Test: Joyo Aquarius, Gitarren Looper Pedal

13. Juni 2019

Ein Wassermann als Delay und Looper?

Joyo Aquarius Joyo Aquarius Gitarren Effekt Pedal

Joyo Aquarius Gitarren Effekt Pedal

Delays gibt es jede Menge auf dem Markt, bei Loopern verhält es sich da ganz ähnlich. Beides zusammen jedoch in einem Gerät und dann noch kompakt und im besten Fall günstig – da wird die Auswahl schon wieder kleiner. Prompt fiele mir da der Electro Harmonix Canyon ein, den wir ja bereits getestet haben. Ein Schelm, wer denkt, der Joyo Aquarius Gitarren Effekt Pedal sei das Pendant aus dem Fernen Osten, obwohl das Konzept schon auffällig ähnlich ist. Der Preis jedoch nicht, denn mit 75,- Euro ist der Wassermann aus dem Hause Joyo um mehr als die Hälfte günstiger als der Canyon von EHX. Der hat bei uns sehr gut abgeschnitten, von daher wollen wir mal schauen, ob und wie man für die Hälfte Kohle hier über die Runden kommt.

Joyo Aquarius Joyo Aquarius Gitarren Effekt Pedal

Joyo Aquarius Gitarren Effekt Pedal – Facts & Features

Klein und kompakt ist er schon mal, der Wassermann von Joyo. Das zweiteilige, aus gefalztem und blau eloxiertem Aluminium bestehende Gehäuse besitzt die schlanken Maße von 109 x 67 x 48 mm bei einem Gewicht von rund 250 g. Die Anschlüsse sitzen mal wieder an den Außenseiten, allzu viele gibt es zwar nicht, trotzdem aber kann das für den einen oder anderen auf dem Pedalboard zu Gerangel führen. Rechts geht es mono rein und links wieder mono raus, was die Kiste somit für die Zielgruppe, die es gerne in Stereo hätte, kategorisch ausschließt. Aber wir Gitarristen sind ja bescheiden und wenn das Ergebnis bzw. der gebotene Sound auch in Mono stimmt – dann geht das schon in Ordnung.

An der Stirnseite sitzt der Anschluss für das Netzteil, auch hier passt wieder jeder handelsübliche 9-Volt-Adapter. Im Lieferumfang befindet sich kein solches und mit Batterien ist beim Joyo Aquarius Gitarren Effekt Pedal ohnehin nichts zu erreichen. Also sollte man ein entsprechendes Netzteil mit einkalkulieren, soll das Pedal nicht in eine bereits bestehende Umgebung auf einem Pedalboard eingesetzt werden. Ein nützliches Gimmick hat man sich bei Joyo mit dem Einsatz von LEDs ausgedacht, denn neben einer LED auf dem Bedienpanel unweit des Preset-Schalters wird auch die Vorderseite des Gehäuses beleuchtet. Aus den Rändern des Gehäuses heraus pulsiert es blau im Rhythmus der aktuell angewählten Verzögerungszeit. Das sieht gut aus und ist vor allem sehr nützlich, zeigt sich aber in der Praxis leider mehr oder weniger als ein Eigentor. Dazu aber später mehr.

Die Delay-Time kann über zwei Wege eingestellt werden: Einmal natürlich über das Time-Poti und zum anderen per Fuß, denn der Metallschalter übernimmt gleich mehrere Funktionen: Mit ihm lässt sich der Looper schalten und natürlich sorgt er primär für das An- bzw. Ausschalten des Joyo Aquarius Delay Pedal. Eine Tap-Divide-Funktion, also eine rhythmische Unterteilung der Echos, finden wir beim Aquarius leider nicht. Aber eine Tap-Taste zum Eingeben der Verzögerungsdauer ist ja immerhin auch schon mal etwas und nicht unbedingt selbstverständlich. Vor allem nicht bei solch günstigen Geräten.

Joyo Aquarius Joyo Aquarius Gitarren Effekt Pedal

Joyo Aquarius Gitarren Effekt-Pedal – Bedienung

Das Aquarius Gitarren Effekt Pedal ist kinderleicht zu bedienen, da bedarf es keiner Anleitung. Wer sich trotzdem schlaumachen und über die gebotenen Effekte im DSP mehr erfahren möchte, der findet in der Verpackung des Pedals neben einem Satz Gummifüßchen zum Aufkleben ein kleines Handbuch, allerdings nur in englischer Sprache. Für alle aber hier und jetzt die Effekte, die mit dem Preset-Poti wählbar sind, inklusive der Beschreibung des Herstellers:

  • Digital Delay – For crisp note delays, retaining the shape and tone.
  • Analog Delay – For smooth rounded delays, gradually losing shape.
  • Tape Echo – Sounding like a tape echo, crisp modulating repeats.
  • Tube Echo – Sounding like a true tube and tape echo, gradually losing shape.
  • Reverse Echo – It makes everything backwards and shoegazy.
  • Low Bit – glitchy 8 bit, for some nice lo fi glitch repeats.
  • Galaxy – far out spacey, a little bit of glitchy reverse, out of this world …
  • Mod – adds chorus modulation to the repeats.

