Test: Ibanez TCM50-GBO, Akustikgitarre

25. August 2019

Die galaktische Talman

Ibanez TCM50-GBO,Akustikgitarre

Ibanez TCM50-GBO Akustikgitarre

Ursprünglich von Ibanez im Jahr 1994 eingeführt, bestanden die Instrumente der Talman Baureihe zunächst nur aus elektrischen Modellen. Die charakteristische, ja fast schon avantgardistische Optik der Gitarren und Bässe war bzw. ist bis heute wohl nicht jedermanns Geschmack, entsprechend rar zeigen sich diese Instrumente auf den Bühnen dieser Welt. Trotzdem – auch eine solche Ibanez Talman E-Gitarre hatten wir bereits im Test, interessierte Leser gelangen HIER mit einem Click zum Review der Ibanez TM1730M-VWH Talman, die damals einen ausgesprochen feinen Eindruck hinterließ! Gegenstand des heutigen Testberichts ist aber ein akustisches Modell aus der Talman Serie, das zudem noch sehr günstig ist und in einem interessanten, offenporigen Finish erscheint. Mal schauen, was uns die Ibanez TCM50-GBO Akustikgitarre für kleines Geld so bieten kann!

Ibanez TCM50-GBO Akustikgitarre

Ibanez TCM50-GBO – Facts & Features

Für den mit zwei Cutaways versehenen Korpus der TCM50 wurden für den Boden und die Zargen Sapele verwendet, die offenporig belassene Decke besteht aus schwarz gebeizter Esche. Eine gelungene Optik, wie ich finde und die der Hersteller als „Galaxy Black Open Pore“ bezeichnet. Erhältlich ist die TCM50 noch in einer weiteren Farbvariation, die zwar komplett anders, aber nicht weniger geschmeidig rüberkommt und den Namen „Vintage Brown Sunburst High Gloss“ trägt.

Ibanez TCM50-VBS Vintage Brown Sunburst High Gloss

Die Ibanez TCM50 in VBS Vintage Brown Sunburst High Gloss

Doch zurück zu unserem Testmodell, das im Gegensatz zu herkömmlichen Akustikgitarren einen ganz besonderen Unterschied aufweist: den Tonabnehmer. In aller Regel ist es ja so, dass eine akustische Gitarre, zumindest eine in dieser Preisklasse, mittels eines Piezo-Pickups die Verbindung zur elektrischen Welt herstellt. Die Vor- und Nachteile eines Piezo-Sounds sind bekannt und es gibt wirklich nur ganz wenige dieser Tonabnehmer, die man mit gutem Gewissen für einen rundum guten Sound einsetzen kann. Als Ergänzung zu einem guten Mikrofon zur Abnahme vor dem Schallloch geht das meist in Ordnung und auch im Bandgefüge mit genügend Nachbearbeitung dürfte das anliegende Signal des Piezos in den meisten Fällen genügen. Das Gelbe vom Ei war und ist es aber bis heute nicht – wieso also nicht mal einen E-Gitarren Pickup einbauen?

Der hauseigene AP2-Pickup der Ibanez TCM50-GBO Akustikgitarre sitzt direkt am Halsfuß unweit des Schalllochs und wird über einen recht rudimentär ausgestatteten Preamp (AEQ200M) bedient. Viel gibt es dort wahrlich nicht zu regeln, ein Schieberegler für Bässe, einer für die Höhen sowie ein Lautstärkeregler sind alles, was man auf dem Panel vorfindet. Eine rote LED gibt es auch noch, die warnt bei zu niedriger Batteriespannung des 9-Volt-Blocks, der sich ebenfalls in der oberen Zarge befindet und ganz einfach und schnell gewechselt werden kann. Zum Verstärker geht es am unteren Ende der Zarge, hier sitzt die Klinkenbuchse direkt im Holz eingeschraubt. Genau so, wie man es auch bei einer E-Gitarre macht und natürlich auch genau so riskant, falls man mal versehentlich mit dem Kabel irgendwo hängenbleibt oder der Bandkollege rein zufällig drauf latscht. Also besser Schleifchen mit dem Kabel durch den Gurtknopf machen!

Ein pechschwarzes Pickguard auf der Decke sorgt zum Schutz vor Kratzern, auch an dieser Stelle hat man sich beim Design echte Mühe gegeben! Reingeklotzt wurde auch in Sachen Binding: Wirklich jede Kante der Gitarre besitzt ein solches: Decke, Rückseite, die Ränder des Griffbretts, der Halsfuß … nur die Kopfplatte wurde davon ausgenommen.

Ibanez TCM50-GBO Pickup

Magnet statt Piezo – Ibanez AP2-Pickup

Ibanez TCM50-GBO – der Hals

Werfen wir nun mal einen genauen Blick auf den Hals, der im Fall der TCM50 aus Okoume besteht und auf seiner angenehm flachen Rückseite dasselbe Natur-Finish besitzt wie das gesamte Instrument. Das heißt, hier geht es wunderbar griffig für die rechte Hand zu und die Bespielbarkeit wäre sicher famos, wenn da nicht mal wieder eine unangenehm hohe Saitenlage den Spaß verderben würde. Zumindest bei unserem Testinstrument hätte man ruhig noch mal genauer drüberschauen können, die ausreichende Verarbeitung der Bünde und des Halses insgesamt erlauben ganz sicher bessere Werte und dann würde das Cutaway zum Ansetzen eines Solos jenseits der Oktavlage auch sinnvoll sein. Erreichbar sind die Bünde in einem Griffbrett aus „Purple Heart“ bis hinauf zu Nummer 20 aufgrund des weit ausgesägten Cutaways ansonsten nämlich absolut problemlos.

