MicTrak

Beim Thema „Anschlüsse“ hat das M4 einiges zu bieten. Über zwei XLR/TRS-Kombo-Buchsen lassen sich externe Mikrofone, aber auch Instrumente anschließen. Einen Pluspunkt gibt es dafür, dass die beiden verriegelbar sind. Gut so, denn gerade bei Geräten, die (in der Hand) ständig in Bewegung sind, ist die Gefahr doch groß, dass da mal unbeabsichtigt am Kabel gezogen wird. Da die beiden Buchsen sich recht weit oben links und rechts an den Seiten neben dem Display befinden, kommt man denen da auch nicht mit der Hand ins Gehege. Übrigens lassen sich auf die XLR-Buchsen nicht nur die üblichen +48 V aufschalten, sondern auch +24 V, ein selten gesehenes Feature. Und das auch einzeln, ein Mikrofonmix (eins mit Phantomspeisung, eines ohne) ist daher also möglich, nicht aber ein Mix aus +24 und +48 V – die gewählte Phantomspeisung (24 oder 48 V) gilt für beide Anschlüsse.

Ebenfalls günstig platziert ist die Kopfhörerbuchse (3,5 mm). Weiter unten auf der linken Seite – und damit dann schon im Handbereich – sind die Anschlüsse für eine Zoom-Fernbedienung wie RC2, RC4, RCH-5 oder RCH-6, der Line-Out (Stereo-Miniklinke) und der USB-C-Port. Letzterer dient zum Anschluss an PC, Smartphone oder Tablet, um das M4 als Kartenleser oder USB-Mikrofon zu verwenden. Die Stromversorgung über den USB-Bus wird unterstützt.

Auf der rechten Seite haben wir oben unter der Kombo-Buchse einen Mic/Line-In (Miniklinke); diese Buchse unterstützt Mikrofone mit Plug-in-Power. Weiter unten, wieder im Handbereich, dann schließlich noch die Buchse für SMPTE-Timecode IN/OUT. Der vom M4 generierte Timecode hat laut Hersteller eine Abweichung von weniger als 0,5 Frames in 24 Stunden.
Zoom M4 MicTrak

Bedienbuttons und Display: Wie lässt sich der mobile Recorder bedienen?

Die Bedienbuttons unterhalb des kleinen Displays liegen allesamt in bequemer Griffweite des Daumens, sowohl für Links- als auch für Rechtshänder. Im unteren Bereich auf der Oberseite befinden sich fünf Transporttasten, wobei der zentrale Rec-Button etwas größer ausgefallen und mittig untergebracht ist – den erwischt man auch, ohne hinzuschauen. Die darüber liegenden sechs Taster sind zum einen im laufenden Aufnahmebetrieb direkten Funktionen zugeordnet, wie Zuschalten eines Low-Cuts, das Umschalten zwischen internem und externem Mikrofon oder das Ändern des Aufnahmepegels. Befindet man sich im Menü, kann ich damit scrollen, auswählen und vor- und zurückspringen. Anfangs vertippt man sich da gerne mal, da die Buttons zwar mehrere Funktionen, aber (aus Platzgründen) nicht auch mehrere Beschriftungen haben, aber nach ein paar Minuten kommt das deutlich seltener vor. Die Tasten sind klein, aber griffig und melden mit einem passend dezenten „Klick“ Vollzug – dezent genug, um nicht mit auf der Aufnahme zu landen, aber deutlich genug, um ein haptisches Feedback zu bekommen. Sämtliche Buttons lassen sich über eine Hold-Funktion gegen eine versehentliche Bedienung absichern.

Auf der rechten Seite befindet sich – für Rechtshänder genau auf Daumenhöhe – der Button zum Aufruf des Menüs. Das ist so gestaltet, dass die fünf Punkte (Aufnahme-Einstellungen, USB, SD-Karte, Timecode und System) genau ins 1,54 Zoll (240 x 240) große Farb-Display passen, ohne dass ich scrollen müsste. Der Verzeichnisbaum ist logisch und ohne zu viele Äste aufgebaut, nach spätestens zwei Klicks hat man das Gesuchte fast immer gefunden. Trotz der geringen Größe ist das Display gut ablesbar (so lange nicht gerade das Sonnenlicht darauf fällt oder man schräg darauf schaut) und zeigt alles gerade Relevante sauber an – während der Aufnahme sogar Wellenformen, damit lässt sich gut arbeiten.

