Test: Jackson JS32Q DKA Dinky, E-Gitarre

2. Juni 2020

Preiswerte Super-Strat vom Erfinder der Super-Strat

Jackson JS32Q DKA Dinky

Jackson JS32Q DKA Dinky

Die US-Firma Jackson gehört zweifellos zu einem der Big-Player im Gitarrenbusiness und darf sich ganz ungeniert damit rühmen, an der Entwicklung der sogenannten „Super-Strat“ zu Beginn der 80er-Jahre entscheidend mitgewirkt zu haben. Nichts anderes ist das Modell, das ich hier und jetzt zum Test vorliegen habe, denn die Jackson JS32Q DKA Dinky glänzt mit all den Attributen, die eine echte Super-Strat ausmachen: schlanker, ergonomisch geformter Korpus, zwei kräftige Humbucker, Sharkfin-Inlays auf dem Griffbrett und last but not least natürlich ein Floyd-Rose-Vibrato. Das Ganze ist ziemlich günstig zu haben, denn auch Jackson lässt einen Großteil seiner Instrumente unter der Obhut der FMIC (Fender Musical Instruments Corporation) in Produktionsstätten in Asien herstellen. Für deutlich unter 400,- Euro wechselt die Dinky den Besitzer und ob der damit glücklich werden kann, werden wir versuchen im folgenden Test rauszufinden.

Jackson JS32Q DKA Dinky E-Gitarre

Jackson JS32Q DKA Dinky – Facts & Features

Auch wenn die Decke mit dem grün gebeizten Wölkchenahornfurnier so ausschaut, als sei sie massiv, sollte man sich der Illusion nicht hingeben. Es handelt sich um ein Furnier, das auf den Korpus aus Pappel aufgeleimt wurde und der Gitarre den passenden Look beschert. Der Hersteller bezeichnet dieses Finish treffend als „Transparent Green Burst“, erhältlich ist das Instrument darüber hinaus noch in vier weiteren Farben, die ebenfalls eine durchscheinende Oberfläche besitzen und im Preis identisch sind. Uns begegnen vorn wie hinten am Korpus eine stattliche Anzahl von Fräsungen, besonders auffällig erscheinen die Shapings im Bereich der Cutaways, bei denen ein Stück der Decke abgenommen wurde, sowie auf der Rückseite im Bereich des Hals-Korpus-Übergangs. Hier wurde ein Radius eingefräst, um der Greifhand eine möglichst bequeme Position beim Bespielen der oberen Lagen des Halses bieten zu können.

Ahornhals und Amaranth-Griffbrett mit Sharkfin-Inlays

Der durch eine Grafiteinlage zusätzlich stabilisierte Hals besteht aus zwei Teilen Ahorn, etwa in Höhe des Klemmsattels wurde die Kopfplatte angeleimt, die, wie könnte es anders sein, im typisch spitzen Design der Jackson Gitarren erscheint. Es gibt wohl kaum eine Jackson auf dieser Welt, die nicht dort oben mal einen abbekommen hat, bei dieser feinen Spitze reicht schon eine kleine Unachtsamkeit und schon ist der „Dong“ verewigt – wer kennt es nicht?

Jackson JS32Q DKA Dinky E-Gitarre Headstock

Zackige Jackson Kopfplatte

Das Halsprofil ist erwartungsgemäß sehr schlank ausgefallen, obwohl es noch ein gutes Stück weit zu den „Referenz-Brettern“ der allseits bekannten Ibanez Wizard Hälse ist. Etwas Fleisch gibt es also mehr zu greifen und das geschieht mit einem guten Gefühl, denn die Rückseite wird nur von einer hauchdünnen Satinlackschicht bedeckt. Die wurde jedoch nicht ganz sauber auf der kompletten Länge des Halses aufgetragen, im Bereich des Halsfußes wirkt der Lack spürbar grober. Das dürfte aber erwartungsgemäß nicht lange anhalten, denn nach einer gewissen Zeit des Spielens wird die gesamte Oberfläche wohl mehr oder weniger spiegelglatt sein, das zeigt die Erfahrung.

