Test: IK Multimedia ARC

28. April 2008

IK Multimedia ARC

Für eine professionelle TOP 10-Produktion reichen heutzutage ein paar Zutaten: ein Computer mit Audiokarte und Software, ein bis vier TFTs ;-), eine gute Abhöre, ein Mikro, eine Einspieltastatur und jede Menge Talent + Kontakte. Dank kompakter Abmessungen lassen sich diese Zutaten heute bequem im heimischen Schlaf-, Arbeits- oder Wohnzimmer unterbringen – allerdings wird hier gerne vergessen, dass diese Räume mit ihren akustischen Problemstellen fürs Musizieren oftmals ungeeignet sind, da beispielsweise glatte Flächen wie Fensterscheiben oder Holz-/Laminat-Fußböden den Schall prima reflektieren und für jede Menge Durcheinander im Mix sorgen.
Abhilfe schaffen hier oftmals Breitband- oder Bassabsorber und -diffusoren in Form von Raum- oder Wandmodulen, die nicht immer zum Interieur der Wohnung passen oder schlichtweg zu teuer sind. Jetzt soll das ARC System von IK Multimedia die Lösung bringen und aus einem problembehafteten Wohn-Raum ein wohlklingendes Home-Recordingstudio machen. Kann das funktionieren?

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Installation
Das ARC-Paket besteht aus einer Messsoftware, einem Korrektur-Plug-In und einem Kondensatormikrofon. Die weiteren Zutaten muss man selbst stellen: eine Audio-Hardware, einen Mikrofonständer und einen Mikrofonvorverstärker mit +48V Phantom-Spannung. Die Messsoftware kennt das Signalverhalten des mitgelieferten Mikrofons und ist auf diese Werte kalibriert (inkl. HF rolloff-Ausgleich). Aus diesem Grund sollte laut IK Multimedia kein anderes Messmikrofon verwendet werden – ein perfekter Kopierschutz! Im Lieferumfang enthalten sind außerdem ein stabiler und gepolsterter Kunststoffkoffer für das Mikro inkl. Poppschutz und Mikroklammer für die Stativmontage sowie eine ausführliche 55 Seiten starke englische Bedienungsanleitung. Als kleines Gimmick liegt noch ein Aufkleber bei, der nach erfolgreicher Korrektur des Raumes außen an der Tür befestigt werden kann: „This room has been acoustically corrected with ARC“ – aber so weit sind wir noch lange nicht! Zunächst werden die Messsoftware und das Plug-In (RTAS, VST, AU) auf Mac oder Win-PC installiert: CD einlegen, Install-Routine doppelt anklicken, fertig! Nach der Installation wird das Mikro per XLR-Kabel mit der Audiokarte oder einer Vorstufe verbunden. Wichtig ist, dass die Audiokarte auf 48 kHz eingestellt wird und alle integrierten Effekte abgeschaltet werden.

Für den Praxistest stand eine RME-Audiokarte ohne eigenen Mikrofoneingang und zwei Mikrofonvorverstärker zur Auswahl: das Mindprint Trio und der kleine Behringer Xenix 802-Mixer. Gut, wenn man wählen kann! Das mitgelieferte Kondensator-Mikrofon benötigt zwingend eine +48V Phantom-Spannung – für beide Vorverstärker kein Problem – allerdings sollte unbedingt der Behringer Mischer dem Mindprint Trio vorgezogen werden, da das Trio über einen nicht abschaltbaren EQ verfügt. Dieser EQ würde die gemessenen Raumantworten beeinflussen und so zu einem falschen Korrekturergebnis führen.

Aufgrund der guten technischen Daten (Frequenzgang: 16-20.000 Hz, max. Schalldruck 130dB @ 3% THD, Empfindlichkeit: 50mV/Pa, Noise-Level: 22 dB) lässt sich das mitgelieferte Mikrofon später auch prima für Aufnahmen verwenden.

- Die Messsoftware ist speziell auf das mitgelieferte Kondensator-Mikrofon abgestimmt; ein anderes Mikrofon kann nicht verwendet werden -

– Die Messsoftware ist speziell auf das mitgelieferte Kondensator-Mikrofon abgestimmt; ein anderes Mikrofon kann nicht verwendet werden –

Für die eigentliche Messung wird noch ein Mikrofonständer benötigt, der so eingestellt wird, dass das Mikro senkrecht zur Decke zeigt (also nicht auf die Lautsprecher) und sich mit der Kapsel auf Ohrhöhe befindet. Die vertikale Stellung ist wichtig, da nur so der exakte Winkel zwischen rechtem und linkem Lautsprecher von der Mikrofonkapsel ermittelt werden kann, wenn das Mikrofon auf die verschiedenen Messpunkte bewegt wird.

1. Schritt: die Messung
Die Messung beginnt mit dem Start der Messsoftware. In fünf Schritten wird man sehr anwenderfreundlich durch den gesamten Prozess geleitet. Der erste Schritt besteht dabei nur aus einer Begrüßungsseite. Nach einem Klick auf die NEXT-Schaltfläche wird es ernst. Auf der zweiten Seite werden der AUDIO-Treiber sowie die Ein- und Ausgänge der Karte eingestellt.

