Test: Jackson Marty Friedman MF-1, E-Gitarre

27. Dezember 2018

Speedmetal Symphony!

Jackson Marty Friedman MF-1 1

Die Jackson Marty Friedman MF-1 in den Händen des Meisters

Jeder von uns hat seine ganz speziellen Helden, ganz klar. Für mich zählt Marty Friedman zu den außergewöhnlichsten Musikern an den sechs Saiten, speziell seine Soloalben zeigen das enorme musikalische Potenzial – und das sowohl in kompositorischer als auch in technischer Hinsicht. Von tibetanischen, exotischen Atmosphären und Mönchsgesang, über zum Niederknien schöne Melodien und Phrasen (die allerdings auch manchmal haarscharf an der Grenze zum Spaghettiwestern stehen) bis hin zu technisch anspruchsvollen messerscharfen Metal-Riffs reicht das Repertoire des Künstlers, der seinen Wohnsitz vor einiger Zeit schon vom sonnigen Kalifornien nach Japan verlegt hat und dort sogar in TV-Shows zu sehen ist.

Marty Friedman ist schon viele Jahre Spieler der Instrumente von Jackson Guitars, die ihm erst kürzlich wieder ein neues Signature-Instrument gönnten: die Jackson MF-1. Die Klampfe ist in zwei Varianten erhältlich, einmal als sündhaft teures USA Customshop-Modell und einmal als Serienmodell aus indonesischer Fertigung mit einem deutlich niedrigeren Preis. Wir haben uns das Modell aus Indonesien mal zukommen lassen und werden schauen, ob die Jackson MF-1 den hohen Ansprüchen eines echten Virtuosen genügen kann.

Jackson Marty Friedman – Facts & Features

Wenn man jemandem die Form der Jackson Marty Friedman erklären sollte, dann könnte man es eigentlich mit den Worten „Les-Paul-Kopie“ bzw. „Singlecut“ tun. Tatsächlich aber bezeichnet der Hersteller das Design des Korpus als „Monarkh“ und abgesehen vom Singlecut-Shaping hat die MF-1 kaum etwas mit Gibsons Original gemeinsam. Besonders auffällig ist die breite Kante an der Decke, die von einem weißen Binding gefüllt ist, sowie die vier Potis bzw. deren ebenfalls weiße Knöpfe, die der Gitarre eine futuristische Optik verleihen.

Im Gegensatz zur absolut flachen Decke wurden auf der Rückseite des Korpus ein paar Fräsungen ausgeführt, die uns das Leben angenehmer machen. Neben dem „Shaping für den Bierbauch“ ist hier vor allem die Aussparung des Cutaways hervorzuheben, die der Greifhand einen exzellenten Zugang hinauf bis zum letzten Bund ermöglicht. Für den Korpus wurde das Holz „Nato“ verwendet, ein günstiger Ersatz für das allseits bekannte (und beim US-Modell der MF-1 verwendete) Mahagoni. Oben drauf sitzt eine Ahorndecke, so lautet zumindest die Angabe des Herstellers in den Specs zur Gitarre. Inwiefern das der Realität entspricht, lässt sich aufgrund der sauber lackierten Hochglanzoberfläche allerdings nicht sagen.

Wunderbar homogen wurde der Hals-Korpus-Übergang ausgeführt, auch das trägt bedeutend zur problemlosen Erreichbarkeit der oberen Lagen auf dem Griffbrett bei. Das besteht aus Palisander, was in Zeiten von CITES doch etwas verwundert, trägt 22 makellos eingesetzte Jumbobünde und fette Block-Inlays aus Perlmutt zur Orientierung. Ein besonderes Merkmal ist die Mensur der Jackson Marty Friedman, die mit 629 mm exakt einen Millimeter über der von Gibson liegt. Wer den Stil von Marty kennt, der weiß, dass er sehr gerne oft und zum Teil sehr exzessiv von Bendings Gebrauch macht. Und das geht um so besser bzw. gefühlvoller, je niedriger die Spannung der Saiten ist. Genau das soll diese Mensur ermöglichen und sie tut es auch: Selbst ich als eingefleischter Spieler von 009er Sätzen kam beim Bespielen der Gitarre, die ab Werk mit einem 10er Satz ausgeliefert wird, auf Anhieb gut zurecht.

