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Test: Ibanez FRIX6FDQM-BMG Iron Label, E-Gitarre

15. Oktober 2019

Indonesischer Alleskönner im E-Gitarrensektor

Als Instrumentenbauer im E-Gitarrensektor hat man es z. Zt. wahrlich nicht leicht. In einem bis zum Anschlag gesättigten Markt muss man sich im Bereich der „ästhetisch“ geformten Korpusformen schon einiges einfallen lassen, um nicht die Millionste Abwandlung von Strat und Co. auf den Markt zu bringen. Ähnliches werden sich wohl auch die Verantwortlichen bei Ibanez gesagt haben und haben mit der Ibanez FRIX6FDQM-BMG Iron Label eine Fusion aus verschiedenen Klassikern am Start.

Die Konstruktion der Ibanez FRIX6FDQM-BMG Iron Label

Für die firmeninternen Abläufe mag die kryptische Buchstabensuppe, die von Ibanez mittlerweile nahezu ausnahmslos als Modellbezeichnung verwendet wird, eine hilfreiche Sache sein, für den ambitionierten Gitarrenfan gestaltet sich das Ganze zuweilen etwas anstrengend. Das zum Test vorliegende Modell stammt aus der vergleichsweise neuen FR-Serie, die auf den ersten Blick wie eine Fusion aus Strat, Paula und EvH wirkt. Da mittlerweile selbst China seine Fertigungskosten erhöht hat und indonesische Arbeiter ihren chinesischen Kollegen in Sachen Handwerk in nichts nachstehen, verlagern immer mehr Hersteller die Fertigung ihrer günstigeren Linien nach Indonesien, wo auch die FR-Linie gefertigt wird.

Schaut man sich die einzelnen Komponenten des Instruments an, so wird bereits auf den ersten Blick sichtbar, dass Ibanez großen Wert auf einen Allrounder gelegt hat, sprich eine Gitarre, mit der man prinzipiell das gesamte abendliche Repertoire einer Coverband abdecken kann. Schauen wir uns doch die einzelnen Komponenten einmal im Einzelnen an.

Ibanez FRIX6FDQM-BMG Iron Label - Aufsicht

Ibanez FRIX6FDQM-BMG Iron Label – Aufsicht

Die Komponenten der Ibanez FRIX6FDQM-BMG Iron Label

Für einen guten Allrounder gilt es natürlich die beiden großen Urväter der E-Gitarre abzudecken, als da wären das große F und das große G zzgl. ihrer Aushängeschilder in Sachen Holzauswahl und Hardware. Ibanez springt hier wahrlich sehr intelligent von Ast zu Ast und bedient sich jeweils an den Stärken der Protagonisten, angereichert mit ein paar interessanten japanischen Details.

Der 2-teilge asymmetrisch verleimte Korpus des Instruments besteht aus Nyatoh, eine südostasiatischen Art der Pflanzenfamilie der Sapotengewächsen, die der Holzart Mahagoni in Optik und Klang sehr ähnlich sein soll. Auch hier hat man sich wohl am kaufmännischen Geschick von Leo Fender orientiert, der seiner Zeit möglichst nur Hölzer verbaute, die bei ihm vor der Haustür wuchsen und wo die Transportkosten möglichst gering waren. In Zeiten von ökologischen Fußabdrücken ein nicht zu vernachlässigender Pluspunkt in der Herstellung!

Die Decke besteht aus Wölkchenahorn und ist in einer Burst-Lackierung ausgeführt, vom Hersteller als Black Mirage Gradation, sprich „Schwarz Fata Morgana Abschluss“ bezeichnet. Nun ja, die letzte Farbstufe an der rechten Gurthalterung ist tatsächlich schwarz, allerdings fadet die Lackierung in einem NATO-Grün gehaltenen Farbton vom Dunklen ins Helle und an der Kopfplatte wieder zurück. Der geneigte Leser möge selber entscheiden, ob ihm die Farbe gefällt, für Camouflage-lastige U.D.O. oder Sabaton Tributebands zumindest eine interessante Alternative.

Der dreiteilige Hals (Ahorn/Purple Heart/Ahorn) besitzt ein asymmetrisches Shaping, das bei einer Breite von 43 mm und einer Dicke von 19 mm am Sattel sich zu einer Dicke von 58 mm am 24. Bund und einer Dicke von 21 mm am 12. Bund ausdehnt. Der Griffbrettradius ist Ibanez-typisch mit 400 mm sehr flach gehalten, zudem kommen Jumbobünde zum Einsatz. Eine Besonderheit stellen die luminiszierenden Side-Dots dar, die auf einer spärlich ausgeleuchteten Bühne die Orientierung auf dem Griffbrett erleichtern sollen. Das eingefasste Griffbrett an sich besteht aus Ebenholz und besitzt keine Einlagen. Es kommt die lange Mensur mit 648 mm zum Einsatz. Der Hals ist vierfach geschraubt und sitzt bombenfest in der Halstasche.

In Sachen Hardware setzt man auf die Farbe Schwarz und verbaute sechs Locking-Tuner aus dem Hause Gotoh, die aufgrund der abgewinkelten Kopfplatte nicht gestaggert sein müssen. Als Brücke kommt ein Produkt aus der hauseigenen Gibraltar Serie mit der Bezeichnung Standard II zum Einsatz, die bei genauer Betrachtung ein interessantes Detail beinhaltet. Um die ewige Problematik der Oktavreinheit über alle Saitensätze bei durch den Korpus geführten Saiten gewährleisten zu können, wurden die Bohrungen der beiden tiefsten Basssaiten wahlweise etwas nach hinten versetzt, um die einzelnen Reiter im hinteren Bereich besser justieren zu können. Wer sich nun fragt, warum diese Doppelbohrungen auch bei den obersten Diskantsaiten ausgeführt wurden, ich schätze, die Brücke soll auch bei den Linkshändermodellen zum Einsatz kommen, wo sich besagte Situation umkehrt. Schlau gemacht.