Auf der linken Seite die Wippe für die Lautstärke des eingebauten Lautsprechers, bei dem ich mir jetzt – angesichts seiner schmalen 500 mW „Leistungsstärke“ – das Wortspiel „Leisesprecher“ verkneife. Aber man muss die Wippe schon auf Anschlag haben, um da etwas zu hören. Das reicht für „hat der überhaupt was aufgenommen“, mehr aber auch nicht. Aber gut, ich betrachte Speaker bei mobilen Recordern ohnehin eher als nettes Extra, insofern: alles gut. Wer mehr will, nutzt ohnehin den Kopfhörerausgang oder den Line-Out.

Zoom M4 MicTrak

Recording-Szenarien für den Zoom M4 MicTrak

Erfreulich: Eine MicroSD-Karte muss nicht erst formatiert werden, um am M4 zu funktionieren. Im Test hatte ich zum Beispiel einfach eine aus meinem Denon DN-300R eingesetzt, die sofort akzeptiert wurde.

Zur Aufnahme werden entweder die eingebauten Mikrofone mit einer nach innen gerichteten X/Y-Stereoanordnung eingesetzt und/oder zwei externe Mikrofone an den XLR-Klinke-Kombo-Buchsen. Hier können dann auch andere Line-Geräte wie Instrumente oder Mixer angeschlossen werden. Gitarren oder Bässe sind aber mangels Hi-Z-Support nicht willkommen

Gleichzeitig ist die Aufnahme von bis zu vier Spuren möglich. Damit lassen sich dann auch schon mal kleinere Singer/Songwriter-Projekte aufzeichnen, zum Beispiel Gesang über ein externes Mikrofon und die Gitarre über das interne X/Y-Mikrofon. Aber auch Konzertaufnahmen sind machbar: Die Musik als Stereomischung über den Mixer, während die internen Mikros das Publikum aufnehmen. An die MIC/LINE-Buchse (Miniklinke), auf Plug-in-Power aufgeschaltet werden kann, kann zudem auch ein Lavalier-Mikrofon (oder ebenfalls eine Line-Quelle) verkabelt werden. Das M4 ist da also schon recht vielseitig aufgestellt.

Zoom M4 MicTrak

Die Recording-Feature und der Aufnahmeprozess des Zoom M4 MicTrak

Die Samplingrate ist einstellbar (wahlweise 44,1 kHz, 48 kHz, 96 kHz, 192 kHz sowie 47,952 kHz und 48,048 kHz für den Filmton – Stichwort Video-Pulldown), nicht aber das Format: Hier ist WAV (BWF/iXML) fix. Ebenso festgelegt ist bei der Aufnahme das 32-Bit-Float-Format, was eine Anpassung der Aussteuerung überflüssig machen soll. Ob dem wirklich so ist, probiere ich gleich natürlich aus. Beim späteren Datei-Export kann ich aber die Wortbreite ändern (dann auf 16 bzw. 24 Bit). Eine Umrechnung in andere Dateiformate wie etwas MP3 (wie sie zum Beispiel der Zoom PodTrak P8 anbietet) ist nicht vorgesehen.

Gestartet wird die Aufnahme ohne Umwege direkt über den Rec-Button. Es gibt auch Recorder, bei denen das Gerät durch den Druck auf den Rec-Button erst in eine Aufnahmebereitschaft versetzt wird und erst ein erneuter Druck die Aufnahme startet. Was einerseits praktisch für das Einpegeln ist, in der (Radio-) Praxis aber eher schon mal zu Fehlern führt, weil man a) dadurch Zeit verliert und b) zuweilen auch schon mal den zweiten Klick vergisst. Da das M4 aber ohnehin mit 32-Bit-Float aufnimmt und das Einpegeln damit überflüssig macht, ist das hier definitiv die bessere Option.

Und ist man hier mal zu spät dran, kann die optional zuschaltbare Pre-Record-Funktion helfen, die bis zu sechs Sekunden mitschneidet (da das Eingangssignal dann permanent zwischengespeichert wird), bevor ich die Recordtaste betätige. Bei 96 kHz reduziert sich die Pre-Record-Zeit allerdings auf 3 Sekunden, bei 192 kHz ist es nur noch eine Sekunde. Auch das probiere ich natürlich gleich mal aus. Gestoppt wird die Aufnahme – nein, nicht über ein erneutes Betätigen des Rec-Buttons, sondern durch die Stopptaste. So wird verhindert, dass ein versehentlicher Doppelklick die Aufnahme ruiniert. (Fragt lieber nicht, ob mir das schon mal passiert ist – ich will nicht darüber sprechen.) Ein erneutes Drücken der Rec-Taste hingegen setzt praktischerweise Marker in der Aufnahme, die ich dann später beim Abhören über die Vor-/Zurückspul-Tasten anspringen kann. Das ist alles sehr durchdacht und praxisnah.

