Test: Jackson Pro Soloist SL2Q, E-Gitarre

14. Juni 2020

High-Performance für die Mittelklasse

Jackson Pro Soloist SL2Q E-Gitarre

Jackson Pro Soloist SL2Q E-Gitarre

Heute haben wir wieder einen Leckerbissen für die Freunde der gepflegten Super-Strat auf der Karte! Die Jackson Pro Soloist SL2Q möchte eine Rundumversorgung für alle die bieten, die es gerne so richtig „heavy“ haben möchten. Mit zwei Humbuckern, einem Highspeed-Neck, der Wölkchenahorndecke sowie einem Floyd Rose Vibrato ist ihre Stammeszugehörigkeit zum Metal-Lager zweifellos schnell ausgemacht. Und was auf den ersten Blick recht teuer ausschaut, entpuppt sich als ein interessantes Angebot in der dauerhaft umkämpften 1000-Euro-Klasse, denn nur wenig mehr kostet das Instrument, das aus indonesischer Fertigung stammt und nun den Weg zu uns gefunden hat. Dass Jackson in der oberen Preisklasse mit ihren USA-Instrumenten hervorragende E-Gitarren bauen kann, dürfte allgemein bekannt sein. Doch wie ist der aktuelle Stand bei den Mittelklasse-Instrumenten aus Fernost? Machen wir den Test!

Jackson Pro Soloist SL2Q E-Gitarre

Jackson Pro Soloist SL2Q – Facts & Features

Die Basis der Pro Soloist SL2Q bildet ein Korpus aus Mahagoni, auf den eine Decke aus  Wölkchenahorn aufgeleimt wurde. Unser Testmodell besitzt das Finish „Transparent Green“, darüber hinaus ist die Gitarre noch in den drei weiteren Farben „Caribbean Blue Fade“, „Desert Sunset Sky“ sowie in dem hellen Farbton „Winterstorm“ zu bekommen. Das Finish deckt eine Hochglanzlackierung, die sehr sorgfältig ausgeführt wurde, zum Glück aber am Halsfuß ihr Ende findet. Was bedeutet, dass die Halsrückseite unbehandelt ist bzw. nur mit einer Satinschicht überzogen wurde und somit der Greifhand ein sehr schön natürliches Spielgefühl ohne Kleben und Schmieren vermittelt. Vom verwendeten Mahagoni sieht man hingegen nichts, denn die Rückseite des Korpus wurde komplett pechschwarz lackiert.

Einen schönen Kontrast zum eher dunklen Grünton der Decke bietet ein weißes Binding, das die Ränder an der Vorderseite umschließt und sich über die Seiten des Halses bis hinauf zur Kopfplatte erstreckt. Die erscheint im Matched-Design, besitzt also das gleiche grüne Finish wie der Body und wurde, wie gewohnt bei den Heavy-Gitarren von Jackson, extrem spitz am oberen Ende gestaltet. Da kann man den Bandkollegen schon mal übel eine mit verpassen, wenn’s sein muss!

Neck-Through-Body Konstruktion

Wir haben es bei der Pro Soloist SL2Q mit einer Neck-Through-Konstruktion im besten Sinne zu tun. An den bis zur Unterseite des Korpus reichenden Ahornhals wurden zwei Teile Mahagoni angeleimt, was zum einen ein fettes Sustain verspricht und sich zum anderen positiv auf das Schwingungsverhalten insgesamt auswirkt, das zeigt die Erfahrung. Weitere Bequemlichkeiten zeigen sich im Bereich des Hals-Korpus-Übergangs, der extrem breit gestaltet wurde, sodass selbst Bund Nummer 24 spielend leicht zu erreichen ist, sowie bei der Konstruktion des Ebenholzgriffbretts, das einen Compound-Radius besitzt. Im Bereich des Sattels sind es schon sehr moderne 12″, am letzten Bund bekommt man mit einem Radius von 16″ dagegen fast schon ein flaches Brett geboten. Akkorde und Riffs lassen sich also im unteren Bereich leichter greifen, während man beim Solieren jenseits der Oktavlage beste Voraussetzungen vorfindet.