Jackson Marty Friedman MF-1 back

Jackson Marty Friedman – Hardware & Elektrik

Ganz klassisch geht es bei der Hardware zu, hier sorgen eine ToM-Brücke sowie ein Tailpiece für die Aufnahme der Drähte, aufgezogen und gestimmt wird mit sechs Klemmmechaniken an der ebenfalls pechschwarz lackierten Kopfplatte. Die Qualität der Tuner geht so weit in Ordnung, sie tragen das Jackson-Logo, stammen also somit aus eigener und ziemlich wahrscheinlich fernöstlicher Produktion. Etwas unpräzise geht es beim Stimmen vor sich, das US-Modell besitzt übrigens Klemmmechaniken aus dem Hause Schaller.

Jackson Marty Friedman MF-1 tuner

Die sechs Hauseigenen Klemmmechaniken der Jackson Marty Friedman MF-1

Die komplette Hardware ist von einer schwarzen Chromschicht überzogen und somit kaum auf dem Hochglanzschwarz der Decke zu erkennen. Ein bisschen besser haben es da die beiden Humbucker, die am Hals und am Steg ihren Platz eingenommen haben. Unter deren schicken Brushed-Chrome-Finish verbergen sich zwei passive Tonabnehmer, die EMG zusammen mit Marty Friedman entwickelte und die dementsprechend auch den Namen des Künstlers tragen, MF Signature Pickups. Geschaltet und geregelt wird in klassischer Les-Paul-Manier: Zwei Potis sorgen für die Lautstärke des jeweiligen Pickups, zwei weitere dienen zum Einstellen des Klangs und ein Dreiwegeschalter trifft die Auswahl des gewünschten Pickups.

Jackson Marty Friedman MF-1 EMG

EMG Marty Friedman Signature Pickups

Während die vier Regler einen guten Eindruck vermitteln, dürfte der Schalter dem neuen Besitzer vermutlich nicht lange Freude bereiten. Er wackelt beachtlich in seinem Sitz, hier scheint man wohl den Rotstift bei der Kalkulation angesetzt zu haben. Meiner Meinung nach an der falschen Stelle bzw. unglücklich, denn der Pickup-Schalter zählt nun mal zu den am meisten genutzten Teilen einer elektrischen Gitarre. Aber wenn es dann mal zum Schalter-GAU gekommen ist, lässt sich das schon im Neuzustand fragil wirkende Teil mit relativ wenig Kosten- und Zeitaufwand über die Abdeckung auf der Rückseite wechseln. Die wurde versenkt eingesetzt, genauso wie auch der Deckel für das Elektronikfach, hier geht es also stets reibungslos zur Sache.

Jackson Marty Friedman MF-1 – in der Praxis

Nun also mal die Klampfe auf den Schoß gelegt und losgerockt! Die ersten Eindrücke sind allerdings eher durchwachsen, der Korpus aus Natoholz bietet im unverstärkt angespielten Zustand keine besonders großen Resonanzen und auch nicht übermäßig viel Sustain. Dafür geht die Tonansprache (Attack) in Ordnung, ebenfalls positiv hervorzuheben ist die gute Bespielbarkeit des Halses, auch wenn die Werkseinstellung unseres Testinstruments hier noch deutlich Luft nach oben bzw. unten besitzt. Die organischen Formen des Korpus, hier insbesondere der Bereich rund um das Cutaway und den Hals-Korpus-Übergang, bieten trotzdem beste Voraussetzungen zum bequemen Bespielen der höchsten Lagen auf dem Griffbrett.