Oder auch so kleine Details wie die Abdeckung des Trussrods. Während man bei anderen Gitarren selbst der High-End-Liga sich bei einer Nachjustierung des Halses dem nervigen Workflow „Saiten lockern – Schrauben Abdeckung entfernen – Abdeckung entfernen – Saiten stimmen – Trussrod justieren – Saiten lockern – Abdeckung auflegen – Schrauben Abdeckung anziehen – Saiten stimmen“ hingeben muss, hat die Ibanez FRIX6FDQM-BMG Iron Label eine einfache, einrastende Klappe, die sich seitlich mit dem Fingernagel wegklappen lässt als Abdeckung. Warum ist so etwas nicht Standard? Ich kann nur hoffen, dass das System patentrechtlich geschützt ist, so hätten die anderen Hersteller wenigstens eine Entschuldigung, sofern sie ein solches System nicht benutzen.

In Sachen Tonabnehmer kommen erneut Produkte aus dem Hause DiMarzio zum Einsatz, dieses Mal die Fusion Edge Humbucker Serie, die beide splitbar ausgeführt sind. Anscheinend werden diese Pickups exklusiv für Ibanez gefertigt, zumindest tauchen sie nicht auf der regulären DiMarzio Website auf. Mittels eines angenehm schwergängigen Dreiwege-Schalters und eines Coil-Tap-Schalters kann man die Variationen Humbucker Neck seriell, Humbucker Neck, Bridge seriell, Humbucker Bridge seriell, innere Spule Neck, innere Spulen Neck, Bridge und innere Spule Bridge aufrufen. Logisch, einfach und für 95 % aller gängigen Sounds verwendbar. Auf einen Tonregler wurde verzichtet, es wurde nur ein Volume-Regler auf dem Instrument angebracht.

Ibanez FRIX6FDQM-BMG Iron Label - Rueckseite

Ibanez FRIX6FDQM-BMG Iron Label – Rückseite

Die Ibanez FRIX6FDQM-BMG Iron Label in der Praxis

Es mag auf den Fotos nicht so rüberkommen, aber die Menagerie aus den Farben Grün (Decke), Rot-Braun (Korpus), Violett und Natur (Hals) ist schon eine gewagte Zusammenstellung, soll aber nichts zum Klangbild sagen. Angeschlossen an einen H&K Triamp MK III mit einem Marshall 4×12 Cabinet mit Celestion G75 Speaker und 2 Stck. SM57 in Fredman Methode abgenommen, entpuppt sich die Ibanez FRIX6FDQM-BMG Iron Label als wahrer Alleskönner.

Insbesondere die flexible Pickup Schaltung lässt im Clean/Crunch-Bereich eine große Bandbreite aufkommen. Kaum ein charakteristischer Sound, der nicht von den sechs Tonabnehmerkonfigurationen getroffen würde. Zudem lässt sich mit dem Volume-Regler die Bandbreite um ein Vielfaches erhöhen. Cleane und crispe Singlecoil-Sounds sind der Gitarre genauso vertraut wie kräftig grollende Humbucker-Crunchs, wobei sich die Singlecoil-Sounds am Halstonabnehmer durch ihre dezent nach innen wandernde Ausrichtung marginal von dem Klassiker unter dem 24. Bund unterscheiden. Dies ist jedoch nicht wertend zu verstehen, spätestens bei Steve Morse mit den bis zu 6 Spulen auf seinen Instrumenten kann man erleben, wie beeindruckend Spulen in Positionen klingen, in denen man sie nicht erwarten würde.

Auch das Attack-Verhalten der Ibanez FRIX6FDQM-BMG Iron Label weiß zu gefallen. Die Gitarre ist sehr „bissig“ in der Ansprache, schwingt schnell auf und hat so gar nichts gemein mit der zuweilen dezenten Behäbigkeit, mit der so mancher Mahagoni-Korpus zu Werke geht. Einmal mehr fällt mir spontan der Einsatzbereich in einer Coverband ein, wo viele Sounds ohne ständigen Instrumentenwechsel von Nöten sind. Eine solche Gitarre in Kombination mit einem hochflexiblen Combo wie z. B. dem Hughes&Kettner Black Spirit 200 Combo und das gesamte Repertoire des Abends steht.

Für einen verrauchten Bluesabend im Alte-Herren-Stil erscheint mir das Instrument zu spritzig im Ansatz, aber ich bin mir sicher, dieser Ansatz war auch nie von Ibanez geplant. Die Ibanez FRIX6FDQM-BMG Iron Label wirkt eher, als ob sie für den modernen Spieler, der auf ein Vibrato-System verzichten kann, konzipiert wäre, zumal man dank indonesischer Fertigung wirklich sehr viel Instrument für den Preis bekommt. Interessanterweise ist mir auch nicht ein einziger Punkt aufgefallen, wo man die asiatische Fertigung fühlen oder hören konnte.

Ibanez FRIX6FDQM-BMG Iron Label - Tuner

Ibanez FRIX6FDQM-BMG Iron Label – Tuner

Fazit

Mit der Ibanez FRIX6FDQM-BMG Iron Label bekommt man als moderner Gitarrist sehr viel Instrument für sein Geld. Die Gitarre besticht mit großer Flexibilität, sehr guter Verarbeitung und interessanten Details, von denen sich manch großer Name zuweilen eine Scheibe von abschneiden kann.

Plus

  • Fexibilität
  • Sound
  • Verarbeitung
  • Detaillösungen

Preis

  • 787,- Euro
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