Ein weißes Binding umschließt die Ränder des Griffbretts und die Kanten der Jumbo-Bünde, die sehr sorgfältig eingesetzt und auf ihren Oberflächen ausreichend poliert wurden. Typisches Markenzeichen einer Metal-Jackson bzw. einer Super-Strat im Allgemeinen sind die Sharkfin-Inlays, die auf dem Griffbrett aus Amaranth sitzen und selbst fast Blinden stets einen guten Überblick über das Geschehen verschaffen.

Stimmstabiles Floyd-Rose-Vibrato an Bord

Ich bin ja immer kritisch in meiner Betrachtung, wenn es um Locking-Vibratos an solch günstigen Instrumenten geht. Denn allzu oft fallen die lizenzierten, in Fernost hergestellten Floyd-Rose-Kopien durch mangelnde Stimmstabilität auf und man würde sich manchmal lieber eine feste Brücke auf der Decke wünschen, um nicht durch permanente Verstimmungen in Weißglut getrieben zu werden. Das gleiche Gefühl überkam mich auch, als ich die Jackson JS32Q DKA Dinky aus ihrem Karton entblößte (ein Gigbag gehört nicht zum Lieferumfang). Umso größer war daher die Überraschung, hier ein sehr gut arbeitendes System vorzufinden, das beim exzessiven Gebrauch lediglich unter einem Schnarren aus dem Vibratofach negativ auffällt. Ob dieses Nebengeräusch alle Instrumente der Serie betrifft, darf bezweifelt werden, Abhilfe würde hier zum Beispiel ein Einlegen von Schaumstoff in das Vibratofach oder aber die Entnahme des Übeltäters bzw. der entsprechenden Feder schaffen. Wie das auffällt, kann man in Klangbeispiel 3 hören.

Geblieben ist die Sache mit dem geschraubten Vibratohebel – schraubt man die Mutter zum Arretieren zu fest zu, dann klemmt der „Jammerhaken“ und stört die rechte Hand nach Benutzung, bei zu lockerem Anziehen hingegen wackelt der Hebel deutlich in seiner Aufnahme im Block. Irgendwas ist halt immer. Die Performance jedoch kann überzeugen und erlaubt zum einen „Dive-Bombs“ bis zur völligen Erschlaffung der Saiten und zum anderen Up-Bendings bis zu drei Halbtönen – die Fräsung in der Decke unterhalb des Vibratoblocks macht dies möglich und ist zudem ein weiteres typisches Merkmal einer E-Gitarre aus der Kategorie der „Super-Strat“.

Jackson JS32Q DKA Dinky E-Gitarre Floyd Rose

Überraschend stimmstabiles Floyd-Rose License Vibrato auf der Decke der Jackson JS32Q DKA Dinky

Zwei High-Output Humbucker aus dem Hause Jackson

Die beiden direkt in die Decke eingesetzten Pickups stammen aus eigener Fertigung des Herstellers und bieten nur rudimentäre Möglichkeiten. Hier gerät das Bild einer klassischen Super-Strat zugegebenermaßen etwas ins Wanken, denn eine echte Super-Strat besitzt natürlich noch die Möglichkeiten, die Humbucker in den Singlecoil-Modus zu versetzen. Das ist hier leider nicht möglich, bleiben also unterm Strich nur drei Grundsounds: Front-Pickup, beide Pickups parallel oder aber der Doppelspuler am Steg sind die hier möglichen Optionen in der Schaltung. Der dazu nötige Dreiwegeschalter hinterlässt einen guten Eindruck, er rastet sauber in seinen Positionen ein und besitzt ein kaum merkliches Spiel auf seiner Achse. Ein ähnlich gutes Bild geben auch die beiden Potis ab, die den Klang in Lautstärke und Klangfarbe beeinflussen und mit griffigen Knöpfen aus Metall bestückt wurden.