Etwas nervig sind die nicht ganz korrekt polierten Oberflächen der Bünde, aber das Problem löst sich früher oder später von selbst, wenn man den ordentlich an den Saiten zieht. Und das macht hier wirklich großen Spaß, die kurze Mensur macht sich hier trotz der 10er-Saiten deutlich bemerkbar: Saitenzieher bis zu einer kleinen Terz (oder sogar noch ein kleines Stück darüber) sind selbst in den tiefen Lagen und auf den Basssaiten problemlos möglich.

Das zugegeben eher dürftige Klangbild der Grundkonstruktion wird von den beiden EMGs jedoch deutlich aufgewertet. Nicht nur dass die beiden Humbucker trotz ihrer passiven Bauweise über einen enormen Output verfügen, sie drücken dem etwas leblosen Grundsound der Gitarre zudem ein mittenbetontes und druckvolles Klangbild auf, das auch bei hohen Verzerrungen des angeschlossenen Amps nicht zusammenbricht. Na ja, zumindest dann nicht, wenn der EMG am Steg ausgewählt wird, sein Kollege am Hals kommt da schon eher ins Schwitzen.

Jetzt zu den Klangbeispielen, für die ich die Jackson Marty Friedman MF-1 an mein Test-Setup Orange Micro Dark und Celestion 1×12″ V-30-Box angeschlossen habe. Als Mikro diente ein AKG C3000, ehe das Signal in Logic ohne weitere Effekte aufgenommen wurde.

Im ersten Beispiel hören wir einen Cleansound, eingespielt mit beiden EMGs. Obwohl die Schaltung der MF-1 über kein Coilsplitting verfügt, klingen die beiden Humbucker im Duett auch unverzerrt recht crisp.

Im zweiten Beispiel bleiben wir bei den Cleansounds, nun ein Track eingespielt mit dem EMG in der Halsposition. Auch hier gibt es nichts zu meckern, der Klang ist recht ausgewogen mit einem leicht angehobenen Mitten-Höhen-Bild.

Jetzt rüber zu den Zerrsounds, mit denen sich die MF-1 deutlich am wohlsten fühlt. Die EMGs spielen hier ihr volles Potenzial aus und bieten einen bissigen Sound, der sich im Bandgefüge sicher gut durchsetzt. Im dritten Beispiel hören wir eine Session mit Overdrive, eingespielt mit dem EMG am Steg.

Nun der EMG in der Halsposition. Trotz der hohen Verzerrung bleibt der Klang recht transparent – und wuchtig ohnehin.

Dass sich beide EMGs auch parallel im High-Gain-Modus gut nutzen lassen, hören wir in Klangbeispiel 5:

Jackson Marty Friedman MF-1 body 2

Fazit

Die Jackson Marty Friedman MF-1 ist sicherlich keine schlechte Metal-Gitarre und entspricht in Großem und Ganzen den Erwartungen an ein Instrument dieser Preisklasse. Sie lässt aber noch eine ganze Menge Luft nach oben, die vermutlich vom US-Modell ausgefüllt werden kann. Der insgesamt leblose Grundsound der Nato-Mahagoni-Konstruktion wird von den beiden EMG Marty Friedman Signature-Pickups zwar gut kaschiert, echte Wunder können die beiden Humbucker allerdings nicht vollbringen, auch wenn sie sich redlich bemühen und auch bei unverzerrten Einstellungen ein durchaus brauchbares Bild abgeben.

Plus

  • insgesamt ordentliche Verarbeitung
  • gute Bespielbarkeit
  • EMG Marty Friedman Pickup-Set pimpt den Sound deutlich auf
  • coole Optik

Minus

  • müder Grundsound
  • fragiler Dreiwegeschalter
  • Bundoberflächen unzureichend poliert

Preis

  • Ladenpreis: 627,- Euro
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      Stephan Güte  RED

      Da wüsste ich noch ein paar andere Knaller …. „Go Off“ von Cacophony, Hangar 18 mit Megadeth, sein erstes Solo-Album „Dragons Kiss“ … der Mann ist guuuut ….!!

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