Ibanez TCM50-GBO – Hardware

Und wenn wir schon mal beim Meckern sind, so muss man auch die Mechaniken als einziger Teil der Hardware erwähnen. Die sechs verchromten Tuner an der charakteristischen Talman-Kopfplatte entsprechen den Erwartungen an ein Instrument dieser Preisklasse, etwas Geduld muss man beim Stimmen schon aufbringen. Hier und da hakelt es etwas, wenn es dann aber schließlich mal stimmt, dann hielten die Tuner während der Testdauer das Ergebnis weitestgehend zufriedenstellend. Wer sich in die TCM50 verguckt hat und das Instrument unbedingt haben möchte, der könnte mit einem Satz Replacement-Mechaniken sich bzw. seinem Instrument eine sinnvolle Investition gönnen, ohne dabei gleich arm zu werden.

Aber mal ehrlich, wer hätte bei einer Westerngitarre für einen Preis von knapp 270,- Euro schon Premium-Tuner erwartet? Die Hersteller sparen an dieser Stelle eigentlich immer – und meiner Meinung nach leider oft falsch. Lieber weniger Schnickschnack und Perlmutt, dafür das Geld besser in eine hochwertigere (technische) Ausstattung investieren. Und die Mechaniken sind ja nun mal etwas, mit denen wir mehr oder weniger tagtäglich zu tun haben.

 Ibanez TCM50-GBO Headstock

Ibanez TCM50-GBO Headstock

Ibanez TCM50-GBO – In der Praxis

Akustischer Grundsound/Handling

Dass man von einem Gitarrenkorpus mit einer Breite von etwas über 8 cm kein Bassgewitter erwarten kann, sollte jedem klar sein und so präsentiert sich unsere Ibanez TCM50-GBO zwar im Bassbereich etwas schwachbrüstig, dafür aber weiß sich ihr überbetontes Mittenspektrum garantiert immer und überall gut durchzusetzen. Darüber hinaus ist der Klang erstaunlich reich an Obertönen und das trotz der Werksbesaitung, die bei einer Gitarre in dieser Preisklasse sicher nicht Premium sein kann. Ein frischer aufgespannter Satz Markensaiten kann hier sicher noch bessere Ergebnisse bringen und die Klangfülle weiter aufpolieren. Die Bespielbarkeit unseres Testinstruments war nicht gerade optimal, aber auch das ist ja in diesen Preisklassen nichts wirklich Neues. Durch den Schnellverschluss zum Zugang des Halseinstellstabes an der Kopfplatte lässt sich dieses Problem aber schnell beheben bzw. das Setting an die Ansprüche des Spielers anpassen.

Elektrischer Sound

Besonders gespannt war ich natürlich auf den Klang des AP2-Pickups, der ja alles andere als ein schrilles Klangbild wie bei üblichen Piezo-Pickups verspricht. Und tatsächlich wandelt sich das Bild der Ibanez TCM50-GBO nach dem Anschließen an einen Verstärker vom besprochenen mittigen und knochigen Sound zu einer wahren Bassflut, die schnell auch mal zu viel werden kann! Klar, der Pickup sitzt ja auch unmittelbar am Ende des Griffbretts und empfängt dem entsprechend ein weicheres, „bassigeres“ Signal der Saiten. Fast wäre ich geneigt zu sagen, man wäre besser gefahren, hätte man den Pickup am unteren Ende des Schalllochs eingesetzt, um so einen etwas ausgewogeneren Klang zu erhalten. Fakt ist, dass man mit dem Bassregler des EQs nicht zu sorglos umgehen sollte, da ein undefinierbarer Bassbereich des Signals die Folge wäre.

Für die Klangbeispiele habe ich jedoch Vollgas gegeben und jeweils ein Picking-Muster sowie eines mit (perkussiv) angeschlagenen Akkorden mit voll aufgeregelten Bass- und Höhenregler aufgenommen. Zwei weitere Beispiele zeigen den elektrisch verstärkten Klang unserer Ibanez TCM50-GBO mit dem EQ in Mittelposition. Aufgenommen wurden die Beispiele direkt aus dem Ausgang der Gitarre in ein UAD-Interface ohne weitere Bearbeitung in der DAW.

 

Fazit

Wer eine günstige Akustikgitarre mit einer auffälligen Optik sucht, der könnte an der Ibanez TCM50-GBO Gefallen finden. Die Verarbeitung ist gewohnt gut für ein Instrument aus dem Hause Ibanez und durch den Singlecoil-Pickup in Halsposition, anstelle eines Piezos unter dem Steg, ergeben sich neue Möglichkeiten, eine akustische Gitarre in das elektrische Rampenlicht zu rücken. Ein faires Angebot und in jedem Fall ein Antesten wert!

Plus

  • Idee/Konzept
  • sehr gut verarbeitet
  • integrierter Preamp
  • auffällige Optik

Minus

  • Saitenlage ab Werk (Testinstrument)

Preis

  • 262,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    janschneider  

    Ich finde das mit dem magnetischen pickup nicht schlecht. Meine Lakewood M32 (ok, andere Preisklasse;) hat sowohl einen magnetischen Tonabnehmer als auch einen Piezo, zwischen denen man blenden kann, und ich bevorzuge eigentlich immer den reinen magnetischen Sound. Klar, ist immer noch weit weg vom mikrofonierten Klang, aber gefällt zumindest mir deutlich besser als das Piezo-Gebritzel. Halt etwas in Richtung E-Gitarre.

    • Profilbild
      Stephan Güte  RED

      Das mit der Blendfunktion zwischen Piezo- und Magnetic-Pickup ist natürlich sehr fein! Nur der Magnetic-Sound reicht dir schon? Was ist mit den schönen, brizzelnden Höhen und Brillanzen im Klang? No need for piezo?

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