Jackson JS32Q DKA Dinky Praxischeck

Akustischer Grundsound/Handling

Zu sagen, dass der akustische Grundsound der Gitarre matt klingen würde, wäre vielleicht etwas übertrieben. Dennoch ist der unverstärkte Klang der Pappel-Ahorn-Konstruktion nicht gerade übermäßig kraftvoll in seinen Resonanzen und auch das abgegebene Sustain reißt nicht besonders vom Hocker. Die Bespielbarkeit des Ahornhalses mit seiner satinierten Rückseite hingegen ist ziemlich gut, zumal die Saitenlage unseres Testinstruments optimal justiert wurde, was in dieser Preisklasse schon eine bemerkenswerte Ausnahme darstellt. Durch die Fräsungen in den Cutaways bietet sich selbst der größten Schlosserpranke noch genügend Platz, um auch Bund Nummer 24 problemlos erreichen zu können. Darüber hinaus ermöglichen die fetten Jumbo-Bünde eine saubere Intonation auf der gesamten Länge des Griffbretts, ein Danebengreifen ist hier nur schwer möglich, was besonders Einsteigern die Sache ungemein erleichtert.

Elektrischer Sound

So weit, so gut – eine echte Überraschung aber erfährt man, wenn die Jackson JS32Q DKA Dinky an den Amp angeschlossen wird. Nicht nur dass die beiden Humbucker den eher müden Grundsound enorm auf die Sprünge helfen, auch sind sie ein guter Beweis dafür, dass man heutzutage selbst in den niedrigen Preisregionen keinesfalls auf ordentliches Handwerkszeug verzichten muss. Die beiden Doppelspuler haben zwar mit etwas Brummen zu kämpfen, sie liefern aber einen überraschend transparenten und zugleich druckvollen Sound, der selbst im unverzerrten Einsatz mehr als brauchbar ist. Der Klang ist ganz weit weg vom typischen und alles übertönenden, oft sehr „quäkenden“ Mitten-Sound, wie man ihn von vielen Humbuckern her kennt, es herrscht fast schon ein cremiger und weicher Vintage-Klang vor, dem man einen gewissen Charme nicht absprechen kann und der zudem mit einem sehr ausgeglichenen Frequenzspektrum überrascht. Dennoch – die Jackson JS32Q DKA Dinky ist eine Super-Strat und somit primär für den Einsatz im Heavy-Bereich konzipiert. Diesen Job macht sie schlicht hervorragend, die Zerrsounds besitzen Biss und glänzen zudem mit einer ausgesprochen guten Dynamik. Donnerwetter, das hätte man nicht unbedingt erwartet!

Die Klangbeispiele der Jackson JS32Q DKA Dinky

Für die nun folgenden Klangbeispiele habe ich meinen Orange Micro Dark mit angeschlossener 1×12″ Celestion Vintage 30 Box verwendet, als Mikrofon diente ein AKG C3000. Wie im Text angekündigt, kann man in Beispiel 3 hören, welche Nebengeräusche aus dem Vibratofach ertönen. Schön ist das nicht, aber schwer vorstellbar, dass dies die komplette Serie betrifft.

Fazit

Mir hat die Jackson JS32Q DKA Dinky sehr gut gefallen. Zwar ist ihr akustischer Grundsound nicht das Gelbe vom Ei, aber dafür sind die Pickups für ein Instrument dieser Preisklasse überraschend gut gelungen, zudem überzeugt das verstimmungsfreie Vibratosystem sowie die gute Bespielbarkeit des Ahornhalses. Unterm Strich also eine echte Empfehlung für Metal-Fans mit kleinem Budget und zugleich ein würdiger Vertreter der Kategorie Super-Strat aus dem Hause Jackson!

 

Plus

  • Verarbeitung
  • Sound der Pickups
  • gute Bespielbarkeit
  • verstimmungsfreies Licensed Floyd Rose
  • sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis

Minus

  • Nebengeräusche der Vibratofedern beim Testmodell

Preis

  • 379,- Euro
Klangbeispiele
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