Die Rückseite der Pro Soloist SL2Q

Die Hardware – Floyd Rose 1000 Vibrato

Es ist wahrhaftig nicht die erste E-Gitarre, die ich mit dem Fernost-Floyd-Rose zum Testen in den Händen halte – und es wird höchst wahrscheinlich auch nicht die letzte sein. Bislang gab es nur wenige Modelle, auf denen dieses günstige System befriedigend seinen Job verrichtete, oft hapert es am wichtigsten Punkt: der Stimmstabilität. Ich weiß nicht, was genau das Geheimnis von Jackson ist, um dem System die nötige Performance zu verpassen, aber in Falle unserer Pro Soloist SL2Q arbeitet das Floyd Rose System absolut stimmstabil und ermöglicht so einen beschwerdefreien und sorglosen Umgang selbst bei heftigstem Gebrauch. Das reicht von der völligen Erschlaffung der Saiten bis hin zu Up-Bendings von einem Ganzton, denn auf der Decke wurde unter dem Vibratoblock eine entsprechende Fräsung gesetzt, um dies zu ermöglichen.

Kompromisse muss man jedoch wieder mit dem Hebel eingehen, denn er wird wie üblich mit einer Hutmutter eingeschraubt und lässt somit nur die Wahl zwischen dem im Weg Stehen nach der Benutzung oder aber einem deutlichen Wackeln in seinem Sitz bei zu locker angezogener Verschraubung. Dennoch ist dies überraschend und man fragt sich, wieso das andere Hersteller nicht auch hinbekommen. Am anderen Ende der Saiten sitzen sechs Mechaniken aus eigener Fertigung des Herstellers, auch sie sind von der Qualität recht gut und besitzen ein kaum merkliches Spiel auf ihren Achsen. So wichtig sind die Tuner bei einem Klemmsattel natürlich nicht, dennoch ist es beruhigend zu wissen, dass man auch an dieser Stelle mit einer zuverlässigen und dauerhaft verlässlichen Hardware rechnen kann.

Jackson Pro Soloist SL2Q E-Gitarre Floyd Rose

Überraschend stimmstabiles Floyd Rose 1000 Vibrato

Seymour Duncan Pickups

Für die elektrische Abnahme hat man sich bei der Jackson Pro Soloist SL2Q für zwei Humbucker aus dem Hause Seymour Duncan entschieden. In der Halsposition sitzt ein SH-6 Distortion, während am Steg bzw. in diesem Falle am Vibratoblock ein TB-6 direkt und ohne Rahmen in die Decke eingepflanzt wurde. Beide Pickups verfügen über einen enorm hohen Output und sollten selbst den schwachbrüstigsten Amps ordentlich Beine machen. Die Auswahl erfolgt über einen Dreiwegeschalter, eingemeinsames Volume- und ein Tone-Poti komplettieren die elektrische Schaltung. Die griffgünstig auf der Decke platzierten Bedienelemente sind allesamt von der robusteren Sorte – der Schalter rastet knackig in seinen Positionen ein und die beiden Regler laufen wie in Butter und völlig frei von Spiel auf ihren Achsen. Sie sind zudem mit griffigen Metallknöpfen bestückt, die auch mit schweißnasser Hand jederzeit eine zuverlässige Bedienung ermöglichen.

Schade nur, dass man auf eine Singlecoil-Option verzichtet hat, somit stehen lediglich die Optionen Steg-Humbucker, beide Humbucker parallel oder eben der SH-6 in der Halsposition zur Auswahl. Aber mal ehrlich: Wer kauft sich solch eine Metal-Axt, um damit Cleansounds zu spielen? Und damit ab in die Praxis mit der Guten!

Jackson Pro Soloist SL2Q E-Gitarre Seymour Duncan

Jackson Pro Soloist SL2Q – Seymour Duncan Pickups mit reichlich Pfeffer unter der Haube!