Die letzte Stufe des Preset-Potis gebührt dem Looper, der über eine Aufnahmezeit von satten 5 Minuten verfügt. Das Besondere beim Aquarius Gitarren Effekt Pedal ist die Möglichkeit, den Looper inklusive des gewählten Effekts zu betreiben und nach Aufnahme eines Loops sogar weitere Effekte hinzuzufügen. Und das ist noch nicht alles, denn im Looper-Modus übernehmen die Potis weitere Funktionen, so kann man das aufgenommene Material sowohl in der Lautstärke als auch im Klang beeinflussen. Eine weitere Möglichkeit, den Looper zu starten, ist ein simpler Druck auf den Looper-Knopf auf dem Bedienpanel ganz links. Die Loop-Funktion im Aquarius funktioniert insgesamt sehr gut, der Softklick-Schalter ermöglicht präzise Start/Stopp und Overdub-Befehle, sodass hier saubere Loops auf Anhieb gelingen.

Joyo Aquarius Gitarren Effekt Pedal – Zwischenfazit

Die Hardware hinterlässt einen guten Eindruck – führt man sich immer den Preis des Aquarius vor Augen. Das Gehäuse erscheint robust genug gegen grobe Fußtritte, die Potis wurden mit dem Gehäuse verschraubt, lassen sich butterweich drehen und befinden sich außer Reichweite des Metallschalters. Nervig ist nach wie vor die Positionierung der beiden Klinkenbuchsen an den Außenseiten des Gehäuses, hier müssen bei dem einen oder anderen wohl wieder Winkelstecker ran. Könnte man nicht einen Standard mit Buchsen an der Stirnseite einführen?

Joyo Aquarius Gitarren Effekt Pedal – In der Praxis!

An und für sich bietet das Joyo Aquarius Gitarren Effekt Pedal eine durchaus passable Klangqualität – wenn das enorme Grundrauschen nicht wäre. Sicher, im Einschleifweg eines betagten Röhrenamps oder im Livebetrieb/Proberaum mag das nicht zu sehr auffallen, in ruhiger Umgebung aber umso mehr. Dabei rauschen die Presets alle unterschiedlich stark, der Low-Bit-Modus bringt sogar noch ein leichtes Pfeifen ins Spiel, wie man im folgenden Klangbeispiel hören kann. Ich habe hier bewusst die ersten 6 Sekunden leer laufen lassen, um einen Eindruck von der Geräuschkulisse zu bekommen. Für die Klangbeispiele wurde mein Referenz-Amp Orange Micro Dark mit angeschlossener Celestion 1×12″ V30 Box benutzt, als Mikrofon kam ein AKG C3000 zum Einsatz. Weitere Effekte wurden keine benutzt, lediglich die Pegel wurden in Logic Audio angepasst.

Und noch etwas fällt auf: Das Pulsieren der LED ist im Signal durch ein deutliches Pochen zu hören. Abhilfe schafft hier leider nur das Ausschalten dieser überaus nützlichen Funktion, dazu gibt es auf der Unterseite einen kleinen Schalter, der dies ermöglicht.

Im zweiten Beispiel hören wir das Preset „Analog Delay“. Die Effektqualität geht vollkommen in Ordnung für ein Gitarren Effekt Pedal dieser Preisklasse, die Repeats besitzen eine leicht analoge Färbung und verwaschen auch bei vielen Wiederholungen nicht zu sehr.

Kaum vom gerade gehörten „Analog Delay“ ist das „Tape Echo“ des Joyo Aquarius Gitarren Effekt Pedals zu unterscheiden:

Im vierten Beispiel das „Digital Delay“ – alles so, wie es sein sollte. Das was rein geht, geht auch genau so wieder raus. Zum Glück dünnt der Aquarius das Signal nicht auch noch aus, das Pedal wirklich nur mit dem unterschiedlich starken Grundrauschen der einzelnen Presets zu kämpfen.

In Beispiel 5 das Preset „Reverse“. So richtig rückwärts will es zwar nicht klingen, der Effekt ist aber trotzdem cool und kreativ einsetzbar, wie ich finde.

Abschließend die Kreation „Galaxy“ aus dem Haus Joyo. Ein absolut sauber klingendes Delay, dem ein paar Reverse-Effekte hinzugefügt wurden, die das Signal modulieren.

Joyo Aquarius Delay Pedal

Fazit

Wenn das liebe Rauschen nicht wäre … Dann wäre der Joyo Aquarius sicher noch viel universeller einsetzbar. Im Effektweg eines alten Amps mit entsprechender Umgebung kann man zur Not mit diesem Problem leben, im Studio aber oder bei Sessions in ruhiger Umgebung wird das sicher schnell alle Beteiligten nerven. Für Einsteiger eine interessante Kiste, für Profis und Delay-Freaks dann doch eher ein Spielzeug.

Plus

  • solide Hardware
  • ausreichende Effektauswahl
  • simple und einfach zu bedienende Looper-Funktion

Minus

  • starkes Grundrauschen
  • Pulsieren der LED im Effektsignal hörbar
  • Effekte klingen teilweise sehr ähnlich
  • nur Mono

Preis

  • Ladenpreis: 75,- Euro
Klangbeispiele
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