- Schritt für Schritt wird der Benutzer durch das Messverfahren geleitet; im 2. Schritt wird die Audiokarte konfiguriert -

– Schritt für Schritt wird der Benutzer durch das Messverfahren geleitet; im 2. Schritt wird die Audiokarte konfiguriert –

Auf der dritten Seite wird das Messmikrofon ausgesteuert. Ein Klick auf den PLAY TEST-Knopf startet ein Sample, das so ziemlich alle Frequenzen beinhaltet, die in einem Signal vorkommen können – ein typischer Zap/Sweep-Sound, der innerhalb einer Sekunde alle Frequenzen von hoch bis tief durchläuft. Während der Test-Ton läuft, kann man den Vorverstärker bzw. die Audiokarte einpegeln – erreicht man das optimale Signal, wird dies mit einer OK-Meldung innerhalb der Messsoftware quittiert. Die Lautstärke der Monitore sollte so eingestellt werden, wie sie normalerweise beim Abhören verwendet wird – am besten vor der Messung anhand eines Referenzsongs ermitteln.

- Vor den eigentlichen Messungen wird das Signal zunächst ausgesteuert, um optimale Ergebnisse zu erhalten -

– Vor den eigentlichen Messungen wird das Signal zunächst ausgesteuert, um optimale Ergebnisse zu erhalten –

Forum
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    AMAZONA Archiv

    Klasse!!! Habe Deinen Test mit großem Interesse gelesen. Klingt ja fast wie Zauberei. Ich werde das System auch mal bei mir testen und bin jetzt schon auf das Ergebnis gespannt.

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    AMAZONA Archiv

    Die Laufzeitkorrekturen sollen laut Hersteller nur bei falsch aufgestellten Lautsprechern Anwendung finden. Daher will mir nicht so recht in den Kopf, wie diese dann Kammfilter erzeugen sollten…

    Die Punkte, dass ARC Reflexionen nicht mindern kann, sondern nur Frequenzüberhöhungen, aber keine Auslöschungen, wurde irgendwie nicht behandelt…

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    AMAZONA Archiv

    die boxen sind eh in beiden räumen falsch aufgestellt!!!

    überhaupt bei bild 2! boxen sollten niemals stark nach unten zielen >> ein monitor strahlt kugelförmig ab. aht der pro wohl vergessen > d.h die kammfilter effekte erzeugt er sowieso mit seiner tischplatte. > immer die laufzeiten beachten. sorry ich weiß nicht ganz was da jetzt so pro sein soll. der großteil auch viele "pros" wissen nicht wie monitore richtig aufgestellt werden. die besten sind dann die > ich hab meine monitore auf der meterbrige blabla.. > komplette dau`s!! same game. reflexionen von der mixer oberfläche. das gibt dann freq. auslöschung im gehörten "direktsignal"…

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      Chris, wolltest du nicht eher schreiben dass, umso tiefer die Frequenz ist desto kugelförmiger ist das Abstrahlverhalten?!! (und vice versa: umso Höher desto Direktabstrahlender) "Tischplattenreflektionen" haben eben dann doch mehr mit "direkt-Abstrahlung" also dem Direktsignal zu tun und eben nicht mit ungerichteten (Bass-)Frequenzen.

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    Also dem Test muss man wirklich zugute halten, dass ARC hier ganz klar als ERGÄNZUNG und nicht als Ersatz für eine Raumakustische Behandlung dargestellt wird. Das haben viele andere Reviews sträflicherweise einfach verschwiegen und das Teil als Wunderwaffe verkauft.

    Zur Schelte: Es wird suggeriert, dass stehende Wellen mittels ARC eliminiert ("…fehlen völlig") werden können. Es wird hier weder ausgeführt, WOZU stehende Bassfrequenzen führen (nämlich Überhöhungen und Auslöschungen an bestimmten Stellen des Raumes) noch dass diese NUR mit einer antiparallelen Bauweise der Wände reduziert werden können…
    Da wäre ein Blick in die Grundlagen vielleicht nicht so schlecht gewesen… *räusper*
    Die Latenz, die das Plugin (durch die FIR Filter) erzeugt, wird hier auch nicht behandelt…

    Aber für erste Artikel schon echt gut, nur in den Details hätte ich etwas mehr Research betrieben.

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      „noch dass diese NUR mit einer antiparallelen Bauweise der Wände reduziert werden können… “

      ist ja auch nicht richtig, was du schreibst. Du kannst Bassfallen installieren und Bassmaxima mit einem EQ an der Abhörposition ausmerzen.

      Die Latenz hätte mich auch sehr interessiert.

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    Sehr interessant wäre doch ein Vergleichstest mit dem "Ergo" von KRK (gleiche Preiskategorie, Software vs. Hardware). Könnt Ihr dazu noch was bringen?

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    Also für den Preis würd ich das Geld doch echt besser in "echte" Raumkorrektur investieren.

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    Sorry, aber die Aussagen teilweise tun mir weh. Schaumstoff an die Wände und der Raum kann mit den grossen mithalten?? Wers glaubt….

    Leider wird auch hier mal wieder gefährliches Halbwissen vermittelt.

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