Apropos Marker: Zur Synchronisation mit einem Video kann ich auf Wunsch auch einen halbsekündigen Signalton als Tonmarker über Phone-Out oder Line-Out ausgeben und in die Aufnahmedatei schreiben lassen. Während der Aufnahme kann ich diese auf dem Display als zwei grafische Wellenformen (Stereo, in der Größe anpassbar) verfolgen, der Name der Datei und die verstrichene Zeit werden ebenfalls dargestellt. Zur Minimierung von Nebengeräuschen kann bei Bedarf ein Hochpassfilter zugeschaltet werden (Off, 80, 160, 240 Hz). Weitere Effekte, die von anderen mobilen Recordern her bekannt sind, wie etwa ein EQ oder ein Limiter, gibt es hier nicht. Letzterer wäre aber auch aufgrund der 32-Bit-Float-Technologie ohnehin überflüssig.
Zoom M4 MicTrak

Abhör- und Bearbeitungsfunktionen des Zoom M4 MicTrak

Direkt nach der Aufnahme lassen sich die Files im M4 abhören, entweder über den eingebauten Lautsprecher oder (viel besser) über Kopfhörer oder Line-Out. Dabei kann ich während des Abhörens weitere Marker setzen (oder alte löschen), drei Sekunden vor oder 10 Sekunden zurückspringen oder Marker direkt ansteuern. Die Wiedergabe erfolgt entweder direkt in der Filelist oder gezielter in der Wellenform. Mit der Option „Optimierter Wiedergabepegel“ wird die Wiedergabelautstärke praktischerweise unabhängig von der Lautheit des Aufnahmepegels gleichmäßig ausgesteuert. Was gut ist, wenn es nur um die Inhalte geht, nicht ganz so gut, wenn man die Qualität der Aufnahme bewerten will. Aber wie gesagt: Das ist optional.

Großartige Bearbeitungen des Materials wie Schnittfunktionen oder das Setzen von Fades ist nicht möglich, ist aber bei mobilen Recordern dann auch ohnehin eher unüblich. Immerhin aber lassen sich Aufnahmen normalisieren, was auch recht gut funktioniert. Da ich die aber später eh noch bearbeiten muss, würde ich auch das dann doch lieber am Rechner mit der geeigneten Software machen.

zoom m4 mictrak test

Mobile Recorder: Anschluss an andere Geräte

Der Zoom M4 MicTrak kann auch als USB-Mikrofon eingesetzt werden, um so dann zum Beispiel die Signale vom M4 auf Computer, Smartphones oder Tablets zu übertragen. Dafür wird exklusiv auf dem PC ein eigener Treiber benötigt, alle anderen Geräte kommen ohne aus. Praktischerweise können dann die Audiosignale, die am M4 anliegen, auch latenzfrei abgehört werden (Direct-Monitoring). Sollte die genutzte App auf dem Computer oder Smartphone das 32-Bit-Float-Format nicht unterstützen, so kann die Wortbreite (bei der Verwendung des M4 als USB-Mikrofon) auch auf 24 Bit geändert werden.

Zoom M4 MicTrak

Wie klingt der Zoom M4 MicTrak?

Genug der Vorrede, Zeit für den Soundtest. Wie klingt der Zoom M4 MicTrak denn nun? Um das herauszufinden, spreche ich wie gewohnt ein paar Zeilen aus einer unserer News ein. Was mich zuerst interessiert: Kann ich den M4 auch ohne die mitgelieferte „Socke“ nutzen? Dazu stelle ich die XY-Mikrofone auf Mono und bespreche sie aus etwa 10 cm Entfernung frontal (also von der abgeplatteten Oberseite her). Das Ergebnis ist eindeutig: Nein, so geht das nicht.

Von vorne – also mit Blick auf das Display – aus der gleichen Entfernung besprochen, mindert das zwar ein klein wenig die Störgeräusche, bringt aber ungleich mehr Raum ins Klangeschehen (weil eben nicht direkt auf die Kapsel) und ist am Ende trotzdem noch unbrauchbar.

