Test: Kawai MP10, Stagepiano

Sounds & Effekte

Die Klänge des Kawai MP10 sind in drei verschiedene Sektionen eingeordnet. Jede Sektion verfügt über einen separaten On/Off-Button, so dass man die gewünschte Sektion zunächst anschalten muss. Sind mehrere Sektionen parallel angeschaltet, erklingen die Sounds als Layer. Maximal können somit drei Sounds aus verschiedenen Sektionen gleichzeitig gespielt werden. Split-Sounds sind leider nur in Verbindung mit der MIDI-Sektion möglich. Dazu später mehr. Doch nun zunächst zu den einzelnen Klängen:

Piano

Wie schon bei der Tastatur, legt Kawai auch bei den Sounds einen klaren Fokus auf Piano und E-Piano. In der Abteilung der akustischen Pianos findet man insgesamt neun Presets. Drei Konzertflügel, drei eher Pop-lastige Pianos und drei Jazz-Varianten. Die Klangqualität aller Sounds ist überdurchschnittlich hoch und sollte auch den höchsten Ansprüchen genügen. Wer mit den Presets dennoch nicht hundertprozentig zufrieden ist, der findet mit Hilfe des sogenannten „Virtual Technican“ sicherlich seinen Wunschsound. Saiten-Resonanz, Dämpfergeräusche, Stereobreite, Hammerrückfallgeräusche und noch einiges mehr können je nach Belieben verändert werden. Solch detailreiche Einstellungsmöglichkeiten sind schon absolute Oberklasse für Stagepianos, und das hört man dem MP10 auch an. Mit in die Piano-Sektion integriert sind zwei Effektblöcke, wobei einer reine Hall/Reverb Presets liefert, der andere Block dagegen für Effekte wie Chorus, Flanger, Delay, Rotary, Wah etc. zuständig ist. Insgesamt gibt es sieben Hall-Typen und 25 Effekte aus der zweiten Kategorie. Die Qualität der Effekte ist sehr gelungen und sowohl live einzusetzen als auch als Anreicherung der Sounds für Studio-Aufnahmen zu gebrauchen.

E-Piano

Auch in der E-Piano Sektion findet man insgesamt neuen Sounds. Angeboten werden drei Rhodes, drei Wurlitzer Sounds sowie zwei Clavinets und ein FM-Piano. Auch hier ist die Klangqualität sehr gut, und die Sounds sind wirklich gelungen. Für die unterschiedlichsten Anforderungen ist man mit diesen Sounds sehr gut ausgestattet. In Sachen Effekte bietet die E-Piano Sektion eine kleine Besonderheit. Neben Reverb und zwei weiteren Effektblöcken kann man die E-Piano Sounds auch durch einen virtuellen Amp schicken. Grade wer auf dreckige Rhodes Sounds steht, kommt hier voll auf seine Kosten.

Sub

Die dritte Sektion mit dem Namen Sub beherbergt weitere neun Klänge aus den verschiedensten Bereichen. Hier findet man Streicher, Pads, Vibraphon und Harpsichord und ein Chor Preset. Da der Fokus des MP10 wie bereits erwähnt klar auf Piano und E-Piano Sounds liegt, dienen die Presets der Sub-Sektion eher als Vervollständigung der Soundpalette, die sehr gut im Layer mit den Sounds der anderen beiden Sektionen harmonieren. Auch hier gibt es insgesamt zwei Effektblöcke, wobei der erste wieder ausschließlich für Reverb zuständig ist, der zweite die Modulationseffekte beherbergt.

Die beschriebenen Effekte können allesamt in ihren Eigenarten verändert werden. Neben der Effekttiefe können bei den Hall-Programmen beispielsweise PreDelay und Reverb-Time individuell angepasst werden. Bei den Modulationseffekten ist dies ebenfalls möglich. Hier können u.a. die Parameter Speed, Drive und Feedback verändert werden. Zusätzlich gibt es noch einen 3-Band-Equalizer mit parametrischen Mitten, der global zur Klangbearbeitung hinzu geschaltet werden kann. Die Frequenzen für Lo- und Hi-EQ sind fest eingestellt, die Mitten lassen sich von 355 – 2.500 Hz durchstimmen. Die maximale Veränderung von -9 bis +9 dB geht in Ordnung, und der EQ greift durchaus gekonnt in den Klang ein.

MIDI

Neben den drei beschriebenen Sound-Sektionen hat das Kawai MP10 auch eine vierte MIDI-Sektion mit an Bord. Externe Controller können so vom MP10 aus angesteuert werden. Sowohl Bank MSB/LSB als auch Programm Change Befehle können vom Kawai ausgesendet werden. Der Fader der MIDI-Sektion dient voreingestellt als Controller für die Lautstärke (CC 7). Die vier um das Display herum befindlichen Knobs können ebenfalls individuell zum Senden von Control Change Befehlen genutzt werden. Ebenso kann das MP10 auch MMC Kommandos senden, so dass beispielsweise. auch DAWs ferngesteuert werden können. Die MIDI-Sektion kann auch als Split in Verbindung mit den internen Sounds genutzt werden. Beispielsweise kann man so einen Bass via MIDI Out ansteuern und diesen in Verbindung mit den Pianos des MP10 spielen.