Jackson Pro Soloist SL2Q – In der Praxis

Akustischer Grundsound/Handling

Bereits im unverstärkten Zustand bemerkt man auf Anhieb die Vorteile der Neck-Through-Konstruktion der Pro Soloist SL2Q. Der akustische Grundsound ist sehr kraftvoll, mittig ausgeprägt und kommt mit einem überaus kräftigen Sustain. Die Bespielbarkeit des Ahornhalses ist schlicht traumhaft, das schlanke Halsprofil mit seiner naturbelassenen Rückseite bietet, zusammen mit der perfekt eingestellten Saitenlage ab Werk, direkt aus der Box heraus eine hervorragende Performance! Trotz der flachen Saitenlage sind auf der gesamten Länge des Halses keine Artefakte wie etwa Schnarren oder Deadspots auszumachen und ich bin mir ganz sicher: Das ist genau die Art Arbeitsplatz, die sich der moderne Metal-Gitarrist für seine anspruchsvollen Spieltechniken wünscht! Arpeggien, Legato-Licks, Hammer-ons und Pull-offs schießen bei diesen Voraussetzungen nur so aus den Fingern.

Elektrischer Sound

Dieser überaus bissige Grundsound wird durch die Power der beiden Duncans noch ein Stück weiter getrieben. Ehrlich gesagt habe ich persönlich bislang kaum passive Pickups erlebt, die mit einem solchen Druck, einer derart hohen Ausgangsleistung auffallen und dabei auch noch eine solch saubere Artikulierung rüberbringen. Das Metier der Pro Soloist SL2Q ist ganz klar der verzerrte Bereich, hier bleiben kaum Wünsche offen, das reicht vom messerscharfen Klang des TB-6 am Steg, über die Kombination beider Pickups für etwas mehr Wärme bis hin zum voluminösen und bassigen SH-6, der auch bei Cleansounds eine mehr als schöne Figur abgibt.

Nebengeräusche sind beiden Humbuckern völlig fremd, das Gain am Amp darf ruhig bis in die Spitze getrieben werden und selbst dann klingen einzelne Töne immer noch sehr sauber und differenziert. Vielleicht hat man es aber auch ein Stück weit übertrieben, denn bei den Cleansounds muss man schon sehr vorsichtig mit dem Gain am Verstärker umgehen – ich habe es zum Beispiel kaum geschafft, die Pro Soloist SL2Q an meinem Orange Micro Dark zu wirklich sauberen Sounds zu animieren. Aber wie sagte ich bereits weiter vorne: Wer schafft sich solch eine reinrassige Meta-Gitarre an, um damit unverzerrte Sounds zu spielen?

Jackson Pro Soloist SL2Q E-Gitarre Headstock

Jackson Pro Soloist SL2Q – die Klangbeispiele

Für die Klangbeispiele habe ich die Jackson Pro Soloist SL2Q in meinen Orange Micro Dark mit angeschlossener 1×12″ Celestion Vintage 30 Box eingeklinkt. Aufgenommen wurden die Tracks mit einem AKG C3000 Mikrofon direkt in Logic Audio ohne weitere Effekte.

Fazit

Die Jackson Pro Soloist SL2Q ist eine echte Metal-Strat, ohne Wenn und Aber. Das Instrument ist ohne nennenswerte Mängel verarbeitet und besitzt mit dem flachen Halsprofil, den beiden äußerst potenten Seymour Duncan Pickups und dem absolut stimmstabilen Floyd-Rose-Vibrato die Zutaten, denen kaum ein Metal-Gitarrist widerstehen kann. Wer also auf der Suche nach einer tollen Metal-Strat ist und mit einem Budget von rund 1000,- Euro antritt, der sollte sich diese Klampfe dringend näher anschauen!

Plus

  • eminent druckvoller Sound
  • sehr gut verarbeitet
  • famose Bespielbarkeit
  • stimmstabiles FR-Vibrato
  • coole Optik

Minus

  • Pickups ohne SC-Option

Preis

  • 1049,- Euro
Klangbeispiele
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