Erst ab 20 cm Entfernung zeigt sich das M4 relativ unempfindlich für die bösen Plosivlaute. Was dann natürlich wiederum einiges an Raum mit in die Aufnahme bringt. Hier einmal frontal:

Und einmal von vorne:

Hier zeigt sich eine gewisse Grundproblematik des M4: Da ich keine Möglichkeit habe, den Eingangspegel anzupassen – was ja wohl wegen der 32-Bit-Float-Technologie gestrichen wurde – ist der Pegel, der auf der Aufnahme landet, ab einer gewissen Entfernung bereits recht gering. Mein Sound Forge, mit dem ich die Aufnahmen dann nachträglich analysiert und bearbeitet habe, meldet mir bei 10 cm Distanz einen Maximalpegel von -15 dB. War da nicht die Rede von zwei A/D-Wandlern, die je nach Pegel automatisch umschalten? Hm. Gut, das kann ich mit der Normalize-Funktion (auch dank der 32-Bit-Float) gut anheben, bin dann aber direkt bei 0 dB. Eine Anpassung des Volumes auf einen Wunschwert wie z. B. -6dB ist nicht möglich. Da würde ich mir eine Alternative zu „32-Bit-Float only“ bei der Aufnahme wünschen.

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Kundenbewertung:
(1)

Die Wellenform-Anzeige auf dem Display schummelt dabei zudem und lässt einen höheren Pegel vermuten als tatsächlich vorhanden. Hier die Aufnahme in Sound Forge …

Zoom M4 MicTrak

… und hier dieselbe im Display des M4, wo sie wesentlich lauter erscheint als sie eigentlich ist.

Zoom M4 MicTrak

Habe ich dann noch die Option „optimierter Wiedergabepegel“ aktiviert, fällt mir erst bei der Bearbeitung der Audiofiles am PC auf, wie leise die tatsächlich sind. Denn vorher einen Blick auf den Eingangspegel zu werfen, ist ja nicht möglich, da eine Pegelanzeige fehlt. Ohne eine externe Bearbeitung der Aufnahmen, also direkt vom M4 in die Sendung, sind die Audiofiles relativ unbrauchbar. Deshalb der Hinweis: Sämtliche Beispiel-Aufnahmen hier habe ich in Bezug auf den Pegel angepasst und bearbeitet. Eine mit der internen Normalize-Funktion angepasste Aufnahme klingt dann so (Pegel-Null bei „Akai“).

Zurück zum Klang. Jetzt kommt mal der mitgelieferte Stoffbeutel, der als Windschutz fungiert, zum Einsatz. Kann das dünne Stückchen Stoff tatsächlich die ungebetenen Plosiv-Gäste am Zutritt hindern? Hier mal aus 10 cm Entfernung:

Tatsächlich, das bringt eine ganze Menge, das hätte ich nicht gedacht. Das sollte man also besser stets nutzen, auch wenn Zoom selber auf allen Abbildungen den M4 MicTrak stets ohne zeigt – sieht einfach besser aus. Zum Sound: Der Zoom M4 MicTrak klingt recht neutral und ausgewogen, aber mit einem kleinen Hang zur Mitte und könnte daher vielleicht noch einen Hauch mehr Bass vertragen, um der Sache eine etwas kräftigere Basis zu verleihen und etwas mehr Mut in den Höhen. Hier wäre ein EQ vielleicht hilfreich gewesen.

Zum direkten Vergleich mal der kleine LS-P5 von OM System, der mit rund 200,- Euro weniger als die Hälfte kostet und mit maximal 24 Bit/96 kHz aufnimmt:

Der hat zwar etwas mehr Raum, klingt in meinen Ohren aber tatsächlich noch etwas runder, indem er auch die Randbereiche in den Klang mit einbezieht.

Nun kann ich aber auch externe Mikrofone an dem M4 MicTrak nutzen. Was leistet der PreAmp (aus der F-Serie) da? Um das herauszufinden, schließe ich ein Rode NT2a an den M4 an:

Das klingt naturgemäß etwas besser, weil runder als die eingebauten XY-Mikrofone. Im stationären Bereich würde ich das NT2a aber dann doch lieber wieder an mein Mackie-Pult mit den Onyx-PreAmps hängen, das noch etwas mehr aus dem Rode-Klassiker herausholt:

Auch Instrumente lassen sich mit dem M4 aufnehmen. Entweder über den Line-In oder über die Mikrofone. Eine Akustikgitarre klingt dann zum Beispiel so…

… und eine Ukulele so:

Wie zuvor bereits erwähnt, lassen sich bis zu vier Spuren gleichzeitig aufnehmen – etwa die XY-Mikrofone als Stereosignal plus die beiden Line-Eingänge. Während ich die Spuren zwar zusammen abhören kann, gibt es anscheinend aber leider keine Möglichkeit, die Spuren – wie etwa im Zoom PodTrak P8 – direkt zu mischen und als Stereosumme/Mix zu exportieren. Vielmehr werden die dann in einem Ordner getrennt abgelegt und müssen später von Hand zusammengefügt werden.