Piano, E-Piano und EQ

Piano, E-Piano und EQ

Sub & MIDI Sektion

Sub & MIDI Sektion

Edit & Aufnahme

Nicht nur die Effekte lassen sich in ihrer Charakteristik verändern, sondern auch alle Sounds der drei Sektionen Piano, E-Piano und Sub. Unter anderem lassen sich die Attack-, Decay- und Release-Time verändern sowie einige Einstellungen an den Filtern vornehmen. Zur Speicherung aller persönlichen Einstellungen stehen insgesamt 156 Speicherplätze zur Verfügung. Angeordnet in 26 Bänken à 6 Setups werden die gespeicherten Setups schnell wieder aufgefunden.

Mit in das MP10 integriert hat Kawai auch einen Aufnahme-Rekorder. Dieser kann sowohl MIDI- als auch Audio-Aufnahmen bewerkstelligen. Maximal 10 MIDI-Songs können im internen Zwischenspeicher belassen werden, müssen vor Abschalten des Gerätes jedoch auf einen USB-Stick gespeichert werden. MIDI-Aufnahmen kann das MP10 auch eigenständig in MP3- oder WAV-Aufnahmen umwandeln.

Display

Display

Einsatzgebiet & Vergleich

Wer braucht es nun das Kawai MP10 ? Fakt ist, das MP10 gehört mit absoluter Sicherheit in den Oberklassebereich der Stagepianos. Ausschlaggebend ist somit nicht die Qualität, sondern ganz einfach das Einsatzgebiet und das persönliche Budget. Wer vorwiegend sehr gute Sounds und eine sehr gute Tastatur sucht, der ist beim MP10 absolut richtig. Wer mit seinem Stagepiano viel auf Reisen ist und dazu noch mehr Wert auf ein breit gefächertes Soundrepertoire legt, der sollte sich einmal die Konkurrenten Roland RD-700NX oder Yamaha S90XS anschauen oder auch der kleinere Bruder des MP10, das Kawai MP6. Ebenso könnte die FP-Serie von Roland oder die CP-Serie von Yamaha interessant sein.

Fazit

Kawai stellt mit dem Stagepiano MP10 ein sehr gutes Oberklasse-Gerät vor. Der Fokus liegt klar auf sehr guten Piano und E-Piano Klängen, die in Verbindung mit der sehr guten Tastatur wunderbar funktionieren. Die Bedienung, die Optik und die generelle Qualität stimmt einfach beim MP10. Alles in allem ein sehr gutes Gerät, welches die Produktpalette von Kawai nach oben abschließt. Einzig allein das individuelle Einsatzgebiet als Live- oder Studio-Piano kann einen hier vom Kauf abhalten. Der Preis von aktuell rund 2.000,- Euro geht vollkommen in Ordnung dafür.

Plus

  • sehr gute Tastatur
  • sehr gute Sounds
  • einfache intuitive Bedienung
  • gute Effekte und Klangbearbeitungsmöglichkeiten

Minus

  • -

Preis

  • UVP: 2.350,- Euro
  • Straßenpreis: 2.079,- Euro
Klangbeispiele
Forum
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    t.bechholds  AHU

    Das „Problem“, welches ich sehe, dass mit den Digitalpianos kein persönlicher Sound zu erreichen ist. Ich habe sogar den subjektiven Eindruck, das die Dinger seit 1990 alle gleich klingen… irgendwie.
    Auf diesem Sektor fehlt mir die ganz große innovative Maschine. So ein virtuelles Monster… „bauen Sie sich Ihren Flügel selber – VST“ .. :)

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      Nostradamus

      Mit einem akustischen Klavier bekommst du auch keinen „persönlichen“ Sound, mit einem auf Samples basiertem Piano ebenfalls nicht. Auch wenn du das Wörtchen „Problem“ in Anführungsstriche setzt, verstehe ich die Zielrichtung deines Kommentars nicht so recht. Allenfalls mit dem Pianoteq Plugin wärst du aufgrund der vielen einstellbaren Parameter in der Lage, den Klang den eigenen Vorstellungen entsprechend anzupassen. Vorausgesetzt, du magst den Grundklang von Pianoteq.

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      Organist007  

      bin ich ganz Ihrer meinung
      Habe auch ziemlich lange gesucht
      V piano ist mir doch zu teuer
      Deshalb setze ich auf ein doepfer lmk2
      Und ein GEM rpx modul
      Zusammen rund 1000 euronen
      Und fuer e pianos nehme ich mein Fender rhodes baujahr 1972
      :-)

  2. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Und was ist mit dem V-Piano von Roland? Da kannst du ja z.B. das „Material“ der Saiten verändern..

  3. Profilbild
    Organist007  

    ich bleibe bei meinem doepfer lmk2
    Gebraucht rund 500 euronen
    Plus ein GEM rpx modul
    Das hält

    Fuer e pianos nehme ich mein fender rhodes baujahr 1972

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