Ihr erinnert euch an die Spezialbeschichtung zur Verminderung der Handgeräusche? Die halten sich tatsächlich in erfreulich engen Grenzen. Hier in dieser Aufnahme habe ich das M4 tatsächlich dermaßen geknetet und gerieben, wie es in der Praxis niemals vorkommen würde. Da hatte ich schon diesbezüglich erheblich sensiblere Kandidaten im Test.

Ebenfalls noch schuldig bin ich euch eine Außenaufnahme. Dazu habe ich die XY-Mikrofone auf Stereo geschaltet, mich in den Garten (im Randbezirk von Düsseldorf) begeben und mich bei der Aufnahme auch ein wenig gedreht. Den leichten Wind hat „die Socke“ gut abgefedert.

Und auch den Test der PreRecord-Funktion hatte ich versprochen. Hier ist er: Ich habe dabei von 1-12 gezählt, aber erst bei 7 den Rec-Button betätigt. Die 1 ist trotzdem mit drauf. Funktioniert also.

Und zu guter Letzt habe ich auch noch die LoCut-Funktion getestet, hier mit 240 Hz. Die greift ordentlich zu.

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Fazit

Um die Eingangsfrage zu beantworten: Nein, zu einem „Zoom“ à la Klaus Lage hat es bei mir nicht gereicht. Der Zoom M4 MicTrak glänzt an vielen Stellen mit einer sehr praxisnahen, durchdachten Bedienbarkeit, der Einsatz der 32-Bit-Float-Technologie ist sicherlich ein großer Pluspunkt und während sich besonders Filmemacher über den Timecode-Generator freuen, haben Musiker Spaß an vier Spuren in einem kompakten Mikrofon-Gehäuse. Dazu dann die Anschlussvielfalt inklusive Anschluss für eine Fernbedienung, die übersichtliche Menüführung, das gute Display – soweit alles gut bis sehr gut.

Ein paar Sachen verhindern dann aber den großen „Zoom-Moment“. Das beginnt mit dem Klang, der zwar  ausgewogen und gut ist, aber in meinen Ohren auch nicht viel besser als bei wesentlich preiswerteren Geräten. Praktischer wäre es auch, mehrere Spuren alternativ auch gleich als Stereomix exportieren zu können, oder – trotz 32-Bit-Float – vorher zu erfahren, in welchen Bereich die Pegelreise geht. Dass da die Wellenformanzeige im Display etwas beschönigt, ist wenig hilfreich, auch wenn sich zu leises oder zu lautes Material ja (ebenfalls dank 32-Bit-Float) problemlos und ohne Qualitätsverlust in hörbare Bereich anheben bzw. absenken lässt.

Für Filmemacher ist das Zoom M4 MicTrak sicherlich eine sehr gute Wahl. Timecode-Generator, Start-Ton zur besseren Synchronisation und ungewöhnliche Samplingrates, die allein für den Videobereich interessant sein dürften, zeigen, dass Zoom diese Zielgruppe wohl auch bevorzugt im Auge hat. Weshalb sich auch die meisten Bilder auf der Produktseite dann mit diesem Thema beschäftigen, auch wenn Zoom von „Filmemachern und Musikern“ spricht.

Musiker dagegen, die einen mobilen Mehrspur-Recorder suchen, haben mit dem Zoom H6 (6 Spuren, 359,- Euro) oder dem Tascam Portacapture X8 (6+2 Spur Recorder mit 32 Bit, 484,- Euro) gute Alternativen. Fazit deshalb: Für Filmemacher bestens geeignet, für Musiker hingegen nicht unbedingt die erste Wahl.

Plus

  • integrierter Timecode-Generator
  • 32-Bit-Float-Technologie
  • zwei XLR/Klinke-Kombo-Buchsen für externe Mikrofone/Instrumente
  • Phantompower einzeln schaltbar
  • praxisnahe, durchdachte Bedienbarkeit
  • neutraler, recht ausgeglichener Klang
  • neben 48 V auch 24 V Phantomspeisung
  • Mic/Line-Buchse (Miniklinke) mit aufschaltbarem Plug-In-Power
  • auch Samplingrates von 47,952 kHz und 48,048 kHz einstellbar
  • auch als USB-Mikrofon nutzbar

Minus

  • Einzelspuren nicht als Stereomix exportierbar
  • Kunststoffgehäuse nicht immer rutschfest in der Hand
  • keine Möglichkeit der Pegelanpassung bei Aufnahmen
  • Wellenformanzeige etwas irreführend
  • Aufnahmen ausschließlich im 32-Bit-Float-Format

Preis

  • 459,- Euro
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